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Freund, Feind oder Falscher Freund: Was bedeutet Bidens Sieg für die Schwellenländer?
11.11.20 15:58
NN Investment Partners
Den Haag (www.aktiencheck.de) - Der Sieg von Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl hat weitreichende Auswirkungen auf die Schwellenländer weltweit, so die Experten von NN Investment Partners.
Auch wenn Bidens Sieg die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China nicht lösen werde, werde vom künftigen Präsidenten erwartet, dass er sich wieder auf den strategischen Dialog und die Zusammenarbeit konzentriere, anstatt die spalterische Rhetorik seines Vorgängers beizubehalten. Andere Schwellenländer dürften durch die Biden-Regierung zahlreichen Auswirkungen ausgesetzt sein, wobei einige von engeren Beziehungen profitieren würden, während andere mit Kritik oder möglichen Sanktionen rechnen müssten. Die Experten würden die potenziellen Gewinner und Verlierer unter den Schwellenländern identifizieren, auch wenn im Vorfeld der Amtseinführung weiterhin Unsicherheit herrschen dürfte.
Insgesamt seien die Experten der Meinung, dass der Ansatz und die Pläne der Biden-Regierung für Schwellenländer (EMs) zunehmend positiver sein würden als eine zweite Amtszeit von Trump, ungeachtet der geplanten, weiteren Anreize. Trump hätte wahrscheinlich weiterhin aus einer "America first"-Perspektive agiert und der Inlandsnachfrage Vorrang eingeräumt, indem er niedrigere Steuern und eine weniger strenge Regulierung gefördert und eine weniger konstruktive internationale Politik wie Protektionismus und Zölle umgesetzt hätte.
Umgekehrt werde Biden wahrscheinlich einen konstruktiveren Ton anschlagen, und seine Politik werde voraussichtlich eher das globale (und nicht nur das amerikanische) Wachstum stärken. Globales Wachstum sei vor allem für die Schwellenländer von entscheidender Bedeutung, da es ihnen einen Ausweg aus ihren potenziellen Herausforderungen eröffne. Die Wachstumsdynamik der USA werde angesichts der Abhängigkeit vieler Länder von der Auslandsnachfrage einen erheblichen Einfluss darauf haben.
Die Märkte würden erwarten, dass die neue Biden-Regierung eine weniger konfrontative außenpolitische Haltung einnehmen werde als die Trump-Regierung. Sie werde wahrscheinlich wieder internationalen Abkommen wie der Welthandelsorganisation und dem Pariser Klimaabkommen beitreten und eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Schwellenländern im multilateralen Rahmen pflegen. Eine abnehmende Unsicherheit und Volatilität in den globalen Lieferketten dürften für den internationalen Handel und damit auch für die Schwellenländer von Vorteil sein.
China - die Gretchenfrage: Biden werde voraussichtlich einen multilateralen Ansatz wählen, um Chinas Macht entgegenzuwirken, und einen berechenbareren, weniger konfrontativen außenpolitischen Kurs einschlagen. Infolgedessen würde der Markt wahrscheinlich ein geringeres Risiko für eine Eskalation der Zölle zwischen den USA und China einkalkulieren. Die Demokratische Partei lehne Trumps Ansatz einseitiger Zölle ab, und die WTO könnte als Plattform für Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China zurückkehren. Dennoch würden die Handelsspannungen zwischen den beiden Wirtschaftsgiganten mittelfristig anhalten. Das Weiße Haus werde wahrscheinlich zu einem versöhnlicheren Ton übergehen und sich auf den strategischen Dialog konzentrieren. Der Kongress sei jedoch eher gegen China eingestellt, sodass ein gewisses Maß an "konstruktiver Unruhe" wahrscheinlich sei.
