Auch in schwierigen Zeiten bieten sich an den Boersen immer wieder herausragende Chancen, die voraus schauenden Anlegern auf Sicht einiger Monate bei geringem Risiko eine Rendite im zweistelligen Prozentbereich einbringen koennen. Da es an abgestuerzten Kandidaten derzeit aber wahrlich nicht mangelt, ist die Auswahl des richtigen Titels eine echte Herausforderung fuer Arbeitstiere. Moegliche Depotaspiranten lassen sich nur herausfiltern, wenn man neben zahlreichen fundamentalen Kriterien auch historische Daten beachtet, Branchenvergleiche anstellt und umfangreiche charttechnische Gesichtspunkte in die Analyse einbezieht.
Wir sind bei der Suche nach viel versprechenden Investments kuerzlich auf den US-Gesundheits-Dienstleister Tenet Healthcare (THC; WKN 858003) gestossen. Das Unternehmen betreibt 116 Krankenhaeuser in den Vereinigten Staaten und ist an weiteren Firmen der Branche beteiligt.
Der Chart ist ein echter Leckerbissen fuer antizyklisch agierende Anleger: Wie in der langfristigen Darstellung der vergangenen drei Jahre gut zu erkennen ist, bewegten sich die Papiere jahrelang in einem soliden Aufwaertstrend. Dann ploetzlich der Alptraum jedes Aktionaers: Innerhalb von nur zwei Wochen verlor der Titel fast 70 Prozent seines Wertes, brach von ueber 50 auf rund 13 US-Dollar ein.
Was war geschehen? Einige Aerzte des Unternehmens wurden beschuldigt, Operationen vorgenommen zu haben, die gar nicht notwendig gewesen waeren. Die Eingriffe spuelten zwar Geld in die Taschen der betreffenden Mediziner, halfen den Patienten jedoch keinen Schritt weiter. Abzockerei wie aus dem Bilderbuch gibt es offenbar nicht nur an den Finanzmaerkten.
Gegen die Gesellschaft selbst wurde zwar kein Vorwurf erhoben, der Aktienkurs ging dennoch sofort auf Tauchstation – und zwar mit auffallend hohen Umsaetzen. Derartige Ausverkaufs-Szenarien sind immer ein Grund, zweimal hinzusehen.
Im laengerfristigen Chart fallen jetzt einige Aspekte auf, die fuer eine Trendwende sprechen: Unverkennbar hat sich in den zurueckliegenden Monaten ein doppelter Boden gebildet. Zuletzt konnte der Wert voellig unbeeindruckt von den Kapriolen an den Weltboersen sogar einen leichten Aufwaertstrend ausbilden. Der Stochastik steht kurz vor einem Kaufsignal; gleiches laesst sich fuer den Trendfolger MACD vermuten.
Der kurzfristige Kursverlauf weist bei rund 25 US-Dollar ein Gap, also eine Kursluecke auf. Sofern keine weiteren Katastrophenmeldungen folgen, duerfte diese Luecke waehrend der kommenden Monate geschlossen werden. Langfristig ist damit zu rechnen, dass der ertragsstarke Titel seinen Aufwaertstrend wieder aufnimmt.
Dafuer sprechen neben der guenstigen charttechnischen Verfassung des Papiers auch die fundamentalen Daten: Aktuell wird Tenet Healthcare mit einem KGV von etwa 6,5 gehandelt; in der Vergangenheit hatte die Boerse sowohl dem Unternehmen wie auch den meisten seiner Konkurrenten einen Wert von etwa 20 zugestanden. Das Kurs-Umsatz-Verhaeltnis notiert bei 0,6, das Kurs-Buchwert-Verhaeltnis bei 1,5. Beim Gewinn konnte das Unternehmen waehrend der vergangenen fuenf Jahre jaehrlich um rund 18 Prozent zulegen. Fuer 2003 peilt Tenet Healthcare 2,90 Dollar je Aktie an – ein Anstieg von 24 Prozent gegenueber dem Vorjahr.
Langfristig agierende Anleger koennte die Ruhe nach dem Sturm nutzen und sich jetzt antizyklisch einige Stuecke ins Depot legen. Der Wert wird in Deutschland allerdings kaum gehandelt, sodass man an die Heimatboerse in New York ausweichen sollte. Eine Stopp-Marke sollte man im Bereich der Tiefstaende bei 13,70 US-Dollar platzieren. (Quelle: Doersam-Briefe)
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