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Vermögensallokation: Vor und nach Jackson Hole




15.09.22 10:50
NN Investment Partners

Den Haag (www.aktiencheck.de) - Die Bärenmarktrally bei Risikoanlagen und der überraschende Renditeeinbruch bei Anleihen endeten im August, so Dr. Marco Willner, Head of Investment Strategy, und Patrick Moonen, Principal Strategist bei NN Investment Partners.

Die Experten seien immer der Meinung gewesen, dass diese Rally nicht von Dauer sein würde, da sie in erster Linie die Folge kurzfristiger Marktentwicklungen wie eine extrem pessimistische Anlegerstimmung und eine geringe Allokation gewesen sei und nicht einer Verbesserung der grundlegenden makroökonomischen Fundamentaldaten.

Jackson Hole sei zweifellos das bedeutendste Ereignis des vergangenen Monats gewesen, bezogen auf das Anlegerverhalten. Vor der Konferenz galt die Devise "schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten", und die Märkte seien davon ausgegangen, dass schwache Wirtschaftsdaten zu einem raschen Kurswechsel der Zentralbanken führen würden. Dies sei in den letzten Jahren tatsächlich die Regel gewesen, da die Geldpolitik oftmals die Anleger gerettet habe. Der FED-Vorsitzende Jerome Powell und EZB-Ratsmitglied Isabel Schnabel hätten diese Annahme über den Haufen geworfen. Beide hätten deutlich gemacht, dass es oberstes Ziel sei, die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen, auch wenn dies zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten führe.

Leider gebe es derzeit viele schlechte Nachrichten zu verdauen, insbesondere in Europa. Die jüngsten Inflationszahlen für die Eurozone seien die Erwartungen überstiegen und hätten sogar auf eine zunehmende Inflation jenseits von Lebensmitteln und Energie hingedeutet. Die Energiekrise ersticke die europäische Wirtschaft. Die Verbraucher würden erhebliche Einbußen bei Realeinkommen und Kaufkraft verzeichnen. Die Unternehmen würden sich mit steigenden Kosten konfrontiert sehen. Einige würden sogar darüber nachdenken, energieintensive Produktionsanlagen vorübergehend stillzulegen, weil ihr Betrieb nicht mehr rentabel sei. Eine Rezession scheine in Europa unvermeidlich. Erschwerend komme hinzu, dass die politische Landschaft mit den bevorstehenden Wahlen in Italien zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt undurchsichtig sei.

In China stottere weiterhin der Wachstumsmotor aufgrund der Immobilienkrise und der anhaltenden wirtschaftlichen Probleme, die durch die Null-Covid-Politik verursacht würden. Die chinesischen Behörden würden Konjunkturhilfen anbieten, doch dürften entschiedenere Maßnahmen erst nach dem Parteikongress im Oktober zu erwarten sein.

Zudem sind Unternehmensgewinne rückläufig, und die Prognosen für 2023 scheinen immer noch viel zu hoch, so die Experten von NN Investment Partners. Die Zukunftsindikatoren seien negativ, und die Gewinnprognosen für die nächsten zwölf Monate würden häufiger gesenkt als angehoben. Die Experten würden davon ausgehen, dass sich dieser Trend fortsetzen werde.

Die fehlende geldpolitische Wende, zumindest in den nächsten Monaten, könnte auch bedeuten, dass die Erhöhung der Bewertungsmultiplikatoren nicht zum Tragen komme und dass sich die Märkte an den makroökonomischen und unternehmerischen Fundamentaldaten orientieren würden. In der Vergangenheit habe es einer Senkung der Leitzinsen bedurft, bevor sich die Märkte nachhaltig erholten würden. Die Experten würden auch in Zukunft das Spannungsfeld zwischen Wachstum, Inflation und Geldpolitik im Auge behalten, das sich, wie bereits erwähnt, in den letzten Monaten nicht verbessert habe.

Darüber hinaus deuten unsere quantitativen Top-Down-Signale auf eine moderate bis starke Untergewichtung risikoreicher Anlagen hin, so die Experten von NN Investment Partners. Sowohl die fundamentalen als auch die verhaltensbasierten Indikatoren seien negativ. In diesem Umfeld würden die Experten es vorziehen, bei ihrer taktischen Vermögensallokation zurückhaltend zu sein. Sie hätten Investment-Grade-Credit, Hochzinsanleihen und Zinsen stark untergewichtet. Die Experten würden auch ihre moderate Untergewichtung in Aktien und Immobilien beibehalten. Rohstoffe seien neutral.

Die Experten von NN Investment Partners bleiben bei ihrer Untergewichtung in globalen Aktien. Das Verhältnis zwischen Wachstum, Inflation und Politik habe sich nach den Ergebnissen der Konferenz in Jackson Hole und den jüngsten Inflationszahlen in Europa nicht verbessert. Wir treten in die zweite Phase der Korrektur ein, die durch einen Zyklus von Gewinnkorrekturen ausgelöst wird, so die Experten von NN Investment Partners. Die zurückhaltende Anlegerstimmung und die geringe Positionierung könnten als Puffer dienen, würden aber nicht ausreichen, um eine nachhaltige Trendwende an den Märkten herbeizuführen.

Was die Regionen betreffe, so hätten die Experten die Untergewichtung in der Eurozone von moderat auf erheblich erhöht. Die Region reagiere aufgrund ihrer Abhängigkeit von russischem Gas am empfindlichsten auf die steigenden Energiepreise. Sie reagiere auch stärker auf das globale Wachstum als die USA. Eine Rezession in der Eurozone sei das Basisszenario der Experten. Die EZB werde die Leitzinsen aggressiv anheben, um die Inflation zu bekämpfen, und laufe Gefahr, einen geldpolitischen Fehler zu begehen, indem sie die Zinsen zu stark anhebe.

