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Boston (www.aktiencheck.de) - Wenn ich um die Welt reise und Kunden besuche, werde ich oft gefragt, was mir nachts den Schlaf raubt, so James Swanson, MFS Chief Investment Strategist.
Die Antwort: der Versuch, den Zeitpunkt der nächsten Rezession zu prognostizieren. Zwar wachse die Weltkonjunktur weiter synchron, aber die eine oder andere Entwicklung halte ihn bisweilen wach. Warum finde er Rezessionen so beunruhigend? Weil sie die Kurse risikobehafteter Wertpapiere einbrechen lasse. Laut Ned Davis Research sei der S&P 500 Index in den Rezessionen der Nachkriegszeit, vom Höchststand bis zum Tiefststand, im Schnitt um fast 28% eingebrochen. Natürlich würden Aktien und High-Yield-Anleihen langfristig meist Erträge über dem Wirtschaftswachstum liefern. Aber der durchschnittliche Investor realisiere solche Gewinne oft nicht.
Warum? Es liege an der menschlichen Natur. Sie sorge dafür, dass Rezessionen das Portfolio ruinieren könnten. Oft würden sich Anleger von ihren Investments trennen, wenn die Märkte schon gefallen seien - und damit zum allerschlechtesten Zeitpunkt. Und dann würden sie mit dem Wiedereinstieg zögern, um lange nach Beginn der Erholung schließlich doch noch zu investieren. Wenn Investoren einmal Angst hätten, bleibe es dabei. Die Märkte würden sich oft wesentlich schneller erholen als die Stimmung der Anleger. Umso wichtiger sei es, für die Portfoliopositionierung die Rezessionswahrscheinlichkeit zu kennen.
Da niemand eine Kristallkugel habe, brauche man einen Analyserahmen, mit dem man zukünftige Risiken einschätzen könne. Swanson nutze die Rezessions-Checkliste seit Jahren. Damit könne man zwar keine unmittelbar drohende Rezession vorhersagen, aber drei beunruhigende Anzeichen sollte man genauer betrachten.
Die Märkte stünden auf Rekordhochs, die Investoren seien guter Dinge. Die Finanzbedingungen seien locker, die Zinsen niedrig. Warum sollten sich Unternehmen und Verbraucher da nicht mehr Geld leihen? Der Schuldendienst sei in einem derart günstigen Umfeld kein Problem - oder doch? Da überrasche es nicht, dass die Verschuldung von Unternehmen und Haushalten auf Werte deutlich über den letzten beiden Höchstständen gestiegen sei.
Nach meiner Erfahrung verschuldet man sich dann zu stark, wenn man sich zu sicher ist; und übertriebene Selbst-sicherheit ist niemals gut, so James Swanson. Der Schuldendienst sei zurzeit durchaus handhabbar, aber im Dezember habe die FED die Zinsen erneut angehoben - und seiner Ansicht nach werde sie auch 2018 die Zinsen häufiger anheben, als man an den Märkten erwarte. Gegen Ende eines Konjunkturzyklus würden die Zinsen meist steigen, und der aktuelle Zyklus sei einer der längsten der Geschichte.
Mehr Fusionen und Übernahmen und höhere Preise für die übernommenen Unternehmen seien typisch für das Ende eines Konjunkturzyklus. Nach Ansicht des Experten gebe es hier zurzeit klare Übertreibungen. Gegen Ende des Konjunkturzyklus würden Unternehmen oft bezweifeln, dass sie Gewinn und Umsatz ausreichend steigern könnten, um die Investoren zufriedenzustellen. Stattdessen würden sie andere Unternehmen kaufen, um durch Synergieeffekte die Gewinne je Aktie zu steigern. Aber oft würden sie zu teuer einkaufen. Der Eindruck des Experten sei, dass die Übernahmen zulegen und die Übernahmeprämien in Richtung der Höchststände steigen würden, die man aus früheren Zyklen kenne.
Ein anderes Thema seien fremdfinanzierte Wertpapierkäufe. Viele würden in mehr fremdfinanzierten Wertpapierkäufen einen Hinweis auf eine bessere Marktstimmung sehen. Aber man könne ebenso gut von übertriebener Selbstsicherheit sprechen. Ende Oktober hätten die Margin-Verpflichtungen an der New Yorker Börse 561 Milliarden US-Dollar betragen. Das sei ein neuer Höchststand. Einige Investoren würden ihre Portfolios beleihen, um mehr Aktien zu kaufen, was die Gewinne bei einem weiteren Kursanstieg vervielfachen könne. Aber leider gelte das auch für die Verluste, wenn die Kurse fallen würden. Andere Investoren würden Margin-Kredite als günstige kurzfristige Finanzierungsmöglichkeit nutzen. Problematisch könnte es werden, wenn die Investoren Wertpapierkredite ähnlich nutzen würden wie Immobilienkredite vor der internationalen Finanzkrise. Wer sein Portfolio beleihe, gebe einen Puffer auf. Bei fallenden Märkten könnten die Kreditnehmer dann zu Aktienverkäufen gezwungen sein, um ihre Kredite zu bedienen.
