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Energiekrise wird Märkte im Winter verunsichern




27.10.21 10:58
NN Investment Partners

Den Haag (www.aktiencheck.de) - Die sich ausweitende Energiekrise ist derzeit einer der größten Belastungsfaktoren für die Märkte - das wird wahrscheinlich den ganzen Winter so bleiben, so Marco Willner, Head of Investment Strategy, Multi Asset, bei NN Investment Partners.

Jahrelange Unterinvestitionen im Öl- und Gassektor, eine starke Nachfrage aufgrund der Wiederbelebung der Wirtschaft und ein begrenztes Angebot, z. B. durch die OPEC, hätten zu einer weltweiten Verknappung verschiedener Energierohstoffe geführt. Europa sei von der Krise am härtesten getroffen worden: Steigende Spannungen im Zusammenhang mit der Nord-Stream-2-Pipeline, zusätzliche Kosten durch das Emissionshandelssystem und verschiedene andere lokale Faktoren.

Darüber hinaus habe Asien die europäische Nachfrage nach US-amerikanischem LNG (flüssiges Erdgas) aushebeln können, sodass Europa zu Beginn der Wintersaison nur über geringe Lagerbestände verfügt habe. Infolgedessen sei der Brent-Ölpreis in diesem Jahr um mehr als 60% gestiegen und der niederländische Erdgasvertrag sogar um mehr als 300%!

Die aktuelle Berichtssaison gebe einen guten Einblick, wie die Firmen auf diese Herausforderung reagieren würden. Die Unternehmen im Öl- und Gassektor hätten größtenteils von dem Preisanstieg profitiert und den Geldsegen für Aktienrückkäufe und höhere Ausschüttungen genutzt. Am anderen Ende der Skala würden einige Unternehmen, z. B. im Chemiesektor und die Aluminiumhersteller, ihre Produktion aufgrund der übermäßig hohen Einkaufspreise drosseln. Der energieintensive Teil der Industrie scheine ebenfalls gefährdet zu sein. Bis jetzt seien einige dieser Geschichten nur anekdotisch, aber sie könnten sich häufen, je länger die Preise hoch bleiben würden.

Die derzeitigen Herausforderungen im Energiesektor würden wahrscheinlich den ganzen Winter über bestehen bleiben. Mögliche Abhilfe könnte ein höheres Öl- und Gasangebot der OPEC-Länder und Russlands schaffen. Die Akteure hätten sich jedoch bisher geweigert, ihr Angebot deutlich zu erhöhen. Die Energiekrise sei eine zusätzliche Sorge zu bereits auf dem Markt herrschenden Befürchtungen: Steigende Inflation, Verlangsamung des Wachstums, insbesondere in China, und Unsicherheit über die fiskalischen Aussichten in den USA. Diese Herausforderungen hätten die Experten veranlasst, ihr Basisszenario für 2022 als "unruhige Gewässer" zu bezeichnen.

Gleichzeitig würden die Experten davon ausgehen, dass die Märkte im nächsten Jahr von anderen Faktoren gestützt würden: Das Thema Wiedereröffnung der Wirtschaft könnte einen weiteren Aufschwung erfahren, eine expansive Geldpolitik, selbst im Falle einer anfänglichen Straffung, ein zusätzliches Öl- und Gasangebot, der US-Kongress könnte schließlich eine überarbeitete Version des Biden-Plans verabschieden und die Unterbrechungen der Lieferkette könnten mit der Zeit allmählich abklingen. Die kommenden Monate dürften volatil sein, aber das nächste Jahr könnte letztlich positiv überraschen. (27.10.2021/ac/a/m)







 
 
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