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Kolumnist: Miningscout.de

Rohstoffimporte: Läuft Chinas Wirtschaft besser als gedacht?




07.03.24 13:52
Miningscout.de

China hat im Januar und Februar deutlich mehr Rohstoffe importiert als im Vorjahr. Gefragt waren insbesondere Öl, Gas und Kohle – aber auch Eisenerz. Vor dem Hintergrund der konjunkturellen Flaute überrascht dies.


 



Die chinesischen Rohstoffimporte waren in den ersten beiden Monaten des Jahres deutlich stärker als die konjunkturelle Situation des Landes vermuten ließ. So stiegen die Ölimporte der Volksrepublik in den ersten beiden Monaten von 10,44 Millionen bpd im Vorjahr auf 11,51 Millionen bpd in diesem Jahr. Diese Daten jedenfalls nennt Reuters unter Berufung auf LSEG Oil Research.


China fasst die Importdaten für Januar und Februar in einer einzigen Veröffentlichung zusammen, um die Auswirkungen der Neujahrsfeiertage zu glätten. Die offiziellen Daten für die ersten beiden Monate des Jahres werden für den 7. März erwartet.


Kpler, ein Spezialist für Rohstoffe und Handelsdaten, schätzt für die ersten beiden Monate des Jahres die LNG-Importe Chinas auf 13,52 Millionen t – ein Anstieg um 22,5 %.


China importiert mehr Öl, Gas, Kohle – und Eisenerz


Die Eisenerzimporte stiegen Kpler zufolge um 4,6 % auf 21551 Millionen t. Auch beim Kohleimport wurde ein deutlicher Anstieg verzeichnet. Kpler gibt hier einen Zuwachs um 28,1 % auf 62,4 Millionen t an.


Welche Erklärungen gibt es für die ungewöhnlich starken Importe angesichts der schwächelnden chinesischen Konjunktur? Dafür lassen sich verschiedene Gründe anführen.


So lagen die Ölpreise von Oktober bis Mitte Dezember vergleichsweise niedrig (am 13. Dezember wurde ein Tiefstand bei gut 72 USD pro Barrel erreicht).


Dies und eine Erhöhung der Importquoten könnten Einkäufer in Raffinerien dazu ermutigt haben, über den Verarbeitungsbedarf hinaus einzukaufen.


Die hohe Nachfrage nach Kohle lässt sich teilweise mit der geringen Stromproduktion aus Wasserkraft erklären. Außerdem waren die inländischen Preise für Kohle hoch, weil die Produktion durch Sicherheitskontrollen eingeschränkt war.


Dass die Nachfrage nach Eisenerz trotz des desaströsen Immobiliensektors anzieht, könnte auf die Erwartung fiskalpolitischer Stimuli bei Stahlproduzenten zurückzuführen sein. So berichtet das Beratungsunternehmen SteelHome, dass die Vorräte zum Märzanfang auf 134,9 Millionen t gestiegen seien – ein Zuwachs um 28,6 % im Vergleich zu Ende Oktober, als ein siebenjähriger Tiefstand verzeichnet wurde.


Chinas Wirtschaft: Droht eine Dauer-Depression wie in Japan?


China befindet sich in einer schwierigen ökonomischen Situation. Dafür sprechen verschiedene Entwicklungen. So stieg die Staatsschuldenquote laut einem Bericht der National Institution for Finance and Development (NIFD) im vergangenen Jahr um 5,3 Prozentpunkte auf 55,9 %. Die Macro Leverage Ratio, die die gesamten ausstehenden nichtfinanziellen Schulden als Anteil des nominalen Bruttoinlandsprodukts misst, stieg um 13,5 Prozentpunkte auf 287,8 %.


Als besonders angeschlagen gilt der Immobiliensektor. Seit dem Höhepunkt vor der Pandemie sind die Verkäufe hier um ein Drittel zurückgegangen, der Neubau schrumpfte um 60 %. Ökonomen erinnern an zyklische Schuldenkrisen, wie sie etwa 1989 in Japan zutage trat.


Solche Krisen können ausgesprochen langwierig sein. In Japan fielen die Immobilienpreise über zwei Dekaden. Japan entwickelte sich von der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaft im Zeitraum 1954 bis 1973 mit einem typischen Wachstum von über 10 % pro Jahr zur langsamsten Wirtschaft mit einem durchschnittlichen Wachstum von nur 1,75 % pro Jahr von 1981 bis 2023.


Peking will Fälschen von Wirtschaftsdaten unter Strafe stellen

Die Sorgen vor einer langfristigen Strukturkrise Chinas wachsen. Der chinesische Renminbi erreichte im September ein 16-Jahres-Tief – und wird seitdem durch den Verkauf von Devisenreserven gestützt. Das Land leidet unter deflationären Tendenzen und einer hohen Jugendarbeitslosigkeit.


In dieser Woche hatte der Einkaufsmanagerindex (PMI) abermals Schwäche signalisiert. Der Index fiel im Februar zum fünften Mal in Folge auf 49,1 (Januar: 49,2.). Damit bleibt der PMI unter der Marke von 50, die Wachstum anzeigt.


Die Glaubwürdigkeit chinesischer Konjunkturdaten ist generell begrenzt – das ist auch in China bekannt. So will das Land das Fälschen von Konjunkturdaten unter Strafe stellen. Das Nationale Statistikamt hatte im Januar Statistikbetrug als "die größte Korruption im Bereich Statistik" bezeichnet.


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