Die "Atlantik" ist eine Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in Luxemburg. Manager dieser Firma sind laut "Handelblatt" u.a. Michael Keppel und Kurt Kinzius. Angeblich ist die Atlantik ein Fonds., der sich auf Restrukturierung von sanierungsbedürftigen Unternehmen spezialisiert hat. Auffallend ist aber, dass die Atlantik ein neues Unternehmen ist, das eigens für die Übernahme von Pfleiderer gegründet worden ist. Unklar ist auch, woher die Atlantik die 530 Millionen Euro für die Übernahme der Schulden nimmt. Man kann vermuten, dass hinter der Atlantik die Seniorgläubiger der Pfleiderer stecken. Statt einen Ausgleich mit allen Gläubigern und Aktionären zu suchen, hat man es auf die Insolvenz ankommen lassen, weil man dann günstiger wegkommt. Nach neuem deutschem Insolvenzrecht brauchen die Altaktionäre und die Halter der Hybridanleihe dann nicht mehr bedient werden (deren Anteile werden einfach dem Alt-Aktienkapital zugerechnet und ebenfalls wertlos). Die Seniorgläubiger haben aber selbst die besicherten Darlehen zu stark diskontierten Preisen gekauft. Das Management der Pfleiderer wurde ausgetauscht, und zwar in Absprache mit den Seniorgläubigern. Das Management betreibt die Insolvenz in Eigenregie. Nun lassen sich gewisse Zusammenhänge erahnen.
Fragen, die sich mir stellen, sind:
1. Welches Interesse hat die Insolvenzverwaltung, die Finanzflüsse der Vergangenheit genau zu überprüfen, wenn die Seniorgläubiger durch den Insolvenzplan nun recht gut aussteigen? 2. In der Vergangenheit wurden auffallend hohe Beraterhonorare bezahlt, die zu einem sehr hohen Kapitalabfluss geführt haben. Wurden diese Zahlungen auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft? 3. Wieso wird die neue Gesellschaft auf absehbare Zeit nicht gelistet? Vielleicht weil dann der Börsenwert, das gute Geschäft, das mit der Sanierung gemacht wird, zu offen ins Auge stechen würde? 4. Wieso wurde der Sitz der Pfleiderer kurz vor Insolvenzeröffnung nach Düsseldorf verlegt? 5. Nach der Abfindungsregelung vom Frühjahr 2012 wäre sowohl für die Altaktionäre als auch für die Halter der Hybrid-Anleihe einiges übrig geblieben. Fachleute haben diese Beträge als zu gering angesehen. Nun soll plötzlich für Aktionäre und Hybrid-Anleihehalter überhaupt nichts mehr herausschauen (einfach weil nach neuem Insolvenzrecht dazu keine Verpflichtung besteht). Da müsste das Gericht tatsächlich überprüfen, ob hier eine Gruppe extrem bevorzugt, die andere extrem benachteiligt wird.
Wird das Amtsgericht Düsseldorf aber eine solche Prüfung vornehmen? Ich denke, dass hier unbedingt die Anlegerschützer tätig werden müssen.
Der DSW ist bereits mit einer sehr mutigen Ankündigung vorgeprescht:
http://www.dsw-info.de/DSW-Pfleiderer-Aktionaere-sol.1884.0.html#c3755
Nun müssen aber Taten folgen. Vielleicht könnte ein Weg darin bestehen, dass die diejenigen Aktionäre, die noch nicht Mitglieder der DSW sind, dieser nun beitreten und aktiv auf ein Tätigwerden in der Sache "Pfleiderer" drängen. Der Mitgliedsbeitrag macht 95 Euro aus und dafür gibt es noch ein Jahres-Abo von Focus-Money gratis dazu. Und wer jetzt beitritt, dem werden die Monate bis Jahresende auch noch geschenkt. Insgesamt also durchaus überlegenswert.
Die jetzige Zockerei um die Pfleiderer-Aktie hat für mich nur insoweit eine reale Grundlage, als die Atlantik eine gute Abfindungsleistung anbieten könnte, wenn sie wollte (oder wenn sie sollte). Das allein reicht für mich aber noch nicht, um hier einzusteigen.
Es gäbe wohl zahlreiche weitere Fragen, die man hier stellen sollte. Der Pfleiderer-Fall muss unbedingt in allen Details aufgearbeitet werden |