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New York (www.aktiencheck.de) - Die Schlagzeilen klingen finster: Der US-amerikanische Purchasing Managers Index (PMI) fällt, die Konjunkturerwartungen schwächeln, so die Experten von Neuberger Berman.
In Europa sei die deutsche Arbeitslosenquote erstmals seit zwei Jahren wieder gestiegen und die Industrieproduktion bleibe schwach. Die bange Frage sei nun, ob die Weltwirtschaft weiter nachgebe oder sich stabilisiere und das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte wieder zulege?
In seinem neuesten Marktkommentar skizziere Joseph Amato, Vorstand und Chief Investment Officer Equities beim Asset Manager Neuberger Berman, welche aktuellen Faktoren die Weltkonjunktur stabilisieren würden - und welche Faktoren sein optimistisch gedachtes Szenario doch noch gefährden könnten.
Nachlassendes Wachstum, niedrige Renditen und weltpolitische Manöver würden für ein ziemliches Spektakel sorgen. Gerade erst sei Joseph Amato eine Woche in Japan gewesen und, auch wenn die Sumo-Meisterschaften eigentlich nicht in seinem Terminkalender gestanden hätten, habe er sich einige Kämpfe angesehen. Joseph Amato habe daran denken müssen, wie auch die Märkte weltweit mit schlechten Nachrichten ringen und die Investoren aus dem Häuschen geraten würden.
In der Tat seien die Schlagzeilen oft ziemlich düster gewesen. Man fürchtet zunehmend, dass eine Handelsvereinbarung zwischen den USA und China, die noch vor wenigen Wochen in greifbarer Nähe schien, frühestens Ende des Jahres zustande kommt, wenn überhaupt, so die Experten von Neuberger Berman. Die Konjunkturdaten seien enttäuschend gewesen. Der viel beachtete US-amerikanische Einkaufsmanagerindex (PMI) sei auf mittelmäßige 50,9 Punkte gefallen, was gerade eben noch Wachstum signalisiere. Die US-Konjunkturerwartungen hätten nachgelassen. Den Prognosen von GDPNow zufolge sei die US-Wirtschaft im ersten Quartal nur um 1,3% gewachsen (annualisiert) und nicht wenige Volkswirte würden ihre Wachstumserwartungen auf unter 2% senken. In Europa sei die deutsche Arbeitslosenquote erstmals seit zwei Jahren gestiegen und die Industrieproduktion bleibe schwach.
Hinzu komme der Anleihenmarkt: Gerade erst sei die amerikanische Zehnjahresrendite auf den niedrigsten Wert seit 2017 gefallen. Die Zinsstrukturkurve bleibe invers (was, wenn anhaltend, als Vorbote einer möglichen Rezession gelte) und viele europäische Anleihen hätten negative Renditen. Die deutsche Zehnjahresrendite liege jetzt unter der japanischen.
All dies sei für Aktien nicht gut. Der S&P 500-Index sei im Mai um 6% gefallen, der MSCI EAFE um 5%. Seit Jahresbeginn lägen die beiden Indices aber noch um 11% beziehungsweise 8% im Plus. Der MSCI Emerging Markets Index habe im Mai 7% verloren und seit Jahresbeginn 4% zugelegt.
Die entscheidende Frage sei jetzt, ob die Wirtschaft weiter nachgebe oder sich stabilisiere und das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte wieder zulege. Neben den Einkaufsmanagerindices hätten sich in den USA auch die Bestellungen langlebiger Güter und die Unternehmensinvestitionen abgeschwächt. Verbrauchervertrauen, Beschäftigung, Lohnanstieg und Produktivitätszuwachs seien hingegen ermutigend. Die Inflation bleibe niedrig, sodass die Notenbanken weiter expansiv sein könnten. In seinen Gesprächen mit Volkswirten und Analysten in Japan habe Joseph Amato allerdings gehört, dass die Regierung eine nachfragedämpfende Mehrwertsteuererhöhung kaum verschieben dürfte und nach zwei Monaten des Anstiegs sei der chinesische Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe gerade leicht auf 49,4 gefallen. Bei den Wahlen zum Europaparlament hätten die radikalen Parteien weniger Stimmenzuwachs erreicht als befürchtet, sodass sich die politischen Verwerfungen hoffentlich in Grenzen halten würden.
