Meine Wirecard-Gewinne - Thread!

Seite 1 von 817
neuester Beitrag:  26.04.26 20:30
eröffnet am: 09.02.19 14:33 von: BorsaMetin Anzahl Beiträge: 20410
neuester Beitrag: 26.04.26 20:30 von: CharlotteTheodoorsen Leser gesamt: 4545128
davon Heute: 2460
bewertet mit 22 Sternen

Seite:  Zurück   1  |  2    |  817    von   817     
09.02.19 14:33 #1 Meine Wirecard-Gewinne - Thread!
12640  
Seite:  Zurück   1  |  2    |  817    von   817     
20384 Postings ausgeblendet.
14.04.26 19:43 #20386 es ist das Paradebeispiel einer Hetzjagd
Diktatur beginnt nicht erst, wenn abgeholt, eingesperrt, erschossen wird.
Diktatur beginnt mit der Zensur des freien Wortes!

ich wurde aus Facebookchat geschmissen und fand gleichgesinnte im
Wirecard für verantwortungsbewusste
wir wurden beleidigt und verzogen uns auf Löschung
das wurde gelöscht
und wir wichen auf 2014 aus 500 meiner Posts wurden gelöst und ich verließ das Forum mit 40000 Aufrufen /Tag
und postete auf "meine Wirecard gewinne weiter " wo anfangs nur 300 pro Tag mitlasen.
KEINER VON DEN GEGNERN HÄTTE HIERHER KOMMEN MÜSSEN!
aber es geht Ihnen darum jede Abweichung und Aufweichung des wackligen Narratives zu unterbinden!


 
14.04.26 22:38 #20387 @Lehna :
Falls Sie es vergessen haben sollten: Commerzbank-Analystin Heike Pauls
hatte ein Kursziel von 230 Euro (mit Kaufempfehlung), das sie bis kurz vor dem Zusammenbruch des Unternehmens im Juni 2020 beibehielt. Analyst Knut Woller von Baader Helvea hatte ein Kursziel von 240 Euro,
was er im April 2020 bestätigte (beispielsweise in einem Artikel vom 28. April 2020 mit dem Titel „Wirecard: Die Zukunft zählt – 240 Euro Shortcut!“).
Auf meine Frage: „Gehen wir denn keine Risiken ein?“, indem wir Wirecard-Aktien kaufen?
lautete die Antwort:
„Nein, keine Sorge, Leo, jeder, der in Wirecard investiert, kann beruhigt sein. Vertrau mir.“

„Und wenn etwas schiefgeht?“

Keine Sorge, ich wiederhole es! Kaufen Sie deutsche Aktien in einer boomenden Wirtschaft. Wirecard AG ist im DAX 30 gelistet. Das sind die sichersten deutschen Aktien, die Sie finden können. In Deutschland gibt es die BaFin, eine angesehene und leistungsstarke Börsenaufsichtsbehörde. Außerdem werden die Finanzberichte von Wirecard von der renommierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY Germany testiert. Was will man mehr? Und falls, wie Sie sagen, Leo, etwas schiefgehen sollte, brauchen Sie sich nicht die geringsten Sorgen zu machen. In Deutschland gibt es eine Finanzkriminalitätsbekämpfungsstruktur, eine der besten der Welt. Als italienischer Investor habe ich nun meine persönlichen Fehler eingesehen. Ich habe mich geirrt und zahle die Konsequenzen. Nie wieder werde ich der Bundesrepublik Deutschland Geld geben. Nie wieder.  
15.04.26 09:41 #20388 Schuld...
...sind an der Börse immer die Anderen. Ganz gleich, ob in Deutschland, GB, USA , Kanada oder sonstwo. Gier frisst H...Bei Wirecard gab es seit 2016 viele Exitmomente. Konnte man ignorieren, hätte man aber besser nicht.  
15.04.26 12:48 #20389 @ HonestMeyer
Nein, absolut nicht! Mit solchen Lügen kommen Sie nicht ungeschoren davon! Erklären Sie mir, warum Ihr ehemaliger Bundeskanzler Olaf Scholz während der Wirecard-Kommission im Namen der öffentlichen Sicherheit zahlreiche Dokumente geheim hielt. Erklären Sie mir, warum die Bundesanstalt für Wertpapieraufsicht (BAFin) nicht eingegriffen hat. Erklären Sie mir, wie die großen deutschen Banken Commerzbank und Baader Helvea schon vor dem Zusammenbruch (2020) zum Kauf von Wirecard-Aktien rieten? Ich glaube nicht, dass es Gier war! Wir haben einfach den Falschen vertraut! (Alle Deutschen.) Angesichts der Situation und des Leids, das wir ertragen mussten, haben wir unsere Lektion gelernt. Wir Kleinanleger. Ihr Deutschen werdet keinen Cent mehr sehen!  
15.04.26 13:18 #20390 @HonestMeyer 2
Ihr Deutschen schreibt stattdessen diese Lügen. Ihr müsst darüber nachdenken, wie ihr euer Wirtschaftswachstum ohne die finanzielle Unterstützung ausländischer Investoren aufrechterhalten wollt. Was werdet ihr tun? Ihr Deutschen baut keine Autos mehr. Aber werdet ihr alles den aktuellen Bedürfnissen anpassen? Produziert ihr Waffen? Was werdet ihr tun, wenn die Kriege vorbei sind? Ohne unsere Investitionen?