Es sei nicht zu erwarten, dass Biden in Kürze die US-Zölle gegenüber China sofort aufheben werde; daher werde das Handelsabkommen der Phase Eins vorerst bestehen bleiben. Eine rasche Aufhebung der Zölle würde auf eine Schwäche der USA bei weiteren Verhandlungen hindeuten. Die USA würden ihre Verhandlungsmacht bewahren wollen. Es würde auch innenpolitisch schwach aussehen. Jegliche Zollsenkungen der USA gegenüber China würden daher ein langer und ungewisser Prozess sein und könnten künftig Technologiethemen beinhalten. Biden werde sich wahrscheinlich mehr auf den Aufbau eines strategischeren Dialogs und der Zusammenarbeit mit China in globalen Fragen wie dem Klimawandel und der Pandemie konzentrieren.
Indien scheine von Bidens Sieg eindeutig zu profitieren. Biden werde engere Beziehungen zu Indien fördern, da China gemeinsam gebremst werden solle, trotz der Bedenken über die Menschenrechte sowie der Verteidigungsbeziehungen Neu-Delhis zu Russland. Er setze sich seit langem für stärkere Beziehungen zu Indien ein, unter anderem als Vorsitzender des Ausschusses für Außenbeziehungen des Senats in den 2000er Jahren, als er den damaligen Präsidenten George W. Bush gedrängt habe, die Sanktionen gegen das Land aufzuheben. Später habe er Bush beim Zustandekommen des Zivilen Nuklearabkommens zwischen Indien und den USA zu führen geholfen, das den Grundstein für engere Beziehungen gelegt habe. Als Präsident werde sich Biden wahrscheinlich wieder in multilateralen Gremien für Indien einsetzen, auch für eine mögliche ständige Mitgliedschaft im Nationalen Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, obwohl China dies wahrscheinlich blockieren würde.
Ein weiterer wahrscheinlicher Gewinner in Asien sei Vietnam, das ebenfalls ein schwieriges Verhältnis zu China habe. Die Besorgnis über das Vorgehen Chinas im Südchinesischen Meer habe eine positive Dynamik in die Beziehungen zwischen den USA und Vietnam gebracht. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass die vor kurzem eingeleitete Untersuchung gemäß Section 301, in der Vietnam als Währungsmanipulator beschuldigt werde, in naher Zukunft zu Spannungen in den Beziehungen führen könnte.
Blicke man über den Pazifischen Ozean nach Lateinamerika, seien die Länder des Nördlichen Dreiecks (Guatemala, Honduras und El Salvador) potenzielle Gewinner. Biden sei der führende Architekt der Allianz für den Wohlstand gewesen und habe bereits einen 4-Milliarden-Dollar-Plan für das Nördliche Dreieck angekündigt, in dessen Mittelpunkt eine verstärkte Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen, wirtschaftliche Entwicklung und Eindämmung der Korruption stehen solle. Er möchte Trumps Einwanderungspolitik abschaffen, einschließlich der Abkommen über sichere Drittstaaten, die diese Länder in eine schwierige Lage gebracht hätten. Diese Unterstützung werde jedoch von einer verbesserten Transparenz und der Einhaltung demokratischer Maßstäbe abhängen.
In Honduras kämen die Verbindungen von Präsident Hernandez zum Drogenhandel verstärkt auf den Prüfstand. In Guatemala stünde die Regierung Giammattei weiterhin unter Druck, die Bemühungen um Transparenz wieder aufzunehmen. Und in El Salvador wäre Biden wahrscheinlich weniger nachsichtig gegenüber den autoritären Tendenzen von Präsident Bukele und würde die Wirtschaftshilfe möglicherweise mit mehr Beachtung der Institutionen verbinden.
Mexiko sei ein klarer Gewinner, da es von Bidens Plänen zur Ankurbelung der Automobilindustrie profitieren würde, um bei Elektrofahrzeugen besser mit China konkurrieren zu können. Mexiko sei sehr gut positioniert, um Investitionen von Unternehmen anzuziehen, die Störungen in den Lieferketten aufgrund der anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China vermeiden wollten. Die Lohnkosten des Landes seien relativ niedrig, die geographische Nähe zu den USA reduziere Versandkosten und -zeiten und die Geschäfte können aufgrund der ähnlichen Zeitzonen leichter abgewickelt werden.