Ohnehin hatten wir nach dem sehr guten 2018 schon lange mit einer etwas schwächeren Weltkonjunktur gerechnet, so die Experten von Neuberger Berman. Vielleicht erleben wir zurzeit genau das - wenn auch länger anhaltend, als manche erwartet hatten, so die Experten von Neuberger Berman. Die Experten seien zurzeit nicht allzu besorgt, dass die aktuelle Schwächephase den Konjunkturausblick grundlegend dämpfe und sie die Asset-Allokation daran anpassen müssten. Die tendenziell lockere Geldpolitik der FED (deren nächster Zinsschritt wohl eher eine Zinssenkung als eine Zinserhöhung sein dürfte) und Chinas anhaltende Konjunkturprogramme sollten nach Ansicht der Experten, unabhängig von den jüngsten Enttäuschungen, die Weltkonjunktur stabilisieren.
Was könnte dieses Szenario bedrohen? Die vielleicht größte Gefahr sei ein Vertrauensverlust durch internationale Spannungen und Handelskonflikte. Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen, Steuersenkungen und aufsichtsrechtliche Reformen hätten von Ende 2016 bis 2018 dem Geschäftsklima und dem Verbrauchervertrauen geholfen, doch die Unsicherheiten durch den Handelskonflikt würden dies jetzt infrage stellen. Zölle auf Autos, auch wenn sie zunächst ausgesetzt seien, würden denkbar bleiben. Und gerade erst habe Präsident Trump Mexiko im Zusammenhang mit dem Einwanderungsthema Zölle angedroht - und dass, obwohl der neue Handelsvertrag zwischen Mexiko, den USA und Kanada bereits dem Kongress zur Ratifizierung zugeleitet worden sei.
Bezüglich China gehöre Joseph Amato weiter zu den Optimisten. Er glaube, dass der Staat die Konjunktur am Ende stützen werde. Fest stehe aber, dass strukturelle Probleme bei den Themen geistiges Eigentum, Technologietransfer und Subventionen kurzfristig nicht leicht zu lösen sein würden. Ende Juni würden sich die G20 treffen, wo es vermutlich zu einer Konfrontation zwischen Xi und Trump kommen werde. Bis dahin sollte man sich nicht über Wortgefechte zwischen beiden Seiten wundern, mit entsprechenden Irritationen an den Finanzmärkten.
Alles in allem würden die Experten von Neuberger Berman bei ihrer derzeitigen Asset-Allokation bleiben, aber genau auf Konjunktur und Märkte achten. Wie habe John Maynard Keynes gesagt? "Wenn sich meine Informationen ändern, ändere ich meine Schlussfolgerungen." Auch wenn er beim derzeitigen weltpolitischen Ringen nicht am Ring sitze, bleibe seine Lehre gültig. (07.06.2019/ac/a/m)
In Europa sei die deutsche Arbeitslosenquote erstmals seit zwei Jahren wieder gestiegen und die Industrieproduktion bleibe schwach. Die bange Frage sei nun, ob die Weltwirtschaft weiter nachgebe oder sich stabilisiere und das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte wieder zulege?
In seinem neuesten Marktkommentar skizziere Joseph Amato, Vorstand und Chief Investment Officer Equities beim Asset Manager Neuberger Berman, welche aktuellen Faktoren die Weltkonjunktur stabilisieren würden - und welche Faktoren sein optimistisch gedachtes Szenario doch noch gefährden könnten.
Nachlassendes Wachstum, niedrige Renditen und weltpolitische Manöver würden für ein ziemliches Spektakel sorgen. Gerade erst sei Joseph Amato eine Woche in Japan gewesen und, auch wenn die Sumo-Meisterschaften eigentlich nicht in seinem Terminkalender gestanden hätten, habe er sich einige Kämpfe angesehen. Joseph Amato habe daran denken müssen, wie auch die Märkte weltweit mit schlechten Nachrichten ringen und die Investoren aus dem Häuschen geraten würden.
In der Tat seien die Schlagzeilen oft ziemlich düster gewesen. Man fürchtet zunehmend, dass eine Handelsvereinbarung zwischen den USA und China, die noch vor wenigen Wochen in greifbarer Nähe schien, frühestens Ende des Jahres zustande kommt, wenn überhaupt, so die Experten von Neuberger Berman. Die Konjunkturdaten seien enttäuschend gewesen. Der viel beachtete US-amerikanische Einkaufsmanagerindex (PMI) sei auf mittelmäßige 50,9 Punkte gefallen, was gerade eben noch Wachstum signalisiere. Die US-Konjunkturerwartungen hätten nachgelassen. Den Prognosen von GDPNow zufolge sei die US-Wirtschaft im ersten Quartal nur um 1,3% gewachsen (annualisiert) und nicht wenige Volkswirte würden ihre Wachstumserwartungen auf unter 2% senken. In Europa sei die deutsche Arbeitslosenquote erstmals seit zwei Jahren gestiegen und die Industrieproduktion bleibe schwach.
