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New York (www.aktiencheck.de) - Wenn Lieferketten und Logistik schon auf der Erde an ihre Grenzen stoßen, wirken Investitionen in die Weltraumwirtschaft wie eine Verschwendung von Kapital, so Michael Barr, Senior Research Analyst bei Neuberger Berman.
Tatsächlich spiele die Weltraumwirtschaft aber eine entscheidende Rolle bei der Lösung einiger der drängendsten Probleme - und sie werde immer wichtiger. Sie mache Lieferketten krisenfester, verbessere die Welternährungslage, fördere die Konnektivität der immer stärker vernetzten Wirtschaft und helfe beim Kampf gegen den Klimawandel, nicht zuletzt durch bessere Messverfahren.
Warum sei die Weltraumwirtschaft plötzlich so wichtig geworden, und warum verändere sie schon jetzt das Leben der Menschen?
Mehr als 50 Jahre lang sei der Weltraum die Domäne weniger Länder und Forschungsinstitute gewesen. Um immer komplexere und teurere Technik in die Erdumlaufbahn zu schicken, habe man ein immer aufwendigeres Risikomanagement gebraucht. Mancher Raketenstart habe über 100 Millionen US-Dollar gekostet.
Um die Kosten zu senken, habe Elon Musk 2002 SpaceX gegründet - und habe damit eine Revolution ausgelöst. Nach Angaben des Center for Strategic and International Studies erfordere ein Raketenstart jetzt nur noch ein Zehntel der Kosten von vor 20 Jahren. Bei Kosten von lediglich 2 oder 5 Millionen US-Dollar könnten sehr viel mehr Unternehmen die Chancen des Weltraums nutzen.
Hinzu komme der technische Fortschritt, durch den der Weltraum sehr viel mehr Möglichkeiten biete. Die Übertragungskapazität des Internets habe sich verzehnfacht, die Übertragungsgeschwindigkeit sei von 300 auf 3 Millisekunden zurückgegangen, und Kameraobjektive seien hundertmal so scharf geworden, um nur einige Beispiele zu nennen. Satelliten könnten heute sehr viel mehr, als einfach nur Fernsehsendungen zu übertragen und das Wetter zu beobachten.
Anhand der Entwicklung des Smartphones lasse sich gut verdeutlichen, mit welchen Investmentchancen Neuberger Berman rechne. Es habe mit der grundlegenden Infrastruktur begonnen: Was damals die Smartphone-Hersteller gewesen seien, seien heute Firmen wie SpaceX und Rocket Lab, die größten Anbieter kommerzieller Raketenstarts, oder die Produzenten von Satelliten und ihren Einzelteilen.
Dann seien die Enabler gekommen: die App-Stores, das neue Interface der Smartphones. In der Weltraumwirtschaft würden dem die Anbieter von Cloud-Infrastruktur und innovativer Computertechnik, aber auch Hersteller von Remote-Sensoren und modernsten Kameras und Objektiven entsprechen. Für viele Unternehmen würden sich dadurch neue Chancen ergeben - auf der Erde wie im Weltraum. Die Firmen, die diese Chancen dann nutzen würden, würden den Anbietern von Smartphone-Apps entsprechen. Sie seien die dritte Säule. Hier sei mit dem größten Wachstum zu rechnen.
Zurück zu den Herausforderungen von heute und den revolutionären Apps, die sie lösen könnten: Satellitentechnologie könne nicht die ukrainischen Häfen wieder öffnen oder mehr LKW-Fahrer ausbilden. Die Kombination von mehr Satelliten, besseren Objektiven, höherer Übertragungsgeschwindigkeit und größeren Datenmengen erlaube aber dank hoher Bildauflösung und globaler Perspektive Logistikentscheidungen in Echtzeit. Dadurch könnten die Lieferketten effizienter werden. Man könne aber auch schneller auf Störungen reagieren, egal, ob sie die Folge eines Krieges oder eines Frachtschiffs seien, das den Suezkanal blockiere.
Natürlich lasse sich aus dem Weltraum auch der ukrainische Getreidemarkt nicht wieder öffnen. Präzisionslandwirtschaft auf der Basis von Informationen, die Satelliten liefern würden, könne aber auch in anderen Regionen die Nahrungsmittelproduktion effizienter machen. Mit besseren Sensoren würden sich nicht nur Daten zum Wetter, sondern auch zu Qualität, Temperatur und Feuchtigkeit von Böden gewinnen lassen. Sie würden dann in automatisierte Pflanzsysteme einfließen, sodass an den richtigen Stellen und zum richtigen Zeitpunkt Saatgut ausgebracht werde, um den Ertrag zu maximieren. Dadurch würden sich Wasserverbrauch, Düngereinsatz und Kosten senken lassen.
