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2026: Positive Gedanken erlaubt




05.01.26 09:36
Dolphinvest Capital

Frankfurt a.M. (www.aktiencheck.de) - Die Jahresausblicke 2026 sind sich generell einig: Sie vertrauen auf eine weitere Stimulierung der Weltwirtschaft durch monetäre wie fiskalische Anreize, so Dolphinvest Capital.

So starte im Januar Trumps "big beautiful bill"-Gesetz, welches US-amerikanische Bürger und Unternehmen um hunderte Milliarden US-Dollar Steuern entlaste. "Allerdings geht dies alles zulasten des finanziell bereits maximal gedehnten Staatshaushaltes", warne Thomas Böckelmann, Leiter Portfoliomanagement bei Dolphinvest Capital. Zwar werde dieser durch die Zolleinnahmen etwas entlastet, die verzögert eintretende Bremswirkung der Zölle dürfte aber im Verlauf an anderer Stelle belasten.

"Fiskalische Anreize werden auch in ganz Europa, in China und in Japan erwartet und das zu einer Zeit, in der die globale Wachstumslokomotive eigentlich stotterfrei läuft", so der Experte. Wirtschaftshistoriker würden darauf verweisen, dass es derartig hohe Konjunkturpakete in der Geschichte lediglich bei schweren Rezessionen oder nach Kriegen gegeben habe. Im normalen Umfeld seien diese eher ungewöhnlich, sie seien aber auch Ausdruck des unbedingten Gestaltungswillens und Eingreifens von Politik in ökonomische Abläufe.

Neben den fiskalischen Maßnahmen würden weitere Zinssenkungen erwartet, die die Weltkonjunktur auch 2026 tragen sollte. Doch Böckelmann sei skeptisch: "Dabei wird ausgeblendet, dass im Zustand einer gesunden, zumindest widerstandskräftigen Wirtschaft zusätzliche Impulse für Risiken sorgen - ein erneutes Aufflackern der Inflation einerseits, die Bildung von Vermögenspreisblasen andererseits." Zu den größten Konjunkturrisiken würden daher neben geopolitischen Verwerfungen vor allem Enttäuschungen an der Zinsfront und Zweifel um die Rentabilität überbordender KI-Investitionen gehören.

USA: Resilienz versus Unsicherheiten

Donald Trump habe in den ersten Monaten seiner Amtszeit viel erreicht. Das Effizienzsteigerungsprogramm in der öffentlichen Verwaltung trage erste Früchte, die Welt akzeptiere 15%-Zölle als moderat bis normal. "Wir erleben ein historisches Ausmaß an Re-Nationalisierung und Protektionismus, das jeder belastbaren ökonomischen Theorie widerspricht", so der Fondsmanager. Abgesehen von der sehr resilienten US-Wirtschaft, habe das annualisierte Wachstum im 3. Quartal 2025 deutlich über 4% gelegen - die Wirtschaft laufe unter Volldampf über dem langjährigen Trendwachstum. Das ökonomische Experiment werde begünstigt durch den schwachen US-Dollar und die Zinssenkungen der Notenbanken, viele Handelspartner würden sich unter dem Druck der Trump-Regierung eher US-freundlich ausrichten. Dennoch würden laut Böckelmann Unsicherheiten und Fragen bleiben: "Zum einen, wer letztendlich die Zollzeche zahlen wird. Bislang scheinen viele ausländische Unternehmen die Zölle zulasten ihrer Gewinnmargen zu tragen. Das könnte sich ändern und den US-Konsumenten unter Druck setzen. Der US-Konsument, der fast 70% zur US-Wirtschaftsleistung beiträgt erscheint ohnehin verunsichert, das gemessene US-Konsumentenvertrauen ist trotz der beeindruckenden Wirtschaftsstärke auf einem 5-Jahres-Tief." Einige Volkswirte würden die Entwicklung einer Schere befürchten, bei der die Wirtschaft vor allem durch politische Programme und KI-Investitionen wachse, Arbeitsmarkt und Konsument hingegen nicht profitieren würden.

