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Brüssel (www.aktiencheck.de) - Während die chinesische Regierung begonnen hat, mit einer Reihe von geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen den Deflationsdruck zu bekämpfen und daran arbeitet, den Binnenmarkt zu stärken, haben die US-Wahlen am 5. November das Potenzial, den Handelskonflikt zwischen den Ländern wieder aufflammen zu lassen, so die Experten von Candriam.
In ihrem Kommentar würden Christopher Mey, Head of Emerging Market Credit, und Paulo Salazar, Head of Emerging Markets Equity bei Candriam, die möglichen Auswirkungen des Wahlergebnisses auf die chinesische Wirtschaft erläutern.
Die chinesischen Behörden hätten begonnen, mit einer Reihe von geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen den Deflationsdruck zu bekämpfen. Damit signalisierten sie, wie wichtig es sei, die Wirtschaft zu stabilisieren. Diese Maßnahmen seien zwar ein Schritt in die richtige Richtung, reichten jedoch nicht aus, um dieses Ziel vollständig zu erreichen. Während China daran arbeite, den Immobiliensektor zu stärken und das Binnenwachstum anzukurbeln, hätten die US-Wahlen das Potenzial, den Handelskonflikt zwischen den Ländern wieder aufflammen zu lassen - das könnte zu neuen Zöllen und einer Abwertung der chinesischen Währung führen. Die Aktienselektion werde in China daher immer wichtiger.
Die jüngsten Stimulierungsmaßnahmen hätten eine rasante Rallye an den chinesischen Aktienmärkten ausgelöst, die zuvor unterdurchschnittlich abgeschnitten hätten und deutlich unterbewertet gewesen seien. Trotz eines Anstiegs von 40 Prozent seit dem Tiefpunkt im September bestehe noch Spielraum für weitere Kurssteigerungen, falls China seine Abwärtsspirale umkehren könne. Für diesen Optimismus sprächen mehrere Faktoren:
- Chinesische Aktien würden im Vergleich zu den US-Märkten auf Dekadentiefs gehandelt, was Raum für eine Neubewertung biete (siehe Abbildung).
- Historisch gesehen profitiere China von niedrigen Zinsen in den USA.
- Der Wiederanstieg auf historische Niveaus sei in erster Linie auf eine Neubewertung des Marktes und nicht auf Gewinnrevisionen nach oben zurückzuführen. Obwohl es an konkreten Verbesserungen bei den Erträgen fehle und es für Schätzungen noch zu früh sei, glaubten die Autoren, dass langfristige Anleger konstruktiver würden und zunehmend Vertrauen in eine potenzielle strukturelle Wende hätten.
- Die Marktteilnehmer konzentrierten sich zunehmend auf die Möglichkeit tiefgreifender Reformen und stärkerer Unterstützung durch die Regierung, was die Voraussetzungen für nachhaltiges Wirtschaftswachstum und einen weiteren Marktaufschwung schaffen könnte.
Um die Deflation zu beenden und die langfristige wirtschaftliche Erholung zu fördern, sei ein größerer Einsatz der Zentralregierung erforderlich, wobei die Kosten in den nächsten Jahren möglicherweise einige Billionen Renminbi übersteigen würden. Die wirksame Umsetzung dieser Maßnahmen sei von entscheidender Bedeutung. Peking solle auf die Verbraucherausgaben, die weitere Unterstützung des Immobilienmarktes und Strukturreformen abzielen, insbesondere auf solche, die die Beschäftigungsbedingungen verbesserten.
Die US-Präsidentschaftswahlen am 5. November würden Auswirkungen auf China haben. Sowohl Demokraten als auch Republikaner hätten erkannt, wie wichtig es sei, das Handelsdefizit mit China zu verringern und die Abhängigkeit von chinesischen Importen zu reduzieren. Im Jahr 2018 habe Trump Zölle in Höhe von 25 Prozent auf einige Waren verhängt, die unter der Biden-Regierung beibehalten worden seien. Sowohl Trump als auch Harris wollten sich weiterhin mit den chinesischen Handelsungleichgewichten und der nationalen Sicherheit befassen, hätten dafür aber unterschiedliche Ansätze.
Unter einer Trump-Regierung könnten die Zölle auf chinesische Waren auf bis zu 60 Prozent ansteigen und möglicherweise auf andere Länder wie Vietnam ausgeweitet werden, auch wenn es schwierig werden könnte, diese Zölle durchzusetzen. Chinas ohnehin schon schwache, exportorientierte Wirtschaft würde das weiter unter Druck setzen. Trump werde gegenüber dem Land der Mitte wahrscheinlich aggressiver in Worten und Taten auftreten als in der Vergangenheit und damit signalisieren, dass der Handelskrieg noch nicht vorbei sei. Dies könnte für zusätzlichen Gegenwind für chinesische Unternehmen sorgen, da sich die Verfügbarkeit internationaler Finanzmittel in diesem Fall verschlechtern dürfte.
