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New York (www.aktiencheck.de) - Heute wird in den USA der neue Präsident gewählt, so die Experten von Neuberger Berman.
Den Umfragen zufolge dürfte das Ergebnis äußerst knapp ausfallen. Umso spannender sei es, welche möglichen Auswirkungen die Wahl von Harris oder Trump jeweils auf die Wirtschaft haben könnte. Immerhin unterschieden sich die Vorstellungen der beiden Kandidaten bei Themen wie Steuern und Außenhandel erheblich. In seinem Kommentar analysiere Joseph V. Amato, CIO - Equities bei dem amerikanischen Asset-Manager Neuberger Berman, welche Ideen die Wahlprogramme vorsehen würden. Wie wahrscheinlich werde ihre Umsetzung und welche potenziellen Chancen sich daraus für Investoren ergeben?
Heute wählten die US-Amerikaner ihren neuen Präsidenten. Ganz egal, ob sich Trump oder Harris letztendlich durchsetzen würden: Der Gewinner dürfte einen nachhaltigen Einfluss auf die US-Wirtschaft haben. Insbesondere, da die Vorstellungen der Kandidaten erheblich voneinander abweichen würden. Ein gutes Beispiel sei die Steuerpolitik. Unternehmer würden hier besonders auf die Pläne zur Körperschaftsteuer schauen - dabei lohne sich jedoch auch ein Blick auf die verschiedenen Einkommensteuerkonzepte. Immerhin hätten diese einen erheblichen Einfluss auf die amerikanischen Verbraucher und damit auf die Inlandsnachfrage.
Trump habe angekündigt, dass er die 2017 verabschiedeten Einkommensteuersenkungen verlängern möchte. Ursprünglich sollten diese Ende 2025 auslaufen, was de facto eine große Steuererhöhung für alle Amerikaner bedeuten würde. 2017 seien die Pauschalbeträge für alle erhöht worden, der Spitzensteuersatz gesenkt, die Kinderfreibeträge angehoben und die Erbschaftsteuern verringert worden.
Vizepräsidentin Kamala Harris habe sich hierzu nicht klar geäußert. Die Biden-Administration habe aber schon früher vorgeschlagen, die Steuersenkungen von 2017 größtenteils zu verlängern - allerdings nur für Menschen mit Jahreseinkommen bis 400.000 US-Dollar. Harris habe auch über höhere Steuerfreibeträge für Hauskäufe gesprochen. Der vielleicht auffälligste Unterschied zwischen den beiden Kandidaten sei jedoch Harris’ Vorschlag einer "Mindeststeuer für Milliardäre".
Steuerpolitik sei entscheidend für die Gewinnerwartung des S&P 500. Auch bei den Körperschaftsteuern seien die Unterschiede erheblich. So wolle Harris den Körperschaftsteuersatz von 21 auf 28 Prozent anheben. Trump wolle ihn hingegen auf 15 Prozent senken, zumindest für Unternehmen, die in den USA produzieren würden. Derart große Steuersenkungen oder -erhöhungen seien nicht zu unterschätzen.
Eine Änderung des Körperschaftsteuersatzes um einen Prozentpunkt könnte die Gewinne der S&P-500-Unternehmen um knapp ein Prozent steigen oder fallen lassen. Bei 5 Prozentpunkten würden die S&P-500-Gewinne unter gleichen Bedingungen 2025 anders als bisher angenommen nicht um 15, sondern um 10 bzw. 20 Prozent steigen.
Große Unterschiede gebe es auch beim Thema Außenhandel. Hier könne die Regierung vieles selbst entscheiden, ohne dass der Kongress zustimmen müsse. Harris dürfte Bidens Ansatz weitgehend treu bleiben, der vor allem auf Chinas wachsende Bedeutung für die internationalen Lieferketten abziele. Von einigen Beschränkungen für bestimmte Technologien und Sektoren abgesehen, dürften die amerikanischen Verbündeten mit weniger Gegenwind rechnen als unter einem republikanischen Präsidenten.
Denn Trumps Ideen seien umfassender - und vor allem protektionistischer. So gebe es Pläne für einen 60-prozentigen Zoll auf alle Waren aus China und 10 Prozent auf alle anderen Importe. Beim Economic Club of Chicago habe er seine Rhetorik vor allem beim Thema Automobilimporte verschärft. Unter Berufung auf die nationale Sicherheit habe der Präsident gewisse Möglichkeiten, ohne Zustimmung des Kongresses Zölle einzuführen. Bei Aluminium und Stahl habe Trump davon auch schon 2018 Gebrauch gemacht. Wahrscheinlich seien Trumps aggressivere Zollpläne aber wohl nur als Ausgangspunkt für Verhandlungen zu verstehen.
