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Kolumnist: Ralf Flierl

Es ist September …




05.09.24 08:13
Ralf Flierl

… und die Märkte knirschen


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Titelbild: © Наталия Пилипенко – stock.adobe.com


„Aus heiterem Himmel“


Noch steckt den Anlegern das Börsenbeben von Anfang August in den Knochen. Schon damals sackten die Indizes weltweit „aus heiterem Himmel“ ab. Ganz so heiter war der Himmel seinerzeit allerdings nicht, denn schlechte US-Arbeitsmarktdaten vermiesten den Börsianern die Stimmung. Zusätzlich kam es in Japan zu jenem Unfall, der eigentlich nur darauf wartete, einzutreten. Durch einen raschen und massiven Kursaufschwung des japanischen Yen geriet der sogenannte Carry Trade unter Druck.

Diese Wette, deren Volumen in der Spitze auf mehr als 20 Bio. USD geschätzt wurde, besteht darin, billiges Geld in Yen aufzunehmen, das dann weltweit investiert wird. Falls der Yen, in dem die Kredite irgendwann einmal zurückgezahlt werden müssen, dann auch noch kontinuierlich fällt, winken Zusatzgewinne. Das funktionierte über Jahre hinweg recht gut, herumgereicht wurden in dieser Zeit nur die Argumente gegen die japanische Währung, etwa die extrem hohe Staatsverschuldung oder die dramatische Überalterung des Landes. Demnach wäre der Yen geradezu totgeweiht gewesen. Dass in Japan einiges auch sehr viel besser läuft als im US-Dollar- oder Euro-Raum, fiel unter den Tisch. Wir haben uns in der Titelstory des Smart Investor 7/2024 um ein etwas ausgewogeneres Bild bemüht. Weil die Sache oberflächlich aber so eindeutig erschien, entwickelte sich das, was man einen „overcrowded trade“ nennt. Zu viele Marktteilnehmer sitzen auf einer Seite des Marktes und bekommen ein Problem, sobald sich der Markt in die aus ihrer Sicht falsche Richtung bewegt. Im Prinzip kann man den Carry Trade als gewaltige Short-Position im Yen interpretieren und solche Positionen sind anfällig für Short Squeezes.


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Das Problem dabei: Man weiß zwar, dass solche Squeezes unter diesen Voraussetzungen hochwahrscheinlich sind, allerdings ist es fast unmöglich abzuschätzen, wann es so weit sein wird. Sobald es losgeht, wird das Kursgeschehen oft hochdynamisch, weil es dann viele sehr eilig haben, ihren Short aufzulösen, was wiederum den Druck auf die anderen Marktteilnehmer weiter erhöht. Im Grunde sind solche Short Squeezes eher kurzfristigere Phänomene, mit denen vorangegangene Übertreibungen korrigiert werden, ohne den generellen Trend zwangsläufig in Frage zu stellen. Allerdings können in diesem Fall weitere Kaskadeneffekte im Rest der Welt ausgelöst werden – nämlich dort, wo das Geld investiert ist, das in Yen aufgenommen wurde. Werden diese Geschäfte zurückgeführt, drohen Verkäufe und Kapitalabzug, was die Kurse dann auch dort unter Druck bringt. Wir nehmen das Thema auch im aktuellen Smart Investor 9/2024 wieder auf.


Ankündigungen und Hoffnungen


Dass sich die Märkte im weiteren Verlauf des Monats August wieder deutlich erholen konnten, war vor allem der Ankündigung von Fed-Chef Jerome Powell zu verdanken, die US-Zinsen bereits im September senken zu wollen. An den Aktienmärkten hat dieser Monat dennoch einen ausgesprochen schlechten Ruf, was zumindest den Vorteil hat, dass die Erwartungen niedrig sind. Im Wesentlichen hofft man, den Börsenherbst halbwegs unbeschadet zu überstehen, um dann im Rahmen der Jahresendrally noch einmal richtig durchzustarten. Doch davor steht mit der US-Präsidentschaftswahl am 5. November ein weiteres richtungsweisendes Ereignis. Alles in allem scheinen die Ängste und Unsicherheiten erst einmal wieder stärker ins Bewusstsein zurückzukehren, denn fast pünktlich zum Monatswechsel sanken die Kurse erneut kräftig. 

Zum einen ist die Zinssenkungsfantasie inzwischen bereits in den Kursen enthalten, so dass die tatsächliche Zinssenkung ein Nicht-Ereignis werden könnte, frei nach dem Börsenmotto „Buy the rumour, sell the fact“. Die Fed wird die Zinssenkung also schon mit dem Ausblick auf weitere positive Maßnahmen verbinden müssen, will sie die Märkte bei Laune halten. Zwar sind die Marktreaktionen keine direkte Zielgröße der Notenbank, eine erneute Krise wird man aber sicher nicht auslösen wollen. Einmal mehr ist also in Washington die hohe Kunst des Erwartungsmanagements gefragt.


