Weitere Suchergebnisse zu "Nvidia Corp":
 Aktien    


Kolumnist: Ralf Flierl

Auf der schiefen Ebene




05.10.23 10:53
Ralf Flierl

Von einem Anlauf zur Jahresendrally noch keine Spur


 kostenlos in der Online-Ausgabe lesen >>> hier klicken!


600 pixels wide image


Titelbild: © alex.pin – stock.adobe.com


„Wiesn ist nur einmal im Jahr“


Mit dem gestrigen Tag der Deutschen Einheit ist in München das 188. Oktoberfest zu Ende gegangen. Nicht nur das durchgängig schöne Wetter, sondern auch die Dauer von 18 Tagen sorgten für eine echte Ausnahme-„Wiesn“. 7,2 Mio. Besucher strömten dieses Jahr auf die Theresienwiese – Besucherrekord! Zwar floss auch das Bier in Strömen durch die durstigen Kehlen, doch der Bierkonsum hat abgenommen. 6,5 Mio. Maß waren es in diesem Jahr, wobei zu berücksichtigen ist, dass es einen Trend zu alkoholfreien Getränken gibt, die in dieser Zahl nicht enthalten sind. Auch beim Essen zu überwiegend gesalzenen Preisen saß der Geldbeutel locker wie eh und je. Von Wirtschaftskrise also keine Spur?! Nicht ganz. Denn das größte Volksfest der Welt spielt auch beim Ausgabeverhalten eine Sonderrolle, denn Wiesn ist nur einmal im Jahr, wie es in einem der beliebten Festzelt-Hits heißt.


September-Blues


In dem Maße, wie sich die Bierschwaden lichten, tritt die harte Realität zutage und die bietet wenig Anlass zur Freude – insbesondere für Börsianer. Nachdem der September, traditionell der schlechteste Börsenmonat des Jahres, über lange Strecken vergleichsweise glimpflich verlaufen war, ging ihm auf den letzten Metern die Puste aus. Per Saldo schloss der DAX 40 (s.u.) mit einem Minus von -3,5%, womit sich auch der September 2023 nahtlos in die Statistik einreiht. Mit dem Oktober keimte Hoffnung auf Besserung, da dieser in der langjährigen Statistik nicht ganz so negativ ist, obwohl zwei der bedeutendsten Aktien-Crashs – der von 1929 und der von 1987 – just in diesen Monat fielen. Ansonsten gilt der Monat aber bereits als Auftakt bzw. Anlauf für die Jahresendrally, ebenfalls ein statistisches Phänomen, das zu den ausgeprägtesten kalendarischen Börsenphänomenen gehört. Allerdings sollte man solche Saisonalitäten immer auch vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse und Entwicklungen sehen, die in einzelnen Jahren schwerer wiegen können als jede Statistik.


600 pixels wide image


 


Kein „goldener“ Oktober


Dass auch der Oktober eher kein „goldener“ werden würde, zeigt sich direkt am Goldpreis. Das gelbe Metall machte nicht nur einen ungewöhnlich kräftigen Satz nach unten, es fiel damit auch auf Kurse zurück, die zuletzt im März 2023 registriert wurden. Ähnlich sieht es beim „kleinen Bruder“ Silber aus, das ebenfalls Ende September einen Schwächeanfall erlitten hatte, der bis in den Oktober hineinreichte – ein klassischer Fehlstart. Neben der verschlechterten charttechnischen Situation, insbesondere aufgrund des Durchschlagens wichtiger Unterstützungsmarken, macht die Zinsentwicklung Sorgen. Die Fed-Offiziellen hatten zuletzt klargemacht, dass mit schnellen Zinssenkungen nicht zu rechnen sei, obwohl der US-Realzins mit +0,9% p.a. bereits wieder in den Positivbereich gewechselt hatte. In Deutschland dagegen ist der Realzins mit -1,7% p.a. zwar weiter stark negativ, wenn auch ansteigend, aber der deutsche Realzins spielt für die Goldpreisfindung keine nennenswerte Rolle. Entscheidend ist das Zins-/Inflationsgefüge im US-Dollar-Raum und das sieht für Gold weiter nicht positiv aus. Die (Real)Zinsdifferenz führt zudem zu einer stetigen Abschwächung des Euros, der gegenüber dem US-Dollar von einem Spitzenwert bei 1,12 USD/EUR im Juli auf zuletzt rund 1,05 USD/EUR zurückgefallen war. Diese Dollarstärke ist aufgrund des historisch immer wieder zu beobachtenden Antagonismus zwischen US-Dollar und Gold ebenfalls ein Belastungsfaktor für Edelmetalle, der aber für Euro-Anleger aufgrund der Währungsverschiebung nur abgeschwächt spürbar wird. An den langfristig sehr positiven Aussichten für Edelmetalle ändert sich nichts. Gegenüber den immer weiter entwerteten Fiatgeldern sind Gold und Silber perspektivisch die klar bessere Alternative.


Mattes Betongold


Der anhaltende Zinserhöhungszyklus lastet naturgemäß nicht nur auf Gold, sondern auf allen Asset-Klassen. Besonders stark ist der heimische Immobilienmarkt betroffen – ein Thema, dem wir uns ausgiebig in der Titelstory „Immobilien – unter Wasser und umkreist“ des aktuellen Smart Investor 10/2023 gewidmet haben. Dort werden nicht nur die Konsequenzen für Immobilienaktien aufgezeigt, es wird auch auf jene Nischen aufmerksam gemacht, in denen „Betongold“ selbst unter erschwerten Rahmenbedingungen für die Investoren noch funktioniert. 