Bislang haben wir zu eurer wirtschaftlichen Entwicklung beigetragen. Ab morgen müsst ihr es allein schaffen.  
15.04.26 15:30 #20391 Kleiner Spinner
Du lästerst hier über die deutsche Wirtschaft, während dein eigenes Land auf einem Schuldenberg von über 3 Billionen Euro sitzt? Das ist keine Leistung, das ist ein Kartenhaus auf Pump!
Ja, die Inflation bei uns ist gerade ätzend (2,7 % sind kein Spaß), aber wir finanzieren den Laden wenigstens noch selbst. Deine tolle italienische ‚Stabilität‘ existiert nur, weil Brüssel mit dem PNRR-Geld und dem Wiederaufbauplan massiv die Löcher stopft. Ohne die EU-Milliarden wäre bei euch schon längst das Licht aus!
Wir verdienen wir hier im Schnitt immer noch fast 20.000 Euro mehr pro Jahr als ihr. Schau dir mal eure Reallöhne an, die sind seit Jahren im Keller, während die Preise für Lebensmittel bei euch um 25 % explodiert sind. Wer kann sich denn in Italien von euren Gehältern noch ein normales Leben leisten, ohne bei ‚Mamma‘ zu wohnen?
Eure Arbeitslosenquote ist nur deshalb so niedrig, weil die jungen Leute scharenweise abhauen, weil es bei euch keine Zukunft gibt. Wenn die Zinsen weiter steigen, ist Italien das erste Land, das bei der EZB wieder um Hilfe winselt. Also spar dir dein arrogantes Getue. Wer im Glashaus sitzt und 137 % Schuldenquote hat, sollte ganz kleine Brötchen backen!33679168  
15.04.26 16:14 #20392 ich schäme mich für meine
unverschämten Landsleute !
wir müssen wieder fliehen, leo!
Die deutsche Staatsverschuldung beträgt aktuell rund 2,84 Billionen Euro, mit einer Schuldenquote von 63,5 Prozent des BIP.
für die Schulden der Italiener , Griechen , Spanier haften die DEUTSCHEN IMMOBILIEN UND SPARBÜCHER!
dank Merkel und der Target regelung!

die südeuropäer wären dusselig , wenn sie nicht auf unsere Haftung Schulden machen würden!
die meisten deutschen finden diese Regelung ja gut, kurbelt wirtschaft an , wenn wir unser Eigentum verpfänden , damit andere uns was abkaufen können !

jetzt zu honests "ihr wart ja gewarnt"
das hört sich an wie "das dämliche Hühnchen hätte ja bloß seinen Schnabel halten müssen, csfa hat ihm ja 20mal gesagt, daß ihm sonst der Kragen gestopft wird!  war doch klar, dass das so ausgeht"
oder wenn die Mafia sagt " wir haben x mal gesagt, dass der Laden brennt, die die mitbrannten sind selber schuld"
für diejenigen, die hier nicht die INSO vmtl aus Selbstschutz verteidigen , sondern EX Aktionäre sind:  Keiner hat mmn soviel für die WDI Aktionäre getan , wie Braun, der längst Kompromiss hätte eingehen können und LEO und seine Mitarbeiter  
15.04.26 16:28 #20393 fast 6 Jahre Unverschämtheiten
Drohungen, Sperrungen  und Gossensprache....550 gelöschte Posts  

Angehängte Grafik:
capeco.jpg (verkleinert auf 38%) vergrößern
capeco.jpg
15.04.26 20:10 #20394 @ Kathryn_Railly
Ich habe lediglich auf die Nachricht von Nutzer @HonestMeyer geantwortet, der uns Wirecard-Investoren Gier und Dummheit vorgeworfen hat, und ich weiß nicht, wie viele andere Beleidigungen uns noch überschüttet haben. Ich möchte klarstellen, dass wir, kleine ausländische Investoren, kurz vor dem Zusammenbruch von Wirecard aufgrund von Berichten renommierter deutscher Banken, die bis 2020 gültig waren, in Wirecard investiert haben. Ich persönlich hatte großes Vertrauen in die Arbeit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFIN). Ich hatte großes Vertrauen in die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungskriminalität. Ich hatte großes Vertrauen in die Bundesregierung und in Olaf Scholz, den ehemaligen Bundeskanzler.
Er hat nicht nur nicht eingegriffen, sondern im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundes sogar zahlreiche Dokumente als geheim eingestuft – angeblich aus Gründen der nationalen Sicherheit. Aus diesen Gründen verleitet mich und viele andere ausländische Investoren dazu, keinen einzigen Cent in deutsche Aktien zu investieren. Wir ausländischen Investoren haben mit unseren Investitionen sicherlich zum Wirtschaftswachstum der Bundesrepublik Deutschland beigetragen. Hilfe wird es morgen nicht mehr geben. Und ihr Deutschen müsst dann auf euch allein gestellt sein. Abschließend möchte ich euch daran erinnern, dass dies euer Diskussionsforum ist (in dem ich als italienischer Investor zu Gast bin), um ausschließlich über Wirecard zu diskutieren. Als Vertreter vieler kleiner ausländischer Investoren wollte ich euch Deutschen mitteilen, dass wir (oder die meisten von uns) nicht mehr in deutsche Aktien investieren werden. Ich verstehe nicht, was das italienische Haushaltsdefizit mit einem Wirecard-Forum zu tun hat. Für solche Angelegenheiten diskutiert bitte woanders. Danke.  
15.04.26 20:40 #20395 Wirecard
Falls Sie es vergessen haben: Commerzbank-Analystin Heike Pauls
hatte ein Kursziel von 230 Euro (mit Kaufempfehlung), das sie bis kurz vor dem Zusammenbruch des Unternehmens im Juni 2020 beibehielt. Analyst Knut Woller von Baader Helvea hatte ein Kursziel von 240 Euro,
was er im April 2020 bestätigte (beispielsweise in einem Artikel vom 28. April 2020 mit dem Titel „Wirecard: Die Zukunft zählt – Direkt zu 240 Euro!“). Ich sagte: Die Commerzbank hat Wirecard hohe Kredite gewährt. Wenn einer ihrer Analysten den Kauf von Wirecard empfiehlt, ist das ein gutes Zeichen. Sie sitzen in München und werden zweifellos verlässliche Nachrichten über das starke Wirtschaftswachstum von Wirecard haben. Hinzu kommen weitere Bestätigungen für 2020 durch Analysen deutscher Banken. Angesichts der Ergebnisse kann ich Ihnen sagen, dass Sie mich alle in Deutschland hinters Licht geführt haben. Und mir meine Ersparnisse gestohlen haben. Ein Leben lang. Es stimmt, ich war ein Narr und naiver Mensch, den deutschen Finanz- und Politikinstitutionen zu vertrauen. Aber glaubt mir, ich habe meine Lektion gelernt. Ich werde euch Deutschen keinen Cent mehr geben.
 