Die Diversifizierung der Lieferketten von Asien weg sei ebenfalls ein mittelfristig positiver Faktor für Mexiko. Es sei unwahrscheinlich, dass Biden das kürzlich ratifizierte USMCA-Handelsabkommen erneut aufgreifen werde. Allerdings werde es wahrscheinlich zu Konflikten über die Einhaltung von Arbeitsbedingungen kommen, die ausschlaggebend für die Unterstützung des Abkommens durch die Demokratische Partei gewesen seien. Umweltfragen würden Anlass zur Sorge geben, aber das Risiko einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der bilateralen Beziehungen sei gering.
Brasilien sei ein potenzieller Verlierer der neuen Biden-Regierung, da die Zweifel an Präsident Bolsonaros laxer Entwaldungspolitik zunehmen würden, wenn die USA wieder dem Pariser Klimaabkommen beitreten würden. Wenn sich das Tempo der Entwaldung in der Trockenzeit des nächsten Jahres wieder beschleunige, würden die USA kritisch und Bolsonaro defensiv agieren. Letzteres habe sich schon in seiner Reaktion auf Bidens Kommentare zu Brasilien während der US-Präsidentschaftsdebatte gezeigt. Es möge verfrüht erscheinen, über Sanktionen zu spekulieren, die sich aus einer eskalierenden negativen Retourkutschen-Rhetorik ergeben würden, aber dies sei ein ernsthaftes Risiko, das man in Betracht ziehen sollte.
Auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans dürften mehrere Länder, die in Eurasien und im Nahen Osten autoritäre Verhaltensweisen an den Tag legen würden, auch unter der Regierung Bidens Nachteile verzeichnen. Für Russland bedeute der Sieg Bidens zunehmende Spannungen mit den USA. Auch wenn die Beziehungen bereits unter der Trump-Präsidentschaft durch eine Vielzahl von Sanktionen angespannt gewesen seien, sollten die Märkte mit einer restriktiveren Haltung der USA gegenüber Russland rechnen.
Biden vertrete seit langem eine entschlossene Haltung gegenüber Moskau, wie sein Drängen auf Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf die Ukraine-Krise von 2014 zeige. Dennoch werde er wahrscheinlich nicht gleich nach seinem Amtsantritt in die Offensive gehen, da sich die beiden Länder in Verhandlungen über die Verlängerung des Vertrags zur Verringerung strategischer Waffen (START) befinden würden, der derzeit im Februar auslaufe. Die Verhandlungen könnten ein Jahr dauern. Außerdem werde es weniger Anlass geben, Russland aufgrund der Wahleinmischung zu sanktionieren, sollten die Demokraten letztendlich den Senat übernehmen. Darüber hinaus werde Russland nicht die unmittelbare Priorität sein, und es wäre ein Auslöser erforderlich, um neue größere Sanktionen zu rechtfertigen. Ein gemeinsamer Ansatz mit der EU zur Koordination der Umsetzung der Sanktionen gegen Russland sei das wahrscheinlichste Szenario.
