Um die Künstliche Intelligenz (KI) ist es gerade etwas stiller geworden. Bei den Highflyern des Segments – beispielsweise Nvidia (WKN: 918422), TSMC (WKN: 909800), AMD (WKN: 863186) – geht es nach gipfelstürmenden Sommerwochen kaum noch voran. Es könnte sich um einen typischen Fortschrittszyklus handeln, welcher an Börsen seit über 100 Jahren immer wieder auftritt: Zuerst wird das neue Investmentthema als irrelevant abgetan, dann werden die Zukunftschancen erkannt und die Kurse schießen bis in eine Übertreibung hoch, es folgt die Ernüchterung. Nach einiger Zeit wird die Disruption wirklich sichtbar und die Kurse heben erneut ab.
Wir dürften uns im Moment in der Ernüchterungsphase befinden. Unter der (Markt-)Decke jedoch tut sich eine Menge: KI-Profiteur Microsoft (WKN: 870747) krempelt gerade sein Brot-und-Butter-Betriebssystem Windows 11 um. Ab dem nächsten Update soll ein KI-Assistent namens Copilot den Windows-Nutzern unter die Arme greifen. Erstes Feedback ist auch schon da. Die Beta-Tester finden es richtig gut. Den Kurs der Aktie sollten geneigte Anleger engmaschig beobachten.
Bayer (WKN: BAY001) entwickelt mit dem US-Softwarekonzern Schrödinger (WKN: A2PY7M) eine KI-Plattform, mit deren Hilfe aussichtsreiche chemische Verbindungen schneller entdeckt und marktreif gemacht werden können. Merck (WKN: 659990) will mit KI-Technik der französischen Iktos (nicht börsennotiert) zügiger neue Arzneien erschaffen und das AI Innovation Lab des Pharmariesen Novartis (WKN: 904278) lässt sich beim Thema KI vom Themenprofi Microsoft boostern.
Robotik: ungeahnte Möglichkeiten
Der Vontobel-Analyst Mark Diethelm beobachtet: „In China schrumpft bereits der Pool an Arbeitskräften, und auch in Europa und den USA wird das der Fall sein.” Der Mann hat recht. Otto Normalverbraucher macht einschlägige Erfahrungen, wenn er einen Klempner oder Maler beauftragen möchte oder einen freien Arzttermin sucht. Unternehmer haben Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden. Bei Fachkräftemangel und gleichzeitig sinkenden Kosten für Industrieroboter dürfte der gesamte Automatisierungssektor vor einem ungeahnten Aufschwung stehen. Es winken hohe Profite. Allerdings müssen Anleger eine besondere Herausforderung meistern:
In den Sektor lässt sich nur schwer investieren. Zwar sind die Roboterhersteller wohlbekannt, die meisten werden aber nicht an der Börse notiert. Bei börsennotierten Konzernen steuert die lukrative Roboterabteilung nur einen Teil zum Konzerngewinn bei, man kann als Anleger daher nur „verwässert” in das Thema investieren. Der Robotik-Geschäftsanteil wird für ABB mit 12% angegeben, Fanuc (Japan, 60%), Kawasaki (Japan, 12%), Midea (China, 9%). Anleger, die beim Thema dennoch und umfassend dabei sein wollen, weichen auf spezialisierte Zertifikate oder ETFs aus, zum Beispiel den iShares Automation & Robotics ETF (WKN: A2H5ES).
Zu den Märkten
Noch in der Vorwoche bestand die Chance, dass im DAX 40 der Unterstützungsbereich von rund 15.500 Punkten halten könnte. Insbesondere das starke Kursgeschehen am Donnerstag, den 14.9. ließ diese Hypothese zu. Doch nach unserem letzten Newsletter kannte der deutsche Leitindex nur noch eine Richtung – abwärts. Ein leichter Erholungsversuch am vergangenen Freitag wurde unmittelbar am Montag zunichte gemacht. An diesem Handelstag erfolgte dann auch der Durchbruch unter den genannten Unterstützungsbereich. Am Dienstag ging es weiter abwärts und der morgendliche Erholungsversuch vom heutigen Mittwoch war bereits zur Mittagszeit wieder Geschichte. Mit diesen neuen Kursinformationen ist das Kursgeschehen seit Mitte April als Top-Bildung zu charakterisieren, die mit dem Ausbruch der laufenden Handelswoche abgeschlossen wurde. Der September ist seinem schlechten Ruf auf den letzten Metern also doch noch gerecht geworden.
Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass am Montag auch die 200-Tage-Linie (schwarz) nach unten durchbrochen wurde. Damit hat sich das gesamte Chartbild nun stark eingetrübt. Erinnert sei an die hier schon thematisierten versagenden Allzeithochs (graue Dreiecke), den Bruch der Aufwärtstrendlinie (gestrichelt) sowie die Broadening-Top-Formation (rote Linien) auf deren unterer Linie der Index aktuell aufsitzt. Wie der heutige Versuch ausgehen wird, sich von dieser Marke freizuschwimmen, ist per Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch offen. Eine technische Reaktion an das Ausbruchsniveau (orange) bzw. an die 200-Tage-Linie entspräche der Standarderwartung, würde aber im übergeordneten Negativbild nichts ändern.
Fazit
Das Beispiel des Flugverkehrs zeigt, wie unterschiedlich man auf die Herausforderungen der Zeit reagieren kann. Der Vorteil konkurrierender Lösungen gegenüber zentraler Steuerung liegt auch darin, dass sich beim Vergleich im Zeitablauf die bessere Lösung herausschälen wird – sehr zum Ärgernis der „allwissenden“ Zentralplaner.