15.04.26 22:09 #20396 DAX
Leo, Deine Sorgen scheint kaum jemand zu teilen, oder warum konnte der DAX nach Wirecard sich so entwickeln? Was sagen Dir die Zahlen? Dein Gefühl betrogen worden zu sein in allen Ehren,  aber die Zahlen bestätigen nicht, was Du sagst:
Datum DAX (Schlussstand)
03.06.2019§11.726,84 Punkte
02.06.2020§11.591,17 Punkte
01.06.2021§15.567,36 Punkte
01.06.2022§14.340,47 Punkte
01.06.2023§15.853,66 Punkte
03.06.2024§18.497,94 Punkte
02.06.2025§22.342,00 Punkte


33679468  
15.04.26 22:19 #20397 Parlamentarischer Untersuchungsausschuss z.
Der Abschlussbericht des Ausschusses (Juni 2021, über 2.300 Seiten) spricht von einem „systemischen Versagen“ der Aufsicht (BaFin, FIU, Wirtschaftsprüfer EY, Ministerien). Oppositionskräfte und sogar Teile der Union machten Scholz politisch verantwortlich, da er die BaFin nicht effektiv beaufsichtigt und die Arbeit des Ausschusses erschwert habe. Gut so. Das Ergebnis: absolutes Schweigen.  
15.04.26 22:32 #20398 @@Kathryn_Railly
Die Falschmeldungen der Commerzbank und der Baader Helvea.
Das Finanzministerium unter Scholz stufte eine große Menge Dokumente als geheim ein und übergab sie verspätet. Viele dieser Dokumente waren aus Gründen der Staats- bzw. nationalen Sicherheit als geheim eingestuft. Im Rahmen der Arbeit des Untersuchungsausschusses (des parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Bundestages, tätig von 2020 bis 2021) übergab das von Olaf Scholz geführte Finanzministerium tatsächlich eine große Menge an Dokumenten: allein vom Bundesministerium für Finanzen (BMF) über 1.400 Ordner sowie USB-Sticks mit digitalen Daten (das gesamte Archiv umfasste ca. 1,14 Terabyte). Viele dieser Dokumente wurden jedoch: sehr spät übergeben (oft erst am Tag vor oder sogar nach wichtigen Anhörungen von BaFin-Vertretern und anderen Beteiligten).
als „VS-vertraulich“ (Verschlusssache) eingestuft. Diese Einstufung verhinderte, dass die Abgeordneten die Dokumente entnehmen oder frei darüber diskutieren konnten; sie durften sie nur in speziell gesicherten Räumen im Bundestag einsehen.

Die Opposition (vor allem CDU/CSU, FDP, Grüne und Linkspartei) prangerte wiederholt eine „Schutzoperation für Scholz“ an („Operation Schutz für Scholz“, wie der Spiegel titelte). Ihrer Ansicht nach dienten die späte Zustellung und Einstufung der Dokumente dazu, die Zeit für deren Prüfung zu begrenzen und jegliche politische Verantwortung des Ministers zu verschleiern.

spiegel.de

Dies ist im Zusammenhang mit dem Wirecard-Fall von Interesse. Bleiben wir also beim Wirecard-Fall.
 
15.04.26 22:47 #20399 @Kathryn_Railly 2
Ich sage euch Deutschen: Ich habe ernsthafte Zweifel an den Maßnahmen der Bundesregierung zur Aufklärung des Wirecard-Falls. Und ihr präsentiert mir die Performance des DAX 30 als Antwort? Schämt euch!  
16.04.26 09:09 #20400 Kathryn
Menschen sind von Natur aus gierig. Dumm sind sie ab dem Zeitpunkt, ab dem sie bedingungslos auf Andere vertrauen anstatt sich aus unüberschaubaren Risiken zurückzuziehen. Da bin selbst ich mitunter keine Ausnahme. Zumindest bei Wirecard habe ich bereits früh, im Jahr 2016, verkauft. Trotz weiterhin gestiegenem Aktienkurs seitdem, habe ich es nicht bereut. Die Kunst ist, seine Gier und die Risiken zu beherrschen. Ich habe gelernt  dass Wissen hierzu äusserst wertvoll ist. Wer sich also durch meine Worte hier beleidigt fühlt, sollte vlt. erst einmal in sich gehen und versuchen, die eigenen Fehler zu analysieren.  
16.04.26 09:20 #20401 Zweifel
Ich habe ernsthafte Zweifel nicht nur an den Massnahmen der Bundesregierung im Fall Wirecard,  sondern an einer Vielzahl systemischer Prozesse der Regierungen der uns bekannten Industrienationen. Die aktuell medial verzerrten 90 Milliarden sind längst nicht das Ende der Fahnenstange. Die Casa Wirecard wird sich sicherlich wiederholen. So oder so ähnlich. NmM.  
16.04.26 10:29 #20402 das glaube ich auch !
Auch fabio de Masi wärs wohl lieber , wenn es diese Rossevchats und all die Transaktionsdaten nicht gäbe !
Die Roussevchats haben einige journalisten und keiner schreibt ein wort dazu
die Weltverschwörung , die keiner aufdecken will
vll weil sie sie alle mitgetragen und somit verursacht  haben ?

zitat von csfa aus twitter
Post

Neue Posts sehen
Konversation
Reini
@ReinholdSchell
·csfa über meyerar vom br :
·2 Std.
#wirecard
ich bin auf keinen Fall der, der bei wirecard alles besser weiß...
ich bin aber wahrscheinlich der, der insgesamt am meisten weiß....
@meyerar
csfa.
@csFraudAnalysis
#wirecard
ich weiß bis heute nicht, was er alles weiß, aber ich weiß eine ganze Menge darüber, was er nie wissen wollte...
und inzwischen weiß ich sogar, warum das so ist
7:27 vorm. · 16. Apr. 2026
#wirecard
ein cliffhanger zu David Lais, kein Wort zum Zeugen "Tim J.", den er selbst angekündigt hat (Timothy William Johnstone) und dazwischen die halbgare Geschichte über Calvin Ayre?  
16.04.26 12:40 #20403 @ HonestMeyer :
Ich danke Ihnen herzlich, HonestMeyer-Nutzer: nicht weil Ihre Ansichten mit meinen übereinstimmen, sondern weil Sie sich gewissenhaft an das Thema dieses Finanzforums gehalten haben – den Wirecard-Fall – und mir keine Antworten gegeben haben, die damit nichts zu tun haben. Wenn Sie über die italienischen Staatsschulden sprechen möchten, sagen Sie mir Bescheid. Wir diskutieren das in einem anderen Forum, nicht hier.  
16.04.26 20:44 #20404 @ HonestMeyer :
Siehe Nutzer @HonestMeyer:
Ich hatte immer blindes Vertrauen und großen Respekt vor den Finanz- und Politikbehörden der Bundesrepublik Deutschland. Das Wirecard-Desaster, bei dem ich meine gesamten Ersparnisse verlor, als bekannt wurde, dass Olaf Scholz,
ehemaliger Bundeskanzler, die 107 Akten erst sehr spät, kurz vor wichtigen Treffen, übermittelte. Die Opposition sprach offen von „Sabotage“ oder Obstruktion. Und sie hielt zahlreiche Dokumente geheim. Aus Gründen der deutschen nationalen Sicherheit.