Gleichzeitig steige das Inflationsrisiko. Protokolle der US-Notenbank FED würden eine in diesem Ausmaß nie dagewesene Auseinandersetzung zwischen Befürwortern weiterer Zinssenkungen und Inflationsskeptikern offenbaren. Auch wegen der historisch hohen Schulden steige der politische Druck Trumps und seiner Regierung - auch persönlich und juristisch - auf die Ratsmitglieder, die Zinspolitik allein nach den Interessen der Regierung zu gestalten. "Das wäre das Ende der Unabhängigkeit der US-Notenbank und könnte zu einem tiefgreifenden Vertrauensverlust in die USA und seine Kapitalmärkte führen", befürchte der Experte.

Auch stehe zu Jahresbeginn noch die Entscheidung des US-Supreme Court aus, ob die auf Basis von Notstandsverordnungen verhängte Zollpolitik überhaupt verfassungskonform sei. "Falls es zu einem ‚Nein‘ kommt, darf aber erwartet werden, dass sich der US-Präsident unter Drohungen darüber hinwegsetzen wird", sage Böckelmann.

Europa: Bürokratischer Würgegriff?

Für Europa seien die meisten Volkswirte positiv gestimmt. Der Experte dazu: "Vor allem werden die deutschen Infrastruktur- und Verteidigungsprogramme positiv erwähnt, gleichzeitig die seitens der Regierung vorgetragene Reformunfähigkeit ignoriert." Auch Frankreich habe zwingend erforderliche Reformen zeitlich hinter die Präsidentschaftswahl 2027 geschoben, um aktuell halbwegs handlungsfähig zu bleiben. Böckelmann weiter: "Die EU hält ihre Mitgliedsstaaten im bürokratischen Würgegriff, der Innovationen lähmt und Wohlstand nachhaltig gefährdet." Angesichts des Wettkampfes der Führungsnationen USA und China läge insbesondere im europäischen Binnenmarkt eine Riesenchance. Zum einen um sich unabhängiger zu machen, zum anderen um als einheitlicher Markt an politischer Macht zu gewinnen.

Die gedanklichen Vorarbeiten seien in den letzten Jahren von Enrico Letta und Mario Draghi geleistet worden, die marktwirtschaftsfreundlichen Konzepte lägen allesamt auf dem Tisch. Der Fondsmanager befürchte, dass die Lage in Europa offenbar noch schlechter werden müsse, bevor tatsächlich politische Umsetzungsimpulse gesetzt würden: "Bis dahin darf man hoffen, die reale Wirtschaft zeigt sich aber zurecht enttäuscht."

China: Staatskapitalismus bleibe Erfolgsmodell

Über die letzten Jahre habe China seine Dominanz vor allem im Rohstoffsektor ausgebaut. Ohne Seltene Erden, deren Lieferketten zu 90% in chinesischer Hand lägen, sei kein technologischer Fortschritt möglich. Andererseits sei China von der Zuführung vor allem US-amerikanischer Technologie im Halbleiterbereich abhängig. "Die Beziehung darf als wechselseitige Abhängigkeit beschrieben werden", so Böckelmann. Dennoch würden beide Nationen am De-Coupling arbeiten, welches dramatische Auswirkung auch auf die Lieferketten in Drittregionen wie Europa habe.

Trotz technologischer Defizite habe es China geschafft, mit dem DeepSeek-Algorithmus die US-amerikanischen KI-Schwergewichte zu beeindrucken. Der Kampf um die Vorherrschaft dürfte trotz aktueller Vorteile für die USA noch nicht entschieden sein. Gleichzeitig präsentiere sich China - anders als die USA - international als verlässlicher Handelspartner. Der Experte: "Hier ist die Frage, ob man diese gewonnene Position durch zum Beispiel eine Eskalation gegenüber Taiwan gefährden will."

Böckelmann sei für China optimistisch: "Der Staatskapitalismus Chinas, getragen durch 5-Jahres-Pläne der Kommunistischen Partei, bleibt vorerst ein Erfolgsmodell, weil die machtorientierte Wirtschafts- und Industriepolitik visionär getrieben ist und zuletzt der eigenen Wirtschaft wieder mehr Freiräume gewährt." (05.01.2026/ac/a/m)







 
 
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