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Kolumnist: Ralf Flierl

Verlierer Varta …




25.07.24 15:31
Ralf Flierl

… Lehren aus einem Debakel 


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Titelbild: © BMMP Studio – stock.adobe.com


Wachsende Unsicherheit


Die Welt wird unsicherer. So sieht es jedenfalls eine Mehrheit der professionellen Anleger. Gleich zwei einschlägige Kursbarometer legen das nahe. Der Volatilitätsindex VIX misst die Schwankungsbreite des amerikanischen Blue Chip-Index S&P 500. Nach zehn ruhigen Wochen schoss er in den Tagen nach dem Attentat auf den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump in die Höhe und ist noch nicht wirklich wieder zurückgekommen. Der zweite Unsicherheitsanzeiger ist Gold. Dessen Kurs, in USD gemessen, begann das Jahr zunächst unauffällig, fing seit Mitte Februar aber an, recht kontinuierlich zu steigen und hat jetzt bereits einen Gewinn von +16% im laufenden Jahr erreicht.

Es dürften multiple Krisen aber auch die erwartete weitere Zins- und Inflationsentwicklung sein, welche die Anleger zum Edelmetall als ultimativer Rückversicherung greifen lassen. Im brandneuen Smart Investor 8/2024, der zum Wochenende erscheint, werden wir uns ausführlicher mit dieser Thematik beschäftigen, unter anderem in unserer Rubrik „Das große Bild“. Die Weltlage bleibt angespannt. Im Ukrainekrieg muss trotz Friedensinitiativen nach wie vor mit einer Eskalation gerechnet werden. Auf der anderen Seite der eurasischen Platte baut China seine Machtstellung weiter aus und bleibt der Herausforderer der USA in Sachen Weltpolitik und Weltmärkte.


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Die USA haben derzeit jedoch eigene Probleme, die man in China nur vom Hörensagen kennt: Das Land befindet sich im Wahlkampf. Nach dem Attentat reckte Donald Trump trotzig die Faust in die Luft, was ihn schon wie den sicheren Sieger gegen Amtsinhaber Biden aussehen ließ. Die Märkte passten sich an, wobei typische Trump-Aktien favorisiert waren. Insbesondere ein Titel machte regelrechte Kurskapriolen. Auch hierzu mehr im neuen Smart Investor 8/2024. Dann folgte der nächste Schlag. Gerade als die Anleger geglaubt hatten, ihre Depots entsprechend angepasst zu haben, zog der amtierende Präsident Joe Biden die Reißleine. Möglicherweise wurde sie für ihn gezogen. Mit einem solchen Kandidaten wäre sogar ein Wahlbetrug völlig unglaubwürdig gewesen. Als Nachfolgerin empfahl er seine Vizepräsidentin Kamala Harris. Damit ist eine Frau im Rennen, die unmittelbar vor dem Trump-Attentat eigentlich nicht mehr ernsthaft als Nachfolgerin gehandelt wurde, wohl aber zu Beginn von Bidens Amtszeit. Der Spieltheoretiker Prof. Dr. Christian Rieck hat einige interessante spieltheoretische Überlegungen zu diesem Vorgang angestellt. Der Ausgang des Wahlkampfs um das machtvollste Amt der Welt ist damit wieder offen, zumal die Phalanx der Anti-Trump-Medien nahtlos vom Team Biden in das Team Harris umgeschwenkt ist. Nun darf offen gesagt werden, dass Biden „tattrig“ bzw. „greise“ ist. War das Alter bislang Bidens sichtbarster Malus und wurde medial entsprechend tabuisiert, darf das Thema nun intensiv bespielt werden, weil es gegen Trump gewendet werden kann. Damit punktet Harris in drei „hochrelevanten“ Kategorien: sie ist nicht männlich, nicht weiß und nicht alt. Wer will da noch nach Fähigkeiten oder Inhalten fragen?!
Anleger sind abermals verunsichert, welches Ticket am Ende die Nase vorn haben wird. Die offizielle Nominierung von Harris dürfte aber nur noch eine Formsache sein. Fragen wie diese halten den VIX hoch, der von Beobachtern auch als Unsicherheitsanzeiger begriffen wird. Heute kommen die schlechten Geschäftszahlen des Autobauers Tesla hinzu, auch die Berichte von Google und der Deutschen Bank werden nicht goutiert.


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Kette der Verlierer 


Aber es geht auch noch sehr viel schlimmer. Einst Wirecard und Deutsche Telekom (WKN: 555750), jetzt Varta (WKN: A0TGJ5) und BayWa (WKN: 519406): Mit diesen Aktien haben Privatanleger viel Geld verloren. Zwei Lehren, zum Teil teuer erkauft, sind zu ziehen. 

Lehre Nr. 1:  Der Verfall ist über Wochen und Monate sichtbar. Bei Varta stürzte die Kursnotierung zu Wochenanfang um 70% auf rund 3 EUR. Das klingt nach viel und ist es auch. Zudem schien es überraschend zu passieren. Aber nein, es geschieht nicht überraschend. Solch ein heftiger Kursrückgang kündigt sich an durch eine Reihe vorhergehender Kursverluste. Bei Varta wiederholt sich ein Kursabstiegsmuster, welches vor gut zwei Jahrzehnten schon bei der Telekom ablief und bei der Wirecard-Aktie vor einigen Jahren erneut zu erleben war. 