Volkswirte von Goldman Sachs hätten geschätzt, dass die Preise einschlägiger Güter allein aufgrund der von der Trump-Regierung eingeführten Zölle der Jahre 2018/2019 um über 3 Prozent gestiegen seien. Selbst ein nur 20-prozentiger Zoll auf Importe aus China würde den Inflationsrückgang auf 2 Prozent um eineinhalb Jahre verzögern. Ein genereller Zoll in Höhe von 10 Prozent würde nach aktuellen Prognosen die Inflation erneut in Richtung 3 Prozent treiben - mit einem Höchststand im Sommer 2026.
Die Märkte fürchteten Veränderungen, in welche Richtung auch immer. So oder so werde man einen neuen Präsidenten bekommen. Die Experten hielten es aber für unwahrscheinlich, dass die extremeren Ideen der beiden Kandidaten wirklich umgesetzt würden. Vermutlich werde es zu einer Machtteilung kommen, bei der die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückgewinnen, aber den Senat an die Republikaner verlieren würden. Wer auch immer Präsident werde: Der Kongress dürfte sie oder ihn zügeln.
Ein Fakt sei unterdessen bemerkenswert: Keiner der beiden Kandidaten zeige ernsthafte Bemühungen, um die US-Staatsfinanzen solider aufzustellen. Die Bereitschaft, Verteidigungs- oder Sozialausgaben zu kürzen, scheine auf beiden Seiten gering. Obwohl das, neben den Zinsen, zwei der drei größten Posten im Bundeshaushalt seien. Passend zu dem Thema habe das Penn Wharton Budget Model zuletzt viel Beachtung gefunden. Nach dessen Schätzungen würden Harris' Steuer- und Ausgabenpläne das Primärdefizit in den nächsten zehn Jahren kumuliert um 2 Billionen US-Dollar steigen lassen. Bei Trumps Plänen wären es gut 4 Billionen.
Volkswirte glaubten, dass der Wahlausgang keine großen Auswirkungen auf die Entwicklung des Defizits in den nächsten fünf Jahren habe. Alles in allem käme es bei Harris zu einer defizitneutralen Umverteilung von Unternehmen und reicheren Steuerzahlern zu ärmeren Steuerzahlern. Bei Trump würde das Defizit geringfügig gesenkt, sofern die Zolleinnahmen das niedrigere Steueraufkommen ausgleichen würden. Aber auch hier gelte, dass die absehbare Machtteilung die Politik beider Kandidaten abmildern dürfte, mit leicht positiven Auswirkungen auf die Staatsfinanzen.
Ganz allgemein liege die Vermutung nahe, dass Trump die Wirtschaft etwas stärker wachsen lassen könnte, allerdings dürfte sich auch die Inflationsproblematik nochmal verschärfen. Bei Harris würde wohl beides niedriger ausfallen. Der jeweilige Umfang würde bei einer Machtteilung abgemildert. Für Investoren dürften bei einem Sieg Trumps insbesondere Small Caps, Mid Caps und stark regulierte Sektoren wie Energie, Elektrizität, Industrie und Finanzen profitieren. Für Anleiheinvestoren könnte aufgrund neuer Inflationssorgen dieses Szenario eher unschöne Folgen haben. Harris dürfte hingegen die derzeitige Politik fortsetzen. Anleger könnten dann die Gesamtwirtschaft wieder stärker in den Blick nehmen und der Aktienmarkt an Breite gewinnen.
