NL0012059018 - Exor NV
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neuester Beitrag: 22.04.26 17:09
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| eröffnet am: | 22.04.26 17:09 von: | MrTrillion3 | Anzahl Beiträge: | 1 |
| neuester Beitrag: | 22.04.26 17:09 von: | MrTrillion3 | Leser gesamt: | 64 |
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Exor N.V. ist keine klassische operative Firma mit einem eigenen „Sortiment“ im üblichen Sinn, sondern eine große europäische Holding- und Beteiligungsgesellschaft der Agnelli-Familie. Das Geschäftsmodell besteht darin, Kapital in ausgewählte Unternehmen zu allokieren, dort oft als Ankeraktionär aufzutreten und über viele Jahre Wertaufbau zu betreiben. Im Portfolio liegen heute vor allem Beteiligungen an Ferrari, Stellantis, Philips, CNH, Institut Mérieux, Juventus, Clarivate, The Economist, Christian Louboutin, Via Transportation, TagEnergy und weiteren privaten Beteiligungen. Exor bündelt damit Branchen wie Luxus, Automobil, Land- und Baumaschinen, Medizintechnik, Diagnostik, Medien, Daten/Analytics, Sport, Energie und Mobilität. Die Aktie ist unter der ISIN NL0012059018 notiert; in Deutschland wird sie mit der WKN A2DHZ4 und dem Symbol EYX gehandelt, an Euronext Amsterdam mit dem Ticker EXO. Seit August 2022 läuft die Hauptnotierung in Amsterdam, passend zur niederländischen Rechtsstruktur der Gesellschaft. (EXOR)
Historisch reicht Exor sehr weit zurück. Die Wurzeln liegen bei Giovanni Agnelli, der 1899 FIAT mitgründete. 1923 kam Juventus hinzu, 1927 schuf Agnelli mit IFI eine Holdingstruktur für Beteiligungen an Fiat und weiteren Industrien, später kamen unter anderem Medien- und Immobilienbeteiligungen hinzu. Exor selbst steht damit in einer mehr als hundertjährigen Linie industrieller Kapitalallokation. Das ist für die Beurteilung wichtig: Exor ist kein kurzfristiger Finanzinvestor, sondern eine Familienholding mit Kontrolle, langer Haltedauer und starkem Einfluss auf die Kapitalallokation. Die Agnelli-Familie hält über Giovanni Agnelli B.V. nach wie vor die Kontrolle; per 31. Dezember 2025 entfielen auf sie 54,94 Prozent der ökonomischen Rechte und 83,97 Prozent der Stimmrechte. (EXOR)
Fundamental ist Exor im Kern eine NAV-Story, also eine Geschichte über den inneren Wert der Beteiligungen. Für Ende 2025 meldete Exor ein Gross Asset Value von 37,1 Milliarden Euro und einen Net Asset Value von 33,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig lag das Loan-to-Value-Verhältnis nur bei 6,9 Prozent und damit klar unter dem eigenen Zielwert von 15 Prozent. Auf Basis von 202.231.958 ausstehenden Aktien ergibt sich daraus ein NAV je Aktie von rund 164,17 Euro. Dem standen am Markt im April 2026 Kurse grob um 70 bis 72 Euro gegenüber; Reuters zeigte etwa 71,90 Euro am 17. April 2026, MarketScreener arbeitete mit rund 70 Euro als letztem Schlusskurs. Daraus ergibt sich ein Abschlag des Börsenkurses auf den ausgewiesenen NAV von deutlich über 50 Prozent. Genau dieser Abschlag ist das zentrale Argument für die Aktie.
Gleichzeitig war 2025 operativ und bilanziell kein gutes Jahr. Exor meldete, dass der NAV je Aktie 2025 um 8,1 Prozent gefallen ist, während der MSCI World Index um 5,4 Prozent zulegte. Hauptursache waren Schwächen bei den großen Beteiligungen, vor allem bei Stellantis und CNH. Reuters berichtete zudem über einen Wertberichtigungs- und Ergebniseffekt bei Stellantis im Umfang von rund 22,5 Milliarden Euro, der Exor erheblich belastete; Exor selbst verwies ebenfalls auf die Probleme der größten Beteiligungen. In Medienberichten zum Jahresabschluss wurde für 2025 ein Nettoverlust von 3,79 Milliarden Euro genannt, nach einem außergewöhnlich hohen Gewinn von 14,67 Milliarden Euro im Vorjahr. Das zeigt den Nachteil der Aktie sehr klar: Exor ist zwar breit diversifiziert, aber nicht so breit, dass Probleme bei ein, zwei Schwergewichten keine Spuren hinterlassen würden.
