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"Wir haben nie erwartet, dass Cessna einsteigt" Verwalter sieht gute Chancen für zügigen Verkauf des Flugzeugmotorenbauers Thielert - Militärgeschäft stützt Produktion - Lob an Mitarbeiter
Lichtenstein. Der Insolvenzverwalter des Flugzeugmotorenherstellers Thielert Aircraft Engines GmbH (TAE) sieht gute Chancen, zügig einen Investor für das zum Verkauf stehende Unternehmen zu finden. "Es sollte so schnell wie möglich wieder in normale Bahnen kommen", sagte Bruno M. Kübler der "Freien Presse". Er strebe einen Abschluss der Verhandlungen im Oktober an. Die derzeitige Auftragslage erlaube jedoch auch eine Investorensuche ohne Zeitdruck.
Bereits Ende Juli hatten 24 Unternehmen eine Vertraulichkeitserklärung unterzeichnet und damit ernsthaftes Interesse am Thielert-Motorengeschäft bekundet. Bei den Interessenten handelt es sich den Angaben nach überwiegend um Firmen aus der Luftfahrtbranche sowie um einige Finanzinvestoren. "Es sieht gut aus", schätzte Kübler ein und sprach von einem relativ hohen Satz an potenziellen Käufern.
Dass der amerikanische Sport- und Geschäftsflugzeugbauer Cessna kein Interesse hat, bei Thielert als Investor einzusteigen, stellt für den Verwalter kein Problem dar: "Wir haben nie erwartet, dass Cessna einsteigt", betonte Kübler. Der Grund: Triebwerkshersteller und Flugzeugbauer sollten nicht identisch sein, denn es sei sonst kaum möglich, Motoren an Wettbewerber abzusetzen.
Thielert war von Cessna, dem weltgrößten Hersteller von Kleinflugzeugen, als Lieferant für das US-Unternehmen ausgewählt worden. Cessna wollte ursprünglich einen Turbodiesel-Motor aus Lichtenstein in sein Erfolgsmodell Skyhawk 172 einbauen, stoppte die Pläne aber nach der Insolvenz von Thielert. Wie Kübler sagte, habe Cessna aber nach wie vor großes Interesse an dem Motor. Als Grund für die Verzögerungen nannte er einige technische Änderungen, die noch erfolgen müssten. Die Serienläufe für den neuen Centurion 4.0 würden noch einige Zeit in Anspruch nehmen, so Kübler. Das Produkt besitze aber alle erforderlichen Zulassungen.
Die Produktion an den Standorten Lichtenstein (240 Mitarbeiter) und Altenburg (50) läuft derweil. Über derzeitige Produktionsstückzahlen machte Kübler keine Angaben. "Es steht kein Mitarbeiter rum", meinte er. In der Fertigung werde zweischichtig gearbeitet. Ziel sei aber, zum Dreischicht-Rhythmus zurückzukehren. Stützend wirkt sich nach den Worten des Insolvenzverwalters momentan der militärische Geschäftsbereich aus. Die Kolbenflugmotoren aus Lichtenstein kommen auch in unbemannten Drohnen zum Einsatz. Das US-Unternehmen General Atomics Aeronautical Systems integriert das Aggregat bereits in seine Maschinen. Laut Kübler ist dieser Bereich für einen Großteil des jetzigen Umsatzes verantwortlich. Gut laufe auch der Verkauf von Ersatz- und Serviceteilen für zivile Kleinflugzeuge. Weltweit seien derzeit zirka 2300 Maschinen mit TAE-Motoren ausgerüstet, hieß es.
Ein großes Lob sprach Kübler für die Mitarbeiter aus. Sie bräuchten sich keine Sorgen zu machen. "Wir haben hier eine Kernmannschaft zusammen, die man zusammenhalten muss", betonte er. Auch jeder Investor wäre gut beraten, das hochqualifizierte Personal zu behalten.
Von Jan-Dirk Franke
Erschienen am 29.08.2008 |