Keine Frage: Die deutsche Biotech-Branche befindet sich in der schwierigsten Phase seit ihrer Entstehung vor etwa zehn Jahren. Zunehmende Engpässe in der Finanzierung haben den Konsolidierungsprozess beschleunigt. Im Vergleich zur Mehrheit ihrer Pendants in den USA verzeichnen die deutschen Unternehmen aufgrund ihrer frühen Reifephase zumeist geringe Umsätze. Demgegenüber stehen hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung. Der negative Cash-flow wird mit Risikokapital (Venture Capital) oder mit liquiden Mitteln durch Börsengänge (IPO) bis zum Erreichen des Break-even ausgeglichen. Seit 2002 fallen diese Finanzquellen fast vollständig aus, wodurch die Branche in ein gefährliches Ungleichgewicht gebracht wurde. Im Jahr 2003 existierten in Deutschland je nach Quelle zwischen 365 und 550 Biotech-Firmen. Nur ein Bruchteil davon arbeitet profitabel, da die liquiden Reserven fast vollständig in die Medikamentenentwicklung oder in Technologien gesteckt werden, die für die Wirkstoffsuche relevant sind.
Die meisten der nicht-börsennotierten Unternehmen sind auf wenige Geldquellen angewiesen. Am wichtigsten sind VC-Gesellschaften, die in Deutschland aber seit 2002 nur noch wenig Kapital in Biotech-Startups investierten.
Diese Unternehmen kämpfen nun ums Überleben, da die nach drei bis fünf Jahren eingeplante Nachfolgefinanzierung in vielen Fällen auszubleiben droht. Nach Erhebungen der Unternehmensberatung Droege & Co. unter 60 Biotechs reichen die liquiden Reserven bei 45 Prozent der Unternehmen noch für zwölf Monate und bei 70 Prozent noch für 18 Monate.
Als Folge dieses Engpasses nehmen die Insolvenzen rapide zu: 2003 standen laut Proventa Capital Advisers 45 Insolvenzen zu Buche, darunter auch die börsennotierten BioTissue und Trace Biotech. Dieses Jahr droht sogar 50 bis 80 Unternehmen das Aus.
Ob die neu identifizierte Investorengruppe der "stillen Teilhaber", diese Entwicklung aufhalten kann, bleibt abzuwarten. Darunter versteht man wohlhabende Privatpersonen, die in den USA bereits einen bedeutenden Teil der Direktinvestitionen in Biotechs ausmachen. Der hohen Insolvenzzahl standen 2003 nur zwölf Fusionen oder Übernahmen sowie eine geringe Zahl von Neugründungen gegenüber.
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