NASDAQ100 Gewinner und Verlierer der Woche: AppLovin explodiert um 71 Prozent, Lumentum verliert ein Drittel – die Woche, in der die Wahlurne den KI-Boom traf
NASDAQ100 Gewinner und Verlierer der Woche: AppLovin explodiert um 71 Prozent, Lumentum verliert ein Drittel – die Woche, in der die Wahlurne den KI-Boom traf
Es gibt Börsenwochen, die man vergisst. Und es gibt Wochen wie diese. Eine Wahlnacht, ein Milliarden-Deal und ein Donnerstag, an dem der NASDAQ100 mehr als sechs Prozent in die Tiefe rauschte – rund 2,3 Billionen Dollar Börsenwert lösten sich an einem einzigen Tag in Luft auf. Und mittendrin eine Aktie, die um mehr als 71 Prozent nach oben schoss. Der NASDAQ100 Gewinner der Woche heißt AppLovin, der NASDAQ100 Verlierer der Woche heißt Lumentum. Dazwischen liegen 107 Prozentpunkte Performance-Differenz – und eine Geschichte, die zeigt, wie radikal sich die Spielregeln an der Wall Street gerade verschieben.

Autor: Redaktion, aktiencheck.de
Die Ausgangslage: Ein Wahlergebnis, das die Rechenzentren erschüttert
Um die NASDAQ100 Gewinner und NASDAQ100 Verlierer dieser Woche zu verstehen, muss man auf den Dienstagabend blicken. Bei den US-Zwischenwahlen eroberten die Demokraten beide Kammern des Kongresses – deutlicher, als die Märkte erwartet hatten. Auch in Bundesstaaten, die als Herzkammer des Rechenzentrums-Booms gelten, gewannen Demokraten die Gouverneursposten. In Texas forderte die neu gewählte Gouverneurin umgehend einen Baustopp für Rechenzentren. In Georgia siegte eine Kandidatin, die mit genau solchen Forderungen in den Wahlkampf gezogen war.
Das Thema schwelt schon seit Monaten. New York hatte im Sommer als erster Bundesstaat ein Moratorium für sogenannte Hyperscale-Rechenzentren verhängt. Im Kongress liegt ein Gesetzentwurf, der neue KI-Rechenzentren so lange stoppen würde, bis bundesweite Regeln für künstliche Intelligenz und Energiekosten beschlossen sind. Bisher galt er als chancenlos. Seit Dienstag haben seine Befürworter plötzlich die Mehrheit im Rücken.
Am Mittwoch hielt der Markt noch still, der NASDAQ100 schloss sogar mit einem Plus von 0,91 Prozent. Am Donnerstag dann der Absturz: Der Index verlor 6,36 Prozent und fiel auf 26.629,81 Punkte, der Technologiesektor erlebte seinen schwärzesten Tag seit dem Corona-Crash im März 2020. Das Angstbarometer VIX sprang um rund 70 Prozent. Der NASDAQ100 rutschte damit mehr als zehn Prozent unter sein Hoch vom Oktober – offiziell eine Korrektur. Am Freitag folgte eine Gegenbewegung um 1,35 Prozent auf 26.989,99 Punkte. Der breitere Nasdaq Composite beendete die Woche dennoch mit einem Minus von 3,4 Prozent – die vierte Verlustwoche in Folge.
Die Botschaft dieser Woche ist eindeutig: Alles, was direkt am Bau von KI-Rechenzentren hängt – Speicherchips, Festplatten, optische Komponenten –, wurde gnadenlos abverkauft. Alles, was mit Werbung, Haustieren, Reisen und Videospielen Geld verdient, wurde zum Zufluchtsort. Genau so sieht die Liste der NASDAQ100 Gewinner der Woche aus.