Während die Einführung von Zöllen zu höheren Fiskalausgaben seitens der chinesischen Regierung führen dürfte, müsse ein zukünftiger Anstieg der Emission internationaler Staatsanleihen durch China berücksichtigt werden. Daher rechneten die Autoren mit einem moderaten Anstieg der Renditen von Dollar-Anleihen, auch wenn ihrer Analyse zufolge ein etwaiger Anstieg wahrscheinlich durch die starke außenwirtschaftliche Position Chinas begrenzt werde.
Eine Harris-Administration würde wahrscheinlich den aktuellen, risikomindernden Ansatz beibehalten - eine vorhersehbare, schrittweise erfolgende Strategie zum Schutz der amerikanischen Interessen -, statt eine umfassende Abkopplung zu verfolgen. Während es wahrscheinlich keine neuen Zölle geben werde, würde sie weiterhin strategische Sektoren wie Technologie und Halbleiter ins Visier nehmen und Chinas High-Tech-Industrie unter Druck setzen.
China habe sich jedoch aktiv auf mögliche Zölle vorbereitet, indem das Land seine Handelspartnerschaften von den USA weg diversifiziert habe. Der Handel zwischen China und anderen Schwellenländern habe einen historischen Höchststand erreicht, was deutlich zeige, dass sich die Regionen stärker miteinander verflechteten. Auch solle die Anpassungsfähigkeit chinesischer Unternehmen nicht unterschätzt werden, da viele von ihnen alternative Vertriebskanäle effektiv nutzten und ihre Netzwerke erweiterten, um sicherzustellen, dass sie ihre Endkunden trotz des Drucks von außen weiterhin erreichten.
Die fiskalischen Impulse könnten zu einer allmählichen Schwächung des chinesischen Renminbis führen, da eine solche expansive Geldpolitik wahrscheinlich zu einer erhöhten Inflation führen werde. Die Gesamtauswirkungen auf das chinesische Preisniveau würden davon abhängen, wie sich die Konjunkturmaßnahmen auf die chinesische Wirtschaft insgesamt auswirkten.
In naher Zukunft könnte ein Sieg Trumps zu einem deutlich schwächeren Renminbi führen, da die Märkte die Aussicht auf höhere US-Zölle einpreisten. Ein Sieg von Harris hingegen könnte zu einer allmählichen Verschlechterung des amerikanisch-chinesischen Handels führen und der Währung über einen längeren Zeitraum hinweg schaden. Die Renditen lokaler chinesischer Staatsanleihen seien im Vergleich zu anderen Anleihemärkten weiterhin sehr niedrig. Daher dürfte der chinesische Markt für lokale Staatsanleihen weiterhin eine beliebte Untergewichtung für Anleger bleiben, die sich an globalen Benchmarks für Lokalwährungen in Schwellenländern orientierten. Da die Renditen nur wenig Spielraum für einen weiteren Rückgang hätten, sähen die Autoren die bevorstehende Erhöhung der Haushaltsausgaben als wahrscheinlichen Katalysator, der die Renditen vom derzeit niedrigen Niveau nach oben treiben werde.
Taiwan sei zwar kein Thema in den US-Wahlen, solle aber für den neuen Präsidenten ein geopolitisches Anliegen sein. Wenn Trump neue Zölle verhänge und die chinesische Wirtschaft in einer Deflationsspirale bleibe, könnte der Wunsch, die Insel zurückzuerobern, dringlicher werden. Die Reaktion der US-Regierung werde von den chinesisch-amerikanischen Beziehungen, der Art und Weise, wie die US-Führung auf die Probe gestellt werde, und den Entwicklungen in der Welt abhängen.
Unabhängig davon, wer die US-Wahl gewinne, werde die Aktienauswahl in China immer wichtiger. Der jüngste Aufwärtstrend an den Märkten hänge davon ab, ob die geldpolitischen und umfangreichen fiskalischen Anreize sowie die Strukturreformen für die Arbeitsmärkte und den Immobiliensektor weiterverfolgt und wirksam umgesetzt würden. Dies könnte dazu beitragen, die Wirtschaftsbedingungen für chinesische Unternehmen und Verbraucher zu verbessern.