Obwohl die Türkei ein strategischer NATO-Verbündeter der USA sei, werde sie unter der künftigen Regierung Biden voraussichtlich verlieren. Mehrere ungelöste Fragen würden die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei belasten, darunter (neben anderen Fragen) der Status des türkischen S400-Raketenabwehrsystems und sein Potenzial, Maßnahmen im Rahmen des Countering America's Adversaries Through Sanctions Act (CAATSA) einzuleiten. Während die Türkei die Einführung des Systems auf unbestimmte Zeit verschoben habe und Präsident Trump davon Abstand genommen habe, sich auf CAATSA zu berufen, könnte die Biden-Präsidentschaft eine andere Haltung einnehmen. Dies gelte insbesondere angesichts der öffentlichen Äußerungen Bidens zu Erdogan als Autokrat. Dennoch werde der Zeitplan der Sanktionen von den Prioritäten der Biden-Regierung und von den künftigen Maßnahmen der Türkei abhängen. (11.11.2020/ac/a/m)
Auch wenn Bidens Sieg die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China nicht lösen werde, werde vom künftigen Präsidenten erwartet, dass er sich wieder auf den strategischen Dialog und die Zusammenarbeit konzentriere, anstatt die spalterische Rhetorik seines Vorgängers beizubehalten. Andere Schwellenländer dürften durch die Biden-Regierung zahlreichen Auswirkungen ausgesetzt sein, wobei einige von engeren Beziehungen profitieren würden, während andere mit Kritik oder möglichen Sanktionen rechnen müssten. Die Experten würden die potenziellen Gewinner und Verlierer unter den Schwellenländern identifizieren, auch wenn im Vorfeld der Amtseinführung weiterhin Unsicherheit herrschen dürfte.
Insgesamt seien die Experten der Meinung, dass der Ansatz und die Pläne der Biden-Regierung für Schwellenländer (EMs) zunehmend positiver sein würden als eine zweite Amtszeit von Trump, ungeachtet der geplanten, weiteren Anreize. Trump hätte wahrscheinlich weiterhin aus einer "America first"-Perspektive agiert und der Inlandsnachfrage Vorrang eingeräumt, indem er niedrigere Steuern und eine weniger strenge Regulierung gefördert und eine weniger konstruktive internationale Politik wie Protektionismus und Zölle umgesetzt hätte.
Umgekehrt werde Biden wahrscheinlich einen konstruktiveren Ton anschlagen, und seine Politik werde voraussichtlich eher das globale (und nicht nur das amerikanische) Wachstum stärken. Globales Wachstum sei vor allem für die Schwellenländer von entscheidender Bedeutung, da es ihnen einen Ausweg aus ihren potenziellen Herausforderungen eröffne. Die Wachstumsdynamik der USA werde angesichts der Abhängigkeit vieler Länder von der Auslandsnachfrage einen erheblichen Einfluss darauf haben.
Die Märkte würden erwarten, dass die neue Biden-Regierung eine weniger konfrontative außenpolitische Haltung einnehmen werde als die Trump-Regierung. Sie werde wahrscheinlich wieder internationalen Abkommen wie der Welthandelsorganisation und dem Pariser Klimaabkommen beitreten und eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Schwellenländern im multilateralen Rahmen pflegen. Eine abnehmende Unsicherheit und Volatilität in den globalen Lieferketten dürften für den internationalen Handel und damit auch für die Schwellenländer von Vorteil sein.
China - die Gretchenfrage: Biden werde voraussichtlich einen multilateralen Ansatz wählen, um Chinas Macht entgegenzuwirken, und einen berechenbareren, weniger konfrontativen außenpolitischen Kurs einschlagen. Infolgedessen würde der Markt wahrscheinlich ein geringeres Risiko für eine Eskalation der Zölle zwischen den USA und China einkalkulieren. Die Demokratische Partei lehne Trumps Ansatz einseitiger Zölle ab, und die WTO könnte als Plattform für Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China zurückkehren. Dennoch würden die Handelsspannungen zwischen den beiden Wirtschaftsgiganten mittelfristig anhalten. Das Weiße Haus werde wahrscheinlich zu einem versöhnlicheren Ton übergehen und sich auf den strategischen Dialog konzentrieren. Der Kongress sei jedoch eher gegen China eingestellt, sodass ein gewisses Maß an "konstruktiver Unruhe" wahrscheinlich sei.
