Erweiterte Funktionen


"AI Anxiety" - siegt Optimismus oder Pessimismus?




20.02.26 13:15
RBC BlueBay Asset Management

London (www.aktiencheck.de) - Letztes Jahr war die KI-Stimmung noch besser, doch inzwischen werden die Untergangspropheten lauter, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.

Sei das Ende nah? Von etwaigen Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine bis hin zu den Zukunftsaussichten für Weltstädte wie New York und Singapur - niemand könne aktuell vorhersagen, was KI in Zukunft leisten werde. Die Warnung vor der Übernahme aller Bürojobs innerhalb weniger Jahre klinge allerdings eher alarmistisch.

Fallende Aktienkurse zu Beginn der Woche hätten zu höheren Treasury-Gewinnen geführt. Im Laufe der Woche habe sich diese Preisentwicklung jedoch umgekehrt, sodass die US-Renditen weiterhin komfortabel innerhalb der jüngsten, wenig volatilen Handelsspanne lägen. Unterdessen habe sich die Kurve der US-Staatsanleihen in den letzten Wochen etwas abgeflacht, was der Konsenspositionierung der Anleger zuwiderlaufe, da es keinen neuen Katalysator gebe, der die Kurve weiter steiler werden lasse.

Wie wir bereits zuvor festgestellt hätten, sei eine deutlich steilere Zinsstrukturkurve nur in einem Szenario wahrscheinlich, in dem die FED die Zinsen aggressiver senke, als es die Märkte derzeit einpreisen würden. Da jedoch das Protokoll der FED-Sitzung dieser Woche Fragen hinsichtlich einer zusätzlichen Lockerung der Geldpolitik aufwerfe, gehe RBC BlueBay Asset Management davon aus, dass sich die Markterwartungen hinsichtlich zweier Zinssenkungen durch die US-Notenbank im Jahr 2026 nur aufgrund signifikanterer Korrekturen der wirtschaftlichen Entwicklung anpassen würden.

Da sich die allgemeinen Bewertungsniveaus derzeit kaum verändern würden, konzentriere sich das Augenmerk der Anleger in letzter Zeit vor allem auf die Aktien- und Anleihemärkte, während die KI-Debatte weiterhin die Diskussionsforen dominiere. Verschärft worden sei sie in den letzten Wochen durch den Essay "The Adolescence of Technology" von Dario Amodei, CEO von Anthropic, aus dem Januar. Er sehe die Zivilisation bedroht und fürchte gravierende Umbrüche, wenn KI-Plattformen in den nächsten ein bis fünf Jahren möglicherweise einen Großteil der Bürojobs ersetzen würden.

Der Essay und die danach angekündigten Fortschritte bei Claude Code hätten eine existenzielle Debatte über einen bedeutenden Teil des Software-Sektors ausgelöst, der im letzten Monat rund zwei Billionen US-Dollar im Marktkapitalisierung eingebüßt habe. Derzeit werde spekuliert, dass sich der Stellenabbau in allen Bereichen der Professional Services beschleunigen werde, was die Nachfrage in allen möglichen Wirtschaftssektoren beeinflussen werde. Sogar die Zukunft von Städten wie London, New York oder Singapur stehe in Frage, da sie besonders stark von Dienstleistungsarbeitsplätzen abhängig seien.

Angesichts dieser neuen düsteren Einschätzungen habe RBC BlueBay Asset Management allerdings den Eindruck, dass der KI-Pessimismus zum Teil übertrieben sei. Möglicherweise spiegele die Stimmung auch das miserable Winterwetter wider. Nichtsdestotrotz hätten wir es mit einem sehr unsicheren und schwierigen Investmentumfeld zu tun, und die Bewertung würden sich auf relativ hohem Niveau bewegen. Letztlich könnte sich die Nutzung von KI zu einem wichtigen disinflationären Motor entwickeln. Es sei jedoch möglich, dass wir dafür noch für einige Zeit keine Anzeichen sehen würden.