Auf Sektorebene würden sich die Experten stärker auf die Wachstumsverlangsamung konzentrieren. Sie hätten ihre Übergewichtung im Energiesektor auf neutral reduziert, was ihre ausgewogenere Einschätzung des Ölpreises widerspiegele. Rohstoffe würden untergewichtet bleiben. Die Experten würden ihre Übergewichtung in den defensiven Sektoren Gesundheitswesen und Versorger beibehalten.

Die Anleiherenditen seien im August deutlich gestiegen, nachdem die FED und die EZB ihre Entschlossenheit zur Inflationsbekämpfung bekräftigt hätten. Die Experten hätten die moderate Untergewichtung in Bundesanleihen und Treasuries weiter ausgebaut, da sie nach wie vor das Risiko höherer Zinsen aufgrund einer hohen Inflation und einer strafferen Geldpolitik sähen. Die Experten würden auch ihre Positionen in US 2/30 Flattener beibehalten. Die Diskussion über eine Anhebung des Leitzinses über den neutralen Zinssatz hinaus zur Bekämpfung der Inflation lasse mehr Renditepotenzial am kurzen Ende der Kurve zu. Gleichzeitig könnten die Zweifel an den Wachstumsaussichten auch die länger laufenden Anleihen belasten.

Außerdem hätten die Experten die Anleihen-Spreads erneut stark untergewichtet. Sie würden davon ausgehen, dass die Zinsvolatilität nach dem Treffen in Jackson Hole wieder stark ansteige, was den Druck auf die Credit Spreads der Industrieländer erhöhe. Außerdem könnte sich der Fokus auf einen schwächeren globalen Makroausblick richten. Auch wenn die US-Daten ein eher gemischtes Bild und immer noch einige vergleichsweise stärkere Faktoren aufweisen würden als die Wirtschaft der Eurozone, seien die Experten der Meinung, dass der Markt den so genannten "FED-Pivot" übertrieben und die makroökonomischen Prognosen übermäßig optimistisch bewertet habe. Die Spreads seien nach wie vor entweder durch hawkishe Zentralbanken oder eine Wachstumsverlangsamung bedroht. Die Experten würden bearish bleiben.

Die Experten hätten Immobilien untergewichtet, was ihrer seit langem bestehenden mittelfristigen Untergewichtung entspreche. Da die Zentralbanken ihren Kurs konsequent fortsetzen würden und die Inflation in nächster Zeit kaum nachlassen dürfte, sei an der Zinsfront kaum mit einer baldigen Unterstützung zu rechnen. Die Bewertung von Unternehmensanleihen sei in den USA nach wie vor unattraktiv. Die Gewinnrendite im Vergleich zur Rendite 10-jähriger Treasuries liege unter ihrem langfristigen Durchschnitt. Außerdem liege das MSCI RE Forward PE immer noch über seinem langfristigen Durchschnitt. Das erwartete Gewinnwachstum für globale Immobilien sei in diesem Jahr mit 2% immer noch gering. Für die USA werde ein Rückgang des Gewinns je Aktie um 3% erwartet. Der Index der US National Association of Home Builders, der die Einschätzung der Bauunternehmen hinsichtlich der Verkaufsbedingungen für Eigenheime widerspiegele, sei im August weiter auf 49 gesunken. Die Erschwinglichkeit von Wohnraum (bei hohen Preisen und steigenden Zinsen) habe sich deutlich verschlechtert. Die Immobilienerträge je Aktie dürften in der Eurozone in diesem Jahr um 5% steigen, doch dürfte diese Schätzung aufgrund des sich abschwächenden Wachstums weiter zurückgehen.

Die Gewinnentwicklung in der Eurozone und in den USA sei schlechter geworden. Die Positionierung der europäischen Immobilienanleger sei trotz einiger Abflüsse immer noch übergewichtet. Einige Probleme im Immobiliensektor würden sich abzeichnen, da Immobilienentwickler in Europa ihre Projekte aufgrund hoher Rohstoffkosten verschieben möchten. Auch die Banken der Eurozone und der USA würden ihre Richtlinien für die Kreditvergabe im Immobilienbereich verschärfen.

Bei Rohstoffen seien die Experten neutral. In diesem Bereich seien gegenläufige Kräfte am Werk. Einerseits seien die physischen Märkte knapp, insbesondere bei Ölprodukten, und die Kurven würden sich in der Backwardation befinden. Die Lagerbestände seien niedrig. In China seien die Makrodaten schwach, vor allem im Immobiliensektor, aber die Konjunkturmaßnahmen würden verstärkt. Sanktionsbedingte Risiken würden bestehen bleiben, und die Allokation der Anleger sei gering. Die reale Gefahr einer Rezession drohe, die in der Vergangenheit die Rohstoffpreise belastet habe, vor allem die zyklischen Energieträger und Industriemetalle, aber auch die Landwirtschaft. Diese Rezessionssorgen würden weiterhin im Mittelpunkt stehen und durch die mögliche Rationierung der Nachfrage verstärkt werden, sollte Russland die Gaslieferungen nach Europa weiter drosseln. Auch die anhaltende Ungewissheit in Bezug auf die Wiedereröffnung und Lockdowns chinesischer Märkte sowie der starke USD würden die Rohstoffmärkte weiter belasten. (15.09.2022/ac/a/m)







 
 
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