Serono bekennt sich in Serostim-Promotions-Fall schuldig 17.10.2005 19:41
WASHINGTON - Der Genfer Biotechnologiekonzern Serono muss in den USA 704 Mio. Dollar (910 Mio. Fr.) Busse und Schadenersatz zahlen. Er bekannte sich im Promotions-Fall des Wachstumshormons und Aids-Medikaments Serostim schuldig. Zudem werde die Firma Serono Labs für mindestens fünf Jahre von allen staatlichen Gesundheitsprogrammen ausgeschlossen, teilte das US-Justizministeriums weiter mit. Das Ministerium bezeichnete die Regelung als "drittgrösste Rückerstattung für Betrug im öffentlichen Gesundheitswesen". Justizminister Alberto Gonzales warf dem Konzern vor, seinen Absatz über "das Interesse der Patienten" gestellt zu haben. Serostim dient der Behandlung von HIV-Patienten, die an Kräfteverfall leiden. Es soll helfen, die fettfreie Körpermasse und das Körpergewicht zu erhöhen. Die US-Justiz wirft dem Unternehmen unter anderem vor, mit Hilfe eines nicht zugelassenen medizinischen Apparats zur Messung der Körpermasse den Absatz des Mittels angekurbelt zu haben. Gleichzeitig bekannte Serono, Ärzten die Reise zu einer Konferenz in Cannes bezahlt zu haben, wenn sie sich im Gegenzug zur Verschreibung des teuren Medikaments verpflichteten. Serono hatte für den Fall bereits eine Rückstellung von 725 Mio. Dollar gebildet. Der Konzern ging davon aus, dass die Rückstellung noch in diesem Jahr vollständig gebraucht wird. Wegen eben dieser Rückstellung hatte Serono im ersten Halbjahr 2005 einen Verlust von 392,6 Mio. Dollar ausgewiesen. Die Behörden in den USA untersuchen derzeit die Preisgestaltung und die Verkaufspraktiken in der Pharmaindustrie. Unter anderem geht es dabei um Kostenerstatungen für Medikamente, und es soll geklärt werden, ob dabei Betrug im Spiel sei. In den USA erzielt Serono fast 50 Prozent des Umsatzes. Auf die derzeit eingeführten strikteren Gesetzen für Unternehmen reagierte Serono bereits mit besseren internen Richtlinien. |