(faz.net)
Mir scheint, dass die Bundesregierung keinerlei Interesse daran hat, den Wirecard-Fall aufzuklären. Deshalb sollte ich mich von deutschen Aktien fernhalten.  
26.04.26 19:56 #20405 Sammelantwort 1
Ich habe versucht, aus diesem Tohuwabohu die wichtigsten Themen zu extrahieren. Für mich ergeben sich daraus zunächst fünf größere Themenstränge:

Brauns Plattformstrategie versus TPA-Abhängigkeit
Brauns Wissen, Nichtwissen oder Wegsehen beim Betrugskomplex
Dirty Payments, Drittpartner, Roussev-Chats und Transaktionsdaten
Aufsichts-, Prüfungs- und Staatsversagen: BaFin, EY, FIU, BMF, Untersuchungsausschuss
Anlegervertrauen, Analystenempfehlungen und Eigenverantwortung

Ich beginne mal mit dem ersten Bereich, weil dort oft mehrere Dinge vermischt werden.

Meines Erachtens ging es bei Brauns Strategie nicht einfach um irgendeine geheimnisvolle „Daten-Story“. Braun hatte schon länger die Geschäftsphilosophie, Wirecard vom asiatischen TPA-Geschäft unabhängiger zu machen. Das Ziel war offenbar, mehr Geschäft auf eigene Lizenzen, eigene Merchant-Beziehungen und eigene Zusatzdienste zu ziehen. In diese Logik passt auch der Kauf des Citi-Portfolios.

Das heißt: Die Idee war nicht nur, Daten zu besitzen, sondern die Wertschöpfungskette stärker selbst zu kontrollieren. Wer den Händler direkt betreut, wer selbst lizenziert ist und wer Zahlungs-, Risiko- und Finanzierungsprodukte aus einer Hand anbieten kann, ist weniger abhängig von Drittpartnern. Genau dort liegen dann auch Themen wie Risk Scoring, Fraud Prevention, Merchant Cash Advance, Working-Capital-Finanzierung oder andere Value Added Services.

Das war auch keine reine Braun-Erfindung. Dass reine Zahlungsabwicklung unter Margendruck gerät und zusätzliche Dienste wichtiger werden, war und ist ein branchenweiter Trend. Merchant Cash Advance ist dafür ein gutes Beispiel, gerade in Asien mit hohen Wachstumsraten. Auch in Deutschland bieten Wettbewerber inzwischen ähnliche Lösungen an; teilweise mit Personal und Know-how aus dem früheren Wirecard-Umfeld, etwa bei RatePay oder Banxware.

Der eigentliche Konflikt lag meiner Meinung nach woanders: Diese strategische Richtung war schwer mit der damaligen Realität und den Gewinnzielen von Wirecard in Einklang zu bringen. Solange das asiatische TPA-Geschäft hohe Ergebnisbeiträge lieferte oder zumindest liefern sollte, blieb Wirecard praktisch von genau den Strukturen abhängig, von denen Braun strategisch wegwollte. Dazu kam offenbar massiver interner Widerstand, insbesondere von Marsalek. Genau daraus könnte sich auch die spätere Entfremdung zwischen Braun und Marsalek erklären.

Deshalb würde ich diesen ersten Themenstrang so formulieren:

Brauns Ziel war eine schrittweise Entkopplung vom TPA-Modell zugunsten eigener Lizenzen, direkter Händlerbeziehungen und datenbasierter Zusatzdienste. Diese Strategie war branchenlogisch und nicht frei erfunden. Das Problem war die Kollision mit kurzfristigen Gewinnzielen, der realen Abhängigkeit vom asiatischen TPA-Geschäft und dem Widerstand aus dem Marsalek-Komplex.

Davon trennen würde ich ausdrücklich die Vorstellung, es gehe um irgendwelche geheimnisvollen Daten, die plötzlich alles erklären. Das ist etwas anderes. Transaktionsdaten sind im Zahlungsverkehr wertvoll, aber nicht mystisch. Entscheidend ist, ob daraus tatsächlich tragfähige Produkte, eigene Kundenbeziehungen und kontrollierbare Umsätze entstanden sind — oder ob die Story am Kapitalmarkt schneller erzählt wurde, als sie operativ eingelöst werden konnte.  
26.04.26 20:01 #20406 Sammelantwort 2
Der zweite Themenstrang ist für mich die Frage, was Braun tatsächlich wusste, nicht wusste oder bewusst nicht wissen wollte. Dabei sollte man nicht zu schnell in einfache Schwarz-Weiß-Erklärungen fallen.

Es gibt grob drei mögliche Lesarten:

Erstens: Braun wusste vom eigentlichen Betrug (angenommen: TPA komplett oder im wesentlichen erfunden oder wegen Illegalität nicht darstellbar) nichts oder jedenfalls nicht genug. Dann wäre er der Vorstandschef gewesen, der zwar eine strategische Plattformidee hatte, aber beim asiatischen Drittpartnergeschäft auf Marsalek, Bellenhaus und andere vertraute. In dieser Lesart wäre Braun nicht der Architekt des Betrugs, sondern jemand, der operative Komplexität, intransparente Partnerstrukturen und interne Machtbereiche falsch eingeschätzt hat.