Darüber hinaus stelle die wirtschaftliche Entkopplung eine große Herausforderung für Chinas Wirtschaftsaussichten dar, biete aber auch Investitionsmöglichkeiten. Die chinesische Politik der "neuen Produktionskräfte" lege den Schwerpunkt auf den Ausbau strategischer Sektoren wie Technologie, grüne Energie und die fortschrittliche Fertigung als Teil der langfristigen wirtschaftlichen Umstrukturierung des Landes. Da diese Politik darauf abziele, Autarkie und Innovation zu fördern, sei es jetzt entscheidend für Anleger, ihre Investitionen an diesen politischen Entwicklungen auszurichten, um die Wachstumschancen zu nutzen. Investoren sollten sich deshalb auf Sektoren konzentrieren, die von der Regierung aktiv unterstützt würden. (23.10.2024/ac/a/m)
In ihrem Kommentar würden Christopher Mey, Head of Emerging Market Credit, und Paulo Salazar, Head of Emerging Markets Equity bei Candriam, die möglichen Auswirkungen des Wahlergebnisses auf die chinesische Wirtschaft erläutern.
Die chinesischen Behörden hätten begonnen, mit einer Reihe von geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen den Deflationsdruck zu bekämpfen. Damit signalisierten sie, wie wichtig es sei, die Wirtschaft zu stabilisieren. Diese Maßnahmen seien zwar ein Schritt in die richtige Richtung, reichten jedoch nicht aus, um dieses Ziel vollständig zu erreichen. Während China daran arbeite, den Immobiliensektor zu stärken und das Binnenwachstum anzukurbeln, hätten die US-Wahlen das Potenzial, den Handelskonflikt zwischen den Ländern wieder aufflammen zu lassen - das könnte zu neuen Zöllen und einer Abwertung der chinesischen Währung führen. Die Aktienselektion werde in China daher immer wichtiger.
Die jüngsten Stimulierungsmaßnahmen hätten eine rasante Rallye an den chinesischen Aktienmärkten ausgelöst, die zuvor unterdurchschnittlich abgeschnitten hätten und deutlich unterbewertet gewesen seien. Trotz eines Anstiegs von 40 Prozent seit dem Tiefpunkt im September bestehe noch Spielraum für weitere Kurssteigerungen, falls China seine Abwärtsspirale umkehren könne. Für diesen Optimismus sprächen mehrere Faktoren:
- Chinesische Aktien würden im Vergleich zu den US-Märkten auf Dekadentiefs gehandelt, was Raum für eine Neubewertung biete (siehe Abbildung).
- Historisch gesehen profitiere China von niedrigen Zinsen in den USA.
- Der Wiederanstieg auf historische Niveaus sei in erster Linie auf eine Neubewertung des Marktes und nicht auf Gewinnrevisionen nach oben zurückzuführen. Obwohl es an konkreten Verbesserungen bei den Erträgen fehle und es für Schätzungen noch zu früh sei, glaubten die Autoren, dass langfristige Anleger konstruktiver würden und zunehmend Vertrauen in eine potenzielle strukturelle Wende hätten.
- Die Marktteilnehmer konzentrierten sich zunehmend auf die Möglichkeit tiefgreifender Reformen und stärkerer Unterstützung durch die Regierung, was die Voraussetzungen für nachhaltiges Wirtschaftswachstum und einen weiteren Marktaufschwung schaffen könnte.
Um die Deflation zu beenden und die langfristige wirtschaftliche Erholung zu fördern, sei ein größerer Einsatz der Zentralregierung erforderlich, wobei die Kosten in den nächsten Jahren möglicherweise einige Billionen Renminbi übersteigen würden. Die wirksame Umsetzung dieser Maßnahmen sei von entscheidender Bedeutung. Peking solle auf die Verbraucherausgaben, die weitere Unterstützung des Immobilienmarktes und Strukturreformen abzielen, insbesondere auf solche, die die Beschäftigungsbedingungen verbesserten.
Unter einer Trump-Regierung könnten die Zölle auf chinesische Waren auf bis zu 60 Prozent ansteigen und möglicherweise auf andere Länder wie Vietnam ausgeweitet werden, auch wenn es schwierig werden könnte, diese Zölle durchzusetzen. Chinas ohnehin schon schwache, exportorientierte Wirtschaft würde das weiter unter Druck setzen. Trump werde gegenüber dem Land der Mitte wahrscheinlich aggressiver in Worten und Taten auftreten als in der Vergangenheit und damit signalisieren, dass der Handelskrieg noch nicht vorbei sei. Dies könnte für zusätzlichen Gegenwind für chinesische Unternehmen sorgen, da sich die Verfügbarkeit internationaler Finanzmittel in diesem Fall verschlechtern dürfte.
Während die Einführung von Zöllen zu höheren Fiskalausgaben seitens der chinesischen Regierung führen dürfte, müsse ein zukünftiger Anstieg der Emission internationaler Staatsanleihen durch China berücksichtigt werden. Daher rechneten die Autoren mit einem moderaten Anstieg der Renditen von Dollar-Anleihen, auch wenn ihrer Analyse zufolge ein etwaiger Anstieg wahrscheinlich durch die starke außenwirtschaftliche Position Chinas begrenzt werde.