Wenn die gängigen Sendemasten und Datenkabel um Satelliten ergänzt würden, werde auch die weltweite Vernetzung sehr viel effizienter und kostengünstiger, einschließlich der Anbindung abgelegener Regionen. Der Mobilfunk habe die Wirtschaft vieler Emerging-Market-Länder bereits stark verändert. Kostengünstige Satellitenkommunikation könne aber noch sehr viel mehr leisten. Aus Fahrtvermittlungs-Apps seien schon jetzt große Unternehmen entstanden, die satellitengestützte GPS-Technik verwenden würden. Durch eine noch bessere Konnektivität würden solche Dienstleistungen wirklich global.
Satelliten könnten auch helfen, Lücken im Mobilfunknetz zu schließen. Eine schnelle Übertragungsgeschwindigkeit erlaube jene friktionslose Konnektivität, die für das Internet der Dinge unumgänglich sei. Erstmals könnten auch die Eigentümer abgelegener Einrichtungen wie Offshore-Windparks oder Öl- und Gaspipelines kontinuierlich Echtzeitdaten zur Leistung und zum Wartungsbedarf empfangen.
Weltraumbasierte Lösungen würden auch deshalb immer wichtiger, weil die Klima- und Umweltherausforderungen global seien. Die Entwaldung, der Anstieg des Meeresspiegels und das Schmelzen der Polkappen würden schon seit Jahren aus dem Weltraum beobachtet. Ein noch besseres Monitoring durch Satelliten, bessere Sensoren und hochauflösende Objektive ermögliche jetzt auch die präzise Messung diverser ökologischer Veränderungen.
Unternehmen könnten jetzt aus erster Hand überprüfen, ob ihre Zulieferer Rohstoffe wirklich nachhaltig beschaffen würden. Sie könnten etwa die Zerstörung von Wäldern zur Errichtung von Palmölplantagen aufdecken. Weil man Treibhausgasemissionen mithilfe von Satelliten immer besser nachverfolgen könne, wisse man jetzt, dass man sie bisher unterschätzt habe. Hinzu kämen Chancen für Technologien und Datenanalysen, die eine genauere und fairere CO2-Regulierung, -Bepreisung und -Besteuerung ermöglichen würden.
Wenn die Möglichkeiten schier endlos scheinen, habe das einen einfachen Grund: Weltrauminfrastruktur und Weltraumtechnologie würden nicht nur neue Wirtschaftszweige entstehen lassen, sondern böten auch Unternehmen der erdgebundenen Wirtschaftsbereiche neue Chancen.
Heute habe die Weltraumwirtschaft ein Volumen von etwa 400 Milliarden US-Dollar. Über 50 Prozent davon würden auf Alt-Aktivitäten wie Rundfunk und staatliche Dienstleistungen entfallen. Branchenanalysten würden ein Wachstum auf etwa 1,2 Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2035 für möglich halten. Etwa drei Viertel davon würden auf neue Aktivitäten entfallen, wie sie oben beschrieben worden seien.
Die Weltraumwirtschaft sei den Kinderschuhen entwachsen. Zum Glück brauche man nicht selbst zum Mond zu fliegen, um von ihr zu profitieren oder in sie zu investieren. (23.06.2022/ac/a/m)
Tatsächlich spiele die Weltraumwirtschaft aber eine entscheidende Rolle bei der Lösung einiger der drängendsten Probleme - und sie werde immer wichtiger. Sie mache Lieferketten krisenfester, verbessere die Welternährungslage, fördere die Konnektivität der immer stärker vernetzten Wirtschaft und helfe beim Kampf gegen den Klimawandel, nicht zuletzt durch bessere Messverfahren.
Warum sei die Weltraumwirtschaft plötzlich so wichtig geworden, und warum verändere sie schon jetzt das Leben der Menschen?
Mehr als 50 Jahre lang sei der Weltraum die Domäne weniger Länder und Forschungsinstitute gewesen. Um immer komplexere und teurere Technik in die Erdumlaufbahn zu schicken, habe man ein immer aufwendigeres Risikomanagement gebraucht. Mancher Raketenstart habe über 100 Millionen US-Dollar gekostet.
Um die Kosten zu senken, habe Elon Musk 2002 SpaceX gegründet - und habe damit eine Revolution ausgelöst. Nach Angaben des Center for Strategic and International Studies erfordere ein Raketenstart jetzt nur noch ein Zehntel der Kosten von vor 20 Jahren. Bei Kosten von lediglich 2 oder 5 Millionen US-Dollar könnten sehr viel mehr Unternehmen die Chancen des Weltraums nutzen.
Hinzu komme der technische Fortschritt, durch den der Weltraum sehr viel mehr Möglichkeiten biete. Die Übertragungskapazität des Internets habe sich verzehnfacht, die Übertragungsgeschwindigkeit sei von 300 auf 3 Millisekunden zurückgegangen, und Kameraobjektive seien hundertmal so scharf geworden, um nur einige Beispiele zu nennen. Satelliten könnten heute sehr viel mehr, als einfach nur Fernsehsendungen zu übertragen und das Wetter zu beobachten.
