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Kolumnist: Ralf Flierl

Rechts angetäuscht …




11.07.24 09:15
Ralf Flierl

… und scharf links abgebogen


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Faustdicke Überraschung


„Neue Volksfront“ gegen Deutschland?


 


Auch für Deutschland wäre eine französische Regierung der „Neuen Volksfront“ alles andere als positiv. Jean-Luc Mélenchon, Anführer des linken Wahlbündnisses und Chef der Partei "La France Insoumise" (Das unbeugsame Frankreich), gilt als geradezu passioniert deutsch-feindlich und dürfte für Berlin ein schwieriger Partner werden. Sogar mit einem Ende französischer Atomstromlieferungen an das energiegewendete Deutschland wurde schon gedroht, allerdings nicht nur von den ganz Linken, sondern auch von den ganz Rechten. Würde das EU-Führungsduo Deutschland/Frankreich außer Tritt geraten, so wird dies Konsequenzen für die gesamte EU haben und für neue Unsicherheiten sorgen. Eine linkspopulistische Regierung in Frankreich dürfte dann wohl durch deutsche Zugeständnisse und Transfers beschwichtigt werden, bevor es zum Äußersten käme – dennoch ein absehbar kostspieliger Weg. Noch ist diese Regierung aber nicht gebildet und Mélenchon führt zwar die stärkste Fraktion an, verfügt jedoch selbst nicht über eine eigene Regierungsmehrheit. Es wird also innerhalb Frankreichs zunächst Richtung Kompromiss gehen.


 


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Erstaunlich gelassen


 


Das scheinen auch die französischen Aktienhändler so ähnlich zu sehen. Würden sie eine neue Politik in Form der linkspopulistischen Maximalforderungen erwarten, hätten sie sich bereits am Montag massenhaft von französischen Aktien getrennt und der CAC 40 wäre gecrasht. Tatsächlich ging es zunächst aber nur moderat bergab, gefolgt von einem etwas schwächeren Dienstag und einer ersten Erholung am heutigen Mittwoch. Darin steckt eine klare Aussage, zumal die politischen Nachrichten ein willkommener Vorwand gewesen wären, um den bereits etablierten übergeordneten Abwärtstrend wieder aufzunehmen. Die Schwäche des CAC 40 gegenüber dem DAX 40 ist dennoch augenfällig. Ebenfalls bemerkenswert: Im Gegensatz zum politischen Meinungsjournalismus war an der Pariser Börse kein Aufatmen über die Niederlage des RN zu beobachten. Schließlich waren es nicht bürgerliche oder marktwirtschaftliche Kräfte, die den RN abfingen, sondern Linkspopulisten. Aus Aktionärssicht wurde da also lediglich der „Teufel“ mit dem „Beelzebub“ ausgetrieben.


Wenn die Rechnung nicht mehr aufgeht


Zu den politischen Turbulenzen in Europa gesellt sich eine Wirtschaftslage, in der keine Lichtblicke zu erkennen sind. So ist in Deutschland die Zahl der Insolvenzen noch stärker gestiegen als es ohnehin schon befürchtet worden war. Der Kahlschlag erfolgt vor allem im Bereich der Klein- und Mittelbetriebe, die unter Auftragsflaute sowie mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten leiden und nicht zuletzt aufgrund immer neuer bürokratischer und fiskalischer Gängelungen letztlich das Handtuch werfen (müssen). Dazu kommt die in vielen Unternehmen ungeregelte Nachfolgefrage. Ein Negativ-Cocktail, der auch manch gestandenen Unternehmer ans Aufgeben denken lässt, zumal die Sinnhaftigkeit unternehmerischer Tätigkeit in einem solchen Umfeld immer schwerer zu argumentieren ist. Was wir hier sehen, sind keine Konjunkturwellen oder -dellen. Hier zeigt sich eine strukturelle Verschiebung zu Lasten jener Betriebe, die oft als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft beschrieben werden. Die Politik wäre gut beraten, ihr Ohr öfter jenen zu schenken, die den Laden am Laufen halten. So hörten wir zuletzt aus Unternehmerkreisen, dass nach dem Sommer keine Besserung der Lage zu erwarten sei. Im Gegenteil: Was sich schon jetzt ankündigt, wird dann wohl in einen noch deutlicheren Negativtrend münden.