Meiner Ansicht nach ist der Anteil der Unternehmensgewinne am BIP einer der besten Indikatoren dafür, wo die US-Wirtschaft im Konjunkturzyklus steht, so James Swanson. Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung des US Bureau of Economic Analysis erfasse alle in den USA erwirtschafteten Gewinne - von der Pizzeria oder dem Schönheitssalon an der Ecke bis zu Apple und Netflix. Anschließend könne man sie durch das Bruttoinlandsprodukt dividieren, die Summe aller im Land produzierten Güter und Dienstleistungen. Der Quotient sei die Gewinnquote. Wenn sie steige, kämen meist gute Zeiten für Aktien. Man gehe davon aus, dass Unternehmen mehr investieren und mehr neue Mitarbeiter einstellen würden, wenn die Aktienkurse steigen würden. Wenn die Gewinne fallen würden, würden Neueinstellungen und Investitionen zurückgefahren. In der Vergangenheit sei ein Rückgang der Gewinnquote, wenn er länger als ein Jahr gedauert habe, meist ein Vorbote für schwierige Zeiten gewesen.
Im aktuellen Konjunkturzyklus sei die Gewinnquote auf Allzeithochs gestiegen, aber heute sei sie niedriger als vor einem Jahr. Meist falle sie zwölf bis 18 Monate lang, bevor eine Rezession beginne, und mittlerweile gehe der Anteil der Gewinne am BIP schon fast ein Jahr lang leicht zurück - auch wenn er absolut gesehen im Vergangenheitsvergleich noch immer recht hoch sei.
Wenn Wirtschaft und Märkte aus allen Rohren zu feuern scheinen, kommt mir dies vor wie die Warnleuchten auf dem Armaturenbrett eines Autos, so James Swanson. Manche Fahrer würden die Kontrolllampe sehen, die eine Motorinspektion anmahne, und denken: "Ach, es läuft doch alles gut". Aber er finde, dass Warnleuchten einen Sinn hätten. Sie sollte man vor größeren Schwierigkeiten bewahren. Er finde, dass Investoren durchaus über Kapitalschutzstrategien nachdenken sollten. Sie seien eine Möglichkeit, in dieser Phase des Konjunkturzyklus die Bodenhaftung zu behalten. (21.12.2017/ac/a/m)
Die Antwort: der Versuch, den Zeitpunkt der nächsten Rezession zu prognostizieren. Zwar wachse die Weltkonjunktur weiter synchron, aber die eine oder andere Entwicklung halte ihn bisweilen wach. Warum finde er Rezessionen so beunruhigend? Weil sie die Kurse risikobehafteter Wertpapiere einbrechen lasse. Laut Ned Davis Research sei der S&P 500 Index in den Rezessionen der Nachkriegszeit, vom Höchststand bis zum Tiefststand, im Schnitt um fast 28% eingebrochen. Natürlich würden Aktien und High-Yield-Anleihen langfristig meist Erträge über dem Wirtschaftswachstum liefern. Aber der durchschnittliche Investor realisiere solche Gewinne oft nicht.
Warum? Es liege an der menschlichen Natur. Sie sorge dafür, dass Rezessionen das Portfolio ruinieren könnten. Oft würden sich Anleger von ihren Investments trennen, wenn die Märkte schon gefallen seien - und damit zum allerschlechtesten Zeitpunkt. Und dann würden sie mit dem Wiedereinstieg zögern, um lange nach Beginn der Erholung schließlich doch noch zu investieren. Wenn Investoren einmal Angst hätten, bleibe es dabei. Die Märkte würden sich oft wesentlich schneller erholen als die Stimmung der Anleger. Umso wichtiger sei es, für die Portfoliopositionierung die Rezessionswahrscheinlichkeit zu kennen.
Da niemand eine Kristallkugel habe, brauche man einen Analyserahmen, mit dem man zukünftige Risiken einschätzen könne. Swanson nutze die Rezessions-Checkliste seit Jahren. Damit könne man zwar keine unmittelbar drohende Rezession vorhersagen, aber drei beunruhigende Anzeichen sollte man genauer betrachten.