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Zum anderen ist die Ergebnissaison durchwachsen ausgefallen. In diesem Zusammenhang verdienen die marktschweren und führenden Aktien besondere Aufmerksamkeit. Ein unbestrittenes solches Schwergewicht und ein absoluter Starperformer des letzten Jahres ist der KI-Chipdesigner Nvidia (WKN: 918422). Das Unternehmen schaffte über viele Quartale das Kunststück selbst hohe und immer weiter gesteigerte Markterwartungen noch einmal zu übertreffen und die Anleger so bei Laune zu halten. Wenn die Latte auf diese Weise aber immer höher liegt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie gerissen wird. Bei Nvidia fand man im letzten Quartalsbericht dann das berühmte Haar in der Suppe. Zwar waren die Zahlen des abgelaufenen Quartals – wie gewohnt – beeindruckend, im Ausblick wurde jedoch ein Wachstumstempo angekündigt, das deutlich unter dem bisherigen liegt. Das wiederum führte zu einer kräftigen Anpassung der Bewertung bzw. des Kurses. Als ob das nicht schon genügend Ungemach wäre, kamen nun auch noch schwache Daten des US-Halbleiterverbands dazu und das US-Justizministerium verlautbarte, dass man ein Kartellverfahren gegen Nvidia prüfe, nachdem sich Wettbewerber über das Ausnutzen einer marktbeherrschenden Stellung durch das Unternehmen beschwert hatten. Für die erfolgsverwöhnten Nvidia-Aktionäre ist so viel schlechte Presse eine neue Erfahrung, die am Dienstag erneut mit kräftigen Kursabschlägen quittiert wurde.


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Teure Produkte, billige Aktie


Erfolgsverwöhnt sind die Aktionäre von Volkswagen (WKN der Vorzüge: 766403) dagegen schon länger nicht mehr. Das letzte große Hoch stammt aus dem März 2021. Seitdem hat der Kurs um rund 60% nachgegeben. Die Elektrifizierung der Flotte erwies sich bislang nicht als Erfolgsstrategie. Dazu trug wesentlich die abrupte Beendigung der Elektroprämie aufgrund der Haushaltsprobleme der Bundesregierung bei. Zudem sind die Fahrzeuge im Vergleich zur chinesischen Konkurrenz zu teuer und wohl etwas zu bieder. Im Reich der Mitte – wichtigster Auslandmarkt der Wolfsburger – scheint die Marke ihren Nimbus verloren zu haben. Auch hierzulande glänzen die Kunden mit Kaufzurückhaltung. Seit gestern steht zudem der frühere VW-Chef Martin Winterkorn wegen des Dieselskandals vor Gericht. Heute schaffte es Finanzvorstand Arno Antlitz mit einer entmutigenden Botschaft in die Schlagzeilen: „Es fehlen uns die Verkäufe von rund 500.000 Autos, die Verkäufe für rund zwei Werke … Der Markt ist schlicht nicht mehr da.“ Im Gegensatz zu den Unmutsäußerungen der Mitarbeiter, für die der Vorstand ein Ende der Beschäftigungsgarantie und Werksschließungen anstrebt, reagierte der Aktienkurs vergleichsweise gelassen. Nach jahrelangem quälendem Abwärtsgang wird hier offenbar darauf gesetzt, dass der durch Politik und Gewerkschaften eingehegte Autoriese langsam für jene Maßnahmen reif wird, die dem Unternehmen tatsächlich so etwas wie eine Zukunft sichern könnten.


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Zu den Märkten


Nachdem wir in der Vorwoche bereits gewarnt hatten, dass auch im DAX das „Tempo auf Dauer nicht durchzuhalten“ ist, kam es am Dienstag zu einem größeren Ausverkauf. Zuvor konnte in der Sitzung noch ein neues Allzeithoch erreicht werden, allerdings scheiterte der Index um weniger als 10 Punkte an der nächsten glatten 1.000er Marke, also an 19.000 Punkten. Dass das Überraschungspotenzial tendenziell auf der Negativseite liegen könnte, wurde zuletzt an dieser Stelle angerissen und wird in der Titelgeschichte des aktuellen Smart Investor 9/2024 ausführlich diskutiert. Charttechnisch liegt damit im DAX ein Fehlausbruch vor, und der verheißt nichts Gutes. Es ist ein Missverständnis, dass jedes Allzeithoch automatisch zu weiter steigenden Kursen führen würde. Dies gilt ganz besonders, wenn dieses Hoch aus einem Zustand der Erschöpfung heraus erreicht wird. Dass eine solche Erschöpfung nach einem Kursgewinn um knapp 2.000 Punkten während nur eines Börsenmonats vorgelegen hat, kann kaum ernsthaft bestritten werden. Wir gehen davon aus, dass das Potenzial nach oben nun erst einmal deutlich begrenzt ist, wobei weitere Unfälle nicht ausgeschlossen werden können.


Fazit


Die Erholung an den Märkten ist erst einmal zu Ende. Es scheint, als wolle der September seinem Ruf als schwieriger Börsenmonat einmal mehr gerecht werden. Mehr hierzu lesen Sie im neuen Smart Investor 9/2024. 

Ralf Flierl, Ralph Malisch


 








 
 
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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
90,48 € 92,70 € -2,22 € -2,39% 20.04./22:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0007664039 766403 109,15 € 83,24 €
Werte im Artikel
202,07 plus
+0,23%
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-2,39%
Handelsplatz Letzter Veränderung  Zeit
 
Tradegate (RT)
90,78 € -1,63%  20.04.26
Nasdaq OTC Other 100,21 $ +3,59%  10.04.26
Hannover 90,82 € +1,45%  20.04.26
Düsseldorf 90,28 € -1,38%  20.04.26
Frankfurt 90,84 € -1,45%  20.04.26
Hamburg 90,76 € -1,54%  20.04.26
Stuttgart 90,46 € -1,72%  20.04.26
München 90,22 € -2,34%  20.04.26
Xetra 90,48 € -2,39%  20.04.26
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