Stattdessen dominieren quer durch all diese Parteien weiter Themen wie Corona und Klima. Schlimmer noch, dabei wird fast nur noch das Kollektiv adressiert, von dem eine gemeinsame Kraftanstrengung eingefordert wird, und zwar – das kennt man so nur aus Kriegszeiten – bereits vor (!) der Wahl. Zudem sind die Ziele, falls überhaupt ausformuliert, so schwammig, dass die Politik praktischerweise stets den eigenen Erfolg feiern und dennoch gleichzeitig mehr Einsatz von den Menschen fordern kann. Das ist ein bisschen wie beim Aufbau des Sozialismus, der zwar auch stets auf der Zielgeraden war, bei dem der anhaltende Endspurt aber immer noch mehr Einsatz erforderte – bis zum Untergang. Dagegen waren klassische bürgerliche Erfolgs- und Wohlstandsindikatoren wie etwa die Anzahl der Menschen, die sich ein eigenes Haus oder ein eigenes Auto leisten konnten, sehr leicht und auch sehr objektiv zu messen. Genau diese werden nun – wiederum praktischerweise – relativiert, wenn nicht gleich vollkommen negiert. Denn dem neuen Kollektivismus sind das Individuum und das Individuelle nicht nur fremd, er hat auch keine Ahnung, wie man messbare Erfolge generiert. Hinter gefälligen Vokabeln wie „Wir“ und „Gemeinsam“ stehen, ins Konkrete übersetzt, mehr Vorschriften, mehr politische Lenkung und mehr Steuern – oder kurz: Mehr Staat. Wie im Gegensatz dazu eine Gesellschaft aussehen kann, die ein „Lebendiges Leben“ ermöglicht, darüber sprachen wir im aktuellen Smart Investor 9/2021 mit dem Buchautor Dr. Andreas Tiedtke (ab S. 22). Die Erkenntnisse der sogenannten Praxeologie finden sich so allerdings in keinem Wahlprogramm.
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