Die Märkte stünden auf Rekordhochs, die Investoren seien guter Dinge. Die Finanzbedingungen seien locker, die Zinsen niedrig. Warum sollten sich Unternehmen und Verbraucher da nicht mehr Geld leihen? Der Schuldendienst sei in einem derart günstigen Umfeld kein Problem - oder doch? Da überrasche es nicht, dass die Verschuldung von Unternehmen und Haushalten auf Werte deutlich über den letzten beiden Höchstständen gestiegen sei.
Mehr Fusionen und Übernahmen und höhere Preise für die übernommenen Unternehmen seien typisch für das Ende eines Konjunkturzyklus. Nach Ansicht des Experten gebe es hier zurzeit klare Übertreibungen. Gegen Ende des Konjunkturzyklus würden Unternehmen oft bezweifeln, dass sie Gewinn und Umsatz ausreichend steigern könnten, um die Investoren zufriedenzustellen. Stattdessen würden sie andere Unternehmen kaufen, um durch Synergieeffekte die Gewinne je Aktie zu steigern. Aber oft würden sie zu teuer einkaufen. Der Eindruck des Experten sei, dass die Übernahmen zulegen und die Übernahmeprämien in Richtung der Höchststände steigen würden, die man aus früheren Zyklen kenne.
Ein anderes Thema seien fremdfinanzierte Wertpapierkäufe. Viele würden in mehr fremdfinanzierten Wertpapierkäufen einen Hinweis auf eine bessere Marktstimmung sehen. Aber man könne ebenso gut von übertriebener Selbstsicherheit sprechen. Ende Oktober hätten die Margin-Verpflichtungen an der New Yorker Börse 561 Milliarden US-Dollar betragen. Das sei ein neuer Höchststand. Einige Investoren würden ihre Portfolios beleihen, um mehr Aktien zu kaufen, was die Gewinne bei einem weiteren Kursanstieg vervielfachen könne. Aber leider gelte das auch für die Verluste, wenn die Kurse fallen würden. Andere Investoren würden Margin-Kredite als günstige kurzfristige Finanzierungsmöglichkeit nutzen. Problematisch könnte es werden, wenn die Investoren Wertpapierkredite ähnlich nutzen würden wie Immobilienkredite vor der internationalen Finanzkrise. Wer sein Portfolio beleihe, gebe einen Puffer auf. Bei fallenden Märkten könnten die Kreditnehmer dann zu Aktienverkäufen gezwungen sein, um ihre Kredite zu bedienen.
Meiner Ansicht nach ist der Anteil der Unternehmensgewinne am BIP einer der besten Indikatoren dafür, wo die US-Wirtschaft im Konjunkturzyklus steht, so James Swanson. Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung des US Bureau of Economic Analysis erfasse alle in den USA erwirtschafteten Gewinne - von der Pizzeria oder dem Schönheitssalon an der Ecke bis zu Apple und Netflix. Anschließend könne man sie durch das Bruttoinlandsprodukt dividieren, die Summe aller im Land produzierten Güter und Dienstleistungen. Der Quotient sei die Gewinnquote. Wenn sie steige, kämen meist gute Zeiten für Aktien. Man gehe davon aus, dass Unternehmen mehr investieren und mehr neue Mitarbeiter einstellen würden, wenn die Aktienkurse steigen würden. Wenn die Gewinne fallen würden, würden Neueinstellungen und Investitionen zurückgefahren. In der Vergangenheit sei ein Rückgang der Gewinnquote, wenn er länger als ein Jahr gedauert habe, meist ein Vorbote für schwierige Zeiten gewesen.
Im aktuellen Konjunkturzyklus sei die Gewinnquote auf Allzeithochs gestiegen, aber heute sei sie niedriger als vor einem Jahr. Meist falle sie zwölf bis 18 Monate lang, bevor eine Rezession beginne, und mittlerweile gehe der Anteil der Gewinne am BIP schon fast ein Jahr lang leicht zurück - auch wenn er absolut gesehen im Vergangenheitsvergleich noch immer recht hoch sei.
Wenn Wirtschaft und Märkte aus allen Rohren zu feuern scheinen, kommt mir dies vor wie die Warnleuchten auf dem Armaturenbrett eines Autos, so James Swanson. Manche Fahrer würden die Kontrolllampe sehen, die eine Motorinspektion anmahne, und denken: "Ach, es läuft doch alles gut". Aber er finde, dass Warnleuchten einen Sinn hätten. Sie sollte man vor größeren Schwierigkeiten bewahren. Er finde, dass Investoren durchaus über Kapitalschutzstrategien nachdenken sollten. Sie seien eine Möglichkeit, in dieser Phase des Konjunkturzyklus die Bodenhaftung zu behalten. (21.12.2017/ac/a/m)
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