Zweitens: Braun wusste im Kern Bescheid. Dann wäre die Plattform-, Daten- und Wachstumsstory eine Kapitalmarkt-Kulisse gewesen, während die entscheidenden Gewinne aus nicht existierenden (???) oder zumindest nicht sauber belegten (!!!) Drittpartnerumsätzen kamen. In dieser Lesart wäre Braun nicht nur ein Getäuschter, sondern Teil der Täuschung, allerdings eben anders, als es die Anklage formuliert.

Drittens: Braun wusste vielleicht nicht alles im Detail, aber er wusste genug, um misstrauisch werden zu müssen. Das wäre die wahrscheinlich schwierigste Zwischenposition: kein vollständiges operatives Detailwissen, aber Warnsignale, Abhängigkeiten und Unplausibilitäten, die ein Vorstandschef hätte aufklären müssen. Juristisch und moralisch ist gerade diese Zone des Wegsehens oder Nicht-wissen-Wollens entscheidend.

Ich halte diese dritte Ebene für besonders wichtig, weil sie die strategische Diskussion aus Bereich 1 mit dem Betrugskomplex verbindet. Wenn Braun tatsächlich vom TPA-Modell unabhängiger werden wollte, kann das zweierlei bedeuten: Entweder er erkannte die strukturellen Risiken und wollte sie reduzieren. Oder er wusste, dass diese Strukturen für die ausgewiesenen Gewinne unverzichtbar waren, und schob den Umbau in die Zukunft, solange der Kapitalmarkt Wachstum erwartete.

Deshalb ist für mich die Kernfrage nicht nur: „Wusste Braun vom Betrug?“ Sondern genauer:

**Welche konkreten Informationen lagen Braun wann vor, und welche Schlüsse hätte ein Vorstandsvorsitzender daraus ziehen müssen?**

Dazu gehören aus meiner Sicht mehrere Prüfsteine:

1. Welche Kenntnis hatte Braun vom tatsächlichen Zustand des asiatischen TPA-Geschäfts?
2. Was wusste er über Treuhandkonten, Saldenbestätigungen und die angeblichen Milliardenbeträge?
3. Welche Warnsignale gab es durch Medienberichte, Sonderprüfungen, interne Hinweise oder externe Prüfer?
4. Wie reagierte Braun auf KPMG, Financial Times, Shortseller-Vorwürfe und Zweifel an Drittpartnerumsätzen?
5. Welche Rolle spielten Marsalek, Bellenhaus und von Erffa bei der Abschottung oder Informationssteuerung?
6. Gab es Belege für eine echte Entfremdung zwischen Braun und Marsalek — und wenn ja, ab wann?
7. Passten Brauns öffentliche Aussagen noch zu dem, was intern bekannt war?

Ich würde den zweiten Themenstrang daher so formulieren:

**Bei Braun geht es nicht nur um die Alternative „unschuldig“ oder „Täter“. Entscheidend ist, ob er vom Betrug konkret wusste, ob er von Marsalek und anderen getäuscht wurde, oder ob er angesichts der Bedeutung des TPA-Geschäfts, der Treuhandkonten und der Warnsignale bewusst nicht genau genug hinsehen wollte.**

Gerade wenn man Brauns Plattformstrategie ernst nimmt, wird die Frage sogar schärfer: Ein Vorstandschef, der strategisch vom TPA-Geschäft weg will, muss besonders genau wissen, warum dieses Geschäft so profitabel ist, wer es kontrolliert und ob die ausgewiesenen Umsätze überhaupt belastbar sind.

Hier wichtig: Was ist dieses "es", das Braun hätte "wissen müssen"? Wer sich zur Verantwortung Brauns äußert, muss den Rahmen mitliefern und konkret sagen "Das ist passiert, Braun ist verantwortlich, weil". Dabei ist noch zu beachten, dass die Beurteilung der Verantwortlichkeit im allgemeinen Sinne eine andere Kategorie darstellt als eine strafrechtliche Zuordnung.  
26.04.26 20:09 #20407 Sammelantwort 3
3. TPA-Geschäft: Totalfiktion, echtes Hochrisikogeschäft oder kontrollierte Intransparenz?

Der dritte Themenbereich ist für mich der TPA-Komplex. Dabei sollte man nicht vorschnell alles unter „Dirty Payments“ oder „geheimnisvolle Daten“ ablegen. Die entscheidende Vorfrage lautet erst einmal:

Geht man beim asiatischen TPA-Geschäft von einer Totalfiktion aus — oder von einem realen, aber hochriskanten, intransparenten und möglicherweise manipulierten Geschäft?

Das ist ein großer Unterschied.

Wenn man von einer Totalfiktion ausgeht, dann lautet die zentrale Frage:
Hätte Braun wissen müssen, was Fuchs, Elbek, Baxi, Marsalek, Bellenhaus und andere dort tatsächlich trieben?

Wenn man dagegen von realem Geschäft ausgeht, dann verschiebt sich die Frage:
Welche Art von Geschäft war das, warum lief es über Drittpartner, wie wurden die Risiken kontrolliert, und warum entstanden so hohe Forderungen, Sicherheitseinbehalte und angebliche Treuhandpositionen?

Der Rödl-Bericht ist hier sehr interessant. Er zeigt, dass das TPA-Geschäft nicht einfach normales Payment-Geschäft war. Wirecard unterschied zwischen dem Eigengeschäft, bei dem die Wertschöpfung über eigene Strukturen einschließlich Wirecard Bank lief, und dem Dritt-Acquiring-Geschäft, bei dem wesentliche Teile des Payment-Prozesses und der Acquiring-Funktion auf Drittpartner verlagert wurden. Ausgenommen von der Auslagerung waren nach diesem Verständnis Kundenakquisition und Kundenpflege.

Besonders wichtig: Es ging ausdrücklich um Kundengruppen, die aus Reputations-, Lizenz- oder Risikogründen nicht über die normale Wirecard-Plattform beziehungsweise die Wirecard Bank abgewickelt werden sollten. Genannt werden unter anderem Adult Services, Pornography/Dating, Gambling/Gaming, Multi-Level-Marketing sowie Pharmacy/Health & Beauty. Außerdem wird beschrieben, dass die Aufsicht im asiatischen Raum bei solchen High-Brand-Risk-Segmenten großzügiger gewesen sei und dass Wirecard bei zu viel solchem Geschäft über eigene Strukturen den Verlust der Visa-Lizenz riskiert hätte.