NASDAQ100 Gewinner der Woche Platz 1: AppLovin – plus 71,21 Prozent, das Comeback des Jahres Was AppLovin in dieser Woche abgeliefert hat, sieht man an der Börse vielleicht einmal im Jahrzehnt bei einem Konzern dieser Größe. Der NASDAQ100 Gewinner AppLovin stieg von rund 228 auf 391,22 Dollar. Damit kamen in fünf Handelstagen gut 50 Milliarden Dollar an Börsenwert hinzu. Allein am Donnerstag – dem Tag, an dem um AppLovin herum der Markt zusammenbrach – sprang die Aktie um 31 Prozent. Am Freitag legte sie weitere 9,86 Prozent drauf.
Der Auslöser waren die Zahlen zum dritten Quartal, die der Werbetechnologie-Spezialist am Mittwochabend vorlegte. Der Umsatz kletterte um 55 Prozent auf 2,185 Milliarden Dollar und lag damit rund 100 Millionen Dollar über dem oberen Ende der eigenen Prognose. Der Nettogewinn wuchs um 72 Prozent auf 1,44 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie lag bei 4,30 Dollar – erwartet worden waren rund 4,03 Dollar. Die Zahl, die Analysten den Atem raubt, ist die Profitabilität: Von jedem Umsatzdollar bleiben 66 Cent als Nettogewinn hängen, die bereinigte EBITDA-Marge liegt bei 84 Prozent. Das ist ein Niveau, das selbst die profitabelsten Softwarekonzerne der Welt nicht erreichen.
Dazu kam ein Ausblick, der die Zweifel der vergangenen Monate wegwischte. Für das vierte Quartal stellt AppLovin 2,365 bis 2,395 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht – noch einmal acht bis zehn Prozent mehr als im Rekordquartal. Und der Verwaltungsrat stockte das Aktienrückkaufprogramm um 3,2 auf insgesamt 3,6 Milliarden Dollar auf. Allein im dritten Quartal hatte der Konzern bereits für 1,4 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückgekauft – und das bei einem freien Cashflow in exakt dieser Höhe.
AppLovin: Warum die Rally so heftig ausfiel
Die Wucht des Kurssprungs erklärt sich aus der Vorgeschichte. Der NASDAQ100 Gewinner AppLovin war 2026 einer der großen Verlierer gewesen. Vom 52-Wochen-Hoch bei rund 745 Dollar hatte sich die Aktie bis zum vergangenen Freitag um fast 70 Prozent entfernt. Seit Jahresbeginn stand ein Minus von rund der Hälfte zu Buche. Enttäuschende Zahlen im Sommer, Zweifel am E-Commerce-Werbegeschäft, die Sorge, dass das Wachstum nach Jahren der Hyperdynamik abflacht – all das hatte die Erwartungen auf ein Minimum gedrückt. Viele Investoren hatten zudem auf weiter fallende Kurse gesetzt.
Genau in diese Pessimismus-Wand krachten die Quartalszahlen. Wenn ein Unternehmen mit über 50 Prozent wächst, eine Netto-Marge von zwei Dritteln erzielt und gleichzeitig Milliarden in den Rückkauf eigener Aktien steckt, gerät jede Short-Position unter Druck. Hinzu kam der Faktor Timing: AppLovin verdient sein Geld mit Software und Werbe-Algorithmen, nicht mit dem Bau von Rechenzentren. In einer Woche, in der Anleger fieberhaft nach KI-Profiteuren ohne Baustopp-Risiko suchten, war der NASDAQ100 Gewinner der Woche das perfekte Ziel.
Trotz der Rally bleibt die Aktie auf Zwölfmonatssicht rund 37 Prozent im Minus. Das zeigt zweierlei: wie tief der Absturz war – und wie viel Erholungspotenzial der Markt in einer einzigen Woche bereits eingepreist hat.
NASDAQ100 Gewinner der Woche Platz 2: IDEXX Laboratories – plus 22,65 Prozent dank Hund und Katze Der zweite NASDAQ100 Gewinner ist der Gegenentwurf zu allem, was in dieser Woche verkauft wurde. IDEXX Laboratories entwickelt Diagnosegeräte und Labortests für Tierärzte. Kein Rechenzentrum, keine Chipfabrik, keine politische Angriffsfläche. Stattdessen ein Geschäftsmodell, das von einem der stabilsten Trends der Konsumwelt lebt: Menschen geben immer mehr Geld für die Gesundheit ihrer Haustiere aus.
