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Frankfurt a.M. (www.aktiencheck.de) - Nachdem die globalen Aktienmärkte bereits dem statistisch schwachen September getrotzt hatten, konnten sie im Oktober nochmals zulegen. "Statt Gruseln an Halloween gab es in den USA neue Allzeithöchststände", erklärt Thomas Böckelmann, leitender Portfoliomanager der Dolphinvest Capital.
Selbst die Äußerungen des Fed-Präsidenten – seine jüngste Zinssenkung könne nicht einfach fortgeschrieben werden – könnten die gute Stimmung nicht trüben. Dabei seien Wetten auf zahlreiche Zinssenkungen bislang ein wichtiger Treiber der Märkte gewesen.
Der Oktober sei geprägt gewesen durch ein Wiedererstarken der großen US-Technologiewerte – bekannt als die Glorreichen 7 oder Hyperscalers. Laut dem Experten seien dabei nicht nur deren starke Quartalszahlen, sondern vor allem optimistische Ausblicke im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) entscheidend für die Kursgewinne gewesen. "Selbst die Warnung von Sam Altman, Gründer und Chef der KI-Plattform Open AI, vor übertriebenen Kursen bei Technologieaktien, konnte die Marktteilnehmer nicht abschrecken. Zu groß bleibt die Angst, eine weitere Kursrallye zu verpassen", erläutere Böckelmann.
Aufgrund der hohen Gewichte der Glorreichen 7 in den Aktienindizes könne der Gesamtmarkt stark profitieren, während in der Breite der Unternehmen durchaus einige Enttäuschungen zu verzeichnen seien. "Der Fokus der Marktteilnehmer liegt ausschließlich auf der KI-Fantasie und dem erhofften Produktivitätspotenzial", sage Böckelmann. Massive Investitionen der Hyperscalers – Hunderte von Milliarden US-Dollar in Computing, Rechenzentren und die erforderliche Energieversorgung – kurbelten das Wirtschaftswachstum an. Gleichzeitig zeigten sich andere Branchen trotz Folgen irrationaler US-Zollpolitik sehr resilient.
"Die US-Märkte profitieren auch vom Pragmatismus ihres Präsidenten Donald Trump, der zwar einerseits für Zölle auf dem Niveau der 1930er Jahre verantwortlich ist, es andererseits aber schafft, anderen Nationen immer wieder Zugeständnisse abzuringen", so Böckelmann. Wieviel der im Oktober erreichte Waffenstillstand im Handelsstreit mit China tatsächlich wert sei, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen. "Auch wenn die USA im Bereich Halbleiter und KI technologisch noch führend sind, besitzt China zwei Drittel aller Weltreserven Seltener Erden und dominiert zu 90 % deren Lieferketten", betone der Experte.
Neben den global ausufernden Staatsschulden stelle sich für Böckelmann die Frage, wer letztlich für die aktuell durchschnittlich 19 % US-Importzölle zahlen müsse – mehrheitlich der für die US-Wirtschaft so wichtige Konsument über höhere Preise oder der ausländische Produzent durch sinkende Gewinnmargen. Wenig hilfreich sei dabei, dass aufgrund der aktuellen Haushaltssperre und der damit verbundenen Stilllegung der US-Bundesverwaltung keine belastbaren statistischen Zahlen erhoben werden könnten.
Auch Europa sei von Chinas Exportrestriktionen bei Rohstoffen wie Halbleitern betroffen. Hier gelte es nun abzuwarten, wie die großen Nationen entscheiden. "Der Streit zwischen USA und China konnte bislang nicht genutzt werden, sich auf eigene wirtschaftliche Stärken zu konzentrieren und diese zu bündeln – im Gegenteil", so Böckelmann. 19 Regierungschefs – einschließlich Deutschland und Frankreich – hätten in einem Brandbrief an die EU-Kommission eine dringend zu ändernde EU-Wirtschaftspolitik gefordert, in dem sich auf das letztjährige Mario-Draghi-Papier verwiesen, alternativlos auf Wettbewerbsfähigkeit und Bürokratieabbau zu setzen. Allerdings habe das EU-Parlament den Antrag des Rates zur Aussetzung des von allen Wirtschaftsexperten als wohlstandsgefährdend eingestuften Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes abgelehnt.
"Während ein durch die Oktoberwahlen gestärkter argentinischer Präsident in seinem Land für Zuversicht und Aufbruchstimmung sorgt und mit beeindruckenden Wirtschaftszahlen glänzt, konzentriert sich das Europäische Parlament weiter auf seine moralische Überlegenheit, Regelverliebtheit und ansonsten realitätsferne Sicht auf die Welt", kritisiere Böckelmann.