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Probleme trotz Rückenwind


Paradoxerweise sind manche der auch politisch bestens vernetzten Großunternehmen sogar Profiteure dieser Entwicklung. Wenn Mittelständler als Anbieter und Konkurrenten ausfallen, verbessert das die Position der Großen – selbst ohne den in eigener Sache ohnehin betriebenen Lobbyismus. Denn je mehr die Bürokratie wuchert, desto häufiger bleiben nur die Schwergewichte einer Branche übrig, die den staatlich geforderten Mehraufwand auf eine genügend breite Basis ablasten können. Auch Krieg und Aufrüstung begünstigen große Konzerne. Umso mehr lässt aufhorchen, dass Volkswagen (WKN Vz.: 766403), wo Politik und Gewerkschaften traditionell stark ins Lenkrad greifen, nun auf Schwierigkeiten aufmerksam machen musste. Betroffen ist das Brüsseler Werk, das möglicherweise sogar vor dem Aus stehen könnte. Dort wird mit dem Q8 e-tron eines der hochpreisigen Flaggschiffe der Konzerntochter Audi gefertigt. Das Fahrzeug wurde für den e-mobilen Zeitgeist produziert – und ist trotzdem ein Ladenhüter. Es sind aber gerade die Oberklassefahrzeuge, die jene Margen einspielen, die im Produktmix von entscheidender Bedeutung für das Gesamtunternehmen sind. Wir befürchten, dass uns in den nächsten Monaten noch weitere Hiobsbotschaften aus der deutschen Industrie erreichen werden.


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Blick in den fernen Osten


Was also liegt näher, als sich mit seinen Anlagen verstärkt im Ausland umzusehen. Unter dem Gesichtspunkt von Mischung und Streuung ist das ohnehin immer eine gute Idee. In der aktuellen Ausgabe Smart Investor 7/2024 haben wir dies beispielsweise mit unserer Titelgeschichte „Japan – Steht eine Supernova bevor?“ getan. Das Land steht zwar ebenfalls vor mannigfaltigen Herausforderungen, geht bei seinen Lösungsversuchen aber in vielerlei Hinsicht dezidiert andere Wege als Westeuropa. Nun muss man gar nicht entscheiden, welcher dieser Lösungsansätze letztlich der erfolgreichere sein wird, aber eine Ergänzung des eigenen Depots um die japanische Art der Krisenbewältigungsstrategie sollte eine sinnvolle Diversifikation darstellen. Dies umso mehr, als der Nikkei 225 gerade erst wieder neue Allzeithochs erzielen konnte. Welchen japanischen Titel wir für unser Musterdepot erwerben wollen, lesen Sie hier https://www.smartinvestor.de/category/anlegen/musterdepot/.


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Widerstreitende Kräfte


Wer sich gänzlich außerhalb des Aktienbereichs bewegen will, wurde zuletzt immer öfter bei Kryptowährungen, namentlich dem Bitcoin fündig. Dem fulminanten Aufschwung der letzten Monate folgte nun eine kleine Katerstimmung. Seit vergangenem Freitag zeigen sich allerdings wieder erste Stabilisierungsversuche. Der Bitcoin fiel im Tagesverlauf zunächst bis auf 53.500 USD, konnte sich dann aber auf ca. 56.600 USD erholen. Seitdem verläuft der Markt seitwärts. Obwohl weiter mit sogenannten Verleiderverkäufen jener Anleger gerechnet werden muss, die den Bitcoin zu Höchstkursen um 70.000 USD erworben haben, sollte auch die starke Pro-Bitcoin-Lobby nicht unterschätzt werden. In den Anfangstagen war Bitcoin ein Exot, den kaum jemand auf dem Radar hatte, heute ist er in der etablierten Finanz- und Bankenwelt angekommen und wird von einigen Adressen kräftig promoted. So gehört unser Musterdepotwert MicroStrategy (WKN: 722713) unter dessen Chef Michael J. Saylor zu denen, welche die Werbetrommel mit am lautesten rühren.


