Chile will die Lithiumproduktion um 70 % steigern und gibt dafür neue Gebiete frei. Projekte in als strategisch eingestuften Regionen erfordern eine staatliche Mehrheitsbeteiligung, während andere Vorkommen auch durch private Unternehmen abgebaut werden können.
Am Dienstag veröffentlichte die chilenische Regierung Definitionen für die nationale Lithiumstrategie, die im vergangenen Jahr beschlossen worden war. Definiert werden drei Arten von Salinen.
Strategische Salinen: Hier sehen die Definitionen vor, dass der Staat sowohl in den Atacama- als auch in den Maricunga-Salinen eine Mehrheitsbeteiligung an der Entwicklung der Projekte halten wird. Diese Mehrheitsbeteiligung wird über die staatlichen Unternehmen Codelco und Enami realisiert.
Lithiumstrategie: Chile definiert strategische Salinen
Codelco hat eine Vereinbarung mit SQM zur Steigerung der Lithiumproduktion im Salar de Atacama getroffen, wobei der Staat ab 2025 in die Produktion einsteigen und ab 2031 eine Mehrheitsbeteiligung halten wird. Codelco hat zudem die eigene Position im Salar de Maricunga durch den Erwerb des Projekts Salar Blanco ausgebaut. Hier soll in Kürze ein Verfahren zur Konsultation der indigenen Bevölkerung starten, an dessen Ende ein Ausbau der Produktion stehen wird.
Enami arbeitet am Projekt Salares Alto Andinos in der Atacama-Region und verhandelt derzeit ebenfalls mit der indigenen Bevölkerung. Parallel dazu führt Enami eine Bohrkampagne durch – und sucht nach einem privaten Investitionspartner.
Nun sollen Codelco für die Pedernales-Salinen und Enami für die Grande-, Los Infieles-, La Isla- und Aguilar-Salinen mit der Projektentwicklung beauftragt werden. Dazu sollen öffentlich-private Partnerschaften "mit der für jede Initiative erforderlichen Flexibilität" zum Einsatz kommen.
Die letzten Details für diese Partnerschaften hat die Regierung noch nicht festgelegt. So heißt es lediglich, dass die Staatsunternehmen "eine Beteiligungsstruktur vereinbaren, die die Rentabilität des Projekts und die Erfüllung der in der Nationalen Lithiumstrategie vorgesehenen Ziele garantiert".
Geschützte Salzebenen: Die Definitionen sehen auch Bereiche vor, die unter Naturschutz gestellt werden. Dazu sollen noch Studien in Auftrag gegeben werden. Zu den geschützten Bereichen sollen alle Salinen und Lagunen gehören, die bereits als Nationalparks, Nationalreservate und Naturdenkmäler eingestuft sind. Ferner sollen Salinen, die unter das Gesetz Nr. 21.600 fallen, unter Naturschutz gestellt werden. Mit den Definitionen will die Regierung die unter Naturschutz stehenden Gebiete um rund 30% vergrößern.
Nicht-strategische Lithiumprojekte: Keine staatliche Mehrheit erforderlich
Salzebenen für Exploration und Abbau: In diese Kategorie fallen die Salinen in den Regionen Arica und Parinacota, Tarapacá, Antofagasta und Atacama, die nicht Teil des vorgeschlagenen Netzwerks geschützter Salinen sind und auch nicht als strategisch eingestuft werden.
Hier will die Regierung ein öffentliches und transparentes Verfahren aufsetzen und nationale und ausländische Investoren aufrufen, Interesse an der Erkundung und Ausbeutung dieser Lithiumvorkommen zu bekunden. Vorgesehen ist die Vergabe von speziellen Lithium-Betriebsverträgen (CEOL) zur Entwicklung dieser Projekte. In diesen Gebieten ist keine staatliche Mehrheit erforderlich. Die Regierung will stattdessen "die am besten geeigneten Mechanismen zur Erzielung von Einnahmen festlegen".
Die im vergangenen Jahr beschlossene nationale Lithiumstrategie sieht vor, die Produktion des Batteriemetalls innerhalb eines Jahrzehnts um 70 % zu steigern.
Das Potenzial ist vorhanden: Allein die beiden als strategisch eingestuften und daher staatlich kontrollierten Partnerschaften vorbehaltenen Salzseen Atacama und Maricunga verfügen über ein Lithiumpotenzial von insgesamt 10,8 Mio. t. José Cabello, Leiter des Beratungsunternehmens Mineralium, schätzt das zusätzliche Potenzial neun weiterer Salinen auf 3,3 Mio. t.
Chile ist derzeit der zweitgrößte Lithiumproduzent nach Australien. Die Regierung geht davon aus, dass sich die weltweite Nachfrage nach Lithium bis 2030 vervierfachen und 1,8 Millionen Tonnen erreichen wird. Das verfügbare Angebot wird bis dahin den Prognosen zufolge bei 1,5 Millionen Tonnen liegen.
Die Ausfuhren von Lithiumkarbonat machten 2023 5,3 % der chilenischen Gesamtausfuhren aus, gegenüber 8,4 % im Vorjahr. Der Rückgang ist auf die deutlich gesunkenen Lithiumpreise zurückzuführen.
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