Aufgrund dieser makroökonomischen Unsicherheiten behalte RBC BlueBay Asset Management einen neutralen Ausblick für US-Staatsanleihen und Investment-Grade-Unternehmensanleihen bei. In Europa halte man niedrigere Inflationsraten in naher Zukunft für wahrscheinlicher. Bundesanleihen dürften sich dabei eher seitwärts bewegen, da steigende Militärausgaben die Staatshaushalte und das Angebot an Staatsanleihen belasten würden. RBC BlueBay Asset Management erwarte, dass die EZB an ihrer geldpolitischen Linie festhalte - die Frage, wer auf Christine Lagarde als EZB-Präsidentin oder -Präsident folgen werde, dürfte die Diskussionen und Spekulationen deutlich stärker anfachen.

Ausblick

RBC BlueBay Asset Management halte das Risiko vorerst auf moderatem Niveau. Die Märkte schienen sich seitwärts zu bewegen. Das verdecke jedoch die darunter liegende teilweise extreme Volatilität. Es wäre keine große Überraschung, wenn es in den nächsten Wochen zu einer etwas längeren Phase der Risikoaversion käme, bevor sich die Aktienmärkte auf einer solideren Basis bewegen würden, von der aus sie wieder Aufwärtsmomentum aufbauen könnten. Daher würde RBC BlueBay Asset Management eher weiter abwarten und seine Positionen in Schwächephasen ausbauen. Bei Unternehmensanleihen gebe es aus Sicht von RBC BlueBay Asset Management keinerlei Druck zum Kauf, da in den kommenden Monaten ein reichliches Angebot zur Verfügung stehen werde.

Um noch einmal auf das Thema KI zurückzukommen: Interessant seien Berichte gewesen, wonach Claude bei der Planung und Vorbereitung des US-Überfalls zur Festnahme von Diktator Maduro Anfang dieses Jahres zum Einsatz gekommen sei. Wäre es nicht schön, wenn man mit Claude ein Friedensabkommen ausarbeiten könnte, auf das sich Russland und die Ukraine endlich einigen könnten? Aber leider sei der Frieden im Donbass so schwer zu erreichen wie eh und je.

Darüber hinaus gebe es auch Bedenken, wie KI in den kommenden Jahren Schaden anrichten könnte. Denn diese Technologie, wie alle Technologien, könne sowohl für gute als auch für schlechte Zwecke eingesetzt werden. In seinem Artikel der "Black Seas of Infinity" stelle Amodei Überlegungen über einige der indirekten Auswirkungen an, die sich daraus ergeben würden, dass die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen eines ganzen Jahrhunderts in einem einzigen Jahrzehnt stattfinden würden - eine nicht gerade erbauliche Lektüre.

Es sei auffällig, dass einige der großen KI-Denker unserer Zeit ein Bild zeichnen würden, in dem wir uns auf einem nihilistischen Weg in eine dystopische Zukunft befinden würden, in der die Menschheit jeglichen Sinn verloren habe. Aber solche Untergangsprophezeiungen seien aus Sicht von RBC BlueBay Asset Management sicherlich übertrieben. Diese Ideen würden wahrscheinlich eher die Denkweise von Technikfreaks widerspiegeln, die zu viel Zeit hinter ihren Bildschirmen und in der Welt der Fantasie und Science-Fiction verbringen würden, anstatt in der realen Welt.

Trotzdem sei es keine Lösung, bei KI eine Pause einzulegen. Wir müssten lernen, Veränderungen anzunehmen und uns daran anzupassen, und glücklicherweise seien Menschen sehr gut darin. Aus Sicht der Finanzmärkte gebe es jedoch eine klare Erkenntnis: Die Stimmung in Bezug auf KI sei im Jahr 2025 allgemein optimistisch gewesen. In der aktuellen Lage seien die Dinge viel differenzierter und schwieriger. (20.02.2026/ac/a/m)








 
 
Aktien des Tages



Werte im Artikel
2,70 plus
+42,11%
Aktien des Tages

RSS Feeds




Bitte warten...