Es sei nicht zu erwarten, dass Biden in Kürze die US-Zölle gegenüber China sofort aufheben werde; daher werde das Handelsabkommen der Phase Eins vorerst bestehen bleiben. Eine rasche Aufhebung der Zölle würde auf eine Schwäche der USA bei weiteren Verhandlungen hindeuten. Die USA würden ihre Verhandlungsmacht bewahren wollen. Es würde auch innenpolitisch schwach aussehen. Jegliche Zollsenkungen der USA gegenüber China würden daher ein langer und ungewisser Prozess sein und könnten künftig Technologiethemen beinhalten. Biden werde sich wahrscheinlich mehr auf den Aufbau eines strategischeren Dialogs und der Zusammenarbeit mit China in globalen Fragen wie dem Klimawandel und der Pandemie konzentrieren.
Indien scheine von Bidens Sieg eindeutig zu profitieren. Biden werde engere Beziehungen zu Indien fördern, da China gemeinsam gebremst werden solle, trotz der Bedenken über die Menschenrechte sowie der Verteidigungsbeziehungen Neu-Delhis zu Russland. Er setze sich seit langem für stärkere Beziehungen zu Indien ein, unter anderem als Vorsitzender des Ausschusses für Außenbeziehungen des Senats in den 2000er Jahren, als er den damaligen Präsidenten George W. Bush gedrängt habe, die Sanktionen gegen das Land aufzuheben. Später habe er Bush beim Zustandekommen des Zivilen Nuklearabkommens zwischen Indien und den USA zu führen geholfen, das den Grundstein für engere Beziehungen gelegt habe. Als Präsident werde sich Biden wahrscheinlich wieder in multilateralen Gremien für Indien einsetzen, auch für eine mögliche ständige Mitgliedschaft im Nationalen Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, obwohl China dies wahrscheinlich blockieren würde.
Blicke man über den Pazifischen Ozean nach Lateinamerika, seien die Länder des Nördlichen Dreiecks (Guatemala, Honduras und El Salvador) potenzielle Gewinner. Biden sei der führende Architekt der Allianz für den Wohlstand gewesen und habe bereits einen 4-Milliarden-Dollar-Plan für das Nördliche Dreieck angekündigt, in dessen Mittelpunkt eine verstärkte Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen, wirtschaftliche Entwicklung und Eindämmung der Korruption stehen solle. Er möchte Trumps Einwanderungspolitik abschaffen, einschließlich der Abkommen über sichere Drittstaaten, die diese Länder in eine schwierige Lage gebracht hätten. Diese Unterstützung werde jedoch von einer verbesserten Transparenz und der Einhaltung demokratischer Maßstäbe abhängen.
In Honduras kämen die Verbindungen von Präsident Hernandez zum Drogenhandel verstärkt auf den Prüfstand. In Guatemala stünde die Regierung Giammattei weiterhin unter Druck, die Bemühungen um Transparenz wieder aufzunehmen. Und in El Salvador wäre Biden wahrscheinlich weniger nachsichtig gegenüber den autoritären Tendenzen von Präsident Bukele und würde die Wirtschaftshilfe möglicherweise mit mehr Beachtung der Institutionen verbinden.
Mexiko sei ein klarer Gewinner, da es von Bidens Plänen zur Ankurbelung der Automobilindustrie profitieren würde, um bei Elektrofahrzeugen besser mit China konkurrieren zu können. Mexiko sei sehr gut positioniert, um Investitionen von Unternehmen anzuziehen, die Störungen in den Lieferketten aufgrund der anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China vermeiden wollten. Die Lohnkosten des Landes seien relativ niedrig, die geographische Nähe zu den USA reduziere Versandkosten und -zeiten und die Geschäfte können aufgrund der ähnlichen Zeitzonen leichter abgewickelt werden.
