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Kolumnist: Ralf Flierl

"Fait accompli"




12.09.24 08:15
Ralf Flierl

Wie viel Zinssenkung steckt in den Kursen?


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Titelbild: © prachaya – stock.adobe.com


Kaum Unterstützung


Die nächsten beiden Wochen dürften es an den Börsen in sich haben. Wie bereits in der letzten Ausgabe beschrieben, startete nach dem August auch der September holprig. Erneut wird jeder Erholungsversuch mit einem weiteren Abwärtsschub beantwortet. Das alles ist noch nicht im dramatischen Bereich, von der Saison ist jedoch erst einmal keine Unterstützung zu erwarten. Möglicherweise hat die Sache aber doch etwas Gutes. Denn für diesen Donnerstag und den kommenden Mittwoch werden Zinssenkungen durch die EZB erwartet bzw. wurde diese von der Fed sogar angekündigt. Die Märkte beschäftigt derzeit die Größe der Schritte und die Perspektive auf weitere Maßnahmen. Für Donnerstag wird von einer Senkung des Leitzinses durch die EZB von 4,25% auf 4,00% ausgegangen. Im laufenden Zyklus wäre das bereits der zweite Zinsschritt. Von der Fed wird für den kommenden Mittwoch ein Schritt von mindestens 25 Basispunkten erwartet, vorzugsweise verbunden mit der Ankündigung weiterer Lockerungen.

Wären die Märkte im Hinblick auf die anstehenden Notenbankentscheidungen überbordend optimistisch, dann würden die Kurse schon jetzt steigen. In einer solchen Konstellation wäre dann nach erfolgter Maßnahme erst einmal die Luft raus – also das klassische „Buy the rumour, sell the fact“-Muster, das wir bereits in der Vorwoche angedeutet haben. Warum dieses Phänomen so häufig zu beobachten ist, dürfte daran liegen, dass an den Märkten nicht primär Papiere, sondern Zukunftsperspektiven gehandelt werden. Die Kurse bilden – als eine Reihe von Momentaufnahmen – vor allem die jeweiligen Erwartungen und deren Veränderungen ab. Börsenaltmeister André Kostolany sprach in diesem Zusammenhang von einem „fait accompli“, also einer bereits vollendeten Tatsache. Zwar ist die aktuelle Kaufzurückhaltung sentimenttechnisch ein kleiner Strohhalm für die Anleger, sie könnte aber auch ein Vorbote für kommendes Ungemach sein, ganz nach dem Motto: Wenn die Kurse schon nicht mit der Aussicht auf Zinssenkungen steigen, wie werden sie erst reagieren, wenn diese Zinssenkungen abgehakt sind?


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Enttäuschender „iGigant“


Das Thema Erwartungen wird immer dann relevant, wenn sich Marktteilnehmer schon vor einem Ereignis konkretere Vorstellungen machen und sich entsprechend positionieren. Neben Notenbanksitzungen ist dies u.a. bei der Bekanntgabe von Quartalszahlen oder bei Unternehmenspräsentationen der Fall. Gestern war wieder einmal „iGigant“ Apple (WKN: 865985) mit einer seiner berühmten Keynotes am Zug. Aufgrund der glorreichen Vergangenheit wird hier immer besonders viel an Innovation erwartet, doch das Event war enttäuschend. AirPods Max werden nun mit USB-C-Anschluss geliefert, der in der in der EU ohnehin verpflichtend war. „Viel weniger Mühe hätte sich der Konzern eigentlich nicht geben können“, resümierte man heute beim Technik-Portal heise.de. Bei den Apple Watches bestand die „Innovation“ in neuen Farbtönen – wie aufregend. Für die Aktionäre könnte es allerdings schon ein kleiner Aufreger werden, wenn sich aus dem großen Disruptor vergangener Tage nun ein Modekonzern entwickelt, der mit den Farben der Saison als „letztem Schrei“ punkten will. Warren Buffett wird gewusst haben, warum er mehr als der Hälfte seiner Apple-Aktien in diesem Jahr verkauft hat.