Am Montag legte IDEXX die Zahlen zum dritten Quartal vor – und die Aktie schoss noch am selben Tag um rund 20 Prozent nach oben. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 1,214 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie um 18 Prozent auf 4,01 Dollar. Das wiederkehrende Diagnosegeschäft mit Tierarztpraxen wuchs um elf Prozent, getragen von höherer Testauslastung und neuen Kunden. Besonders stark lief das neue Analysegerät inVue Dx: Mehr als 1.900 Geräte wurden im Quartal platziert, die installierte Basis wächst auf fast 11.000 Instrumente. Jedes davon zieht über Jahre hinweg Verbrauchsmaterial und Testumsätze nach sich.
Entscheidend für den Kurssprung war die Prognoseanhebung. IDEXX erwartet für 2026 jetzt einen Umsatz von 4,741 bis 4,767 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie von 14,96 bis 15,16 Dollar – 25 Cent mehr als bisher in der Mitte der Spanne. Das Management spricht von den frühen Phasen eines breit angelegten Innovationszyklus. Auf Wochensicht stand für den NASDAQ100 Gewinner IDEXX am Ende ein Plus von 22,65 Prozent auf 676,04 Dollar, auf Monatssicht sind es sogar gut 31 Prozent.
NASDAQ100 Gewinner der Woche Platz 3: Airbnb – plus 15,57 Prozent, die Reiselust schlägt die Rezessionsangst Lange sah es so aus, als würde Airbnb in dieser Woche in der Masse untergehen. Dann kam der Donnerstagabend. Während die Börse noch die Trümmer des Tech-Crashs sortierte, legte der Ferienwohnungs-Vermittler nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen vor. Am Freitag schoss die Aktie um 11,67 Prozent auf 189,99 Dollar nach oben und machte den NASDAQ100 Gewinner Airbnb mit einem Wochenplus von 15,57 Prozent zum drittbesten Wert im Index.
Die Zahlen hatten es in sich. Im dritten Quartal – traditionell dem wichtigsten des Jahres, weil hier die Sommerreisen abgerechnet werden – verdiente Airbnb 3,16 Dollar je Aktie. Analysten hatten mit rund 2,85 Dollar gerechnet. Der Umsatz erreichte 4,87 Milliarden Dollar, ein Plus von fast 19 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und deutlich mehr als die erwarteten rund 4,75 Milliarden Dollar. Zugleich hob das Management erneut die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr an. Schon im August hatte Airbnb die Erwartung auf ein Umsatzwachstum von mindestens dem mittleren Zehnerbereich hochgeschraubt.
Bemerkenswert ist die Beschleunigung. Ende 2025 wuchs Airbnb noch mit rund zehn Prozent, jetzt sind es fast doppelt so viel. Treiber sind das Programm „Jetzt reservieren, später zahlen", KI-gestützte Effizienzgewinne im Kundenservice und eine kräftige Nachfrage in Lateinamerika und Asien. Auf Zwölfmonatssicht hat der NASDAQ100 Gewinner Airbnb inzwischen mehr als 57 Prozent zugelegt.
NASDAQ100 Gewinner der Woche Platz 4: Take-Two Interactive – plus 12,99 Prozent, der GTA-Countdown läuft Der vierte NASDAQ100 Gewinner hat in dieser Woche keine einzige Unternehmensnachricht veröffentlicht. Und trotzdem stieg die Aktie von Take-Two Interactive um 12,99 Prozent auf 214,87 Dollar. Die Erklärung passt in zwei Worte: Grand Theft Auto.
Am 19. November erscheint mit „Grand Theft Auto VI" das wohl meist erwartete Unterhaltungsprodukt dieses Jahrzehnts – nach mehreren Verschiebungen, mehr als zwölf Jahre nach dem Vorgänger. „GTA V" hat sich bislang mehr als 220 Millionen Mal verkauft. Take-Two erwartet im laufenden Geschäftsjahr, das bis Ende März 2027 reicht, Net Bookings von 8,0 bis 8,2 Milliarden Dollar – rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr, obwohl nur viereinhalb Monate mit GTA-VI-Verkäufen in diesen Zeitraum fallen. Manche Analysten halten diese Prognose für deutlich zu vorsichtig.