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Zu den Märkten


In der letzten Ausgabe hatten wir das Entlangkriechen des DAX an seiner aktuell flachsten Aufwärtstrendlinie thematisiert. Streng genommen müsste man schon wieder eine neue, flachere Linie einzeichnen. Die Botschaft wird aber auch so klar. Dem DAX fehlt es weiter an Aufwärtsdynamik und der bisherige Trend fächert sich immer weiter nach unten auf. In der Vorwoche schrieben wir an dieser Stelle, dass der Index sich über kurz oder lang aus seiner eingepferchten Lage zwischen Widerstandslinie und Aufwärtstrend befreien wird müssen. Das tat er dann unmittelbar darauf tatsächlich, nur, um vier Handelstage später erneut in dieser Zone zu landen. Ein klassisches Fehlsignal, das sich auch an den langen Dochten der beiden Candles von Freitag und Montag festmachen lässt. Hier versuchte der Index jeweils nach oben durchzustarten wurde aber unmittelbar wieder eingefangen. Dieses Kursverhalten wirkt umso bedrohlicher, als man in dem gesamten Kursverhalten seit Ende Februar so etwas wie eine sich über Monate aufbauende Schulter-Kopf-Schulter-Formation erkennen könnte. Hier gilt es also genau zu beobachten, ob die Nackenlinie hält, oder ob der DAX noch einmal von der Schippe springen kann. Ohne einen großen Befreiungsschlag wird die Situation kritisch. Lediglich die schlechte Stimmung für deutsche Aktien gehört aus Contrarian-Sicht derzeit zu den Positivfaktoren.


Die zweite Runde der französischen Parlamentswahl hat die meisten Beobachter auf dem falschen Fuß erwischt. Während allenthalben vor der Gefahr von rechts gewarnt wurde, kam sie tatsächlich von links. Nach der ersten Wahlrunde am 30.6. war allgemein noch ein regelrechter Durchmarsch von Marine Le Pens Rassemblement National (RN) für die Stichwahlen erwartet worden. Das entpuppte sich als grandiose Fehlprognose. Letztlich war es das Linksbündnis „Nouveau Front Populaire“ („Neue Volksfront“) das als eigentlicher Wahlgewinner durch die Ziellinie ging, gefolgt von Emmanuel Macrons Bündnis „Ensemble“. Für den RN blieb nur Platz 3. Das Wahlprogramm der „Neuen Volksfront“ hat es in sich: Im Prinzip soll der ganze sozialistische Instrumentenkasten aus Mindestlohnerhöhungen, Preisstopps, Absenkung des Rentenalters und massiven Steuererhöhungen für „Reiche“ abgearbeitet werden. Sogar ein Einkommensteuer-Spitzensatz von 90% ist im Programm. Austrians stehen jedem einzelnen wirtschaftspolitischen Programmpunkt der Linkspopulisten ablehnend gegenüber und haben dafür vor allem ein gutes Argument – es wird nicht funktionieren, weil es noch nie funktioniert hat.


Fazit


Die französische Parlamentswahl endete mit einer faustdicken Überraschung. Die Märkte nehmen es bislang relativ gelassen, wohl auch, weil es den linkspopulistischen Wahlsiegern an einer eigenen Parlamentsmehrheit fehlt.

Ralf Flierl, Ralph Malisch


 








 
 
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