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Kolumnist: Ralf Flierl

Gold glänzt …




18.07.24 11:59
Ralf Flierl

Gold glänzt … 

… und Big Tech ist out 


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Titelbild: © Sashkin – stock.adobe.com


Das dreifache Hoch 


Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Donald J. Trump am 5. November zum nächsten Präsidenten der USA gewählt werden. Bereits jetzt positionieren sich Kapitalanleger angesichts des erwarteten Wahlausgangs. Die Profis versuchen abzuschätzen, welche Folgen eine Trump-Präsidentschaft auf verschiedene Investments haben wird. Gefragt sind Unternehmen, die von einer angenommenen künftigen Trump-Politik profitieren werden. Dagegen werden die Papiere jener Unternehmen abgestoßen, deren Geschäfte unter Trump mutmaßlich schlechter laufen werden. An der Börse wird das Morgen schon heute ver- und gehandelt.

Auffällig ist ein Investment, das derzeit fast im Hintergrund nach oben strebt – Gold. Ende April erreichte der Goldkurs seine bis dahin höchste Notierung, fiel dann wieder zurück, schaffte den Gipfel aber einen Monat später erneut, fiel zurück und klettert sechs Wochen später, im Juli, abermals fast bis um Gipfel. Dann kam der Mordanschlag auf Trump während einer Wahlveranstaltung in Pennsylvania. In den Folgetagen erreichte der Kurs des gelben Metalls zum dritten Mal den Gipfelpunkt und stieg sogar darüber hinaus!


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Einerseits – so darf man annehmen – aus einem Gefühl der Unsicherheit heraus. Die Kugel des Attentäters wäre fast tödlich gewesen, verletzte Trumps Ohr. Wäre der populäre Kandidat der Republikaner bei dem Attentat getötet worden, so wäre die amerikanische Demokratie, gerade verstrickt in einen giftigen Wahlkampf, womöglich an den Rand eines Bürgerkriegs geraten. Allein der Gedanke, wie fragil die Situation ist, lässt verunsicherte, vorausschauende Anleger zum Gold greifen. Das treibt den Kurs. 

Andererseits – und das ist paradox – steigt der Goldkurs auch wegen eines Gefühls wachsender Sicherheit: Wird Trump Präsident, was nach dem Attentat und den ikonischen Bildern noch wahrscheinlicher geworden ist, so wird er nach Ansicht vieler Experten eine lockere Geldpolitik verfolgen und Mittel finden, die eigentlich unabhängige US-Zentralbank Fed auf solchen Weg zu bringen. Erwartet wird von daher ein schwächerer Dollar und das lässt bereits jetzt den Goldkurs klettern.

Die zunehmend unwahrscheinliche Alternative ist eine Neuauflage der Biden-Präsidentschaft. Selbst der Mainstream kommt nicht länger umhin, dessen desolaten Gesundheitszustand zu bemerken, wenn auch widerwillig. Aber selbst eine weitere Biden-Amtszeit würde keine solidere Geldpolitik bedeuten, denn das US-Establishment ist – im Gegensatz zu Trump – auf die große Konfrontation mit Russland gebürstet und die wird ganz sicher inflationär sein. Gold ist so oder so im Spiel. 


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Das doppelte Tief 


Noch ist Jerome Powell Chef der US-Notenbank Fed. Er spricht vor dem US-Kongress bemerkenswerte Sätze und gab sich überzeugt, die Dollar-Inflation endlich in den Griff zu bekommen. Sorgen aber bereitet ihm neuerdings die Abkühlung am Arbeitsmarkt. Die Statistik stützt die Worte des obersten US-Währungshüters. Der amerikanische Consumer Price Index (CPI) sinkt. Er liegt im Juni bei +3,0% im Jahresvergleich, im Vormonat waren es noch +3,3%. Anleger reagierten schnell und scharf. Abzulesen ist das an den Börsenkursen. 

Während der Blue Chip-Index S&P 500 seit Jahresbeginn um rund 18% gestiegen ist, sieht die Kursentwicklung bei den großen Zahlungsdienstleistern Visa (WKN: A0NC7B) und Mastercard (WKN: A0F602) anders aus. Bis zum April folgten sie zwar der Kursentwicklung des S&P 500, dann aber setzte dieser zum Höhenflug an, während die Notierungen der zwei großen Kreditkartenunternehmen verfielen. Sie kamen fast wieder dort unten an, wo sie zu Jahresanfang standen. Was könnte hinter der aufgehenden Schere in der Kursentwicklung zwischen den Kartenbetreibern und dem Index stecken? Anleger vermuten, dass die Zahlungsabwickler unter der Kaufzurückhaltung der zunehmend klammen Konsumenten leiden werden. Aber auch hier könnten Auswirkungen einer durch das Attentat wahrscheinlicher gewordenen Trump-Präsidentschaft zu spüren sein. Denn die Kurse von Mastercard und Visa zuckten zuletzt leicht nach oben. Aktuell scheint eine wirtschaftsfreundliche und konsumorientierte Politik der Republikaner eingepreist zu werden. Ob diese Überlegungen der Anleger richtig sind, wird sich im Herbst herausstellen. 