Dass die Aktie gerade jetzt anzog, hat zwei Gründe. Erstens rückt der Starttermin unaufhaltsam näher, und damit wächst der Druck auf alle, die noch nicht investiert sind. Zweitens war Take-Two in dieser Woche genau das, was der Markt suchte: ein Konzern, dessen Erfolg von Spielern abhängt und nicht von Baugenehmigungen für Rechenzentren. Hinzu kommt der niedrige Ausgangspunkt. Seit Jahresbeginn hatte die Aktie mehr als 20 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht steht noch immer ein Minus von knapp 15 Prozent.
Die Bewährungsprobe folgt schon am Montag, 9. November. Dann legt Take-Two nach US-Börsenschluss die Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal vor. Das Unternehmen selbst rechnet mit Net Bookings von 1,62 bis 1,67 Milliarden Dollar und einem Verlust je Aktie zwischen 0,75 und 0,84 Dollar. Entscheidend wird jedoch etwas anderes sein: ob das Management den GTA-Termin und die Jahresprognose bestätigt. Für den NASDAQ100 Gewinner Take-Two beginnen damit die wichtigsten zehn Tage der Firmengeschichte.
NASDAQ100 Gewinner der Woche Platz 5: Booking Holdings – plus 8,46 Prozent mit solider Reise-Bilanz Komplettiert wird die Liste der NASDAQ100 Gewinner der Woche von Booking Holdings. Der Konzern hinter Booking.com, Priceline, Kayak, Agoda und OpenTable legte am Dienstagabend seine Zahlen zum dritten Quartal vor. Die Zahl der gebuchten Übernachtungen stieg um sieben Prozent, das Bruttobuchungsvolumen um zehn Prozent, währungsbereinigt sogar um rund elf Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte um 17 Prozent und übertraf die Erwartungen. Der ausgewiesene Umsatz lag zwar leicht unter dem Vorjahr, der bereinigte Umsatz wuchs aber um neun Prozent.
Zudem setzt Booking die Aktienrückkäufe aggressiv fort: Im dritten Quartal flossen 2,1 Milliarden Dollar in eigene Aktien, weitere 12,4 Milliarden Dollar sind noch genehmigt. Die bereinigte EBITDA-Marge blieb stabil bei 47 Prozent. Der Markt honorierte die Kombination aus robuster Reisenachfrage, disziplinierter Kostenkontrolle und üppiger Kapitalrückgabe mit einem Wochenplus von 8,46 Prozent auf 160,665 Dollar – obwohl die Aktie am Freitag, ausgerechnet am Tag des Airbnb-Sprungs, 4,77 Prozent abgab. Der NASDAQ100 Gewinner Booking kommt von einem niedrigen Niveau: Auf Zwölfmonatssicht steht weiterhin ein Minus von rund 18 Prozent.
Der Absturz: Die NASDAQ100 Verlierer der Woche – ein Massaker bei der KI-Infrastruktur So bunt die Liste der Gewinner ist, so einheitlich ist die Liste der Verlierer. Alle fünf NASDAQ100 Verlierer der Woche stammen aus demselben Ökosystem: Sie liefern die Hardware, ohne die kein KI-Rechenzentrum funktioniert. Speicherchips, Festplatten, Lasertechnik, Netzwerkchips. Genau diese Unternehmen hatten in den vergangenen zwölf Monaten zu den spektakulärsten Gewinnern der Wall Street gehört – Sandisk vervierfachte seinen Kurs, Lumentum mehr als verdoppelte ihn. Je höher der Aufstieg, desto tiefer der Fall.
