Auf Saurer wetten

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eröffnet am: 26.07.05 20:00 von: lancerevo7 Anzahl Beiträge: 1
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26.07.05 20:00 #1 Auf Saurer wetten

Home | News | Wirtschaft | Vontobel zur Wirtschaft 26.07.2005 | 19:09:34
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KAUFEN, RESTRUKTURIEREN, AUSHÖHLEN. SECHS SCHRITTE ZUM SCHNELLEN PROFIT
«Wir sind eine Fondsfamilie, die weltweit in unterbewerte Firmen investiert», meint Roger Bühler, Investment Director von Laxey Partners, im Interview mit der «HandelsZeitung». Im Klartext: Laxey kauft Firmen, die über «readily realisable assets» (schnell zu versilbernde Aktiven) verfügen, macht Kasse und steigt mit Gewinn wieder aus.

Wichtig ist dabei, dass das eingesetzte Kapital nicht zu lange blockiert wird. Im Falle von Saurer dürften den Laxey-Managern vor allem im Jahresbericht 2004 ausgewiesenen 266 Millionen Euro flüssige Mittel ins Auge gestochen haben.

Zudem vermutet Bühler, dass Saurer über beträchtliche stille Reserven verfügt: Die Saurer-Bilanz verzeichnet Immobilien und Maschinen im Wert von 330 Millionen Euro aus. Im Kleingedruckten erfährt, dass sich der Versicherungswert dieser Anlagen 1,8 Milliarden Euro beläuft. «Der Erlös auf dem Verkauf der nicht mehr benötigten Anlagen» heisst es da, «dürfte den Bilanzwert übertreffen.»

Das sind ideale Voraussetzungen. Theoretisch könnte also der Ein- und Ausstieg der Laxey bei Saurer in etwa so aussehen.
  • 1. Schritt: Laxey kauf 60 Prozent der Saurer zum Durchschnittskurs von 85 Franken, bzw. zum Gesamtpreis von 720 Millionen Franken. Davon 180 Millionen Franken eigene Mittel.
  • 2. Schritt: Der neue Besitzer gibt dem Management den Tarif durch. Einzelheiten dazu können die Saurer-Manager jetzt schon auf der Laxey-Homepage nachlesen. Im Wesentlichen geht es darum, mit Restrukturierungen und «Transaktionen aggressiver Natur» eine rasche Höherbewertung zu erreichen. Diese Ideen wollen man dem Management in «sanften Gesprächen» näher bringen. Sollte dies nicht reichen, werde man nicht zögern, den dicken Knüppel (big stick) auszupacken.
  • 3. Schritt: Das solchermassen eingeschüchterte Management verkauft Immobilien im Buchwert von 200 Millionen Franken zu einem Preis von 400 Millionen Franken.
  • 4. Schritt. Der Buchgewinn von 200 Millionen Franken wird kurssteigernd verbucht. Laxey verkauft Paket von 20 Prozent der Saurer-Aktien mit einem Gewinn von 25 Prozent für 300 Millionen Franken.
  • 5. Schritt: Die verbesserte Bilanz wird dazu benutzt, weitere 200 Millionen Franken Kredit aufzunehmen. Zusammen mit dem Verkaufserlös der Immobilien liegen jetzt 600 Millionen Franken liquide Mittel in der Kasse. Davon werden 400 Millionen als Sonderausschüttung an die Aktionäre. Davon gehen 160 Millionen an Laxey.
  • 6. Schritt: Die Sonderausschüttung stützt den Kurs. Laxey verkauft den Rest der Aktien mit Gewinn und investiert den Erlös in eine andere Firma mit «readily realisable assets».

    Dieses Szenario ist fiktiv. Bis auf einen Punkt: Der Aus- und Einstieg von Finanzhaien führt fast immer dazu, dass Mittel aus dem betroffenen Unternehmen abgezogen und an die Aktionäre (bzw. an den Finanzhai) überführt werden. Als Folge davon ist das Unternehmen hoch verschuldet und verfügt bei der nächsten Konjunkturkrise nicht mehr über genügende Finanzpolster.
  • BILD
    Saurer stellt Maschinen her kassiert aber vor allem an der Börse.
    Keystone
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    VON WERNER VONTOBEL
    <!--! CrawlOn -->Als Industriebetrieb ist die Saurer AG leidlich erfolgreich. Als Wertpapier hingegen ist die Saurer-Aktie eine Goldgrube. Schuld daran sind die «Heuschrecken», die Saurer kaufen wollen, oder zumindest so tun. Eine Analyse.
    Mitte Mai 2005. Der Kurs der Saurer-Aktie dümpelt um 70 Franken. Saurer kostet somit insgesamt rund 1 Milliarde Franken und sie hat 2004 gut 100 Millionen Franken Reingewinn erzielt. Macht rund 10 Prozent Rendite. Immerhin.

    Für Investmentbänkler sind 10 Prozent Rendite kein Grund für feuchte Hände. Doch angesichts der tiefen Zinsen, ist folgende Rechnung erlaubt. Wenn ich mit 75 Prozent Kredit (zu, sagen wir, 2,5 Prozent Zins) ein Wertpapier mit 10 Prozent Rendite kaufe, erziele ich auf meinem Eigenkapital eine Rendite von 32.5 Prozent.

    Das klingt gut, doch es kommt noch besser: Wenn ein Unternehmen wie Saurer erst einmal zum Übernahmekandidaten wird, erwartet der Markt Kursteigerungen von 40 bis 50 Prozent. Saurer wäre dann 1,4 statt eine Milliarde Franken wert. Damit äufnet sich ein Jackpot von 400 bis 500 Millionen Franken. Genau solche Lockvögel braucht die Finanzindustrie.