Grüner Plan und tiefrote Wirklichkeit


Erwartungen gab es auch rund um den gestrigen Asyl-Gipfel zwischen Ampel-Regierung und CDU/CSU-Opposition in Berlin. Einziges greifbares Ergebnis waren gegenseitige Schuldzuweisungen. Wie eine schwarz-grüne Koalition funktionieren soll – besonders in der Kernfrage der Massenzuwanderung –, bleibt das Geheimnis jener, die sie propagieren. Auch grüne Wirtschaftspolitik ist nicht das Gelbe vom Ei. Die rote Karte gab es dafür einmal mehr von Prof. Hans Werner Sinn, langjähriger Präsident des Münchner ifo-Instituts und einer der wenigen deutschen Ökonomen von internationalem Ruf. In einem Rundumschlag ließ er kein gutes Haar an der aktuellen Wirtschaftspolitik. Egal ob Verbrennerverbot, Atomausstieg, Aufweichung der Schuldenbremse oder der Bildungsstand an den Schulen, Deutschland richte seine eigene Industrie zugrunde, so der Ökonom im Gespräch mit der NZZ (Neue Zürcher Zeitung). Aber nicht nur ein Wirtschaftstheoretiker wie Sinn ist unzufrieden, Wirtschaftsminister Habeck wird zudem immer stärker von der Wirklichkeit umzingelt. Wärmepumpe/Heizungsgesetz, „grüner Stahl“, Elektromobilität oder zuletzt die Krise bei Northvolt – es scheint, als wollte in der Praxis nicht ein Projekt den grünen Wirtschaftsplänen folgen.


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Gute Geschäfte, gute Besserung


Mit dem Ende des Hochsommers scheint eine andere Erwartung an Fahrt aufzunehmen. Wie die Blumenhändler auf den Valentinstag und die Spielzeughersteller auf Weihnachten, so fiebern die mRNA-Konzerne der Erkältungszeit entgegen. Kurz nach dem Ende der großen Ferien in Nordrhein-Westfalen häufen sich die Meldungen über eine neue Corona-Welle. Aber auch anderenorts werden steigende Infektionszahlen bekanntgegeben. Das ist eine Steilvorlage für die seit Monaten vernachlässigten Aktien des Gentherapieherstellers BioNTech* (WKN: A2PSR2). Die Papiere quittierten die Nachrichten jedenfalls mit einem ordentlichen Kurssprung. Bessere Geschäfte sind dringend notwendig, denn nach schmerzhaften Verlusten im 2. Quartal setzt BioNTech seine Hoffnungen nun auf das traditionell starke 4. Quartal. Ob die Kasse „an der Goldgrube“ allerdings erneut so süß klingeln wird wie während der letzten Corona-Pandemie, ist derzeit noch offen. Die Erwartungen sind jedenfalls hochgespannt.


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Zu den Märkten


Wie in der Vorwoche beschrieben hat sich das Chartbild für den DAX nach dem Fehlausbruch über 19.000 Punkte eingetrübt. Es war nicht zu erwarten, dass nach einem solchen Signal einfach zur Tagesordnung übergegangen werden kann. Tatsächlich rutschte der deutsche Leitindex denn auch weiter ab. Inzwischen befindet er sich wieder in der breiten Schiebezone/Top-Bildung und landete zuletzt unterhalb der Nackenlinie (rot) der Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Diese Linie ist zwar aus charttechnischer Sicht nicht mehr sonderlich bedeutsam, da sie durch den ersten Ausbruch und die anschließende Rückeroberung im August bereits zweimal verletzt worden war. Eine Bestätigung der aktuellen Marktschwäche ist der mühelose Durchbruch aber schon. Saisonal wird der DAX weiter keine Unterstützung erwarten können. Ob die anstehenden Zinssenkungen, eigentlich die Kommentare der Notenbanker zum weiteren Vorgehen nach den Zinssenkungen, helfen werden, wissen wir dann am Ende der kommenden Woche. Bis dahin dürfte Vorsicht der bessere Teil des Mutes bleiben.


Fazit


An den Märkten geht es oft nur scheinbar um die Fakten. Viel wichtiger ist, welche künftigen Fakten erwartet werden und ob diese bereits in den Kursen berücksichtigt sind.

Ralf Flierl, Ralph Malisch


 








 
 
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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
226,35 € 223,60 € 2,75 € +1,23% 17.04./15:18
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
US0378331005 865985 247,55 € 167,62 €
Werte im Artikel
88,00 plus
+1,56%
226,35 plus
+1,23%
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
226,35 € +1,23%  15:18
Hamburg 226,95 € +1,89%  14:21
Xetra 226,10 € +1,32%  15:04
Stuttgart 226,60 € +1,27%  14:55
Frankfurt 226,45 € +1,21%  13:59
Hannover 223,85 € +0,49%  08:03
Düsseldorf 223,90 € +0,04%  09:30
München 224,15 € 0,00%  08:01
Nasdaq 263,38 $ -0,01%  16.04.26
AMEX 263,49 $ -1,03%  16.04.26
NYSE 263,49 $ -1,07%  16.04.26
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