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Die Büchse der Pandora




18.07.22 16:05
fairesearch

Frankfurt (www.aktiencheck.de) - Mit dem Öffnen der Büchse der Pandora brach nach der griechischen Mythologie alles Schlechte über die Welt herein, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Daran erinnere die gegenwärtige Lage der Weltwirtschaft: Pandemie, Krieg, Hungersnot, Inflation, Konjunkturabschwächung, internationale Verschuldung, Ratlosigkeit der Zentralbanken, Überbevölkerung, Massenflucht, Klimawandel und noch einiges mehr.

Heutzutage sei das "Öffnen der Büchse der Pandora" der Inbegriff für das Stiften nicht wiedergutzumachenden Unheils. Diesen Weg hätten zunächst die wichtigsten Zentralbanken der Welt mit ZIRP, NIRP und ihrem Beschluss beschritten, in hohem Maße Staatsanleihen und/oder Pfandbriefe am Markt zu kaufen (QE) und so frisch gedrucktes Geld in die Märkte zu schleusen. Das Unheil, das die Zentralbanken über die Welt mit diesen Maßnahmen gebracht hätten, seien die jetzt zu Tage tretenden Inflationsgefahren, die wahrscheinlich nicht wieder gutzumachen seien. Beispiel: US Produzentenpreise im Juni +11,3% gegenüber Vorjahr.

Der Weg der Staatsfinanzierung durch die Banknotenpresse werde mit dem wissenschaftlich fundiert klingenden Begriff "quantitative Lockerungen" (QE) bezeichnet. Tatsächlich aber würden die Notenbanken ihre Unabhängigkeit aufgeben und sich in den Dienst der Finanzpolitik stellen. Diese aber folge schon seit Jahrzehnten einem Weg des geringsten Widerstandes mit ständig steigenden Haushaltsdefiziten. So habe in den Industrieländern die öffentliche Verschuldung einen Höchststand erreicht. Ebenso der Schuldendienst (Tilgungen + Sollzinszahlungen), der inzwischen so absurd groß geworden sei, dass er zu den wichtigsten Posten des Staatshaushaltes zähle und die Finanzpolitik handlungsunfähig mache.

Wegen der Konjunkturflaute würden sie neue Schulden machen und die Notenbanken zu QE zwingen. Steigende Inflationsgefahren würden in Kauf genommen. Sie würden in realer Rechnung die Schulden vermindern. Die Zeche müssten Anleger mit ihren Spareinlagen und Festverzinslichen zahlen. Erst jetzt hätten die Notenbanken QE eingestellt und begonnen, Leitzinsen zu erhöhen, bzw. erste Erhöhungen angekündigt.

Wichtigste Aufgabe der Finanzmärkte sei es, mithilfe des Marktregulators Zins einen Ausgleich zu finden zwischen Kapitalangebot und -nachfrage. Dann würden die Mittel am optimalsten in produktive und langfristig Erfolg versprechende Investitionen fließen. Doch diese Funktion des Marktes sei immer noch aufgehoben. Die Renditen böten nicht einmal mehr einen Ausgleich für die Inflationsrate. Banken könnten "faule Kredite" zum Nullzinssatz finanzieren, ohne sie abschreiben zu müssen. Wenn es so "billig" sei, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes. Einsparungen oder Steuererhöhungen zur Sanierung des Staatshaushaltes seien politisch viel schwieriger zu erreichen.

Motor des Wirtschaftswachstums seien nicht Ersparnisse und Investitionen, sondern der Staatsverbrauch, der von den Notenbanken zum "Nulltarif" durch den Ankauf von Staatsanleihen (QE) finanziert werde. Jetzt würden die Zentralbanken diese ultra-expansive Geldpolitik beenden wollen. Allerdings würden sie sich mit diesem Plan in einer argen Zwickmühle befinden. Einerseits würden den hochverschuldeten Staatshaushalten bei der Neuverschuldung und bei Umschuldungen höhere Soll-Zinsen drohen, andererseits komme die Wende in der Geldpolitik zu einem Zeitpunkt, bei dem sich schon eine Abschwächung der Weltkonjunktur abzeichne. Dies würden die Konjunkturfrühindikatoren der OECD weltweit signalisieren. Die "Büchse der Pandora" wirke unerbittlich.

Bevorstehende Leitzinserhöhungen und eine sich abzeichnende Abschwächung der Weltkonjunktur würden bei Investitionen an den Finanzmärkten erhöhte Vorsicht erfordern. Liquidität bleibe Trumpf. An den Aktienmärkten konsequent auf erneuerbare Energien setzen, rät Dr. Eberhardt Unger. (18.07.2022/ac/a/m)








 
 
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