Damit ist schon klar: Das TPA-Geschäft war nicht irgendein Randthema, sondern ein Hochrisiko-Geschäft mit besonderer Struktur. Wirecard sollte angeblich weiterhin „Key Contact“ und Strategiepartner des Kunden sein und zugleich Residualrisiken tragen, während technische Abwicklung und Acquiring über die Drittpartner liefen. Genau diese Konstruktion ist der Kern des Problems.

Noch spannender wird es bei der Risikobewertung. Laut Rödl entstanden im TPA-Geschäft schnell große Forderungsbestände, Sicherheitseinbehalte und Cash-Collaterals. Wirecard hatte also ein vitales Interesse daran, diese Vermögenswerte zu schützen. Aber wie wurde dieses Risiko angeblich kontrolliert? Nicht durch harte, sauber dokumentierte Sicherheiten, sondern wesentlich durch laufende Meetings, Befragungen der Drittpartner-Geschäftsführung, Auswahl der Drittpartner, Reputation, Brancheninformationen und ein „Ohr am Markt“. Eine formale Dokumentation dieser laufenden Absicherung wurde nicht erstellt.

Genau hier liegt für mich der Knackpunkt: Wirecard sagte sinngemäß „wir kennen den Markt“. Aber wer ist dieses „wir“?

Meiner Meinung nach war dieses „wir“ gerade nicht Braun persönlich. Das „wir“ war eher der operative TPA-/Asien-/High-Risk-Kreis: Marsalek, Häuser-Axtner, Bellenhaus, Fuchs, Elbek, Baxi, früher Mosbach, Osterloh und andere aus diesem Umfeld. Also diejenigen, die angeblich die Händler, die Drittpartner, die Zahlungsströme, die Risiken und die informellen Marktinformationen kannten.

Das ist für die Braun-Frage entscheidend.

Man sollte deshalb nicht platt fragen:
Hat Braun persönlich jeden Händler, jeden Drittpartner und jede Transaktion gekannt?

Die bessere Frage lautet:

Durfte Braun als CEO akzeptieren, dass ein für den Konzern ergebniszentrales Hochrisiko-Geschäft faktisch von einem kleinen operativen Kreis getragen wurde, dessen Marktkenntnis harte Nachweise und formale Risikodokumentation ersetzte?

Rödl beschreibt außerdem, dass es in den Arbeitspapieren hieß, es seien keine Haftungsrisiken für Wirecard durch das Management identifiziert worden — und dass diese Aussage in den Folgejahren offenbar unverändert wieder auftauchte. Gleichzeitig erklärt Rödl aber auch, dass bei stark wachsendem Long-Term-Risk-Geschäft die Dritt-Acquirer immer größere Sicherheitseinbehalte verlangen konnten, sodass bei Wirecard kein oder nur ein geringer Zahlungsmittelfluss ankam.

Das ist bemerkenswert: Auf der einen Seite angeblich keine identifizierten Haftungsrisiken. Auf der anderen Seite ein Geschäftsmodell, in dem immer größere Sicherheiten, Forderungen und Einbehalte aufgebaut wurden. Das passt nicht wirklich zusammen, jedenfalls nicht ohne sehr belastbare Dokumentation.

Deshalb würde ich den Themenbereich 3 so zuspitzen:

Der TPA-Komplex ist nicht nur die Frage, ob „Dirty Payments“ liefen oder ob Umsätze frei erfunden waren. Er ist die Frage, wie ein DAX-Konzern ein angeblich hochprofitables Hochrisiko-Geschäft kontrollierte, bei dem Wirecard selbst nicht die komplette technische und vertragliche Wertschöpfungskette hielt.

Und daraus folgt die eigentliche Braun-Frage:

Wenn Braun selbst nicht Teil dieses operativen „wir kennen den Markt“-Kreises war, entlastet ihn das nicht automatisch. Es verschiebt die Frage nur: Hätte er gerade deshalb auf harte Nachweise, echte Zahlungsflüsse, unabhängige Bestätigungen, saubere Merchant-Strukturen und formale Risikodokumentation bestehen müssen?

Für mich ist das der entscheidende Punkt:
Nicht mystische Daten. Nicht bloß Dirty Payments. Sondern die Governance-Frage, ob ein kleines operatives Netzwerk um Marsalek und andere ein ergebniszentrales TPA-Geschäft kontrollierte, während der Konzern nach außen auf Wachstum, Profitabilität und Prüfungsfähigkeit setzte.

Oder noch kürzer:

Entweder war das TPA-Geschäft real — dann war seine Risikokontrolle erstaunlich weich. Oder es war weitgehend Fiktion — dann hätte gerade diese weiche Risikokontrolle ein massives Warnsignal sein müssen.  
26.04.26 20:19 #20408 Sammelantwort 4
## 4. Aufsichts-, Prüfungs- und Ermittlungsversagen: EY, BaFin und Staatsanwaltschaft

Den Untersuchungsausschuss lasse ich hier bewusst weg, weil das ein zu großes eigenes Thema ist. Dort müsste man gesondert über politische Verantwortung, Aktenlieferungen, Geheimhaltung, Scholz/BMF, Ausschussdynamik und die spätere Bewertung des Abschlussberichts sprechen. Für diesen Strang beschränke ich mich daher auf EY, BaFin und Staatsanwaltschaft.

Bei **EY** ist für mich der zentrale Punkt nicht, dass der Abschlussprüfer das TPA-Geschäft überhaupt nicht verstanden hätte. Der Rödl-Bericht zeigt eher das Gegenteil: EY hatte das Dritt-Acquirer-Geschäft, seine Sonderlogik und seine Bilanzierung durchaus auf dem Tisch. Problematisch ist deshalb gerade nicht nur Unkenntnis, sondern die Frage, warum aus diesem Wissen keine härteren Prüfungshandlungen folgten.