Globale Taktgeber


Entscheidend für die weitere Entwicklung sind aber die US-Aktienmärkte, allen voran der NASDAQ 100, in dem sich die Performance-Stars der vergangenen Hausse-Monate versammelt haben. Dagegen hatte der traditionelle Blue-Chips-Index S&P 500 schon in der Aufwärtsphase das Nachsehen und hinkte den Tech-Werten lediglich hinterher. In der Spitze war der NASDAQ 100 im laufenden Jahr um rund 45% gestiegen. Das war im Juli. Solche Wachstumsraten sind aber nicht einmal in der besten aller Welten durchzuhalten, zumal diesen Zahlen längst nicht bei allen Indextiteln ein vergleichbares, nachhaltiges Wachstum der Unternehmensgewinne gegenübersteht. Entsprechend teuer war der Markt in der Zwischenzeit geworden. Das von Wirtschaftsnobelpreisträger Richard Shiller entwickelte CAPE-Ratio (Cyclically Adjusted Price-to-Earnings) signalisiert mit einem Wert von aktuell 28,91 sogar für den zurückgebliebenen S&P 500 ein gewisses Gefahrenpotenzial, auch wenn der Wert – zusammen mit den Kursen – zuletzt leicht gefallen war.


600 pixels wide image


 


Angeschlagenes Dreigestirn


Unabhängig von der Bewertung zeigen auch die Chartbilder beider Indizes, dass hier gerade eine Top-Bildung abgeschlossen werden könnte. In beiden Indizes zeigt sich ein klarer Trendwechsel, der sich als Abfolge tieferer Hochs und Tiefs manifestiert. Seit Jahresbeginn stehen beim NASDAQ 100 aktuell „nur“ noch +34% und beim S&P 500 noch +11% auf der Uhr. Entscheidender aber ist die Richtung und die zeigt in beiden Fällen aktuell abwärts. Fast noch bedrückender sind die Chartbilder der drei führenden NASDAQ-Performer des laufenden Jahres – Nvidia (WKN: 918422), Meta Platforms (WKN: A1JWVX) und CrowdStrike Holdings (WKN: A2PK2R). Meta Platforms (grün) erreichte sein letztes Hoch mit dem Markt Ende Juli, beim Top-Gewinner Nvidia (gelb) war dies Ende August der Fall und CrowdStrike (rot) stieß erst Mitte September vorläufig (?) oben an. Obwohl sich alle drei Titel noch nicht in einem Abwärtstrend befinden, ist das Ausbleiben neuer Hochs, wie wir es bei Meta Platforms sehen, ein Warnsignal für den Trend. Wohlgemerkt, das sind keine Nachzügler, sondern die aktuell immer noch führenden Aktien des Marktes.


600 pixels wide image


 


600 pixels wide image


 


Zu den Märkten


Erneut enttäuschte der DAX 40 die Anleger. Zwar gab es zum September-Ultimo die erwartete Pull-back-Rally, doch scheiterte diese lehrbuchmäßig am Ausbruchsniveau (oranger Balken) von rund 15.500 Punkten. Die 200-Tage-Linie, die immerhin noch steigt, wurde nicht einmal mehr erreicht. Insbesondere der kraftvolle Abwärtsschub nach dem Pull-back muss als trendbestätigend für einen Abwärtstrend gewertet werden.

Allerdings geht auch ein solcher Trend regelmäßig nicht in einem Rutsch nach unten, sondern wird üblicherweise durch kleinere und größere Gegenbewegungen durchbrochen. Uns erscheint eine unmittelbare Rally zu diesem Zeitpunkt zwar noch ein bisschen übereilt, allerdings hatte der heutige Handelstag bereits einen positiven Aspekt zu bieten: Nachdem der Markt zunächst mit einem Abwärts-Gap eröffnet hatte, konnte dieses im weiteren Sitzungsverlauf geschlossen werden. Per Redaktionsschluss dieser Ausgabe wurde das erreichte Kursniveau gehalten. Ob die Gap-Schließung mehr als ein bloßes Pflichtprogramm war, muss sich in den nächsten Tagen zeigen.


Fazit


 


Die anhaltend hohen Zinsen fordern ihren Tribut. Die Märkte bleiben auf der schiefen Ebene.

Ralf Flierl, Ralph Malisch


 








 
 
hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
208,20 $ 199,57 $ 8,63 $ +4,32% 24.04./23:41
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
US67066G1040 918422 212,15 $ 104,08 $
Werte im Artikel
208,20 plus
+4,32%
674,93 plus
+2,40%
448,08 plus
+0,60%
-    plus
0,00%
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
177,68 € +4,04%  24.04.26
Düsseldorf 177,66 € +4,84%  24.04.26
Frankfurt 178,40 € +4,61%  24.04.26
Xetra 178,82 € +4,44%  24.04.26
NYSE 208,26 $ +4,32%  24.04.26
Nasdaq 208,20 $ +4,32%  24.04.26
AMEX 208,22 $ +4,30%  24.04.26
Stuttgart 177,58 € +4,21%  24.04.26
Hamburg 177,30 € +4,04%  24.04.26
München 177,70 € +3,85%  24.04.26
Hannover 177,72 € +2,65%  24.04.26
  = Realtime
Aktien des Tages

Meistgelesene Artikel
Aktuelle Diskussionen
RSS Feeds




Bitte warten...