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Was hinter dem Wirtschaftskrimi 5G steckt




18.03.19 10:35
Neuberger Berman

New York (www.aktiencheck.de) - Huawei und 5G werden in den kommenden Monaten für weitere Schlagzeilen sorgen und nur einige davon werden positiv ausfallen, so die Experten von Neuberger Berman.

Für Investoren sei diese Entwicklung spannend sowie besorgniserregend zugleich. Doch in den Augen von Neuberger Berman werde 5G in den kommenden Jahren zu einem der zentralen Investmentthemen überhaupt.

In seinem neusten Marktkommentar erkläre Yan Taw Boon von Neuberger Berman, warum Negativ-Schlagzeilen über Huawei und 5G zwar zu verständlichen Zweifeln führen würden, diese aber auch ein Zeichen dafür seien, wie strategisch wichtig 5G für die Weltwirtschaft sein werde. Was stecke wirklich hinter den Vorwürfen gegenüber dem chinesischen Hersteller Huawei - berechtigte Sorgen um Datenschutz oder pure wirtschaftliche Interessen?

Vor etwa zehn Jahren sei die 4G-Technologie eingeführt worden, das sei der Beginn von Smartphones, Videokonferenzen und HD-Fernsehen gewesen. Das Internet und die sozialen Netzwerke hätten sich verändert. Anstelle von PCs nutze man heute mobile Endgeräte.

Wenn 4G das Fahrrad gewesen sei, sei 5G eine Rakete. 5G biete viele neue Möglichkeiten, zum Beispiel "Massive MIMO" - Multiple Inputs, Multiple Outputs. Das bedeute nicht nur, dass Endgeräte Daten schneller herunterladen könnten. Die neuen Endgeräte könnten Daten in Echtzeit mit anderen teilen. Es sei keine Pufferung mehr nötig, die zwar nur Sekundenbruchteile, aber eben doch Zeit erfordere. Das so genannte Internet der Dinge werde möglich. Und das gehe weit über Facebook (ISIN US30303M1027/ WKN A1JWVX) auf einem Smartphone und dreidimensionale Computerspiele hinaus.

Wenn Autos problemlos und in Echtzeit mit Sensoren am Straßenrand und anderen Autos kommunizieren könnten, könne das autonome Fahren bald Wirklichkeit werden. Chirurgen könnten mithilfe von 5G-gesteuerten Robotern auch aus der Distanz operieren. Der Kühlschrank könne dem Smartphone mitteilen, dass die Milch leer sei. Das Telefon könne dann Milch im Supermarkt bestellen, der sie mit einem selbstfahrenden Lieferwagen zu den Kunden bringen lasse. Auf ähnliche Weise könnten Unternehmen ein intelligentes Lagermanagement betreiben - ein smartes Warehouse. Und auf der sozialen Ebene könnten Tausende und Abertausende Maschinen miteinander kommunizieren und damit die Smart City möglich machen.

Nichts davon passiere aber ohne 5G. Die neue Technologie sei entscheidend für die Wirtschaft, die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit von morgen. "Ich will in den USA 5G- und selbst 6G-Technologie, so schnell wie möglich", habe US-Präsident Donald Trump im Februar getwittert. Da überrasche es nicht, dass das Thema zu Spannungen und Schlagzeilen geführt habe.

Viele dieser Schlagzeilen würden sich um das Thema Sicherheit drehen. Die USA hätten nicht nur die Verhaftung von Meng Wanzhou in Kanada verlangt, sondern auch ihren Behörden untersagt, Huawei-Geräte zu kaufen. Ihre Geheimdienstpartner aus Australien, Kanada, Neuseeland und Großbritannien, die so genannten "Five Eyes", und die Europäische Union würden über ähnliche Maßnahmen nachdenken - offensichtlich, weil China Huawei verpflichten könnte, die über Huawei-Technik geleiteten Daten dem Staat zur Verfügung zu stellen.

Warum sollten die gleichen Bedenken nicht auch für die internationalen Wettbewerber von Huawei gelten, für Nokia (ISIN FI0009000681/ WKN 870737) und Ericsson (ISIN SE0000108656/ WKN 850001)? Schließlich hätten diese Unternehmen größtes Interesse daran, weiter in China tätig sein zu dürfen, wo 5G-Netzwerke mit hohem Wachstumspotenzial wahrscheinlich schon nächstes Jahr in Betrieb gehen würden. China könnte dadurch an Einfluss gewinnen, wenn es wollte.

Es sei davon auszugehen, dass die aktuellen Entwicklungen eher wirtschaftliche Gründe hätten. Insbesondere könnte es darum gehen, den US-Telekommunikationsunternehmen Zeit zu geben, um zu Huawei aufzuschließen. Sie seien nämlich stark zurückgefallen.

Dies scheine auch die Einschätzung der britischen und der deutschen Regierung zu sein. Zunächst hätten sie erwogen, Huawei zu boykottieren, doch in den letzten zwei Wochen seien beide Länder dann dazu übergegangen, Huawei-Technik lediglich zu beschränken oder bilaterale "No-Spy-Abkommen" mit China zu schließen, damit die 5G-Einführung nicht behindert werde.

Die Investmentwelt schließe sich dieser Einschätzung mehr und mehr an. Als Meng Wanzhou im Dezember 2018 verhaftet worden sei, seien 5G-Aktien noch stärker unter Druck geraten als der zu dieser Zeit ohnehin turbulente Markt. Letzte Woche, als die CFO von Huawei die kanadischen Einwanderungsbehörden wegen unrechtmäßigem Freiheitsentzug angezeigt und das Unternehmen selbst wegen des Kaufboykotts rechtliche Schritte gegen die US-Regierung eingeleitet habe, hätten sich viele 5G-Aktien seit ihren Tiefstständen um circa 30 bis 50 Prozent erholt. Die langfristige Gewinnentwicklung spiegele die schnell wachsende chinesische, südkoreanische und japanische Nachfrage allmählich wider.

Am stärksten hätten davon Unternehmen profitiert, die eine wesentliche Rolle für die Wertschöpfungskette von 5G spielen würden, beispielsweise wichtige Halbleiterlieferanten oder Hersteller von Simulationswerkzeugen und Testsoftware für drahtlose Netzwerke. Kursgewinne hätten aber auch die Hauptzulieferer von Technologien verbucht, die weniger eng mit 5G verbunden seien. Beispiele seien Hersteller von faltbaren organischen LED-Bildschirmen, Radiofrequenz-Identifikationstrackern (RFID-Tracking) sowie von Kommunikations- und Instant-Messaging-Software. Selbst Immobilienunternehmen, denen Mobilfunkmasten und Datenzentren gehören würden, könnten profitieren.

Wie bereits erwähnt, in den nächsten Monaten würden Huawei und 5G für viele Schlagzeilen sorgen, und nicht alle seien auf den ersten Blick gut. Die Experten von Neuberger Berman würden die Signale des Marktes aber für eindeutig halten: Die Nachrichten der letzten fünf Monate würden den Anfang, nicht das Ende von 5G als Investmentthema markieren. (18.03.2019/ac/a/m)








 
 
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