All dies sei für Aktien nicht gut. Der S&P 500-Index sei im Mai um 6% gefallen, der MSCI EAFE um 5%. Seit Jahresbeginn lägen die beiden Indices aber noch um 11% beziehungsweise 8% im Plus. Der MSCI Emerging Markets Index habe im Mai 7% verloren und seit Jahresbeginn 4% zugelegt.
Die entscheidende Frage sei jetzt, ob die Wirtschaft weiter nachgebe oder sich stabilisiere und das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte wieder zulege. Neben den Einkaufsmanagerindices hätten sich in den USA auch die Bestellungen langlebiger Güter und die Unternehmensinvestitionen abgeschwächt. Verbrauchervertrauen, Beschäftigung, Lohnanstieg und Produktivitätszuwachs seien hingegen ermutigend. Die Inflation bleibe niedrig, sodass die Notenbanken weiter expansiv sein könnten. In seinen Gesprächen mit Volkswirten und Analysten in Japan habe Joseph Amato allerdings gehört, dass die Regierung eine nachfragedämpfende Mehrwertsteuererhöhung kaum verschieben dürfte und nach zwei Monaten des Anstiegs sei der chinesische Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe gerade leicht auf 49,4 gefallen. Bei den Wahlen zum Europaparlament hätten die radikalen Parteien weniger Stimmenzuwachs erreicht als befürchtet, sodass sich die politischen Verwerfungen hoffentlich in Grenzen halten würden.
Ohnehin hatten wir nach dem sehr guten 2018 schon lange mit einer etwas schwächeren Weltkonjunktur gerechnet, so die Experten von Neuberger Berman. Vielleicht erleben wir zurzeit genau das - wenn auch länger anhaltend, als manche erwartet hatten, so die Experten von Neuberger Berman. Die Experten seien zurzeit nicht allzu besorgt, dass die aktuelle Schwächephase den Konjunkturausblick grundlegend dämpfe und sie die Asset-Allokation daran anpassen müssten. Die tendenziell lockere Geldpolitik der FED (deren nächster Zinsschritt wohl eher eine Zinssenkung als eine Zinserhöhung sein dürfte) und Chinas anhaltende Konjunkturprogramme sollten nach Ansicht der Experten, unabhängig von den jüngsten Enttäuschungen, die Weltkonjunktur stabilisieren.
Was könnte dieses Szenario bedrohen? Die vielleicht größte Gefahr sei ein Vertrauensverlust durch internationale Spannungen und Handelskonflikte. Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen, Steuersenkungen und aufsichtsrechtliche Reformen hätten von Ende 2016 bis 2018 dem Geschäftsklima und dem Verbrauchervertrauen geholfen, doch die Unsicherheiten durch den Handelskonflikt würden dies jetzt infrage stellen. Zölle auf Autos, auch wenn sie zunächst ausgesetzt seien, würden denkbar bleiben. Und gerade erst habe Präsident Trump Mexiko im Zusammenhang mit dem Einwanderungsthema Zölle angedroht - und dass, obwohl der neue Handelsvertrag zwischen Mexiko, den USA und Kanada bereits dem Kongress zur Ratifizierung zugeleitet worden sei.
Bezüglich China gehöre Joseph Amato weiter zu den Optimisten. Er glaube, dass der Staat die Konjunktur am Ende stützen werde. Fest stehe aber, dass strukturelle Probleme bei den Themen geistiges Eigentum, Technologietransfer und Subventionen kurzfristig nicht leicht zu lösen sein würden. Ende Juni würden sich die G20 treffen, wo es vermutlich zu einer Konfrontation zwischen Xi und Trump kommen werde. Bis dahin sollte man sich nicht über Wortgefechte zwischen beiden Seiten wundern, mit entsprechenden Irritationen an den Finanzmärkten.
Alles in allem würden die Experten von Neuberger Berman bei ihrer derzeitigen Asset-Allokation bleiben, aber genau auf Konjunktur und Märkte achten. Wie habe John Maynard Keynes gesagt? "Wenn sich meine Informationen ändern, ändere ich meine Schlussfolgerungen." Auch wenn er beim derzeitigen weltpolitischen Ringen nicht am Ring sitze, bleibe seine Lehre gültig. (07.06.2019/ac/a/m)
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