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Luft wird wieder dünner für Aktien




04.03.19 13:45
Swisscanto Invest

Zürich (www.aktiencheck.de) - Für die USA signalisieren die Vorlaufindikatoren über die nächsten sechs bis zwölf Monate hinweg eine Wachstumsverlangsamung in Richtung zwei Prozent, so die Experten von Swisscanto Invest.

Die Eurozone sei wiederholt mit enttäuschenden Konjunkturdaten aus allen Wirtschaftsbereichen konfrontiert. Die Experten würden ihre Wachstumsprognosen nochmals deutlich nach unten revidieren. Während die meisten Konjunkturdaten aus China weiterhin schwach ausfallen würden, gebe es mittlerweile erste Anzeichen, dass die zahlreichen Stimulierungsmaßnahmen der chinesischen Regierung zu wirken beginnen würden. Zudem sehe es danach aus, dass die drohende Verschärfung des amerikanisch-chinesischen Handelskonflikts abgewendet werden könne.

Die Aktienmärkte würden mittlerweile einen deutlich besseren Wirtschaftsverlauf vorwegnehmen, als die Konjunkturdaten suggerieren würden. Die Bedingungen für eine Fortsetzung der Erholungsrally seien immer weniger gegeben. Die Währungshüter in den USA würden eine Pause im Leitzinserhöhungszyklus signalisieren. Die Experten würden davon ausgehen, dass die im zweiten Halbjahr anziehende Inflation den Ausschlag für die nächste Zinserhöhung gegen Jahresende geben werde. Die erste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank rücke hingegen immer weiter in die Ferne, da sich nicht nur das Wachstum verlangsamt habe, sondern auch die Inflationsraten deutlich gesunken seien.

Da die Weltkonjunktur sich in einem reifen Zyklus befinde und der Aktienmarkt sowohl einen positiven Ausgang der Verhandlungen zwischen USA und China wie auch eine lockerere Geldpolitik bereits vorwegnehme, sei eine erhöhte Risikobereitschaft der Investoren fundamental nicht mehr begründet. Ein Indiz dafür, dass die Aktienrally keine Einbahnstraße sei, lasse sich an der aktuellen gegenläufigen Entwicklung der Aktienkurse und Anleihenrenditen ablesen. Die erwartete Wachstumsabschwächung habe die Inflations- und Zinserwartungen und somit die Renditen von Staatsanleihen ab Oktober 2018 gesenkt. Obwohl sich die Aktienmärkte seit zwei Monaten erholen würden, würden die Renditen von Staatsanleihen noch zurückhaltende Konjunkturerwartungen signalisieren.

Da die Aktieninvestoren im vierten Quartal 2018 zu pessimistisch in Bezug auf die globalen Konjunkturaussichten gewesen seien, seien die Experten davon ausgegangen, dass es zu einer Gegenbewegung kommen würde. Diese habe sich mittlerweile eingestellt. Wobei man sich nun fragen müsse, ob die Situation jetzt nicht zu optimistisch betrachtet werde. Generell lasse sich sagen, dass Aufwärtstrends an den Aktienmärkten solange intakt bleiben würden, wie der globale konjunkturelle Aufschwung anhalte. In einem solchen Szenario würden Spekulationen auf einen Abschwung lediglich für eine vorübergehende Korrektur sorgen.

Da die Experten nach wie vor nicht von einer unmittelbar bevorstehenden Rezession ausgehen würden, sollte der seit 2009 währende Aufwärtstrend intakt bleiben. Wegen der Wachstumsverlangsamung dürfte er aber flacher werden. Die jüngsten Konjunkturdaten seien hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben. Was auf den ersten Blick belastend erscheine, biete auf den zweiten Blick jedoch mehr positives Überraschungspotenzial für die kommenden Wochen. Eine zusätzliche Voraussetzung dafür stelle auch die geldpolitische Unterstützung durch die weltweit bedeutenden Notenbanken dar. Und in China unterstütze die Regierung das Land mit massiven kreditpolitischen Impulsen.

Die möglichen positiven Auswirkungen der geänderten Wirtschaftspolitik seien aber bereits in den Aktienkursen eskomptiert, sodass sich die Bewertung der Aktienmärkte gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis in den vergangenen Wochen teilweise wieder deutlich erhöht habe. In der Summe spreche dies vorerst für eine Seitwärtsbewegung an den Märkten.

In diesen schwankungsreichen Zeiten würden die Experten die Aktienregionen mit defensiven Qualitäten weiter als attraktiv einstufen. Dazu würden die USA und die Schweiz gehören. Die Schweiz sei zwar eine kleine offene Volkswirtschaft, deren Außenhandel durch die globale Wachstumsverlangsamung belastet werde, aber die hohe Gewichtung der Sektoren Gesundheit und nichtzyklischer Konsum böten einen Puffer gegenüber Nachfrageschwankungen. Darüber hinaus würden sich die Unternehmen als überdurchschnittlich profitabel zeigen. Letzteres gelte auch für US-Firmen. In Europa ohne die Schweiz würden die Experten wegen der schwachen Wirtschaftsdaten und der politischen Herausforderungen am wenigsten Aufwärtspotenzial sehen.

Beim Goldpreis habe sich die seit Herbst andauernde Erholung in den ersten zwei Monaten 2019 fortgesetzt. Gegen Ende letzten Jahres habe Gold von fallenden Aktienmärkten, einer Aufhellung der Investorenstimmung und nicht zuletzt von sinkenden US-Realrenditen profitiert. Allerdings sei der Goldpreis im Januar und Februar 2019 weiter angestiegen, als sich die Aktienmärkte deutlich erholt hätten und der US-Dollar wieder leicht stärker geworden sei. Aktuell liege der Goldpreis nur wenig unter den Höchstständen des vergangenen Frühlings. Werde sich der Aufwärtstrend in den kommenden Monaten fortsetzen? Dafür würden die anhaltend tiefen Realzinsen sprechen und die Erwartung der Experten, dass sich der US-Dollar moderat abschwächen werde.

Ebenfalls dürften die Zentralbanken insgesamt ihre Goldpositionen weiter aufbauen, um die Währungsreserven zu diversifizieren. Gold habe sich allerdings in der lokalen Währung wichtiger Nachfrageländer wie Indien oder China verteuert, was sich dämpfend auf die physische Privatnachfrage in diesen Ländern auswirken dürfte. Zudem sei die Erholung in den letzten Monaten durch spekulative Investoren getrieben worden, die zunehmend auf einen höheren Goldpreis gesetzt hätten. Das stärkste Momentum dürfte hier allerdings den Zenit überschritten haben, womit ein Treiber für noch höhere Preise wegzufallen drohe. Unter dem Strich würden die Experten für den Goldpreis vorerst nur noch beschränktes Aufwärtspotenzial sehen. (Ausgabe März 2019) (04.03.2019/ac/a/m)







 
 
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