NASDAQ100 Verlierer der Woche Platz 1: Lumentum – minus 35,94 Prozent, wenn die Übernahme zur Falle wird Am Montagmorgen schien für Lumentum-Aktionäre die Welt noch in Ordnung. Marvell Technology verkündete die Übernahme des Laser- und Optikspezialisten – einer der größten Deals der Halbleitergeschichte. Der implizite Unternehmenswert: 115 Milliarden Dollar. Auf Basis der Kurse vom 28. Oktober, also vor ersten Übernahmegerüchten, entsprach das rund 1.132 Dollar je Lumentum-Aktie und einer Prämie von knapp 24 Prozent. Am selben Tag präsentierte Lumentum auch noch glänzende Quartalszahlen: 1,26 Milliarden Dollar Umsatz, eine bereinigte operative Marge von über 42 Prozent und eine Prognose von 1,575 bis 1,625 Milliarden Dollar für das laufende Quartal – ein Sprung von rund 350 Millionen Dollar in drei Monaten.
Das Problem steckt im Kleingedruckten. Marvell zahlt nicht in bar, sondern ausschließlich in eigenen Aktien: 4,5 Marvell-Aktien für jede Lumentum-Aktie. Das Umtauschverhältnis ist fest. Damit hängt der Wert des Angebots eins zu eins am Marvell-Kurs. Und der brach in dieser Woche um 28,11 Prozent ein. Beim Marvell-Schlusskurs vom Freitag von 141,20 Dollar sind 4,5 Marvell-Aktien nur noch rund 635 Dollar wert – weit entfernt von den 1.132 Dollar, die bei der Ankündigung im Raum standen.
Doch der NASDAQ100 Verlierer Lumentum notiert mit 538,59 Dollar noch einmal rund 15 Prozent unter diesem rechnerischen Wert. Der Grund: Der Abschluss der Transaktion wird erst im ersten Halbjahr 2028 erwartet. Bis dahin müssen die Aktionäre beider Unternehmen zustimmen, und Kartellbehörden in aller Welt müssen grünes Licht geben. In einem politischen Umfeld, in dem plötzlich die gesamte Rechenzentrums-Branche unter Beobachtung steht, preist der Markt ein spürbares Risiko ein, dass der Deal scheitern oder sich verzögern könnte. Auf Monatssicht hat Lumentum mehr als die Hälfte seines Wertes verloren.
NASDAQ100 Verlierer der Woche Platz 3: Marvell Technology – minus 28,11 Prozent, der teure Doppelschlag Für Marvell selbst begann die Woche mit einem Schock, den die eigene Führung ausgelöst hatte. Am Tag der Übernahmeankündigung fiel die Aktie um 12,7 Prozent auf 171,41 Dollar – Einbrüche dieser Größenordnung hatte es im vergangenen Jahr nur zweimal gegeben. Die Logik der Anleger: Nach Abschluss werden die bisherigen Marvell-Aktionäre nur noch rund 67 Prozent des kombinierten Konzerns besitzen, ein Drittel geht an die Lumentum-Eigner. Eine Verwässerung dieses Ausmaßes in einer Phase, in der die Bewertungen von KI-Hardware ohnehin wackelten, kam schlecht an.
Strategisch hat der Deal durchaus Charme. Marvell bringt Netzwerkchips, elektrische Verbindungstechnik und maßgeschneiderte KI-Prozessoren mit, Lumentum Hochleistungslaser, optische Transceiver und optische Schaltsysteme. Zusammen wollen beide einen Marktchancen-Pool von 550 Milliarden Dollar adressieren und den Wandel von Kupfer zu Licht in den Rechenzentren der Zukunft dominieren. Doch genau diese Rechenzentren sind seit Dienstag politisch umstritten. Am Donnerstag verlor der NASDAQ100 Verlierer Marvell im allgemeinen Chip-Crash weitere gut 16 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei gut 316 Dollar im Juni ist die Aktie inzwischen mehr als 55 Prozent entfernt, auf Monatssicht steht ein Minus von über 50 Prozent. Die nächste große Bewährungsprobe kommt Ende November mit den Quartalszahlen.
