Erweiterte Funktionen


Kolumnist: Ralf Flierl

Der Trump-Trade




25.01.24 14:32
Ralf Flierl

Welche Aktien profitieren?


600 pixels wide image


Titelbild: © Taras – stock.adobe.com


Beim Russell rappelt‘s


Am laufenden Band besiegt Donald Trump die Gegenkandidaten aus der Republikanischen Partei. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der frühere US-Präsident als Oppositionsführer am 5. November 2024 bei den US-Präsidentschaftswahlen gegen den derzeitigen Amtsinhaber Joe Biden antreten. Trump werden gute Gewinnchancen zugebilligt. Das hat Auswirkungen auf den Aktienmarkt und Anleger positionieren sich bereits. Am vorigen Mittwoch hat Smart Investor Weekly darauf hingewiesen und seinen Lesern gute Gewinne ermöglicht. Aber der Trump-Trade ist noch nicht vorbei.

„The Donald“ könnte als neuer US-Präsident eine wirtschaftsfreundlichere Politik anstreben als Biden. So jedenfalls ist die Erwartung von vielen Beobachtern, und an den Börsen werden bekanntlich Erwartungen gehandelt. Trump wäre gut für Kohle-, Öl- und Stahlkonzerne. Vor allem aber dürften der Mittelstand und kleine bis mittlere Börsenunternehmen profitieren. Dazu passt, was Thomas Polach, Leiter Portfoliomanagement bei Haberger Asset Management, im Gespräch mit Smart Investor Weekly hervorhebt:

„Die Big Seven, die großen US-Technologietitel, sind gut gelaufen. Interessant ist jetzt der Nebenwertebereich, der im Russell 2000-Index abgebildet wird. Die Nebenwerte sind von den Bewertungen her zumeist deutlich günstiger als Technologie-Aktien, teilweise um 30%“.

Aktuell weise der US-Leitindex S&P 500 ein KGV von 19,6 aus. Der Index der kleineren Börsentitel, der Russell 2000, komme auf ein KGV von günstigeren 13,8. Gleichzeitig werde beim Russell 2000 ein Jahresgewinnwachstum von 15,5% erwartet, beim S&P 500 liege diese Erwartung aber lediglich bei 14,5%, so Polach.


600 pixels wide image


VIX fällt


Werden die Anleger mutiger, geht die Schwankungsbreite des Marktes zurück. Entscheidender Indikator ist der VIX. Im übergeordneten Trend fällt der VIX seit seinem markanten Hoch im Frühjahr 2022. In den Folgemonaten markierte er drei tiefere Hochpunkte, den letzten im Oktober 2023, danach brach er regelrecht ein. Umgekehrt – und gewinnorientierte Anleger denken genau umgekehrt – schossen die großen US-Aktienindizes hoch.

Selbst auf den DAX färbte die Rally ab, obwohl deutsche Unternehmen massive, durch die deutsche Politik und Bürokratie produzierte Probleme zu bewältigen haben. Smart Investor weist fortgesetzt darauf hin. Chancenorientierten Aktienkäufern kann der VIX als Hinweisgeber dienen. Die größten Kursgewinne sind oftmals kurz nach einem temporären VIX-Ausschlag möglich, da die Mehrheit unsicher ist, gerade ihre Papiere abgestoßen hat – und zu spät begreift, dass der Markt schon wieder den Aufschwung spielt.


600 pixels wide image


 


Anleger unterinvestiert


In diesem Zusammenhang ist spannend, dass institutionelle Anleger im laufenden Januar ihre Aktieninvestments zurückgefahren haben. Das geht aus einer Umfrage der National Association of Active Investment Managers (NAAIM) hervor. Die Profianleger erhöhten laut NAAIM ihren Investitionsgrad im Aktiensegment seit dem Sommer 2022 kontinuierlich bis Ende Dezember 2023; dann bauten sie schlagartig ab, was mit dem Marktgeschehen korrespondiert. Entsprechend taten sich die Aktienkurse in den ersten Wochen des neuen Jahres schwer. Doch jetzt zeigt sich:

Das große Geld, das Anleger-Establishment, könnte gerade auf dem falschen Fuß erwischt werden. Es ist eine Spezialität des Marktes, den Teilnehmern größtmöglichen Schmerz zuzufügen. Kaum ein Schmerz ist für Finanzakteure größer als der folgende: Sie schauen steigenden Kursen hinterher, aber finden partout den Einstieg nicht. Der fallende VIX (siehe oben) kündet auch von den Problemen der unterinvestierten Anleger. Die Kurse schwanken wenig, es bieten sich keine guten Einstiegsmöglichkeiten durch allfällige Rücksetzer. Stattdessen klettern die Aktiennotierungen langsam höher und der VIX fällt weiter – bis er dann irgendwann tatsächlich wieder hochschnellt. Ein Grund dafür findet sich immer. Nur ist der nächste Grund ebenso wie der Zeitpunkt des Hochschnellens unbekannt. Das kostet Nerven und das ist der Preis, den jeder Anleger zahlt, um die hohen Renditen, die der Aktienmarkt ermöglicht, auf lange Sicht auch vereinnahmen zu können.


Doch mal in die Ferne schweifen


In der Titelstory des neuen Smart Investor 2/2024, der zum Wochenende erscheint, beschäftigen wir uns mit den Aktienmärkten der Schwellenländer. Dieser Bereich wurde in den letzten Jahren von den Anlegern deutlich vernachlässigt, so dass sich hier allemal ein zweiter Blick lohnen könnte. Auch der Bitcoin ist in unserer neuen Magazinausgabe ein großes Thema. Wir interviewen den Bestseller-Autor Marc Friedrich zu seinem brandneuen Buch „Die größte Revolution aller Zeiten“. Das und vieles mehr im neuen Smart Investor 2/2024.


600 pixels wide image


Zu den Märkten


Hinsichtlich unserer Frage von letzter Woche – Flagge oder Topbildung? – ist eine Vorentscheidung gefallen. Nachdem wir uns letzten Mittwoch noch am unteren Rand des kleinen Abwärtskanals bewegten, wurde nun die obere Begrenzung durchbrochen. Damit ist ein unmittelbarer Absturz des DAX erst einmal vom Tisch.

Völlig eindeutig ist das Bild aber auch aktuell noch nicht. Über dem Kurs schwebt weiter das Verlaufs-Allzeithoch vom 14.12.2023. Auf Schlusskursbasis wäre, vorausgesetzt der Stand zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe hält, aber schon heute ein neues Allzeithoch erreicht. Als Wermutstropfen bleibt dann noch die Umsatzentwicklung. Bei einem weiteren nachhaltigen Anstieg, sollten auch die Umsätze wieder anziehen.


Fazit


Ob Schwellenländer, wie im neuen Smart Investor 2/2024, oder US-Aktien der zweiten Reihe, wie in diesem Newsletter, im Prinzip suchen die Marktteilnehmer nach Alternativen zu den gut gelaufenen Hauptbörsen. Die Sorglosigkeit, die der VIX derzeit anzeigt, ist erfahrungsgemäß ebenfalls nicht von Dauer.

Ralf Flierl, Frank Sauerland, Ralph Malisch


 








 
 

Werte im Artikel
-    plus
0,00%
24.129 minus
-0,11%
77.763 minus
-0,13%
Aktien des Tages

RSS Feeds




Bitte warten...