Die Schlauesten eines Jahrgangs, die Uni-Absolventen mit den besten Noten, zieht es auffallend häufig in die Finanzdistrikte der Metropolen. Sie versuchen sich als Fondsverwalter, Vermögensberater, gar Chefstrategen großer Häuser. Doch oftmals sind ihre Erfolge, nun ja, bescheiden. Sie haben Mühe, überhaupt den Marktdurchschnitt zu erreichen, geschweige denn zu übertreffen. Woran liegt’s? Der amerikanische Investor und Finanznachdenker Morgan Housel wagt einen überraschenden Erklärungsversuch, warum „professionelle Geldmanager so lausige Renditen erwirtschaften“ (O-Ton Housel), obwohl doch die „Finanzindustrie derart intelligente Personen“ anzieht: Die alerten Geldmänner und -frauen sind zu schlau. So verheddern sie sich leicht in ihren komplizierten Theorien und mathematischen Konstrukten, welche eine komplexe (Börsen-)Realität zu beschreiben versuchen. Die Theorien funktionieren in der Rückschau und vielleicht auch noch ein bisschen in der Gegenwart … Nur: Der morgigen Überraschung, der Krise des nächsten Augenblicks, den überschäumenden Emotionen der Marktteilnehmer ist mit der Theorie von gestern schlecht beizukommen. Erschwerend komme hinzu, so Housel, dass es Menschen, die im bisherigen Leben dank ihrer Klugheit, ihren Rechenkünsten und Theorien viel Zuspruch erhielten und (Gehalts-)Erfolg hatten, dass es solchen Menschen schwer fallen kann, aus der Theoriewelt herauszufinden und blitzschnell in eine neue Realität einzutauchen. So beharren gerade Kluge gern auf ihren Annahmen. Sie wollen Recht haben, vielleicht mehr als Rendite, auf die es doch dem gemeinen Anleger ankommt.
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