Eine Harris-Administration würde wahrscheinlich den aktuellen, risikomindernden Ansatz beibehalten - eine vorhersehbare, schrittweise erfolgende Strategie zum Schutz der amerikanischen Interessen -, statt eine umfassende Abkopplung zu verfolgen. Während es wahrscheinlich keine neuen Zölle geben werde, würde sie weiterhin strategische Sektoren wie Technologie und Halbleiter ins Visier nehmen und Chinas High-Tech-Industrie unter Druck setzen.
China habe sich jedoch aktiv auf mögliche Zölle vorbereitet, indem das Land seine Handelspartnerschaften von den USA weg diversifiziert habe. Der Handel zwischen China und anderen Schwellenländern habe einen historischen Höchststand erreicht, was deutlich zeige, dass sich die Regionen stärker miteinander verflechteten. Auch solle die Anpassungsfähigkeit chinesischer Unternehmen nicht unterschätzt werden, da viele von ihnen alternative Vertriebskanäle effektiv nutzten und ihre Netzwerke erweiterten, um sicherzustellen, dass sie ihre Endkunden trotz des Drucks von außen weiterhin erreichten.
Die fiskalischen Impulse könnten zu einer allmählichen Schwächung des chinesischen Renminbis führen, da eine solche expansive Geldpolitik wahrscheinlich zu einer erhöhten Inflation führen werde. Die Gesamtauswirkungen auf das chinesische Preisniveau würden davon abhängen, wie sich die Konjunkturmaßnahmen auf die chinesische Wirtschaft insgesamt auswirkten.
In naher Zukunft könnte ein Sieg Trumps zu einem deutlich schwächeren Renminbi führen, da die Märkte die Aussicht auf höhere US-Zölle einpreisten. Ein Sieg von Harris hingegen könnte zu einer allmählichen Verschlechterung des amerikanisch-chinesischen Handels führen und der Währung über einen längeren Zeitraum hinweg schaden. Die Renditen lokaler chinesischer Staatsanleihen seien im Vergleich zu anderen Anleihemärkten weiterhin sehr niedrig. Daher dürfte der chinesische Markt für lokale Staatsanleihen weiterhin eine beliebte Untergewichtung für Anleger bleiben, die sich an globalen Benchmarks für Lokalwährungen in Schwellenländern orientierten. Da die Renditen nur wenig Spielraum für einen weiteren Rückgang hätten, sähen die Autoren die bevorstehende Erhöhung der Haushaltsausgaben als wahrscheinlichen Katalysator, der die Renditen vom derzeit niedrigen Niveau nach oben treiben werde.
Taiwan sei zwar kein Thema in den US-Wahlen, solle aber für den neuen Präsidenten ein geopolitisches Anliegen sein. Wenn Trump neue Zölle verhänge und die chinesische Wirtschaft in einer Deflationsspirale bleibe, könnte der Wunsch, die Insel zurückzuerobern, dringlicher werden. Die Reaktion der US-Regierung werde von den chinesisch-amerikanischen Beziehungen, der Art und Weise, wie die US-Führung auf die Probe gestellt werde, und den Entwicklungen in der Welt abhängen.
Unabhängig davon, wer die US-Wahl gewinne, werde die Aktienauswahl in China immer wichtiger. Der jüngste Aufwärtstrend an den Märkten hänge davon ab, ob die geldpolitischen und umfangreichen fiskalischen Anreize sowie die Strukturreformen für die Arbeitsmärkte und den Immobiliensektor weiterverfolgt und wirksam umgesetzt würden. Dies könnte dazu beitragen, die Wirtschaftsbedingungen für chinesische Unternehmen und Verbraucher zu verbessern.
Darüber hinaus stelle die wirtschaftliche Entkopplung eine große Herausforderung für Chinas Wirtschaftsaussichten dar, biete aber auch Investitionsmöglichkeiten. Die chinesische Politik der "neuen Produktionskräfte" lege den Schwerpunkt auf den Ausbau strategischer Sektoren wie Technologie, grüne Energie und die fortschrittliche Fertigung als Teil der langfristigen wirtschaftlichen Umstrukturierung des Landes. Da diese Politik darauf abziele, Autarkie und Innovation zu fördern, sei es jetzt entscheidend für Anleger, ihre Investitionen an diesen politischen Entwicklungen auszurichten, um die Wachstumschancen zu nutzen. Investoren sollten sich deshalb auf Sektoren konzentrieren, die von der Regierung aktiv unterstützt würden. (23.10.2024/ac/a/m)
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