Erweiterte Funktionen


Konjunktur: Soft Landing oder Rezession?




13.08.19 14:45
fairesearch

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Im Jahr 2008 hatte die Welt den schwersten Konjunktur- und Finanzmarkteinbruch seit dem Jahr 1929 hinnehmen müssen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Von 2008 bis 2018 habe die Weltwirtschaft dank einer ultra-expansiven Geld- und Finanzpolitik eine Erholung erlebt, die zuletzt aber immer mehr an Dynamik eingebüßt habe. Doch was werde danach folgen? Eine Stabilisierung (Soft Landing) oder eine neue Rezession? Die USA könnten mit 121 Monaten Expansionsphase auf den längsten Wirtschaftsaufschwung ihrer Geschichte verweisen. Das Tempo aber sei mit jährlich durchschnittlich 2,3% bescheiden ausgefallen, eine vergleichsweise schwache Expansionsphase.

China blicke auf einen langen Wirtschaftsaufschwung von jährlich mehr als 6% zurück. Doch nun drohe das Tempo unter diese Marke zu fallen, bei der Volkswirte einen Anstieg der Arbeitslosigkeit vermuten würden. In der Eurozone sei das Wachstumstempo schon unter die 2% Marke gesunken, bei allerdings historisch niedriger Arbeitslosenquote. Auch hier stelle sich die Frage nach dem weiteren Konjunkturverlauf.

Ein wichtiger Frühindikator für den Konjunkturverlauf sei für Finanzanalysten die Renditenstrukturkurve. Eine inverse Struktur deute nach historischen Vergleichen auf eine mögliche Rezession hin. Die Renditen der langen Laufzeiten (10-J. Treasuries 1,86%) seien bereits niedriger als die Leitzinsen (FED Funds Rate 2,00 bis 2,25%). Immer, wenn dies geschehe, werde nach der Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit dieses Indikators gefragt. Immerhin habe die US-Notenbank durch ihr QE-Programm erheblichen Einfluss auf den Rentenmarkt genommen. Noch bleibe also die Antwort auf die Frage, Rezession oder nicht, offen.

Der IWF habe in seinem World Economic Outlook im Juli seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft auf 3,2% in 2019 und 3,5% in 2020 gesenkt, jeweils um 0,1 Prozentpunkte. Allerdings sei diese Senkung nur die letzte einer ganzen Reihe von Abwärtsrevisionen, die nächste sei nicht ausgeschlossen. Die internationalen Handelskonflikte seien geeignet, durch Multiplikatorwirkungen noch für manche negativen Überraschungen zu sorgen.

Das globale Wirtschaftswachstum werde sich von 2019 auf 2020 gemäß IWF wieder verbessern. Allerdings würden sich 70% der erwarteten Verbesserung auf eine höhere Wachstumsperformance in den Schwellen- und den Entwicklungsländern stützen. Diese Annahmen seien besonders unsicher.

Die Frage nach einer neuen Rezession lasse sich noch nicht beantworten. Allerdings spreche eine ganze Reihe von Indikatoren dafür, die Gefahr einer solchen Entwicklung ernst zu nehmen. Das sei nicht nur in der Renditenstrukturkurve zu erkennen. Auch die Auftragseingänge und der Auftragsbestand in der Industrie, die Kapazitätsauslastung sowie die Indices der Einkaufsmanager würden zu denken geben. Die Notenbanken hätten deswegen eine Wende ihrer Geldpolitik beschlossen und würden wieder einen ultra-expansiven Kurs fahren wollen. Dieses Experiment aber sei nach historischen Erfahrungen äußerst fragwürdig, laufe es doch auf gefährliche Fehlentwicklungen an den Finanzmärkten hinaus. (13.08.2019/ac/a/m)








 
 
Aktien des Tages



Aktien des Tages

RSS Feeds




Bitte warten...