Anhand der Entwicklung des Smartphones lasse sich gut verdeutlichen, mit welchen Investmentchancen Neuberger Berman rechne. Es habe mit der grundlegenden Infrastruktur begonnen: Was damals die Smartphone-Hersteller gewesen seien, seien heute Firmen wie SpaceX und Rocket Lab, die größten Anbieter kommerzieller Raketenstarts, oder die Produzenten von Satelliten und ihren Einzelteilen.
Dann seien die Enabler gekommen: die App-Stores, das neue Interface der Smartphones. In der Weltraumwirtschaft würden dem die Anbieter von Cloud-Infrastruktur und innovativer Computertechnik, aber auch Hersteller von Remote-Sensoren und modernsten Kameras und Objektiven entsprechen. Für viele Unternehmen würden sich dadurch neue Chancen ergeben - auf der Erde wie im Weltraum. Die Firmen, die diese Chancen dann nutzen würden, würden den Anbietern von Smartphone-Apps entsprechen. Sie seien die dritte Säule. Hier sei mit dem größten Wachstum zu rechnen.
Natürlich lasse sich aus dem Weltraum auch der ukrainische Getreidemarkt nicht wieder öffnen. Präzisionslandwirtschaft auf der Basis von Informationen, die Satelliten liefern würden, könne aber auch in anderen Regionen die Nahrungsmittelproduktion effizienter machen. Mit besseren Sensoren würden sich nicht nur Daten zum Wetter, sondern auch zu Qualität, Temperatur und Feuchtigkeit von Böden gewinnen lassen. Sie würden dann in automatisierte Pflanzsysteme einfließen, sodass an den richtigen Stellen und zum richtigen Zeitpunkt Saatgut ausgebracht werde, um den Ertrag zu maximieren. Dadurch würden sich Wasserverbrauch, Düngereinsatz und Kosten senken lassen.
Wenn die gängigen Sendemasten und Datenkabel um Satelliten ergänzt würden, werde auch die weltweite Vernetzung sehr viel effizienter und kostengünstiger, einschließlich der Anbindung abgelegener Regionen. Der Mobilfunk habe die Wirtschaft vieler Emerging-Market-Länder bereits stark verändert. Kostengünstige Satellitenkommunikation könne aber noch sehr viel mehr leisten. Aus Fahrtvermittlungs-Apps seien schon jetzt große Unternehmen entstanden, die satellitengestützte GPS-Technik verwenden würden. Durch eine noch bessere Konnektivität würden solche Dienstleistungen wirklich global.
Satelliten könnten auch helfen, Lücken im Mobilfunknetz zu schließen. Eine schnelle Übertragungsgeschwindigkeit erlaube jene friktionslose Konnektivität, die für das Internet der Dinge unumgänglich sei. Erstmals könnten auch die Eigentümer abgelegener Einrichtungen wie Offshore-Windparks oder Öl- und Gaspipelines kontinuierlich Echtzeitdaten zur Leistung und zum Wartungsbedarf empfangen.
Weltraumbasierte Lösungen würden auch deshalb immer wichtiger, weil die Klima- und Umweltherausforderungen global seien. Die Entwaldung, der Anstieg des Meeresspiegels und das Schmelzen der Polkappen würden schon seit Jahren aus dem Weltraum beobachtet. Ein noch besseres Monitoring durch Satelliten, bessere Sensoren und hochauflösende Objektive ermögliche jetzt auch die präzise Messung diverser ökologischer Veränderungen.
Unternehmen könnten jetzt aus erster Hand überprüfen, ob ihre Zulieferer Rohstoffe wirklich nachhaltig beschaffen würden. Sie könnten etwa die Zerstörung von Wäldern zur Errichtung von Palmölplantagen aufdecken. Weil man Treibhausgasemissionen mithilfe von Satelliten immer besser nachverfolgen könne, wisse man jetzt, dass man sie bisher unterschätzt habe. Hinzu kämen Chancen für Technologien und Datenanalysen, die eine genauere und fairere CO2-Regulierung, -Bepreisung und -Besteuerung ermöglichen würden.
Wenn die Möglichkeiten schier endlos scheinen, habe das einen einfachen Grund: Weltrauminfrastruktur und Weltraumtechnologie würden nicht nur neue Wirtschaftszweige entstehen lassen, sondern böten auch Unternehmen der erdgebundenen Wirtschaftsbereiche neue Chancen.
Heute habe die Weltraumwirtschaft ein Volumen von etwa 400 Milliarden US-Dollar. Über 50 Prozent davon würden auf Alt-Aktivitäten wie Rundfunk und staatliche Dienstleistungen entfallen. Branchenanalysten würden ein Wachstum auf etwa 1,2 Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2035 für möglich halten. Etwa drei Viertel davon würden auf neue Aktivitäten entfallen, wie sie oben beschrieben worden seien.
Die Weltraumwirtschaft sei den Kinderschuhen entwachsen. Zum Glück brauche man nicht selbst zum Mond zu fliegen, um von ihr zu profitieren oder in sie zu investieren. (23.06.2022/ac/a/m)
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