Erweiterte Funktionen


Kolumnist: Ralf Flierl

Lernen von den Großen




22.08.24 09:10
Ralf Flierl

Wie Buffett, Druckenmiller und die Staatsfonds anlegen 


600 pixels wide image


Die Fed wird nett


Die Mehrheit der Börsianer glaubt das, zumindest hofft sie es. Denn zuletzt verschreckten Rezessionsmeldungen aus den USA die Anleger. Der erste Reflex ist dann immer, nach dem Meister der Märkte, Jerome Powell, zu rufen. Denn der ist Chef der US-Zentralbank Fed und kann trudelnde Märkte und Anleger retten – solange sie an ihn und an die Werthaltigkeit des Dollars glauben. Jerome Powell wird am Freitag im teuer-idyllischen Städtchen Jackson Hole, Wyoming, im Rahmen eines international besetzten Notenbanker-Symposions eine Rede halten. Vor zwei Jahren verkündete er in Jackson Hole, die Inflation entschlossen zu bekämpfen. Seitdem hob die Fed die Zinsen an und Powell gab den Hardliner. 


600 pixels wide image


Buffetts Beauty


Mittlerweile ist Warren Buffett 93 Jahre alt. Aber kein bisschen müde. Die Börsenlegende kauft sich gerade im großen Stil bei Ulta Beauty (WKN: A0M240) ein, der großen US-Kosmetikkette. Vor kurzem erst hat Buffett die riesige Apple-Position (WKN: 865985) seiner Investmentholding Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) halbiert. Smart Investor Weekly berichtete vergangenen Mittwoch darüber. Einen Teil des großen Cash-Bestandes von Berkshire Hathaway nutzt der Altmeister für das Ulta Beauty-Engagement – man vermutet runde 266 Mio. USD. Zunächst klingt Buffetts neue Investmentidee wenig aufregend. Für scharfe Rechner, dazu dürfte Buffett gehören, hat sie jedoch Charme. Immerhin liegt Ulta Beautys jährliche Umsatzwachstumsrate bei geschätzten 11%. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital lag in den letzten fünf Jahren bei über 26%.

Auch Stanley Druckenmiller ist eine Legende in der Geldbranche. Sein Rat: „Man muss sich die Situation in achtzehn Monaten vorstellen. Dort wird der Kurs dann sein; nicht dort, wo er heute ist.“ So verdiente „Druck“ mit Nvidia (WKN: 918422) eine Menge Geld. Jetzt aber gibt er die Papiere in den Markt. Laut amtlichen Unterlagen hat er im zweiten Quartal 88% seiner Nvidia-Aktien verkauft. Dem Chef des Duquesne Family Office wird eine feine Börsennase nachgesagt. Gekauft hat er Mid-America Apartment Communities (WKN: 889495) und Philip Morris International (WKN: A0NDBJ).

Dan Loeb, Gründer des Hedgefonds Third Point, kaufte zuletzt beim taiwanesischen Chipmaker TSMC (WKN: 909800) zu. Begründung: Die Branche wird sich zyklisch erholen, das strukturelle Wachstum wegen KI wird bleiben. Ebenfalls auf dem Einkaufszettel des Profis stehen der Steckerproduzent Amphenol (WKN: 882749) sowie der große Software-Entwickler Roper Technologies (WKN: 883563).


600 pixels wide image


Strategie der Nordmänner 


Nicht nur US-Milliardäre verstehen es zu investieren. Auch der norwegische Staatsfonds beherrscht die Disziplin der renditestarken Geldanlage, und es ist nicht ehrenrührig, sich genauer anzuschauen, wie die Nordmänner das aktuell machen. Immerhin schafften sie dieses Jahr bereits einen Anlagegewinn von 8,6%. Ihr Staatsfonds hält – Überraschung – Aktien von Ulta Beauty für aktuell 210 Mio. USD. Man wird in Oslo dem Kosmetikkonzern wohl eine ähnlich ertragreiche Zukunft prophezeien wie das „Orakel aus Omaha“. Bei den Aussichten des Chipentwicklers und -produzenten Nvidia ist man optimistischer als US-Starinvestor Stanley Druckenmiller (siehe oben). Zwar vergrößerte der Staatsfonds die Nvidia-Position nicht. Allein aufgrund der Kursgewinne stieg der kalifornische KI-Spezialist aber auf Position 3 der Hauptbeteiligungen der Norweger. Auf Platz 1 liegt Microsoft (WKN: 870747), auf Platz 2 Apple (WKN: 865985). 

Die Ränge 4 und 5 nehmen Alphabet (WKN: A14Y6H) und Meta (WKN: A1JWVX) ein. Überraschungen oder gar Geheimtipps sind solche Namen nicht. Vielleicht ist gerade das die Erfolgsstrategie der Norweger: Auf Unternehmen zu setzen, die über Jahre bewiesen haben, technologisch führende Produkte herzustellen, für welche Konsumenten auf der ganzen Welt bereit sind, gutes Geld zu bezahlen, da sie ihr Leben besser machen. 


Fazit


Von den Großen, vorzugsweise von jenen, die selbst erst an der Börse groß geworden sind, zu lernen, dürfte die beste Börsenausbildung überhaupt sein, denn in diesen Solitären treffen „Skin in the game“ und Expertise auf einzigartige Weise zusammen. 

Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch


 








 
 

Aktien des Tages

RSS Feeds




Bitte warten...