Man kann solche Geschichten von massiven Kursrückgängen ausführlich wie einen Roman erzählen; auch epische Netflix-Serien ließen sich daraus stricken. Für Aktienanleger mit großer Lernbegierde bei knappem Zeitbudget reicht die konzentrierte Kurzerzählung, welche ein Chartverlauf bietet. Solche Charts aggregieren und protokollieren die Urteile der Anleger. Die handelstägliche Reihung der Anlegerurteile macht den Trend sichtbar. Dreht der Trend nach unten, dann sollten Anleger reagieren. Je steiler der Abwärtstrend ist, desto härter sollte die Reaktion sein. Reagieren die Anleger nicht, sondern fangen stattdessen an zu glauben und zu hoffen, dann wird der Markt sie bestrafen: häufig mit noch viel herberen Verlusten. 

Lehre Nr. 2: Wenn in einem massiven Abwärtstrend vermehrt Experten aufzutreten beginnen, welche Zweifler abqualifizieren, wenn in Mainstream-Medien Durchhalteparolen verbreitet werden: Dann müssen weder die Experten unrecht haben, noch müssen die Parolen von vornherein falsch sein. Aber smarte Investoren werden aufmerksam, vor allem auf den Umstand, dass solche Einschätzungen inflationär in den Medien auftauchen. Sie prüfen selbst die Fakten. Ihre valideste Nachrichtenquelle ist und bleibt der Kurs. Kein Experte, keine noch so schöne Geschichte und auch keine Kaufempfehlung kommt gegen den Kurs an.  Die Kursnachricht lag für Varta heute Vormittag bei 1,68 EUR. Der Kurs ist Nachricht, Zukunftsurteil und Entscheidungshilfe zugleich.

In einer der nächsten Ausgaben werden wir uns noch etwas intensiver mit den „Falling Champions“ der deutschen Industrie beschäftigen.


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Die Schlauen bauen … 


… und die noch Schlaueren kaufen Aktien vom US-Häuserbauer D.R. Horton (WKN: 884312). Zumindest in der Rückschau scheint es so. Mit dem Kurs von D.R. Horton ging es in den letzten Tagen steil bergauf. Aus Gründen: 

- Zuerst wurden Sätze, die Fed-Chef Jerome Powell kürzlich vor dem amerikanischen Kongress sprach, von hellhörigen Marktbeobachtern als verklausulierte Ankündigung von baldigen Zinssenkungen gedeutet. Projektentwickler und Bauherren mögen niedrige Zinsen.
- Dann stiegen nach dem überstandenen Attentat die Chancen von Donald Trump, im November erneut Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Trump gilt als Anhänger niedriger Zinsen. 
- Schließlich präsentierte D.R. Horton in der vergangenen Woche schöne Geschäftszahlen und einen noch schöneren Ausblick. Besser ging es kaum: Lage, Zinsen und Aussichten stimmen. So schoss der Kurs hoch. 

Wie geht es weiter, ist das Pulver verschossen? Niemand weiß die Antwort. Aber es gelten Wahrscheinlichkeiten. Tritt der interessierte Investor einen Schritt zurück und schaut auf die längerfristige Perspektive, dann zeigt sich, dass die Aktie seit Jahren ein Liebling der Anleger ist. Warum sollte sich das ändern, ausgerechnet jetzt, da die Zinsen womöglich sinken und in der Folge mit anziehender Baukonjunktur in den USA gerechnet werden darf?


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Zu den Märkten


Der DAX scheint inzwischen hoch mit der US-Innenpolitik korreliert zu sein. Zuletzt sahen wir die Negativentwicklung nach dem gescheiterten Trump-Attentat. Deutschland, insbesondere die deutsche Politik hat ihre liebe Not mit dem Kandidaten der Republikaner. Da das überstandene Attentat eine Trump-Präsidentschaft wahrscheinlicher gemacht hatte, wurden die Notierungen im DAX nach unten genommen. Auf diese Weise wird möglicher Gegenwind für die deutsche Exportwirtschaft ebenso antizipiert wie eine allgemeine Verschlechterung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses.
Mit dem Ausstieg von Amtsinhaber Joe Biden aus dem Präsidentschaftsrennen wurden die Karten erneut gemischt. Derzeit läuft alles auf eine Kandidatur seiner Vizepräsidentin Kamala Harris zu, die allerdings noch nicht offiziell nominiert ist. Nicht nur der bundesdeutsche Medienmainstream reagierte erleichtert und rührt seitdem kräftig die Werbetrommel für die mutmaßliche Herausforderin. Entsprechend machte der DAX am Montag einen Freudensprung und prallte damit von der Nackenlinie der Schulter-Kopf-Schulter-Formation nach oben ab. Um die Aspekte solcher Formationen geht es ebenso in der neuen Ausgabe des Smart Investor im Bereich „Charttechnik“. 


Fazit


Im Wochentakt ändern sich derzeit die Rahmenbedingungen in der US-Innenpolitik. Nun also wird Kamala Harris aufs Schild gehoben, eigentlich eine schwache Kandidatin, die sich aber der vollen Unterstützung des medialen Mainstreams sicher sein kann. Das Rennen um die US-Präsidentschaft wird wieder spannend.

Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch


 








 
 
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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
29,45 € 29,06 € 0,39 € +1,34% 17.04./20:49
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0005557508 555750 34,41 € 25,99 €
Werte im Artikel
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+5,52%
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Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
29,45 € +1,34%  20:49
Düsseldorf 29,44 € +1,97%  19:31
Hannover 29,56 € +1,86%  11:05
Xetra 29,59 € +1,65%  17:35
Hamburg 29,54 € +1,51%  19:22
München 29,45 € +1,41%  20:28
Stuttgart 29,45 € +1,41%  20:20
Frankfurt 29,47 € +1,38%  20:10
Nasdaq OTC Other 34,09 $ -1,73%  20:23
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