Die Diversifizierung der Lieferketten von Asien weg sei ebenfalls ein mittelfristig positiver Faktor für Mexiko. Es sei unwahrscheinlich, dass Biden das kürzlich ratifizierte USMCA-Handelsabkommen erneut aufgreifen werde. Allerdings werde es wahrscheinlich zu Konflikten über die Einhaltung von Arbeitsbedingungen kommen, die ausschlaggebend für die Unterstützung des Abkommens durch die Demokratische Partei gewesen seien. Umweltfragen würden Anlass zur Sorge geben, aber das Risiko einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der bilateralen Beziehungen sei gering.
Brasilien sei ein potenzieller Verlierer der neuen Biden-Regierung, da die Zweifel an Präsident Bolsonaros laxer Entwaldungspolitik zunehmen würden, wenn die USA wieder dem Pariser Klimaabkommen beitreten würden. Wenn sich das Tempo der Entwaldung in der Trockenzeit des nächsten Jahres wieder beschleunige, würden die USA kritisch und Bolsonaro defensiv agieren. Letzteres habe sich schon in seiner Reaktion auf Bidens Kommentare zu Brasilien während der US-Präsidentschaftsdebatte gezeigt. Es möge verfrüht erscheinen, über Sanktionen zu spekulieren, die sich aus einer eskalierenden negativen Retourkutschen-Rhetorik ergeben würden, aber dies sei ein ernsthaftes Risiko, das man in Betracht ziehen sollte.
Auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans dürften mehrere Länder, die in Eurasien und im Nahen Osten autoritäre Verhaltensweisen an den Tag legen würden, auch unter der Regierung Bidens Nachteile verzeichnen. Für Russland bedeute der Sieg Bidens zunehmende Spannungen mit den USA. Auch wenn die Beziehungen bereits unter der Trump-Präsidentschaft durch eine Vielzahl von Sanktionen angespannt gewesen seien, sollten die Märkte mit einer restriktiveren Haltung der USA gegenüber Russland rechnen.
Biden vertrete seit langem eine entschlossene Haltung gegenüber Moskau, wie sein Drängen auf Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf die Ukraine-Krise von 2014 zeige. Dennoch werde er wahrscheinlich nicht gleich nach seinem Amtsantritt in die Offensive gehen, da sich die beiden Länder in Verhandlungen über die Verlängerung des Vertrags zur Verringerung strategischer Waffen (START) befinden würden, der derzeit im Februar auslaufe. Die Verhandlungen könnten ein Jahr dauern. Außerdem werde es weniger Anlass geben, Russland aufgrund der Wahleinmischung zu sanktionieren, sollten die Demokraten letztendlich den Senat übernehmen. Darüber hinaus werde Russland nicht die unmittelbare Priorität sein, und es wäre ein Auslöser erforderlich, um neue größere Sanktionen zu rechtfertigen. Ein gemeinsamer Ansatz mit der EU zur Koordination der Umsetzung der Sanktionen gegen Russland sei das wahrscheinlichste Szenario.
Obwohl die Türkei ein strategischer NATO-Verbündeter der USA sei, werde sie unter der künftigen Regierung Biden voraussichtlich verlieren. Mehrere ungelöste Fragen würden die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei belasten, darunter (neben anderen Fragen) der Status des türkischen S400-Raketenabwehrsystems und sein Potenzial, Maßnahmen im Rahmen des Countering America's Adversaries Through Sanctions Act (CAATSA) einzuleiten. Während die Türkei die Einführung des Systems auf unbestimmte Zeit verschoben habe und Präsident Trump davon Abstand genommen habe, sich auf CAATSA zu berufen, könnte die Biden-Präsidentschaft eine andere Haltung einnehmen. Dies gelte insbesondere angesichts der öffentlichen Äußerungen Bidens zu Erdogan als Autokrat. Dennoch werde der Zeitplan der Sanktionen von den Prioritäten der Biden-Regierung und von den künftigen Maßnahmen der Türkei abhängen. (11.11.2020/ac/a/m)
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