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20.03.26 15:15
RBC BlueBay Asset Management

London (www.aktiencheck.de) - Die Märkte schauen gebannt auf den Iran-Krieg, verhalten sich bislang aber relativ ruhig. Mancherorts scheint man der Meinung zu sein, man könne den Konflikt aussitzen, doch dagegen spricht, dass die USA kein Mittel in der Hand haben, um den Krieg einseitig zu beenden, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Am Ende könnte der Iran am längeren Hebel sitzen. Wenn diese Erkenntnis sich durchsetze, könnten die Märkte deutlich stärker reagieren als bislang.

Die Eskalation im Iran-Krieg habe diese Woche zu einem sprunghaften Anstieg der Energiepreise geführt. Der Grund seien Angriffe auf Öl- und Gasinfrastruktur gewesen. Risikoanlagen hätten verhalten reagiert. Die Märkte würden den Konflikt wohl gerne ignorieren und aussitzen. Die Hoffnung auf ein schnelles Ende könnte sich aber als trügerisch erweisen.

Der Iran könne die Straße von Hormus relativ kostengünstig und technisch simpel geschlossen halten. Seinen Drohnen, Minen und kleinen Angriffsbooten sei entlang der ausgedehnten Küstenlinie ohne Bodentruppen nur wenig entgegenzuhalten.

Entscheide also nicht das Weiße Haus, sondern das iranische Regime, wann der Konflikt ende? Die US-Marine halte aktuell sicheren Abstand, und Trumps Aufrufe an die "Verbündeten" liefen ins Leere.

Wichtigstes Ziel aus iranischer Sicht dürfte die Aufhebung der Sanktionen sein. Darüber hinaus scheine es einen klaren Wunsch zu geben, die Präsenz und den Einfluss der USA aus dem Golf und der gesamten arabischen Welt zu tilgen. Auch wenn dies unrealistisch erscheinen möge, sei der Preis sehr hoch, den viele dieser Länder derzeit für den Krieg der USA und Israels zahlten. Es werde interessant sein zu beobachten, wie sich die öffentliche Meinung in der Region in den kommenden Wochen und Monaten entwickle. Das Vorgehen der USA dürfte ihre bilateralen Beziehungen in der Region kaum verbessert haben.

Dennoch blieben die wirtschaftlichen Aussichten in den USA weiterhin recht positiv. Die Versorgungssicherheit durch die heimische Produktion von Energie und Nahrungsmitteln vermittele das Gefühl, die Ereignisse im Nahen Osten seien weit entfernt.

Allerdings würden steigende Preise den Spielraum der Fed für baldige Zinssenkungen einschränken. Genau das dürfte auch ein Punkt sein, der Trump und den Republikanern bei den Zwischenwahlen im Herbst schade. Die Notenbank-Sitzung diese Woche sei wenig spannend gewesen - abgesehen von der Ankündigung Jerome Powells, im Amt bleiben zu wollen, bis die Ermittlungen des Justizministeriums gegen die Fed abgeschlossen seien.

Die geldpolitische Marschrichtung der FED werde nun von den steigenden Gefahren für die Wirtschaft bestimmt. Derzeit halte man es jedoch für undenkbar, dass die FED 2026 eine Zinserhöhung in Erwägung ziehen werde. Insbesondere am Arbeitsmarkt seien Anzeichen einer Abschwächung sichtbar. Arbeitskräfte würden zunehmend durch KI ersetzt.

Da die kurzlaufenden US-Treasuries über den Leitzinsen gehandelt würden, bleibe man am kurzen Ende der US-Zinskurve relativ optimistisch. Bei den längeren Laufzeiten sei man allerdings aufgrund der gestiegenen Inflationsgefahr und auch der fiskalischen Risiken vorsichtiger.

Wie erwartet, gebe sich die EZB angesichts der höheren Inflationsgefahr zurückhaltender. In der Eurozone seien die Renditen gestiegen, und an den Terminmärkten würden für 2026 nun zwei Zinserhöhungen eingepreist.

Am Private-Credit-Markt wiederum sehnten sich die Investoren nach einer Entlastung in Form niedrigerer Zinsen. Da dies in näherer Zukunft unwahrscheinlich sei, könnte der zunehmende Stress in diesem Bereich auch die Anlageklasse der Unternehmenskredite und -anleihen insgesamt belasten.

Am Devisenmarkt werde der US-Dollar wieder als sicherer Hafen angesehen und profitiere von Zuflüssen in diese Richtung. Da die USA besser vor dem eskalierenden Energiepreisschock geschützt seien, dürfte sich dieser Trend kurzfristig fortsetzen.

Sobald sich allerdings der Konflikt im Nahen Osten beruhige, wäre man nicht überrascht, wenn sich Anleger weltweit eher von US-Investments abwendeten. Auf lange Sicht würde sich der Ausblick für den US-Dollar dadurch eintrüben.

Ein solcher Trend könnte sich letztlich positiv auf Schwellenländer-Investments auswirken - auch wenn Anleger gerade bei dieser Assetklasse dazu neigten, erst zu verkaufen und dann nachzudenken. Sobald sie ihre Risiken reduziert hätten, dürften sie jedoch auch stärker zwischen Gewinnern und Verlierern in den unterschiedlichen Schwellenmärkten unterscheiden.

Bemerkenswert sei nämlich, dass einige energieexportierende Länder ebenso starke Kursrückgänge verzeichnet hätten wie Länder, die von Energieimporten abhängig seien. Diese Streuung dürfte zu Einstiegschancen auf Relative-Value-Basis führen.

Ausblick

Kurzfristig dürften die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten weiterhin den Ausblick für die Finanzmärkte dominieren. Doch auch dieser Konflikt werde irgendwann zu einem Ende kommen und damit einen Wendepunkt an den Märkten markieren.

Bei gesenkten Risiken bestehe nun die Herausforderung darin, den richtigen Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg zu erwischen. Manche Anleger konzentrierten sich vielleicht etwas zu sehr darauf, den Wendepunkt genau zu timen. Abgesehen von den Zinsmärkten sei es bislang nicht zu großen Abverkäufen gekommen. Sollte dies noch geschehen, so ergäben sich umso mehr Möglichkeiten, schnell und entschlossen wieder in den Markt einzusteigen.

Man wolle keine falschen Hoffnungen wecken. Jedem Anleger sollte bewusst sein, dass in einem Markt, in dem es üblich sei, bei Kursrückgängen zu kaufen, das Risiko einer noch viel stärkeren Korrektur hoch sei. Eine solche Situation könnte eintreten, wenn dieser Ansatz in Frage gestellt werde und Stop-Loss-Aufträge in deutlich größerem Umfang ausgelöst würden als bisher. (20.03.2026/ac/a/m)







 
 
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