bei den Jungen kann ich so nicht wahrnehmen. Höchstens ein Auseinanderfallen der Gesellschaft in 2 Bereiche: Auf der einen Seite 2/3 der Gesellschaft, die den Laden mit viel Engagement trägt, und 1/3, das in Perspektivlosiggkeit vor sich hin dümpelt und entweder mit Hungerlöhnen oder eben mit Sozialzuwendungen abgespeist wird.
Das ist sicher eine wahrnehmbare Entwicklung der letzten 20-30 Jahre.
Bis in die 70er des letzten Jahrhunderts standen fast allen eigentlich viele Wege offen für eine positive Lebensgestaltung - ohne dass man sich über die Maßen den Arsch aufreißen musste.
Wenn ich die heutige Schule mit meiner Schulzeit vergleiche - und das kann ich dank meiner Kinder recht gut, dann fällt mir auf, dass mein Jugendleben wesentlich unbescherter und von wesentlich weniger Stress geprägt war. Für mich war gegen 1 Uhr Sense und dann nur noch Highlife mit Sport, Freunden und Abfeiern der Freizeit.
Meine Kinder dagegen haben einen absoluten Fulltime-Job. Mein Sohn kommt gegen 16 Uhr ziemlich fertig aus der Schule nach Hause, muss noch Hausaufgaben machen, hängt dann ein bisschen durch und macht gegen später dann noch ein bisschen Sportverein. Er hat wesentlich weniger Freizeit als ich es immer hatte.
Meine Tochter hat eine glänzende Schullaufbahn hingelegt und ist jetzt an der Uni. Dort hat sie nicht nur einen durchgeregelten 40-Stunden-Plan plus Zusatzarbeiten zu Hause, sie macht auch noch einen Job nebenher als HiWi. Gut. Sie ist ein Ausnahmetalent. Aber ihre ganze Klasse empfand ich - im vergleich - als äußerst strebsam und leistungsorientiert. Tolle junge Leute mit viel Engagement und großen persönlichen Zielen -abgesehen von vielleicht 2-3 Hängern, die es immer gibt, die sich m. E. aber auch noch fangen werden. Ähnlich sieht es jetzt bei meinem Sohn aus. Was die an der Schule heute bringen müssen - unter eher schlechteren äußeren Bedingungen als unsereins - ist für mich allemal bewundernswert. Und wie sich die, die ich über meine Kids da kennenlerne, durchboxen, auch.
Deshalb sollte man das Problem schon differenzierter sehen: Es geht letztlich um jenes abgehängte Drittel. Junge Leut, die von den Voraussetzungen her - sozial oder Bezugsumfeld oder eben einfach mangels ausreichender Stimulation oder eben der natürlichen/ererbten kognitiven Einschränkungen - nicht mithalten können.
Ich glaube kaum, dass deren "Teilhabe" allein von der Höhe der staatlichen finanziellen Zuwendungen abhängt. Ich glabe, das Geld wäre besser in Förderung, Forderung, Elternbildung, Nacherziehung u.ä. angelegt. Je länger sich eine Kultur der Abgehängten herausbildet, desto mehr bildet sich da eine Ghettoisierung und ein Braten im eigenen Saft heraus.
"In Würde leben" ist nur begrenzt ein finanzielles Problem. Auch das will - unter welchen finanziellen Bedingungen auch immer - gelernt sein. Darüber sollte sich so ein gericht auch mal Gedanken machen... ----------- Ich darf "vermuten, schlussfolgern und ... unterstellen", sofern die Wortwahl eine persönliche Meinungsäußerung erkennen lässt. Laut einer Jurawebsite. (Link gelöscht wegen Werbung.) |