Auf der einen Seite stehe eine noch sehr widerstandsfähige Weltwirtschaft, die von anpassungsfähigen Unternehmen getragen werde, und auf der anderen Seite eine Politik, die auf den ersten Blick irrational erscheine. "Beide Kräfte werden für einen spannenden Verlauf an den Kapitalmärkten bis zum Jahresende sorgen", resümiere Böckelmann. (04.11.2025/ac/a/m)
Selbst die Äußerungen des Fed-Präsidenten – seine jüngste Zinssenkung könne nicht einfach fortgeschrieben werden – könnten die gute Stimmung nicht trüben. Dabei seien Wetten auf zahlreiche Zinssenkungen bislang ein wichtiger Treiber der Märkte gewesen.
Der Oktober sei geprägt gewesen durch ein Wiedererstarken der großen US-Technologiewerte – bekannt als die Glorreichen 7 oder Hyperscalers. Laut dem Experten seien dabei nicht nur deren starke Quartalszahlen, sondern vor allem optimistische Ausblicke im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) entscheidend für die Kursgewinne gewesen. "Selbst die Warnung von Sam Altman, Gründer und Chef der KI-Plattform Open AI, vor übertriebenen Kursen bei Technologieaktien, konnte die Marktteilnehmer nicht abschrecken. Zu groß bleibt die Angst, eine weitere Kursrallye zu verpassen", erläutere Böckelmann.
Aufgrund der hohen Gewichte der Glorreichen 7 in den Aktienindizes könne der Gesamtmarkt stark profitieren, während in der Breite der Unternehmen durchaus einige Enttäuschungen zu verzeichnen seien. "Der Fokus der Marktteilnehmer liegt ausschließlich auf der KI-Fantasie und dem erhofften Produktivitätspotenzial", sage Böckelmann. Massive Investitionen der Hyperscalers – Hunderte von Milliarden US-Dollar in Computing, Rechenzentren und die erforderliche Energieversorgung – kurbelten das Wirtschaftswachstum an. Gleichzeitig zeigten sich andere Branchen trotz Folgen irrationaler US-Zollpolitik sehr resilient.
Neben den global ausufernden Staatsschulden stelle sich für Böckelmann die Frage, wer letztlich für die aktuell durchschnittlich 19 % US-Importzölle zahlen müsse – mehrheitlich der für die US-Wirtschaft so wichtige Konsument über höhere Preise oder der ausländische Produzent durch sinkende Gewinnmargen. Wenig hilfreich sei dabei, dass aufgrund der aktuellen Haushaltssperre und der damit verbundenen Stilllegung der US-Bundesverwaltung keine belastbaren statistischen Zahlen erhoben werden könnten.
Auch Europa sei von Chinas Exportrestriktionen bei Rohstoffen wie Halbleitern betroffen. Hier gelte es nun abzuwarten, wie die großen Nationen entscheiden. "Der Streit zwischen USA und China konnte bislang nicht genutzt werden, sich auf eigene wirtschaftliche Stärken zu konzentrieren und diese zu bündeln – im Gegenteil", so Böckelmann. 19 Regierungschefs – einschließlich Deutschland und Frankreich – hätten in einem Brandbrief an die EU-Kommission eine dringend zu ändernde EU-Wirtschaftspolitik gefordert, in dem sich auf das letztjährige Mario-Draghi-Papier verwiesen, alternativlos auf Wettbewerbsfähigkeit und Bürokratieabbau zu setzen. Allerdings habe das EU-Parlament den Antrag des Rates zur Aussetzung des von allen Wirtschaftsexperten als wohlstandsgefährdend eingestuften Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes abgelehnt.
"Während ein durch die Oktoberwahlen gestärkter argentinischer Präsident in seinem Land für Zuversicht und Aufbruchstimmung sorgt und mit beeindruckenden Wirtschaftszahlen glänzt, konzentriert sich das Europäische Parlament weiter auf seine moralische Überlegenheit, Regelverliebtheit und ansonsten realitätsferne Sicht auf die Welt", kritisiere Böckelmann.
Auf der einen Seite stehe eine noch sehr widerstandsfähige Weltwirtschaft, die von anpassungsfähigen Unternehmen getragen werde, und auf der anderen Seite eine Politik, die auf den ersten Blick irrational erscheine. "Beide Kräfte werden für einen spannenden Verlauf an den Kapitalmärkten bis zum Jahresende sorgen", resümiere Böckelmann. (04.11.2025/ac/a/m)
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