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New York (www.aktiencheck.de) - Verschärfte Umweltauflagen und geringe Investitionen in Grundlastkapazitäten erfordern es, Europas Taxonomie-Kriterien zu überdenken, um einen nahtlosen Übergang zu einer klimaneutralen Zukunft zu schaffen, so Linus Claesson, Senior Research Analyst bei Neuberger Berman.
Der jüngste Anstieg der Gas- und Strompreise offenbare in Europa ein immer fragileres Energiesystem. Die fortschreitende Schließung von Kohle- und Kernkraftwerken und erhöhter Druck am Kohlenstoffmarkt würden dazu führen, dass Europa immer stärker auf Erdgas angewiesen sei. Dabei würden allerdings bis zu 60 Prozent des Erdgases aus Importen stammen - das werfe Fragen über die Gesamtanfälligkeit des Systems auf. Wäre der Gasmarkt in Europa vor einigen Jahren ähnlich angespannt gewesen, hätte der Versorgungssektor - auf den 34 Prozent der Gasnachfrage in Europa entfallen würden - die Gasnachfrage heruntergefahren. Die höheren Gaspreise hätten dann Anreize für kohlenstoffintensivere Alternativbrennstoffe für die Stromerzeugung geboten.
Dazu sei es in der gegenwärtigen Situation nicht gekommen. Zum Teil sei das auf einen anziehenden Kohlenstoffmarkt in Europa zurückzuführen: Seien die Erdgaspreise heute höher als die Preise für Kohle - sei es, weil sie im Vergleich stärker steigen oder weniger fallen würden - biete das Anreize für die Kohleverstromung. Aufgrund des höheren Kohlenstoffgehalts in der Kohle steige damit einhergehend die Nachfrage nach Kohlenstoffzertifikaten. Dadurch würden dann wiederum die Kohlenstoffpreise steigen, bis schließlich ein Ausweichen auf diese Brennstoffe nicht mehr rentabel sei und Erdgas wieder bevorzugt werde. Das bedeute, dass die Preise auf einem angespannten Gasmarkt theoretisch so lange steigen könnten, bis die Nachfrage an anderer Stelle in der Wirtschaft gedrosselt werde - beispielsweise in energieintensiven Industrien wie der Düngemittel-, Glas- oder Stahlproduktion. Das könnte sich wiederum auf die gesamte Wirtschaft auswirken. Vor diesem Hintergrund werde es für Europa immer schwieriger, die zunehmende Abhängigkeit von Gasimporten mit strengeren Umweltauflagen in Einklang zu bringen.
Niemand möchte zu dem alten kohlenstoffintensiven Energiesystem zurückkehren. Europas Lösung für die mangelnde Selbstversorgung bestehe darin, den Einsatz erneuerbarer Energieerzeugung zu beschleunigen. Sie werde weitgehend als deflationär für die Energiekosten angesehen, während sie gleichzeitig Europas Abhängigkeit von Gas verringere und die Kohlenstoffemissionen begrenze. Bei Neuberger Berman gehe man davon aus, dass sich der Einsatz erneuerbarer Energieerzeugung in den nächsten zehn Jahren im Vergleich zum letzten Jahrzehnt um den Faktor drei oder vier steigere.#
Dennoch: Trotz der ehrgeizigen Pläne für erneuerbare Energie seien erhebliche Investitionen in andere Quellen der Grundlastkapazität erforderlich. Der erste Schritt könnte darin bestehen, dass Europa die Kernenergie im Rahmen der EU-Taxonomie als praktikable kohlenstofffreie Alternative anerkenne. Eine weitere Möglichkeit wäre, Erdgas als Übergangskraftstoff anzuerkennen, um Anreize für ausreichende Investitionen zu schaffen und die Abhängigkeit von geopolitischen Fragen sowie der globalen Angebots-Nachfrage-Dynamik zu verringern. Gleichzeitig könnte so die Lücke zwischen den Energiesystemen der Vergangenheit und den klimaneutralen Lösungen von morgen überbrückt werden.
Bei Neuberger Berman ist man davon überzeugt, dass diese übergreifenden Trends nachhaltige, langfristige Investitionsmöglichkeiten in Unternehmen bieten, die zum Aufbau eines robusten kohlenstofffreien Energiesystems beitragen. Sie würden Chancen bieten, jahrzehntelang von einer beschleunigten Energiewende zu profitieren. Die großen Gewinner der heutigen Volatilität des Energiemarktes seien die Betreiber von Kernkraftwerken, die Entwickler erneuerbarer Energien und Unternehmen, die in die Widerstandsfähigkeit der Energiesysteme investieren würden. (22.10.2021/ac/a/m)
Der jüngste Anstieg der Gas- und Strompreise offenbare in Europa ein immer fragileres Energiesystem. Die fortschreitende Schließung von Kohle- und Kernkraftwerken und erhöhter Druck am Kohlenstoffmarkt würden dazu führen, dass Europa immer stärker auf Erdgas angewiesen sei. Dabei würden allerdings bis zu 60 Prozent des Erdgases aus Importen stammen - das werfe Fragen über die Gesamtanfälligkeit des Systems auf. Wäre der Gasmarkt in Europa vor einigen Jahren ähnlich angespannt gewesen, hätte der Versorgungssektor - auf den 34 Prozent der Gasnachfrage in Europa entfallen würden - die Gasnachfrage heruntergefahren. Die höheren Gaspreise hätten dann Anreize für kohlenstoffintensivere Alternativbrennstoffe für die Stromerzeugung geboten.
Niemand möchte zu dem alten kohlenstoffintensiven Energiesystem zurückkehren. Europas Lösung für die mangelnde Selbstversorgung bestehe darin, den Einsatz erneuerbarer Energieerzeugung zu beschleunigen. Sie werde weitgehend als deflationär für die Energiekosten angesehen, während sie gleichzeitig Europas Abhängigkeit von Gas verringere und die Kohlenstoffemissionen begrenze. Bei Neuberger Berman gehe man davon aus, dass sich der Einsatz erneuerbarer Energieerzeugung in den nächsten zehn Jahren im Vergleich zum letzten Jahrzehnt um den Faktor drei oder vier steigere.#
Dennoch: Trotz der ehrgeizigen Pläne für erneuerbare Energie seien erhebliche Investitionen in andere Quellen der Grundlastkapazität erforderlich. Der erste Schritt könnte darin bestehen, dass Europa die Kernenergie im Rahmen der EU-Taxonomie als praktikable kohlenstofffreie Alternative anerkenne. Eine weitere Möglichkeit wäre, Erdgas als Übergangskraftstoff anzuerkennen, um Anreize für ausreichende Investitionen zu schaffen und die Abhängigkeit von geopolitischen Fragen sowie der globalen Angebots-Nachfrage-Dynamik zu verringern. Gleichzeitig könnte so die Lücke zwischen den Energiesystemen der Vergangenheit und den klimaneutralen Lösungen von morgen überbrückt werden.
Bei Neuberger Berman ist man davon überzeugt, dass diese übergreifenden Trends nachhaltige, langfristige Investitionsmöglichkeiten in Unternehmen bieten, die zum Aufbau eines robusten kohlenstofffreien Energiesystems beitragen. Sie würden Chancen bieten, jahrzehntelang von einer beschleunigten Energiewende zu profitieren. Die großen Gewinner der heutigen Volatilität des Energiemarktes seien die Betreiber von Kernkraftwerken, die Entwickler erneuerbarer Energien und Unternehmen, die in die Widerstandsfähigkeit der Energiesysteme investieren würden. (22.10.2021/ac/a/m)
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