Zurzeit treffen sich in Südafrika die Vertreter der BRICS-Staaten. Das Kunstwort BRICS wurde gebildet aus den Anfangsbuchstaben von fünf aufstrebenden Staaten, die wirtschaftlich lange in der zweiten Reihe standen: Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Der Gipfel ist hochkarätig besetzt; Chinas Präsident Xi Jinping, Brasiliens Oberhaupt Lula da Silva, Südafrikas Cyril Ramaphosa und Indiens Premierminister Narendra Modi werden erwartet. Für Russland hat sich Außenminister Sergej Lawrow angekündigt. Wladimir Putin verzichtet auf ein Erscheinen; wohl um Südafrika diplomatische Verwicklungen zu ersparen. Bekanntlich hat der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag einen Haftbefehl gegen Putin erlassen.
Das spannendste Thema der Konferenz dürfte ein möglicher Devisen-Coup sein. Die selbstbewussten Fünf lassen nämlich ihre Experten und Währungstechniker sehr laut darüber nachdenken, ob und wie sie eine Konkurrenz zur Weltleitwährung US-Dollar schaffen könnten. Schließlich entfallen nur 10% des Welthandels auf die USA und viele Rohstoffe kommen aus den BRICS-Staaten. Warum sollten die BRICS sich also weiter vom Dollar abhängig machen? Erhöhen die USA beispielsweise die Zinsen, müssen die BRICS nolens volens nachziehen, sonst flieht das Kapital. Verhalten sich einzelne BRICS-Staaten aus Sicht der USA „ungebührlich”, droht ihnen zudem der Ausschluss aus dem US-Dollar-Raum. Gerade nach dem Sanktions-Tsunami gegen Russland gewinnt das Nachdenken über eine Loslösung vom Dollar an Dynamik, besonders in China. Da die möglichen Konfliktfelder zwischen Peking und Washington perspektivisch nicht weniger werden dürften, wird man in China sehr genau beobachtet haben, wie die USA und ihre Verbündeten den US-Dollar und die internationalen Zahlungsverkehrssysteme zu Mitteln der Sanktionspolitik umfunktioniert haben.
Ein eigener Währungsraum, zudem einer, der mit Gold unterlegt ist, wäre eine Unabhängigkeitserklärung gegenüber der westliche (Währungs-)Welt und deren FIAT-Geldsystemen. Dennoch, so sagen Experten, dürfte vom Gipfel in Südafrika allenfalls ein Anstoß zur „Ent-Dollarisierung” der BRICS ausgehen. Einer der Gründe: Die BRICS begäben sich mit der neu geschaffenen Währung in die Abhängigkeit von China, das mit Abstand die stärkste Volkswirtschaft des Wirtschaftsraums hat. Die neue Währung wäre damit vor allem ein aufgebohrter Renminbi. Gerade Putin, durch seinen Ukraine-Krieg einigermaßen klamm – und eine weitere Umklammerung Chinas fürchtend –, würde das kaum gefallen. Falls Russland, das die Gerüchte zunächst gestreut hatte, bei den Währungsplänen schließlich ausschert, dürfte die Luft erst einmal aus dem Projekt raus sein. Vorerst zumindest. Laut gedacht wird weiter werden, und der nächste Gipfel kommt bestimmt.
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