Die Qualität des Portfolios ist dennoch hoch. Ferrari bleibt das Kronjuwel. Exor hält nach dem Teilverkauf Anfang 2025 weiter rund 20 Prozent an Ferrari und ist Hauptaktionär; Anfang 2026 wurde die Aktionärsvereinbarung mit der Ferrari-Familie bis 2029 verlängert. Ferrari selbst lieferte 2025 laut Exor ein starkes Jahr mit 7,1 Milliarden Euro Umsatz, 12 Prozent EBIT-Wachstum und einer EBIT-Marge von 29,5 Prozent; das Auftragsbuch reichte bis Ende 2027. Philips ist der zweite große strategische Baustein: Exor stieg 2023 mit 15 Prozent ein und erhöhte den Anteil 2025 auf über 19 Prozent. Exor betont ausdrücklich den langfristigen Healthcare-Schwerpunkt und sieht Philips als Profiteur struktureller Gesundheitstrends. Bei CNH war 2025 zyklisch schwach, aber Exor beschreibt den Abschwung als Phase der Effizienzsteigerung und Vorbereitung auf die nächste Erholung. (Reuters)
Für die nächsten Jahre ist entscheidend, was Exor mit dem freiwerdenden Kapital macht. Das Management hat den Portfolio-Umbau schon begonnen. Laut Exor und Reuters sollen Verkäufe von Beteiligungen an Iveco, GEDI, Lifenet und NUO im Jahr 2026 rund 2 Milliarden Euro einbringen; die frei einsetzbare Liquidität soll dadurch auf mehr als 3,5 Milliarden Euro steigen. John Elkann spricht ausdrücklich davon, damit eine größere neue Beteiligung in einer Größenordnung ähnlich Philips anstreben zu können. Das ist Chance und Risiko zugleich. Die Chance ist offensichtlich: Exor kann in einer Phase gedrückter Bewertungen wieder antizyklisch investieren. Das Risiko ist ebenso klar: Eine Holding wird am Ende an ihrer Kapitalallokation gemessen. Wenn neue Großinvestitionen nur durchschnittlich ausfallen, bleibt der NAV-Abschlag womöglich bestehen.
Die Dividende ist bei Exor kein Kaufgrund. Exor verfolgt klar eine Reinvestitions- und Buyback-Logik, nicht die Logik eines Ausschüttungswerts. Für 2025 wurde erneut eine Dividende von 0,49 Euro je Aktie vorgeschlagen, nach ebenfalls 0,49 Euro im Vorjahr und 0,46 Euro für 2023. Beim Kursbereich um 70 Euro entspricht das nur etwa 0,7 Prozent Rendite. Die Dividende ist also eher symbolisch und signalisiert Stabilität, nicht Ertragsstärke für Einkommensinvestoren. Wer Exor kauft, setzt nicht auf laufenden Cashflow, sondern auf inneren Wert, Kapitalallokation und eine mögliche Verringerung des Holding-Abschlags.
Bei den Kurszielen muss man sauber trennen zwischen Unternehmenswert und Analystenschätzungen. Exor selbst gibt natürlich kein Kursziel für die eigene Aktie aus. Am Markt lag der Analystenkonsens laut MarketScreener im April 2026 bei „Buy“ mit acht Analysten, einem durchschnittlichen Kursziel von 110,25 Euro, einer Spanne von 103 bis 120 Euro und einem zugrunde liegenden letzten Kurs um 70 Euro. Das impliziert aus Analystensicht ein erhebliches Aufholpotenzial. Ich würde solche Ziele aber nicht blind übernehmen. Der Grund ist einfach: Bei Exor hängt fast alles davon ab, ob Ferrari hoch bewertet bleibt, ob Stellantis und CNH sich erholen und ob neue Investitionen einschlagen. Diese Aktie ist kein mechanischer Bewertungsfall, sondern eine Wette auf Kapitaldisziplin und Re-Rating. (MarketScreener)
Mein Urteil zur Aktie ist deshalb zweigeteilt. Qualitativ halte ich Exor für eine sehr interessante Holding: starke Eigentümer, niedrige Verschuldung, Zugang zu hochwertigen Assets, historisch bewiesene Langfristperspektive und aktuell erhebliche finanzielle Feuerkraft. Bewertungstechnisch wirkt die Aktie auf Basis des ausgewiesenen NAV klar günstig. Gegen Exor spricht die hohe Abhängigkeit von einigen wenigen großen Beteiligungen, vor allem Ferrari und Stellantis, sowie die Tatsache, dass Holding-Abschläge oft hartnäckig sind und nicht automatisch verschwinden. Für die nächsten 5 bis 15 Jahre sehe ich Exor trotzdem eher positiv, sofern drei Dinge eintreten: erstens eine Normalisierung bei Stellantis und später auch bei CNH, zweitens weiterhin hohe Qualität bei Ferrari und Philips, drittens eine kluge Verwendung der zusätzlichen Milliarden aus Verkäufen und laufender Liquidität. Gelingt das, ist Exor aus meiner Sicht eine plausible Langfrist-Value-Story. Misslingt es, bleibt die Aktie womöglich billig, ohne dass der Markt den Abschlag nennenswert schließt.
Unterm Strich ist Exor für mich keine Aktie für Dividendenjäger und auch keine Aktie für Anleger, die schnell planbare Gewinnpfade wollen. Es ist eine Beteiligungsgesellschaft für geduldige Investoren, die bereit sind, temporäre Ergebnisvolatilität auszuhalten und auf kluge Kapitalallokation zu setzen. Gerade zum Stand 21.04.2026 liegt der Reiz der Aktie nicht in glänzenden letzten Jahreszahlen, sondern im starken Portfolio, der soliden Bilanz und im großen Abstand zwischen Börsenwert und innerem Wert. Genau deshalb ist Exor interessant. Genau deshalb ist sie aber auch anspruchsvoll.
Autor: ChatGPT
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Wertpapier:
Exor NV |





