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Hamburg (www.aktiencheck.de) - Am 13. Juni kam es zu mehreren israelischen Luftangriffen auf iranisches Territorium, bei denen auch Nuklearanlagen beschädigt wurden, so die Hamburg Commercial Bank.
In den folgenden Tagen habe der Konflikt weiter eskaliert: Beide Seiten hätten sich mit wechselseitigen Angriffen überzogen - der Iran habe unter anderem Haifa und Tel Aviv angegriffen, während Israel erneut Ziele in Teheran, Isfahan und Mashhad bombardiert habe.
Als unmittelbare Reaktion des ersten israelischen Angriffs seien die Ölpreise am 13. Juni um mehr als 10% in die Höhe geschnellt. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent habe zeitweise bei etwa 77,46 USD notiert, nachdem dieser am Donnerstag noch unter der Marke von 70 USD gelegen habe. Am Morgen des 16. Juni habe der Brent-Preis bei etwa 74 USD notiert.
Vor dem Hintergrund der israelischen Angriffe und den Gegenschlägen seien die Atomgespräche zwischen dem Iran und den USA, deren sechste Runde am 14./15. Juni beginnen sollte, bis auf Weiteres abgesagt worden. Ein erfolgreicher Abschluss hätte möglicherweise zu einer Lockerung der US-Sanktionen geführt und den Weg für zusätzliche iranische Ölexporte geebnet. Diese Aussicht sei nun vom Tisch.
Mit dem Krieg zwischen Israel und dem Iran habe die Wahrscheinlichkeit zugenommen, dass es zu Versorgungsengpässen komme. Dies könne auf verschiedenen Wegen passieren:
- Blockade oder Behinderung von Tankern an der Straße von Hormus, durch die 20% des weltweit geförderten Öls transportiert werde. Trotz Drohungen sei den Iran diesen Schritt in der letzten Konsequenz auch während des Iran-Irak-Kriegs nicht gegangen.
- Angriffe des Irans auf Ölfazilitäten in der Region, etwa in Saudi-Arabien. Grundsätzlich hätten sich der Iran und Saudi-Arabien in den vergangenen Monaten etwas angenähert. 2019 habe der Iran jedoch die Ölanlage Abqaiq und das Ölfeld Churais angegriffen.
- Angriffe auf US-Militärstützpunkte in der Region. Mit diesem Schritt würde der Iran die USA in den Krieg mit hineinziehen. Die meisten Beobachter würden davon ausgehen, dass dies nicht im Interesse Irans sei, zumal Präsident Donald Trump für diesen Fall mit massivsten Vergeltungsschlägen gedroht habe.
- Die USA und andere OECD-Länder könnten im Fall einer Blockade der Straße von Hormus zwar strategische Ölreserven freigeben, um einem weiteren Preisanstieg abzupuffern. Solche Maßnahmen würden jedoch nur kurzfristig stabilisierend wirken und könnten strukturelle Angebotsengpässe nicht dauerhaft kompensieren.
Keines der oben beschriebenen Szenarien halte die Hamburg Commercial Bank für sehr wahrscheinlich, aber die Wahrscheinlichkeit für eines oder mehrerer dieser Szenarien sei nunmehr erheblich gestiegen. Der Ölpreis könne in diesen Fällen ohne Weiteres auf 100 US-Dollar Barrel Brent steigen.
Im Mai habe sich die Rohölproduktion der OPEC+ insgesamt auf 35,79 Mio. Barrel/Tag belaufen. Davon hätten die OPEC-9 rund 21,62 Mio. Barrel/Tag gefördert, während weitere 14,17 Mio. Barrel/Tag von den OPEC-Partnern beigesteuert worden seien. Trotz geplanter Produktionsausweitungen sei der tatsächliche Anstieg hinter den Erwartungen zurückgeblieben: Die OPEC-9 hätten ihre Förderung nur um rund 200.000 Barrel/Tag erhöht, etwa die Hälfte weniger als ursprünglich beschlossen.
Am 3. und 31. Mai 2025 hätten Treffen der acht OPEC+-Länder stattgefunden, die seit 2023 freiwillige Produktionskürzungen vorgenommen hätten - darunter Saudi-Arabien, Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate. Ziel dieser Treffen sei es gewesen, die nächsten Schritte zur schrittweisen Rücknahme der Kürzungen abzustimmen. Für Juni und Juli 2025 seien Produktionsausweitung um jeweils 411.000 Barrel/Tag beschlossen worden.
Ob die OPEC die geplanten Produktionsausweitungen angesichts der geopolitischen Entwicklungen umsetzen werde, sei fraglich. Sollte es infolge der Eskalation im Nahen Osten zu einer Blockade der Straße von Hormus kommen, wären zentrale OPEC+-Länder wie Saudi-Arabien, der Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait physisch nicht mehr in der Lage, ihre Fördermengen wie geplant zu exportieren. Da die Lagerkapazitäten begrenzt seien und eine dauerhafte Einlagerung wirtschaftlich kaum tragfähig sei müssten diese Länder ihre Produktion faktisch drosseln - unabhängig von den kommunizierten Quoten.
Am 28. Mai habe zudem die 39. Ministerielle Sitzung der OPEC+ stattgefunden. Dabei hätten die Mitgliedsstaaten die auf dem vorherigen Treffen (38. Sitzung) vereinbarten "echten" Produktionsziele bestätigt - also jene ohne Berücksichtigung freiwilliger Zusatzkürzungen oder Kompensationsmaßnahmen - und beschlossen, diese bis Ende 2026 beizubehalten.