EY sah, dass Wirecard das TPA-Geschäft auf Grundlage einer behaupteten Prinzipalstellung brutto bilanzierte. EY sah auch, dass diese Bilanzierungslogik stark auf Managementaussagen beruhte, dass Forderungen in rollierende Sicherheiten umgewidmet wurden und dass bei stark wachsendem Long-Term-High-Risk-Geschäft geringe reale Zahlungsflüsse an Wirecard plausibilisiert wurden. Genau deshalb lautet die kritische Frage: Wenn diese Besonderheiten bekannt und dokumentiert waren, warum wurden Existenz, Werthaltigkeit, Zahlungsrealität und Kontrolle des TPA-Geschäfts nicht viel härter geprüft?

Bei der **BaFin** würde ich dagegen nicht vorschnell sagen, sie habe Wirecard gezielt geschützt, weil es Wirecard war. Das greift zu kurz. Das tiefere Problem liegt in der rechtlichen und institutionellen Anreizstruktur. Die BaFin haftet gegenüber Anlegern im Grundsatz nicht dafür, wenn sie zu wenig oder zu spät beaufsichtigt. Zu harte oder zu frühe Maßnahmen gegen Unternehmen können dagegen rechtlich, politisch und marktbezogen riskant sein. Daraus entsteht eine defensive Logik: Abwarten, Zuständigkeitsgrenzen betonen und formalistisch handeln ist für die Behörde oft risikoärmer als proaktive Eskalation.

Das ist auch kein reines Wirecard-Phänomen. Die BaFin hatte schon vor Wirecard und vor Scholz eine Geschichte laxen oder verspäteten Handelns. Deshalb halte ich die einfache Linie „BaFin – Wirecard – Scholz“ für zu kurzsichtig. Die strukturelle Schwäche der Aufsicht bestand bereits vorher, auch unter früheren Finanzministern. Marc Liebschers zugespitzter Satz, **„Aufsichtsversagen gehört zum Leistungsspektrum der BaFin“**, bringt genau diese institutionelle Fehlkonstruktion auf den Punkt.

Ähnlich muss man die **Staatsanwaltschaft** betrachten. Auch dort gab es vor dem Kollaps offenbar Zurückhaltung, weil Ermittlungen gegen ein erfolgreiches börsennotiertes Unternehmen selbst kursrelevant werden konnten. Schon früh bestand die Sorge, ein aktives Vorgehen könne den Aktienkurs belasten. Solange Wirecard als erfolgreiches Wachstumsunternehmen galt, war das eine Hypothek für Ermittler.

Nach dem Zusammenbruch änderte sich der Rahmen vollständig. Der Kurs war zerstört, der öffentliche Druck enorm, und plötzlich bestand nicht mehr die Sorge, ein intaktes Unternehmen durch Ermittlungen zu beschädigen. Jetzt ging es darum, Verantwortliche zu benennen und Versäumnisse aufzuarbeiten. Dadurch schlug das Pendel teilweise ins andere Extrem: Nach vorheriger Vorsicht wurden nun teils weitreichende Aussagen und Beschuldigungen auf einer Basis formuliert, die man ebenfalls kritisch prüfen muss.

Auch beim **Leerverkaufsverbot** wird im Rückblick oft zu viel vermischt. Für die BaFin war bei dieser Maßnahme nicht entscheidend, ob die Vorwürfe gegen Wirecard materiell zutrafen oder nicht. Entscheidend war aus Sicht der Marktaufsicht die Frage, ob Presseberichte, Shortseller-Aktivitäten und Marktreaktionen eine erhebliche Marktstörung auslösen konnten. Das Leerverkaufsverbot war also nicht automatisch ein Wahrheitsurteil zugunsten Wirecards, sondern eine marktaufsichtliche Maßnahme gegen angenommene Marktverwerfungen.

Deshalb würde ich Punkt 4 so zusammenfassen:

**Bei EY, BaFin und Staatsanwaltschaft geht es weniger um eine einheitliche Schutzverschwörung zugunsten Wirecards, sondern um institutionelle Fehlanreize, falsche Risikogewichtung, mangelnde Konsequenz und einen massiven Perspektivwechsel nach dem Kollaps. EY sah genug, um skeptischer prüfen zu müssen. Die BaFin war strukturell eher auf defensives Handeln programmiert. Und die Staatsanwaltschaft bewegte sich von kursbedingter Zurückhaltung vor dem Zusammenbruch zu erheblichem Aufklärungsdruck danach.**
 
26.04.26 20:27 #20409 Sammelantwort 5
5. Anlegervertrauen, Analystenempfehlungen, Interessenkonflikte und Eigenverantwortung

Der fünfte Themenbereich betrifft für mich die Frage, wie man das Verhalten der Anleger bewertet. Dabei greift die einfache Gegenüberstellung „gierige Anleger“ gegen „unschuldige Opfer“ zu kurz.

Natürlich trägt jeder Anleger Eigenverantwortung. Bei Wirecard gab es über Jahre Warnsignale: kritische Presseberichte, Shortseller-Vorwürfe, Zweifel am Asiengeschäft, offene Fragen zum TPA-Modell und später die KPMG-Sonderprüfung. Wer investiert blieb oder nachkaufte, traf eine eigene Risikentscheidung.

Aber damit ist die Sache nicht erledigt. Wirecard war kein unregulierter Nebenwert, sondern ein DAX-Konzern. Das Unternehmen wurde von EY testiert, von Banken finanziert, von Analysten bewertet, von institutionellen Investoren gehalten und von der BaFin nicht gestoppt. Genau diese Faktoren wirkten für viele Anleger als Beruhigungssignale.

Marc Liebscher hat das in einem Interview 2020 treffend beschrieben. Er sagte sinngemäß, die BaFin sei für große Anleger ein zentraler Vertrauensanker gewesen. Er habe mit Investoren in London gesprochen, die teils dreistellige Millionenbeträge in Wirecard investiert hatten. Wenn er vor Wirecard gewarnt habe, sei deren Reaktion ungefähr gewesen: Ihr habt vielleicht recht mit euren Vorwürfen, aber es kann nicht sein, dass alles faul ist — schließlich gibt es EY und die BaFin.

Das ist der entscheidende Punkt: Viele Anleger vertrauten nicht nur Braun oder Wirecard. Sie vertrauten einem ganzen System aus Wirtschaftsprüfern, Finanzaufsicht, Banken, Analysten und DAX-Status. EY und BaFin wirkten wie eine letzte Plausibilitätsgarantie. Man konnte sich kaum vorstellen, dass ein kompletter Betrug in einem deutschen DAX-Konzern über Jahre möglich sein sollte, wenn all diese Kontroll- und Marktinstanzen nicht einschritten.