Rotation 


Der Arbeitsmarkt kühlt ab in den USA, die Konsumlaune der Verbraucher ist womöglich gedämpft (s.o.). Dennoch springt der Kurs des marktbreiten Russell 2000-Index an. Im Russell 2000 sind US-Nebenwerte gelistet. Viele Nebenwerte dürften von der erwarteten Wirtschafts- und Weltpolitik eines im Herbst gewählten Präsidenten Trump profitieren. Agile Anleger, die auf seinen Wahlsieg setzen, kaufen sich bereits jetzt am Aktienmarkt entsprechend ein. Dafür werden Aktien des Segments Big Technology verkauft, bei Nvidia, Microsoft usw. sinken derzeit die Kurse. Mitglieder des deutschen Leitindex DAX dürften ebenfalls eher auf der Verkaufsliste internationaler Börsenhändler stehen. Hiesigen Unternehmen drohen neue Zölle auf Exporte in die Vereinigten Staaten, sollte der Ex-Präsident und „America first“-Verfechter erneut Präsident werden. 


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Zu den Märkten


Beim DAX geht es tatsächlich so weiter, wie wir es schon in den letzten Wochen beobachten konnten. Im Wesentlichen schleicht sich der Index weiter kraftlos an seinem abgeflachten Aufwärtstrend nach oben. Parallel entsteht seit dem Frühjahr eine mögliche Schulter-Kopf-Schulter-Formation, die ebenfalls die abnehmende Aufwärtsdynamik widerspiegelt. Es ist die rechte Schulter, in der das mögliche Problem sichtbar wird. Denn diese Aufwärtsbewegung erreicht kein weiteres Hoch und ist damit ein früher Hinweis auf eine Trendunterbrechung. Ein Trendende muss das nicht notwendigerweise werden.

Sieht man sich die Handelstage seit letztem Mittwoch genauer an, dann lässt sich bis Freitag sogar eine halbwegs dynamische Aufwärtsbewegung beobachten. Diese fand am Montag ein jähes Ende. Seitdem sinkt der Index, ebenfalls einigermaßen dynamisch. Das bedeutsamste Ereignis zwischen diesen beiden Phasen war der Anschlag auf Trump am Samstag, durch den die Trump-Präsidentschaft noch wahrscheinlicher geworden ist (s.o.). Davon könnten die deutschen Exporte negativ betroffen sein, aber auch weltanschaulich fremdelt das politische Deutschland mit einem möglichen US-Präsidenten Trump wie kaum ein anderes Land. Zudem werden im Rahmen der NATO-Verpflichtungen weitere Belastungen auf Deutschland zukommen, was wiederum die desolate Haushaltslage noch weiter verschärfen wird. All das ist aber nur das „Sahnehäubchen“ auf den hausgemachten Problemen. Der DAX könnte erst einmal ein Underperformer unter den internationalen Aktienindizes bleiben.  


Fazit


Das fehlgeschlagene Attentat auf Donald Trump, den derzeit aussichtsreichsten Bewerber um die US-Präsidentschaft, sorgte in der Presse für helle Aufregung. Die Märkte reagierten vergleichsweise gelassen, wenn auch ein Favoritenwechsel innerhalb der bevorzugten Aktiengruppen spürbar wurde. Wer sich nicht auf Wahlspekulationen einlassen will, der macht mit Gold keinen Fehler.

Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch


 








 
 
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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
521,30 $ 518,54 $ 2,76 $ +0,53% 17.04./22:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
US57636Q1040 A0F602 601,50 $ 480,60 $
Werte im Artikel
4.836 plus
+0,95%
317,02 plus
+0,61%
521,30 plus
+0,53%
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
443,30 € +0,73%  17.04.26
Frankfurt 446,00 € +0,81%  17.04.26
Düsseldorf 443,80 € +0,59%  17.04.26
Nasdaq 521,33 $ +0,55%  17.04.26
NYSE 521,30 $ +0,53%  17.04.26
Stuttgart 442,70 € +0,43%  17.04.26
Xetra 442,90 € +0,29%  17.04.26
Hamburg 442,40 € +0,23%  17.04.26
Hannover 442,40 € +0,23%  17.04.26
AMEX 521,83 $ +0,22%  17.04.26
München 441,95 € +0,19%  17.04.26
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