NASDAQ100 Verlierer der Woche Platz 2, 4 und 5: Seagate, Western Digital und Sandisk – der Speicher-Crash Die drei Speicherspezialisten Seagate Technology, Western Digital und Sandisk erlebten die vielleicht brutalste Woche seit Jahren. Seagate verlor 28,48 Prozent auf 460,99 Dollar, Western Digital 27,95 Prozent auf 263,78 Dollar, Sandisk 27,44 Prozent auf 835,06 Dollar. Allein am Donnerstag brach Sandisk um mehr als 22 Prozent ein, Western Digital um gut 17 Prozent, auch Seagate verlor zweistellig.
Der Grund liegt in der Rolle, die diese Unternehmen im KI-Boom spielen. Jedes große Sprachmodell braucht gigantische Datenmengen, die irgendwo gespeichert werden müssen – auf Festplatten von Seagate und Western Digital, auf Flash-Speichern von Sandisk. Die Nachfrage aus den Rechenzentren hatte in den vergangenen Monaten für Lieferengpässe, steigende Preise und Rekordmargen gesorgt. Die Kurse explodierten entsprechend: Sandisk hat sich in zwölf Monaten mehr als vervierfacht, Seagate auf Fünfjahressicht nahezu verfünffacht, Western Digital sogar mehr als versechsfacht.
Wer so hoch bewertet ist, braucht ein Szenario ohne Bremsspuren. Genau dieses Szenario stellte die Wahlnacht infrage. Wenn Bauvorhaben verzögert, Genehmigungen erschwert oder Projekte gar gestoppt werden, trifft das die Speicherhersteller als Erstes, denn ihre Kapazitätsplanung basiert auf dem ungebremsten Ausbau. Schon in der Nacht zum Donnerstag waren die großen asiatischen Chipwerte unter Druck geraten. Hinzu kamen schwache Ausblicke von Qualcomm und Arm, die die Stimmung im gesamten Halbleitersektor zusätzlich verdüsterten. Einzelne Marktbeobachter halten weitere Rückschläge von zehn bis zwölf Prozent für möglich, bevor sich der Sektor stabilisiert.
Am Freitag gelang zumindest Sandisk eine Gegenbewegung um 3,55 Prozent, während Seagate und Western Digital noch einmal leicht nachgaben. Die NASDAQ100 Verlierer Seagate, Western Digital und Sandisk stehen damit exemplarisch für die neue Nervosität: Die Fundamentaldaten haben sich in dieser Woche nicht verändert, wohl aber die Annahmen darüber, wie lange der Boom noch ungebremst weiterläuft.
Die große Lehre: Was die NASDAQ100 Gewinner und NASDAQ100 Verlierer verbindet
Auf den ersten Blick wirken die zehn Namen wie ein Zufallsmix. Auf den zweiten Blick ergibt sich ein klares Muster. Die NASDAQ100 Gewinner der Woche – AppLovin, IDEXX, Airbnb, Take-Two und Booking – verdienen ihr Geld mit Endkunden, Werbetreibenden, Tierärzten, Reisenden und Spielern. Ihr Wachstum hängt von Konsum und Software ab, nicht von Baggern und Stromleitungen. Vier der fünf überzeugten zudem mit starken Quartalszahlen genau in dem Moment, in dem Anleger nach Alternativen zur KI-Hardware suchten.
Die NASDAQ100 Verlierer der Woche – Lumentum, Seagate, Marvell, Western Digital und Sandisk – sind dagegen allesamt Zulieferer des Rechenzentrums-Booms. Sie waren die Lieblinge der vergangenen Monate, mit Bewertungen, die einen jahrelangen, ungestörten Ausbau unterstellten. Diese Woche hat gezeigt, wie schnell sich diese Annahme ändern kann, wenn sich in Washington die Machtverhältnisse verschieben.
Das bedeutet nicht, dass der KI-Boom vorbei ist. Die großen Cloud-Konzerne investieren weiter Hunderte Milliarden Dollar, und kein Gesetz ist bislang verabschiedet. Aber es bedeutet, dass der Markt eine neue Risikoprämie einpreist: das politische Risiko. Und das trifft diejenigen am härtesten, die am meisten Zukunft in ihren Kursen tragen.