    Und so kommt, was kommen musste. Im Mai kauft eine Harris Associates in Chicago 5,1 Prozent von Saurer. Die Presse nimmt keine Notiz. Am 13. Juli steigt die Saurer-Aktie um 4,6 Prozent. Jetzt brodelt die Gerüchteküche. Am 15. Juli meldet Reuter, dass die auf den Isle of Man domizilierte Laxey Partners 7,6 Prozent der Aktien hält. Tags darauf sind es bereits 13 Prozent. Die Aktie steigt auf den (vorläufigen?) Höchstkurs von 100 Franken. Saurer ist jetzt 1,4 Milliarden wert.

    Jetzt bricht plangemäss das Wettfieber aus. Statt den üblichen 50’000 werden pro Handelstag teilweise mehr als 300’000 Saurer Aktien gehandelt. Das schenkt ein. Am 22. Juli zum Beispiel meldet SWX für Saurer Geld 91, Brief 95,5 Saurer Aktie 4 Franken. Das ist eine Marge von 5 Prozent für die Banken. Dazu kommen die Courtagen und Kommissionen.

    Doch Aktien sind nur für Amateure. Für die Profis haben die Banken noch 11 weitere Spieltische eingerichtet. Per 22. Juli laufen insgesamt 11 Wetten (Call-Optionen) auf Saurer-Aktien. Mit 5 von 11 angeboten ist die Zürcher Kantonalbank – wie schon im Fall von Unaxis – Marktführer.

    Ein Beispiel: Am 7. Juli bringt die ZKB 10 Millionen Optionen auf den Markt. je 12 davon berechtigen zum Kauf einer Saurer-Aktie für 85.5 Franken. Am 7. Juli war eine solche Option 0.53 Franken wert. Zehn Tage später schon 1,42 Franken. Solche Kurssprünge machen die Anleger heiss.

    Doch anders als bei der Landeslotterie haben im Saurer-Kasino nicht alle Wettbrüder dieselben Chancen. Die Ereignisse, die den Kurs Optionen bestimmen, werden nicht vom Zufall bestimmt, sondern von den finanzkräftigen Mitspielern selbst. Laxey und die Banken, die mit ihr (möglicherweise) im Bunde sind, wissen zum voraus, wann neue Beteiligungslimiten gemeldet werden. Nur sie wissen, ob sie mit den Saurer-Aktien bloss ein wenig spielen, oder ob sie den Konzern (bis auf weiteres) ganz übernehmen wollen.

    Dieses Wissen ist Geld. Wie viel Geld ist schwer abzuschätzen. Hier ist eine Grössenordnung. Laxey hat für rund 100 Millionen Franken Einsatz die Kontrolle über 2 Millionen Saurer-Aktien erworben und damit einen Kurssprung von 70 auf zeitweise 100 Franken ausgelöst. Wenn Laxey 50 Prozent dieses Kursgewinnes realisieren kann, macht das einen Gewinn von 30 Millionen Franken -allein für Laxey.
    So oder so, in der Finanzindustrie klingeln die Kassen. Pro Handelstag werden jetzt bis eine Million Saurer-Optionen gehandelt. Dazu kommt der Handel mit den Aktien. Vorsichtig geschätzt dürfte die Saurer-Aktien in diesen heissen Julitagen täglich 3 bis 5 Millionen Franken in die Kassen der Finanzinstitute fliessen lassen.
    Damit schöpft der «Kasino-Betrieb Saurer» mit ein paar Dutzend Analysten und Optionenspezialisten mehr Werte ab, als der Industriebetrieb schafft. Knapp 9000 Mitarbeiter verdienten dort 2004 eine Gehaltssumme (samt Nebenleistungen) von 420 Millionen Euro. Dazu kommen 69 Millionen Euro Reingewinn. Zusammengezählt und umgerechnet gibt das eine Wertschöpfung von rund 3 Millionen Franken pro Arbeitstag.

    Das Misverhältnis zwischen industriellem Fleiss und finanztechnischer Gerissenheit zeigt sich auch in der Lohntüte: Ein durchschnittlicher Saurer-Mitarbeiter bringt es etwa auf 60’000 Franken Jahresgehalt. Und die rund 250’000 Franken, die Saurer-Verwaltungsratspräsident Giorgio Behr verdient, kassieren die Börsenhändler und Optionen-Spezialisten als Bonus obendrein.

    So what? könnte man fragen. Wenn sich der Staub gelegt hat, ist zwar einiges an Vermögen verschoben worden. Doch doch wer sich an dem Spiel freiwillig beteiligt, ist schliesslich selber schuld, falls er verlieren sollte.

    Dagegen gibt es zwei Argumente. Erstens kann man es durchaus als volkswirtschaftlich schädlich bezeichnen, wenn man als Finanzingenieur zehn mal mehr verdient als ein Maschineningenieur bei Saurer, und wenn die intelligentesten jungen Leute einer Generation statt als Ingenieure neue Werte zu schaffen, Finanzinstrumente entwickeln, mit denen bereits gemachte Vermögen umverteilt werden.

    Für den Fall, dass Laxey – oder irgend eine andere Finanzbude – Saurer übernehmen sollte, kommt noch ein weiterer Schaden hinzu: Saurer würde dann von Leuten geführt, die zwar viel vom Papier (sprich von den Aktien) viel verstehen, aber weder den Wunsch verspüren, noch die Fähigkeit haben, ein Industrieunternehmen langfristig vorwärts zu bringen.

     
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