Das nächste reguläre Treffen der OPEC+ mit allen Mitgliedstaaten sei für den 30. November 2025 angesetzt. Die acht Länder, die zuvor ihre Quoten gekürzt hätten, würden sich bereits am 6. Juli 2025 treffen, um über die Quoten für August zu entscheiden. (17.06.2025/ac/a/m)
In den folgenden Tagen habe der Konflikt weiter eskaliert: Beide Seiten hätten sich mit wechselseitigen Angriffen überzogen - der Iran habe unter anderem Haifa und Tel Aviv angegriffen, während Israel erneut Ziele in Teheran, Isfahan und Mashhad bombardiert habe.
Als unmittelbare Reaktion des ersten israelischen Angriffs seien die Ölpreise am 13. Juni um mehr als 10% in die Höhe geschnellt. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent habe zeitweise bei etwa 77,46 USD notiert, nachdem dieser am Donnerstag noch unter der Marke von 70 USD gelegen habe. Am Morgen des 16. Juni habe der Brent-Preis bei etwa 74 USD notiert.
Vor dem Hintergrund der israelischen Angriffe und den Gegenschlägen seien die Atomgespräche zwischen dem Iran und den USA, deren sechste Runde am 14./15. Juni beginnen sollte, bis auf Weiteres abgesagt worden. Ein erfolgreicher Abschluss hätte möglicherweise zu einer Lockerung der US-Sanktionen geführt und den Weg für zusätzliche iranische Ölexporte geebnet. Diese Aussicht sei nun vom Tisch.
Mit dem Krieg zwischen Israel und dem Iran habe die Wahrscheinlichkeit zugenommen, dass es zu Versorgungsengpässen komme. Dies könne auf verschiedenen Wegen passieren:
- Blockade oder Behinderung von Tankern an der Straße von Hormus, durch die 20% des weltweit geförderten Öls transportiert werde. Trotz Drohungen sei den Iran diesen Schritt in der letzten Konsequenz auch während des Iran-Irak-Kriegs nicht gegangen.
- Angriffe des Irans auf Ölfazilitäten in der Region, etwa in Saudi-Arabien. Grundsätzlich hätten sich der Iran und Saudi-Arabien in den vergangenen Monaten etwas angenähert. 2019 habe der Iran jedoch die Ölanlage Abqaiq und das Ölfeld Churais angegriffen.
- Die USA und andere OECD-Länder könnten im Fall einer Blockade der Straße von Hormus zwar strategische Ölreserven freigeben, um einem weiteren Preisanstieg abzupuffern. Solche Maßnahmen würden jedoch nur kurzfristig stabilisierend wirken und könnten strukturelle Angebotsengpässe nicht dauerhaft kompensieren.
Keines der oben beschriebenen Szenarien halte die Hamburg Commercial Bank für sehr wahrscheinlich, aber die Wahrscheinlichkeit für eines oder mehrerer dieser Szenarien sei nunmehr erheblich gestiegen. Der Ölpreis könne in diesen Fällen ohne Weiteres auf 100 US-Dollar Barrel Brent steigen.
Im Mai habe sich die Rohölproduktion der OPEC+ insgesamt auf 35,79 Mio. Barrel/Tag belaufen. Davon hätten die OPEC-9 rund 21,62 Mio. Barrel/Tag gefördert, während weitere 14,17 Mio. Barrel/Tag von den OPEC-Partnern beigesteuert worden seien. Trotz geplanter Produktionsausweitungen sei der tatsächliche Anstieg hinter den Erwartungen zurückgeblieben: Die OPEC-9 hätten ihre Förderung nur um rund 200.000 Barrel/Tag erhöht, etwa die Hälfte weniger als ursprünglich beschlossen.
Am 3. und 31. Mai 2025 hätten Treffen der acht OPEC+-Länder stattgefunden, die seit 2023 freiwillige Produktionskürzungen vorgenommen hätten - darunter Saudi-Arabien, Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate. Ziel dieser Treffen sei es gewesen, die nächsten Schritte zur schrittweisen Rücknahme der Kürzungen abzustimmen. Für Juni und Juli 2025 seien Produktionsausweitung um jeweils 411.000 Barrel/Tag beschlossen worden.
Ob die OPEC die geplanten Produktionsausweitungen angesichts der geopolitischen Entwicklungen umsetzen werde, sei fraglich. Sollte es infolge der Eskalation im Nahen Osten zu einer Blockade der Straße von Hormus kommen, wären zentrale OPEC+-Länder wie Saudi-Arabien, der Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait physisch nicht mehr in der Lage, ihre Fördermengen wie geplant zu exportieren. Da die Lagerkapazitäten begrenzt seien und eine dauerhafte Einlagerung wirtschaftlich kaum tragfähig sei müssten diese Länder ihre Produktion faktisch drosseln - unabhängig von den kommunizierten Quoten.
Am 28. Mai habe zudem die 39. Ministerielle Sitzung der OPEC+ stattgefunden. Dabei hätten die Mitgliedsstaaten die auf dem vorherigen Treffen (38. Sitzung) vereinbarten "echten" Produktionsziele bestätigt - also jene ohne Berücksichtigung freiwilliger Zusatzkürzungen oder Kompensationsmaßnahmen - und beschlossen, diese bis Ende 2026 beizubehalten.
Das nächste reguläre Treffen der OPEC+ mit allen Mitgliedstaaten sei für den 30. November 2025 angesetzt. Die acht Länder, die zuvor ihre Quoten gekürzt hätten, würden sich bereits am 6. Juli 2025 treffen, um über die Quoten für August zu entscheiden. (17.06.2025/ac/a/m)
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