Die NASDAQ100 Gewinner der Woche auf einen Blick
1. AppLovin Corporation (ISIN: US03831W1080, Symbol: APP) – 391,22 US-Dollar, +71,21 Prozent auf Wochensicht Q3 2026: Umsatz 2,185 Mrd. US-Dollar (+55 Prozent), Gewinn je Aktie 4,30 US-Dollar Ausblick Q4: Umsatz 2,365 bis 2,395 Mrd. US-Dollar Aktienrückkauf: Ermächtigung auf 3,6 Mrd. US-Dollar erhöht
Zwölfmonatsperformance: rund −37 Prozent
2. IDEXX Laboratories, Inc. (ISIN: US45168D1046, Symbol: IDXX) – 676,04 US-Dollar, +22,65 Prozent auf Wochensicht Q3 2026: Umsatz 1,214 Mrd. US-Dollar (+10 Prozent), Gewinn je Aktie 4,01 US-Dollar (+18 Prozent) Prognose 2026: Umsatz 4,741 bis 4,767 Mrd. US-Dollar, Gewinn je Aktie 14,96 bis 15,16 US-Dollar
Monatsperformance: rund +31 Prozent
3. Airbnb, Inc. (ISIN: US0090661010, Symbol: ABNB) – 189,99 US-Dollar, +15,57 Prozent auf Wochensicht Q3 2026: Umsatz 4,87 Mrd. US-Dollar, Gewinn je Aktie 3,16 US-Dollar Jahresprognose: erneut angehoben
Zwölfmonatsperformance: rund +58 Prozent
4. Take-Two Interactive Software, Inc. (ISIN: US8740541094, Symbol: TTWO) – 214,87 US-Dollar, +12,99 Prozent auf Wochensicht
Prognose Geschäftsjahr 2027: Net Bookings 8,0 bis 8,2 Mrd. US-Dollar
Nächste Termine: Quartalszahlen am 9. November 2026, Start von GTA VI am 19. November 2026
Zwölfmonatsperformance: rund −15 Prozent
5. Booking Holdings Inc. (ISIN: US09857L1089, Symbol: BKNG) – 160,665 US-Dollar, +8,46 Prozent auf Wochensicht Q3 2026: Übernachtungen +7 Prozent, Bruttobuchungen +10 Prozent, bereinigter Gewinn je Aktie +17 Prozent Aktienrückkauf: 2,1 Mrd. US-Dollar im Quartal, 12,4 Mrd. US-Dollar Restvolumen Zwölfmonatsperformance: rund −18 Prozent
Die NASDAQ100 Verlierer der Woche auf einen Blick
1. Lumentum Holdings Inc. (ISIN: US55024U1097, Symbol: LITE) – 538,59 US-Dollar, −35,94 Prozent auf Wochensicht Übernahme durch Marvell: 4,5 Marvell-Aktien je Lumentum-Aktie, Abschluss erwartet im ersten Halbjahr 2028 Q1 GJ 2027: Umsatz 1,26 Mrd. US-Dollar, Ausblick Q2: 1,575 bis 1,625 Mrd. US-Dollar
Monatsperformance: rund −52 Prozent
2. Seagate Technology Holdings plc (ISIN: IE00BKVD2N49, Symbol: STX) – 460,99 US-Dollar, −28,48 Prozent auf Wochensicht Monatsperformance: rund −43 Prozent
Zwölfmonatsperformance: rund +66 Prozent
3. Marvell Technology, Inc. (ISIN: US5738741041, Symbol: MRVL) – 141,20 US-Dollar, −28,11 Prozent auf Wochensicht Tagesverlust am Tag der Lumentum-Ankündigung: −12,7 Prozent 52-Wochen-Hoch: gut 316 US-Dollar (Juni 2026)
Nächster Termin: Quartalszahlen Ende November 2026
4. Western Digital Corporation (ISIN: US9581021055, Symbol: WDC) – 263,78 US-Dollar, −27,95 Prozent auf Wochensicht Monatsperformance: rund −36 Prozent
Zwölfmonatsperformance: rund +61 Prozent
5. Sandisk Corporation (ISIN: US80004C2008, Symbol: SNDK) – 835,06 US-Dollar, −27,44 Prozent auf Wochensicht Tagesverlust am 5. November: mehr als −22 Prozent Monatsperformance: rund −50 Prozent Zwölfmonatsperformance: rund +302 Prozent
Häufige Fragen zu den NASDAQ100 Gewinnern und NASDAQ100 Verlierern der Woche
Welche Aktien waren die NASDAQ100 Gewinner der Woche? In der Woche vom 2. bis 6. November 2026 waren AppLovin (+71,21 Prozent), IDEXX Laboratories (+22,65 Prozent), Airbnb (+15,57 Prozent), Take-Two Interactive (+12,99 Prozent) und Booking Holdings (+8,46 Prozent) die fünf stärksten Werte im NASDAQ100.