Interessant dürfte auch die Zeit direkt nach den Wahlen bleiben - insbesondere aufgrund des Kopf-an-Kopf-Rennens der beiden Kandidaten. Würde das Wahlergebnis angefochten oder stünde der Sieger erst mit Verzögerung fest, könnte die Volatilität steigen. Zum Vergleich: Nach der Wahl im Jahr 2000, als man lange auf die Bestätigung von Bushs Sieg habe warten müssen, sei der S&P 500 vom Wahltag bis Mitte Dezember um fast 12 Prozent gefallen - wobei aber auch andere Faktoren eine Rolle gespielt hätten. Aus der Vergangenheit wisse man jedoch, dass die Märkte zu einer Erleichterungsrallye ansetzen würden, sobald das Ergebnis sicher sei. Das gelte unabhängig davon, wer gewinne. So oder so: Die nächsten Wochen und vielleicht Monate könnten unruhig werden. (05.11.2024/ac/a/m)
Den Umfragen zufolge dürfte das Ergebnis äußerst knapp ausfallen. Umso spannender sei es, welche möglichen Auswirkungen die Wahl von Harris oder Trump jeweils auf die Wirtschaft haben könnte. Immerhin unterschieden sich die Vorstellungen der beiden Kandidaten bei Themen wie Steuern und Außenhandel erheblich. In seinem Kommentar analysiere Joseph V. Amato, CIO - Equities bei dem amerikanischen Asset-Manager Neuberger Berman, welche Ideen die Wahlprogramme vorsehen würden. Wie wahrscheinlich werde ihre Umsetzung und welche potenziellen Chancen sich daraus für Investoren ergeben?
Heute wählten die US-Amerikaner ihren neuen Präsidenten. Ganz egal, ob sich Trump oder Harris letztendlich durchsetzen würden: Der Gewinner dürfte einen nachhaltigen Einfluss auf die US-Wirtschaft haben. Insbesondere, da die Vorstellungen der Kandidaten erheblich voneinander abweichen würden. Ein gutes Beispiel sei die Steuerpolitik. Unternehmer würden hier besonders auf die Pläne zur Körperschaftsteuer schauen - dabei lohne sich jedoch auch ein Blick auf die verschiedenen Einkommensteuerkonzepte. Immerhin hätten diese einen erheblichen Einfluss auf die amerikanischen Verbraucher und damit auf die Inlandsnachfrage.
Trump habe angekündigt, dass er die 2017 verabschiedeten Einkommensteuersenkungen verlängern möchte. Ursprünglich sollten diese Ende 2025 auslaufen, was de facto eine große Steuererhöhung für alle Amerikaner bedeuten würde. 2017 seien die Pauschalbeträge für alle erhöht worden, der Spitzensteuersatz gesenkt, die Kinderfreibeträge angehoben und die Erbschaftsteuern verringert worden.
Vizepräsidentin Kamala Harris habe sich hierzu nicht klar geäußert. Die Biden-Administration habe aber schon früher vorgeschlagen, die Steuersenkungen von 2017 größtenteils zu verlängern - allerdings nur für Menschen mit Jahreseinkommen bis 400.000 US-Dollar. Harris habe auch über höhere Steuerfreibeträge für Hauskäufe gesprochen. Der vielleicht auffälligste Unterschied zwischen den beiden Kandidaten sei jedoch Harris’ Vorschlag einer "Mindeststeuer für Milliardäre".
Steuerpolitik sei entscheidend für die Gewinnerwartung des S&P 500. Auch bei den Körperschaftsteuern seien die Unterschiede erheblich. So wolle Harris den Körperschaftsteuersatz von 21 auf 28 Prozent anheben. Trump wolle ihn hingegen auf 15 Prozent senken, zumindest für Unternehmen, die in den USA produzieren würden. Derart große Steuersenkungen oder -erhöhungen seien nicht zu unterschätzen.
Eine Änderung des Körperschaftsteuersatzes um einen Prozentpunkt könnte die Gewinne der S&P-500-Unternehmen um knapp ein Prozent steigen oder fallen lassen. Bei 5 Prozentpunkten würden die S&P-500-Gewinne unter gleichen Bedingungen 2025 anders als bisher angenommen nicht um 15, sondern um 10 bzw. 20 Prozent steigen.
Denn Trumps Ideen seien umfassender - und vor allem protektionistischer. So gebe es Pläne für einen 60-prozentigen Zoll auf alle Waren aus China und 10 Prozent auf alle anderen Importe. Beim Economic Club of Chicago habe er seine Rhetorik vor allem beim Thema Automobilimporte verschärft. Unter Berufung auf die nationale Sicherheit habe der Präsident gewisse Möglichkeiten, ohne Zustimmung des Kongresses Zölle einzuführen. Bei Aluminium und Stahl habe Trump davon auch schon 2018 Gebrauch gemacht. Wahrscheinlich seien Trumps aggressivere Zollpläne aber wohl nur als Ausgangspunkt für Verhandlungen zu verstehen.
