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Hamburg (www.aktiencheck.de) - Trump hat am ersten Tag im Amt den Energienotstand in den USA ausgerufen und wird Restriktionen im Energiesektor abbauen, so Jonas Feldhusen, Junior Economist bei der Hamburg Commercial Bank.
Schlechtes Wetter und geopolitische Spannungen hätten den Gaspreis zuletzt kräftig steigen lassen.
Preisentwicklung: Die Future-Gas-Preise in Deutschland (ICE German NCG) würden seit Beginn des Jahres 2024 kontinuierlich klettern und hätten sich seitdem mehr als verdoppelt. Man sei zwar noch weit unter den extrem hohen Niveaus der Krisenjahre 2021 und 2022. Dennoch sei die Entwicklung mit Besorgnis zu betrachten, denn mit knapp 50 EUR/MWh ist der europäische Gaspreis 2-3 mal höher als vor der Gaspreiskrise. In den USA (Henry Hub) würden die Gaspreise seit Beginn des Jahres 2024 zwar stetig steigen und lägen derzeit bei 13,5 EUR/MWh. Der wesentliche Unterschied zum europäischen Preis sei, dass sich der US-Preis im Wesentlichen auf dem Niveau der Jahre 2016-2020 befinde und nicht strukturell erhöht sei. Dafür seien die starke Produktionsausweitung (+43% Produktion zwischen 2015 und 2023) in den USA sowie recht milde Temperaturen verantwortlich. Momentan ergebe sich dadurch ein Gaspreis, der in Deutschland rund 3,5 Mal höher sei als in den USA. Die deutschen Gasspeicher seien derzeit zu 64% gefüllt, deutlich weniger als zur selben Zeit in den vergangenen beiden Jahren (79 und 88%), jedoch mehr als 2022 und 2021 (44 und 54%, Stand 19.01.2025).
Angebotsseite: Angebotsseitig sei das Geschehen dominiert von Ereignissen in Washington und Moskau. Die Produktionskapazitäten in den USA dürften während der zweiten Amtszeit Donald Trumps erheblich ausgebaut werden. Berichten der Financial Times zufolge werde sich die LNG Kapazität in den USA in den kommenden fünf Jahren durch Export-Großprojekte im Golf von Mexiko wie Plaquemines LNG und Corpus Christi LNG verdoppeln. Zu Trumps ersten Amtshandlungen habe der Ausruf der nationalen Energienotlage und die Aufhebung des partiellen LNG-Export-Verbots gehört. Der "nationale Energienotstand" ermögliche es vor allem, Genehmigungen für Explorationsprojekte und den Bau von Pipelines zügiger zu erteilen. Zudem würden Schutzgebiete, insbesondere in Alaska, aufgehoben, um die Förderung von Öl und Gas zu intensivieren. Trump erhoffe sich durch die Öl- und Gasexporte die Lücke in der Handelsbilanz der USA zu verringern und durch ein höheres Energieangebot im Inland die Preise zu senken. Biden habe Anfang 2024 eine vorübergehende Pause für die Genehmigung neuer LNG-Exporte an Länder ohne Freihandelsabkommen verhängt.
Auch Qatar wolle die Produktion bis 2027 massiv ausweiten. Das Land investiere rund 30 Mrd. Dollar, um bis 2027 rund 126 Millionen Tonnen jährlich im riesigen "North Field" zu produzieren. Dies entspräche einer Produktionsausweitung von rund 64%. Die Lieferungen von Pipelinegas aus Russland nach Europa verzeichnen hingegen einen weiteren Rückgang. Die Gaspipeline durch die Ukraine sei zum Neujahr geschlossen worden. Die Russen würden gleichzeitig ihre Pipelineinfrastruktur "Power of Siberia" in Richtung China ausbauen. Die TurkStream Pipeline, die russisches Gas in den Balkan und nach Zentraleuropa bringe, sei Mitte Januar Ziel von ukrainischen Attacken gewesen, wodurch die europäischen Gaspreise zwischenzeitlich um mehr als 7% angestiegen seien.
Nachfrageseite: Der Verbrauch von Erdgas habe im Jahr 2024 einen neuen Rekord verzeichnet. Die International Energy Agency (IEA) prognostiziere 2025 eine steigende Nachfrage, vor allem aus Fernost. 2024 sei fast 45% der zusätzlichen Gasnachfrage auf die Region Asien-Pazifik entfallen. Nach unten gerichtetes Risiko könne hier in 2025 bestehen, wenn sich die wirtschaftliche Schwäche Chinas fortsetze und aufgrund dieser nachlassenden Dynamik die Gasnachfrage abschwäche. Positiv für die Gasnachfrage sei Trend, dass Erdgas zunehmend Öl und Ölprodukte in verschiedenen Sektoren verdränge. Im Nahen Osten habe sich die Umstellung von Öl auf Gas im Energiesektor fortgesetzt. In China werde im Straßenverkehr zunehmend auf LNG-betriebene LKWs gesetzt. Auch in der Schifffahrt sei zu beobachten, dass von Bunkeröl zunehmend auf LNG umgestiegen werde, um Emissionsvorschriften nachzukommen. Laut Bericht der IEA werde sich die Anzahl der mit LNG betriebenen Schiffe bis 2028 auf über 1.200 nahezu verdoppeln. Mittelfristig würden sich diese Verdrängungstrends wohl fortsetzen.
