Erweiterte Funktionen


Steht uns eine KI-gesteuerte Apokalypse bevor?




02.03.26 08:35
RBC BlueBay Asset Management

London (www.aktiencheck.de) - In den USA setzt das Zollurteil des Obersten Gerichtshofs Donald Trump unter Druck, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Doch während die Wirtschaftsdaten weiter positiv aussehen würden, sorge eine neu aufflammende Angst vor dem großen gesellschaftlichen Umbruch durch KI für Bewegung an den Märkten. Investoren sollten trotzdem das Kind nicht mit dem Bade ausschütten und ihre Engagements gezielt auswählen - oder abstoßen.

US-amerikanische Staatsanleihen hätten sich in der vergangenen Woche kaum bewegt. Das Urteil des Supreme Court gegen die Zölle, die Donald Trump im Emergency Economic Powers Act (IEEPA) angeordnet habe, habe keinen wesentlichen Einfluss auf die Märkte genommen - sie hätten dieses Ergebnis bereits erwartet. Außerdem habe sich die US-Regierung beeilt, nach der Aufhebung der bisherigen Zölle umgehend neue Zölle anzukündigen.

Oberflächlich sehe es so aus, als ob sich für das allgemeine wirtschaftliche Umfeld nicht viel ändere. Aus Sicht von RBC BlueBay Asset Management bestehe jedoch die Gefahr, dass die tatsächlich erzielten Zolleinnahmen durchaus hinter dem zurückbleiben könnten, was die US-Regierung sich erhofft habe. Auf nationaler Ebene könnte es dadurch sowohl Gewinner als auch Verlierer geben.

Die Zustimmungsraten für den US-Präsidenten hätten sich jedenfalls nicht verbessert. Mit nur noch 40% seien sie inzwischen auf den niedrigsten Stand seit Trumps Amtseinführung vor einem Jahr gefallen. Auch angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen im November suche die US-Regierung nun Erfolge, um das Blatt zu wenden.

Immerhin sei die volkswirtschaftliche Datenlage weitgehend positiv - wobei die Wirtschaft zu einem signifikanten Teil durch enorme Investitionen in künstliche Intelligenz befeuert werde. Das habe den Begriff des "Ghost GDP" geprägt: In diesem Szenario würden die Wachstumszahlen zwar gut aussehen, aber Bürger würden durch diese "Wirtschaftsleistung" nichts mehr verdienen. Da KI-Investitionen zukünftige Arbeitsplätze und zukünftiges Einkommen real gefährden würden, seien KI-Gewinne von der Gesellschaft ebenso zu befürchten wie zu begrüßen.

In früheren Phasen des technologischen Fortschritts hätten Verbraucher in der Regel mehr hochwertige Produkte kaufen können als vorher. Im Kontext der Nutzung von Professional Services wie Rechtsberatung, Versicherungen oder Vermögensverwaltung sei jedoch nicht klar, ob technologische Investitionen dort zu einem Anstieg des Konsums führen würden. Wenn überhaupt, dürften sie eher zu einem Preisrückgang führen.

Aber selbst wenn Einkommen für andere Ausgaben zur Verfügung stehe, reagiere die Nachfrage nach Professional Services typischerweise kaum auf Preisänderungen. In diesem Fall könnten viele der derzeitigen Investitionen zu einem Nullsummenspiel führen, bei dem sich die Investitionsrenditen nur auf Kosten der Verluste anderer etablierter Anbieter rechtfertigen lassen würden.

Ein solches Ergebnis könnte auf eine stärkere Disinflation hindeuten. Dieses Thema habe in der vergangenen Woche zur Stützung lang laufender Staatsanleihen beigetragen. Das treibe die Suche nach Gewinnern und Verlierern der KI auf nationaler Ebene sowie auf Sektorebene voran.

Aus Sicht von RBC BlueBay Asset Management könnte Indien auf Länderebene relativ gesehen ein Verlierer sein. RBC BlueBay Asset Management sei der Meinung, dass es die dahin ausgelagerten Arbeitsplätze seien, die als erste durch KI ersetzt würden, was für die indische Wirtschaft einen erheblichen Nachteil darstellen könnte. Im Gegensatz dazu dürfte Korea eher zu den Gewinnern der KI gehören. Unter diesem Aspekt seien Währungsgeschäfte mit Long-Positionen in Won und Short-Positionen in Rupien eine Möglichkeit, diese Streuung zu nutzen.

Auf Sektorebene sehe RBC BlueBay Asset Management europäische Banken aufgrund ihrer moderaten Bewertung, steilen Zinsstrukturkurven und regulatorischen Absicherung besser gegen die Auswirkungen der KI geschützt. Gleichzeitig rechne RBC BlueBay Asset Management in großen Teilen des Softwaremarktes mit weiteren Schwierigkeiten für die so genannten Business Development Companies, da die Probleme auf den Private Markets weiter zunehmen würden.

An den Unternehmensanleihenmärkten würden sich die Auswirkungen der KI durch eine stärkere Streuung und eine gesunde Spread-Ausweitung in Bereichen bemerkbar machen, die anfällig für KI-Disruptionen seien. Dazu würden Software, Dienstleistungen, Private Credit und Versicherungen zählen, die in Private Credit investieren würden.

In einigen Bereichen habe der Markt sehr schnell reagiert - nach dem Motto "erst reagieren und später nachdenken", was zu Verwerfungen geführt habe. Insgesamt würden die Spreads nahe ihren Tiefstständen bleiben und es sei nach wie vor wenig sinnvoll, ein erhebliches Beta-Risiko einzugehen. RBC BlueBay Asset Management denke jedoch, dass die Streuung weiter zunehmen werde.

Ausblick

RBC BlueBay Asset Management halte das Risikoengagement vorerst auf einem moderaten Niveau. Die Märkte schienen sich seitwärts zu bewegen. Risikoanlagen dürften sich weiterhin gut entwickeln, da es keine Anzeichen für eine deutliche Konjunkturabkühlung in den wichtigsten Wirtschaftsräumen gebe und die Inflation gedämpft bleibe.

Die Volatilität an den Währungsmärkten sei begrenzt, was weiterhin für eine Beibehaltung von Long-Carry-Positionen spreche. Dies verdecke jedoch einige der extremeren Schwankungen unter der Oberfläche. Deshalb wäre es nicht überraschend, wenn die Risikoaversion länger anhalte, bevor Aktien von einer soliden Basis wieder steigen würden. Vor diesem Hintergrund warte RBC BlueBay Asset Management ab, um bei schwächeren Märkten zuzukaufen, ohne unter Druck zu stehen, "Phantomrenditen" hinterherzujagen. (02.03.2026/ac/a/m)







 
 
Aktien des Tages



Aktien des Tages

RSS Feeds




Bitte warten...