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Rolle der Banken. Die Commerzbank war einer der großen Kreditgeber und Konsortialführerin beim Wirecard-Kreditrahmen. Im Prozess wurde später berichtet, dass die Bank bereits 2018 und 2019 erhebliche Verdachtsmomente sah: verdächtige Überweisungen, auffällige Partnerfirmen in Singapur und Hinweise auf ein mögliches Scheinfirmengeflecht. Trotzdem fand die Bank keinen klaren Weg zum sofortigen Ausstieg.

Der Satz aus dem Prozesskontext ist dafür bezeichnend: Man habe nicht „wie die Deppen am Markt dastehen“ wollen, falls man falschliege. Genau das zeigt die institutionelle Dynamik. Selbst professionelle Marktteilnehmer hatten Zweifel, aber sie scheuten den Bruch mit dem herrschenden Marktbild. Wenn schon eine große Bank mit internen Anti-Fraud-Hinweisen zögerte, kann man Kleinanlegern nicht einfach rückblickend vorwerfen, sie hätten alles erkennen müssen.

Zu Punkt 5 gehören außerdem mögliche Interessenkonflikte professioneller Marktakteure. Analystenempfehlungen, hohe Kursziele, Bankenkredite und institutionelle Beteiligungen wirkten für viele Anleger wie Qualitätssignale. Gleichzeitig standen dahinter teilweise eigene Geschäftsinteressen, Beratungsnähe oder ambivalente Marktrollen.

Das betrifft nicht nur die Commerzbank. Ein Beispiel ist Jochen Reichert von Warburg. Er war bereits seit den Nullerjahren ein ausgesprochen bullisher Wirecard-Analyst und wurde später Berater von Wirecard. Gleichzeitig war Wirecards Aufsichtsratsvorsitzender Wulf Matthias Berater von Christian Olearius beziehungsweise Warburg. Das muss nicht automatisch illegitim sein, zeigt aber die Nähe zwischen Analyse, Beratung, Kapitalmarktkommunikation und Wirecard-Umfeld. Für Anleger war nach außen vor allem sichtbar: Eine renommierte Bank beziehungsweise ein bekannter Analyst sieht Wirecard positiv.

Ähnlich interessant ist Goldman Sachs. Goldman hatte seit 2013 regelmäßig sehr hohe Kursziele für Wirecard und setzte die Aktie zeitweise auf die Conviction Buy List. Solche Einstufungen wurden am Markt gelesen und hatten Wirkung. Später wurde im Untersuchungsausschuss sinngemäß gesagt, intern habe man Wirecard gar nicht wirklich angefasst; vieles sei nur im Auftrag von Kunden erfolgt. Das ändert aber nichts daran, dass Goldman als Name am Markt Gewicht hatte — durch Research, durch Sichtbarkeit und auch als Investor.

Gerade bei Goldman ist die Doppelrolle spannend. Einerseits war Goldman als Aktionär sichtbar. Andererseits gab es immer das Gerücht, ein erheblicher Teil der Aktienposition habe vor allem dazu gedient, Aktien an Leerverkäufer zu verleihen. Das wäre analytisch ein völlig anderer Sachverhalt: Dann hätte die sichtbare Beteiligung nach außen wie ein Vertrauenssignal wirken können, während sie intern eher Teil eines Wertpapierleihe- oder Kundengeschäfts gewesen wäre. Wenn Wolfgang Fink im Untersuchungsausschuss Angaben dazu nachreichen wollte, diese Frage aber nie abschließend geklärt wurde, bleibt hier eine wichtige offene Lücke.

Das alles verschiebt die Anlegerfrage erheblich. Kleinanleger sahen DAX-Zugehörigkeit, EY-Testate, BaFin-Passivität, hohe Kursziele, Bankennamen, Kreditlinien und institutionelle Investoren. Sie konnten aber kaum erkennen, welche Interessen, Mandate, Beratungsbeziehungen, Kreditrisiken oder Wertpapierleihe-Strukturen dahinterstanden.

Deshalb würde ich Punkt 5 so zusammenfassen:

Wirecard zeigt die Spannung zwischen Anlegerverantwortung und institutionellem Vertrauen. Anleger hätten Warnsignale ernst nehmen können und müssen. Gleichzeitig sendeten DAX-Zugehörigkeit, EY-Testate, BaFin-Verhalten, Bankenkredite, Analystenempfehlungen und institutionelle Investoren starke Beruhigungssignale. Selbst professionelle Akteure zweifelten teilweise, scheuten aber den Bruch mit dem herrschenden Marktbild.

Oder zugespitzt:

Viele Anleger vertrauten nicht blind Braun. Sie vertrauten einem Marktbild, das von EY, BaFin, Banken, Analysten und Großinvestoren mitgeprägt wurde. Der Wirecard-Skandal besteht auch darin, dass genau dieses System als Vertrauensanker versagte — und dass die dahinterliegenden Interessenkonflikte für normale Anleger kaum durchschaubar waren.  
26.04.26 20:30 #20410 Nachtrag
Diejenigen, die hier eine Diskussion mit Halbsätzen, Schlagworten und Andeutungen führen, erfüllen nicht meinen Standard an eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Wirecard.

Gerade bei diesem Thema muss man sauber trennen: Geschäftsmodell, TPA-Struktur, Dirty Payments, Bilanzierung, Aufsicht, Wirtschaftsprüfung, Staatsanwaltschaft, Analysten, Anlegervertrauen und politische Verantwortung sind miteinander verbunden, aber nicht identisch. Wer alles in einen Topf wirft, produziert keine Aufklärung, sondern Nebel.

Ich bin jederzeit bereit, sich anschließende Fragen zu beantworten — wie immer fundiert und entlang konkreter Sachfragen. Quellen kann ich ebenfalls nachreichen.  
Seite:  Zurück   1  |  2    |  817    von   817     
Antwort einfügen - nach oben
Lesezeichen mit Kommentar auf diesen Thread setzen:    


Bitte warten...