In Europa würden sich die Erdgasspeicher aufgrund höherem Verbrauchs in diesem Jahr schneller als in den vorherigen beiden Jahren leeren. In Deutschland sei 2024 mehr Erdgas zur
Stromerzeugung genutzt worden. Die Verstromung von Erdgas sei 2024 um 8,6% gestiegen. Darüber hinaus führe das vergleichsweise kühle Wetter zu einem gesteigerten Heizbedarf. Der höhere Verbrauch werde daher wohl dazu führen, dass bis zum Sommer die Erdgasnachfrage aus Europa erhöht bleiben werde, um die Speicher wieder zu füllen. (Wochenbarometer vom 23.01.2025) (24.01.2025/ac/a/m)
Schlechtes Wetter und geopolitische Spannungen hätten den Gaspreis zuletzt kräftig steigen lassen.
Preisentwicklung: Die Future-Gas-Preise in Deutschland (ICE German NCG) würden seit Beginn des Jahres 2024 kontinuierlich klettern und hätten sich seitdem mehr als verdoppelt. Man sei zwar noch weit unter den extrem hohen Niveaus der Krisenjahre 2021 und 2022. Dennoch sei die Entwicklung mit Besorgnis zu betrachten, denn mit knapp 50 EUR/MWh ist der europäische Gaspreis 2-3 mal höher als vor der Gaspreiskrise. In den USA (Henry Hub) würden die Gaspreise seit Beginn des Jahres 2024 zwar stetig steigen und lägen derzeit bei 13,5 EUR/MWh. Der wesentliche Unterschied zum europäischen Preis sei, dass sich der US-Preis im Wesentlichen auf dem Niveau der Jahre 2016-2020 befinde und nicht strukturell erhöht sei. Dafür seien die starke Produktionsausweitung (+43% Produktion zwischen 2015 und 2023) in den USA sowie recht milde Temperaturen verantwortlich. Momentan ergebe sich dadurch ein Gaspreis, der in Deutschland rund 3,5 Mal höher sei als in den USA. Die deutschen Gasspeicher seien derzeit zu 64% gefüllt, deutlich weniger als zur selben Zeit in den vergangenen beiden Jahren (79 und 88%), jedoch mehr als 2022 und 2021 (44 und 54%, Stand 19.01.2025).
Auch Qatar wolle die Produktion bis 2027 massiv ausweiten. Das Land investiere rund 30 Mrd. Dollar, um bis 2027 rund 126 Millionen Tonnen jährlich im riesigen "North Field" zu produzieren. Dies entspräche einer Produktionsausweitung von rund 64%. Die Lieferungen von Pipelinegas aus Russland nach Europa verzeichnen hingegen einen weiteren Rückgang. Die Gaspipeline durch die Ukraine sei zum Neujahr geschlossen worden. Die Russen würden gleichzeitig ihre Pipelineinfrastruktur "Power of Siberia" in Richtung China ausbauen. Die TurkStream Pipeline, die russisches Gas in den Balkan und nach Zentraleuropa bringe, sei Mitte Januar Ziel von ukrainischen Attacken gewesen, wodurch die europäischen Gaspreise zwischenzeitlich um mehr als 7% angestiegen seien.
Nachfrageseite: Der Verbrauch von Erdgas habe im Jahr 2024 einen neuen Rekord verzeichnet. Die International Energy Agency (IEA) prognostiziere 2025 eine steigende Nachfrage, vor allem aus Fernost. 2024 sei fast 45% der zusätzlichen Gasnachfrage auf die Region Asien-Pazifik entfallen. Nach unten gerichtetes Risiko könne hier in 2025 bestehen, wenn sich die wirtschaftliche Schwäche Chinas fortsetze und aufgrund dieser nachlassenden Dynamik die Gasnachfrage abschwäche. Positiv für die Gasnachfrage sei Trend, dass Erdgas zunehmend Öl und Ölprodukte in verschiedenen Sektoren verdränge. Im Nahen Osten habe sich die Umstellung von Öl auf Gas im Energiesektor fortgesetzt. In China werde im Straßenverkehr zunehmend auf LNG-betriebene LKWs gesetzt. Auch in der Schifffahrt sei zu beobachten, dass von Bunkeröl zunehmend auf LNG umgestiegen werde, um Emissionsvorschriften nachzukommen. Laut Bericht der IEA werde sich die Anzahl der mit LNG betriebenen Schiffe bis 2028 auf über 1.200 nahezu verdoppeln. Mittelfristig würden sich diese Verdrängungstrends wohl fortsetzen.
In Europa würden sich die Erdgasspeicher aufgrund höherem Verbrauchs in diesem Jahr schneller als in den vorherigen beiden Jahren leeren. In Deutschland sei 2024 mehr Erdgas zur
Stromerzeugung genutzt worden. Die Verstromung von Erdgas sei 2024 um 8,6% gestiegen. Darüber hinaus führe das vergleichsweise kühle Wetter zu einem gesteigerten Heizbedarf. Der höhere Verbrauch werde daher wohl dazu führen, dass bis zum Sommer die Erdgasnachfrage aus Europa erhöht bleiben werde, um die Speicher wieder zu füllen. (Wochenbarometer vom 23.01.2025) (24.01.2025/ac/a/m)
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