Welche Aktien waren die NASDAQ100 Verlierer der Woche? Die fünf schwächsten Werte waren Lumentum (−35,94 Prozent), Seagate Technology (−28,48 Prozent), Marvell Technology (−28,11 Prozent), Western Digital (−27,95 Prozent) und Sandisk (−27,44 Prozent).
Warum sind Chip- und Speicheraktien so stark gefallen? Nach dem deutlichen Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen fürchten Anleger strengere Regeln und mögliche Baustopps für KI-Rechenzentren. Am Donnerstag verlor der NASDAQ100 deshalb 6,36 Prozent – Speicher-, Optik- und Halbleiterwerte traf es am härtesten.
Warum ist die Lumentum-Aktie um fast 36 Prozent eingebrochen? Marvell will Lumentum in einem reinen Aktientausch übernehmen: 4,5 Marvell-Aktien je Lumentum-Aktie. Weil die Marvell-Aktie um 28,11 Prozent fiel, schrumpfte der Wert des Angebots mit. Zusätzlich belasteten der Ausverkauf bei KI-Infrastrukturwerten und der lange Zeitraum bis zum geplanten Abschluss.
Warum ist die AppLovin-Aktie um mehr als 70 Prozent gestiegen? AppLovin übertraf mit einem Umsatzplus von 55 Prozent auf 2,185 Milliarden Dollar die eigene Prognose deutlich, gab einen starken Ausblick und erhöhte das Aktienrückkaufprogramm auf 3,6 Milliarden Dollar. Weil die Aktie zuvor rund die Hälfte ihres Wertes verloren hatte, fiel die Gegenbewegung besonders heftig aus.
Fazit: Die NASDAQ100 Gewinner und NASDAQ100 Verlierer zeigen eine Börse im Umbruch
Diese Woche wird in die Geschichtsbücher der Wall Street eingehen – als die Woche, in der die Politik den KI-Boom einholte. Der NASDAQ100 Gewinner der Woche AppLovin beweist, dass außergewöhnliche Zahlen selbst im größten Sturm zu außergewöhnlichen Kurssprüngen führen können. IDEXX, Airbnb, Take-Two und Booking zeigen, wohin das Geld fließt, wenn die Angst umgeht: zu Geschäftsmodellen, die man verstehen kann und die nicht von einer Baugenehmigung abhängen.
Der NASDAQ100 Verlierer der Woche Lumentum wiederum ist eine Lektion darüber, wie gefährlich ein Übernahmeangebot in eigenen Aktien sein kann, wenn der Käufer selbst ins Rutschen gerät. Und Seagate, Marvell, Western Digital und Sandisk stehen für die bittere Wahrheit jeder Euphorie: Wer die höchsten Erwartungen trägt, fällt am tiefsten, sobald nur eine einzige Annahme ins Wanken gerät.
Ob aus dem Donnerstags-Crash eine nachhaltige Trendwende wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Die Demokraten werden ihre Pläne für Rechenzentren konkretisieren müssen, die Cloud-Konzerne werden zeigen, ob sie ihre Investitionen fortsetzen, und mit Take-Two am Montag sowie dem GTA-Start am 19. November stehen weitere Kurstreiber vor der Tür. Eines steht schon jetzt fest: Die Zeiten, in denen jede KI-Aktie automatisch stieg, sind vorbei. Die Börse unterscheidet wieder – und das macht sie so spannend wie lange nicht.
Redaktion, aktiencheck.de
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