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Konjunktur: Erholung auf der Kippe




16.07.20 12:50
fairesearch

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Nach dem weltweiten Konjunktureinbruch aufgrund der Corona Pandemie war vielfach auf eine V-förmige Erholung nach Lockerung der Hygienevorschriften gehofft worden, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

In dessen Vorwegnahme seien die Aktienmärkte seit Mitte März kräftig gestiegen, so z.B. der DAX von 8.442 auf 12.930. Eine Stimulanz sei die Hoffnung, dass die Berichtssaison über die Unternehmensentwicklungen im zweiten Quartal 2020 doch nicht so ungünstig ausfallen werde wie bisher angenommen. Und die OECD-Frühindikatoren scheinen diese Erwartungen zu bestätigen. Erst in letzter Zeit kämen wieder Zweifel an diesen Annahmen auf. Der Wirtschaftsaufschwung verliere an Dynamik. Es könnte durchaus zu einem "Double Dip" kommen, zu einer zweiten Beruhigungsphase. Diese Befürchtungen würden gestützt von den regional wieder steigenden Zahlen von neuen Infektionen. In einigen Regionen mit besonders hohen neuen Ansteckungen würden schon wieder Restriktionen und Ausgehverbote diskutiert, die aber äußerst umstritten seien. Die Konjunkturerholung stehe auf der Kippe.

Die OECD berichte, dass ihre Frühindikatoren trotz der kräftigen Erholung seit dem Höhepunkt der Krise im April fragil verlaufen würden, da die weltweite Verunsicherung über neuerliche Schließungen wegen der Pandemie anhalte. Die Indikatoren lägen noch immer unter dem Vor-Coronaniveau und deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt. In den größeren Schwellenländern würden die Indikatoren ähnlich wie in den Industrieländern verlaufen. Doch in China, das als erstes betroffen gewesen sei, sei die Erholung am weitesten fortgeschritten. Indien verharre in der Nähe des Tiefstandes. Die Indices sollten wegen des Anteils von wankelmütigen Stimmungen mit Vorsichtbeurteilt werden.

Dies zeige sich besonders deutlich an den jüngsten Sentiment-Indikatoren der Europäischen Kommission. Diesen zufolge seien die Aktienmärkte der Erholung weit vorausgeeilt. Die Bewertungen der aktuellen Kurse auf Basis der Gewinne der letzten zwölf Monate seien sehr hoch: KGV DAX 17; EURO STOXX 18; Dow Jones 21; S&P 22. Die hohe Bewertung sei ausschließlich mit der Liquiditätspolitik der EZB zu begründen.

Die WHO berichte am 12. Juli 2020 von einem Anstieg der infizierten Corona-Fälle um 230.000 weltweit an einem Tag. Die Johns Hopkins University schätze für diesen Tag die bestätigten Erkrankungen weltweit auf 12,7 Millionen und die Zahl der Toten auf 566.150. Von einer Beruhigung könne demnach keine Rede sein.

Folgerung: Die weiteren Konjunkturerwartungen seien bei weitem nicht so optimistisch, wie es die Aktienmärkte in den letzten Wochen mit ihrem Kursanstieg bewerten würden. Die täglichen neuen Ansteckungen und die sich verbreitende Gelassenheit und Ignoranz der Bevölkerung würden auf die Unsicherheiten hinweisen. Den Politikern werde es sehr schwer fallen, die Lockerungen gegebenenfalls wieder zurückzunehmen bzw. neue Hygienevorschriften zu erlassen. Dies würde nur neue Unruhen und Demonstrationen auslösen. (16.07.2020/ac/a/m)








 
 
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