Aber ich habe Diskriminierung auch schon anders herum erlebt: Vor knapp zehn Jahren absolvierte ich ein Praktikum in der Redaktion einer großen Zeitung. Außer mir gab es einen weiteren Praktikanten. Er kam wie ich frisch von der Journalistenschule, aber im Gegensatz zu mir war er männlich, weiß und kein notorischer Zu-spät-Kommer. Ich bekam alle tollen Jobs, durfte an großen Geschichten mitschreiben und eigene Ideen umsetzen. Der andere Praktikant durfte trotz nahezu identischer Qualifikation Kaffee kochen und kopieren.
Irgendwann hat mir ein Kollege erklärt, warum: Ich hätte den Exotenbonus. Die Belegschaft des Blattes war ziemlich homogen: männlich, weiß, 40 bis 55, verheiratet. Unter rund 30 Redakteuren gab es nur zwei Frauen – und ich war nicht nur eine Frau, sondern auch noch schwarz. Gleichzeitig war ich aber so deutsch (deutsche Muttersprachlerin, in der westdeutschen Provinz aufgewachsen, kein Kopftuch), dass keiner mit mir gefremdelt hat. Mein nicht biodeutsches Aussehen hat mir Vorteile verschafft. Ich wurde positiv diskriminiert – wahrscheinlich nur, weil sich die Redaktion mit einer Schwarzen schmücken wollte. Auch wenn sich das nicht richtig anfühlte: Ich habe davon profitiert. ...
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