Volkswirte von Goldman Sachs hätten geschätzt, dass die Preise einschlägiger Güter allein aufgrund der von der Trump-Regierung eingeführten Zölle der Jahre 2018/2019 um über 3 Prozent gestiegen seien. Selbst ein nur 20-prozentiger Zoll auf Importe aus China würde den Inflationsrückgang auf 2 Prozent um eineinhalb Jahre verzögern. Ein genereller Zoll in Höhe von 10 Prozent würde nach aktuellen Prognosen die Inflation erneut in Richtung 3 Prozent treiben - mit einem Höchststand im Sommer 2026.
Die Märkte fürchteten Veränderungen, in welche Richtung auch immer. So oder so werde man einen neuen Präsidenten bekommen. Die Experten hielten es aber für unwahrscheinlich, dass die extremeren Ideen der beiden Kandidaten wirklich umgesetzt würden. Vermutlich werde es zu einer Machtteilung kommen, bei der die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückgewinnen, aber den Senat an die Republikaner verlieren würden. Wer auch immer Präsident werde: Der Kongress dürfte sie oder ihn zügeln.
Ein Fakt sei unterdessen bemerkenswert: Keiner der beiden Kandidaten zeige ernsthafte Bemühungen, um die US-Staatsfinanzen solider aufzustellen. Die Bereitschaft, Verteidigungs- oder Sozialausgaben zu kürzen, scheine auf beiden Seiten gering. Obwohl das, neben den Zinsen, zwei der drei größten Posten im Bundeshaushalt seien. Passend zu dem Thema habe das Penn Wharton Budget Model zuletzt viel Beachtung gefunden. Nach dessen Schätzungen würden Harris' Steuer- und Ausgabenpläne das Primärdefizit in den nächsten zehn Jahren kumuliert um 2 Billionen US-Dollar steigen lassen. Bei Trumps Plänen wären es gut 4 Billionen.
Volkswirte glaubten, dass der Wahlausgang keine großen Auswirkungen auf die Entwicklung des Defizits in den nächsten fünf Jahren habe. Alles in allem käme es bei Harris zu einer defizitneutralen Umverteilung von Unternehmen und reicheren Steuerzahlern zu ärmeren Steuerzahlern. Bei Trump würde das Defizit geringfügig gesenkt, sofern die Zolleinnahmen das niedrigere Steueraufkommen ausgleichen würden. Aber auch hier gelte, dass die absehbare Machtteilung die Politik beider Kandidaten abmildern dürfte, mit leicht positiven Auswirkungen auf die Staatsfinanzen.
Ganz allgemein liege die Vermutung nahe, dass Trump die Wirtschaft etwas stärker wachsen lassen könnte, allerdings dürfte sich auch die Inflationsproblematik nochmal verschärfen. Bei Harris würde wohl beides niedriger ausfallen. Der jeweilige Umfang würde bei einer Machtteilung abgemildert. Für Investoren dürften bei einem Sieg Trumps insbesondere Small Caps, Mid Caps und stark regulierte Sektoren wie Energie, Elektrizität, Industrie und Finanzen profitieren. Für Anleiheinvestoren könnte aufgrund neuer Inflationssorgen dieses Szenario eher unschöne Folgen haben. Harris dürfte hingegen die derzeitige Politik fortsetzen. Anleger könnten dann die Gesamtwirtschaft wieder stärker in den Blick nehmen und der Aktienmarkt an Breite gewinnen.
Interessant dürfte auch die Zeit direkt nach den Wahlen bleiben - insbesondere aufgrund des Kopf-an-Kopf-Rennens der beiden Kandidaten. Würde das Wahlergebnis angefochten oder stünde der Sieger erst mit Verzögerung fest, könnte die Volatilität steigen. Zum Vergleich: Nach der Wahl im Jahr 2000, als man lange auf die Bestätigung von Bushs Sieg habe warten müssen, sei der S&P 500 vom Wahltag bis Mitte Dezember um fast 12 Prozent gefallen - wobei aber auch andere Faktoren eine Rolle gespielt hätten. Aus der Vergangenheit wisse man jedoch, dass die Märkte zu einer Erleichterungsrallye ansetzen würden, sobald das Ergebnis sicher sei. Das gelte unabhängig davon, wer gewinne. So oder so: Die nächsten Wochen und vielleicht Monate könnten unruhig werden. (05.11.2024/ac/a/m)
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