Eine Wahlnacht, 2,3 Billionen Dollar Börsenwert an einem Tag weg und 107 Prozentpunkte zwischen Sieger und Verlierer: Was die US-Wahl für den KI-Boom bedeutet und für Ihr Depot
Washington zieht den Stecker. Eine Wahlnacht, 2,3 Billionen Dollar Börsenwert an einem Tag weg und 107 Prozentpunkte zwischen Sieger und Verlierer: Was die US-Wahl für den KI-Boom bedeutet und für Ihr Depot
Drei Jahre lang galt an der Börse eine einfache Regel: Wer an der künstlichen Intelligenz mitverdienen will, kauft die Firmen, die die Rechenzentren ausrüsten – Chips, Speicher, Netzwerke, Stromtechnik. In dieser Woche ist diese Regel gebrochen. Nicht durch einen schwachen Quartalsbericht, nicht durch einen Zinsschock, sondern durch eine Wahl. Seit der Nacht zum Mittwoch hat der KI-Boom einen Gegner, mit dem kaum jemand gerechnet hatte: die Politik. Das Ergebnis ist eine Börsenwoche, wie es sie nur alle paar Jahre gibt. Ein schwarzer Donnerstag mit dem schwächsten Tag im NASDAQ100 seit dem Corona-Crash. Speicheraktien, die binnen fünf Tagen fast ein Drittel ihres Wertes verlieren. Und mittendrin eine Aktie, die um mehr als 71 Prozent steigt. Diese Titelgeschichte erzählt, was passiert ist, warum es passiert ist – und welche zehn Aktien von der neuen Lage profitieren könnten und welchen zehn sie besonders schaden könnte.

Redaktion, aktiencheck.de · 8. November 2026
Die Nacht, in der sich die Machtverhältnisse verschoben
Am Dienstag, dem 3. November, wählten die Amerikaner ihren Kongress neu. Dass die Demokraten zulegen würden, hatten viele erwartet. Wie deutlich, nicht: Die Partei eroberte beide Kammern – klarer, als es die Märkte eingepreist hatten. Für sich genommen wäre das eine politische Nachricht gewesen. Zur Börsennachricht wurde es durch das, was auf den unteren Ebenen geschah.
In Bundesstaaten, die als Herzkammer des Rechenzentrums-Booms gelten, gewannen Demokraten die Gouverneursposten. In Texas forderte die neu gewählte Gouverneurin umgehend einen Baustopp für Rechenzentren. In Georgia siegte eine Kandidatin, die mit genau solchen Forderungen in den Wahlkampf gezogen war. Und im Kongress liegt seit Monaten ein Gesetzentwurf, der neue KI-Rechenzentren so lange auf Eis legen würde, bis bundesweite Regeln für künstliche Intelligenz und Energiekosten beschlossen sind. Bisher galt dieser Entwurf als chancenlos. Seit Dienstag haben seine Befürworter die Mehrheit im Rücken.
Neu ist das Thema nicht. Der Widerstand gegen die riesigen Rechenzentren wächst in den USA seit Langem – wegen ihres enormen Strombedarfs, steigender Energiepreise für Haushalte, Lärm, Wasserverbrauch und vergleichsweise weniger dauerhafter Arbeitsplätze. New York hatte im Sommer als erster Bundesstaat ein Moratorium für sogenannte Hyperscale-Rechenzentren verhängt, selbst republikanisch regierte Kommunen haben bereits Baustopps beschlossen. Neu ist, dass dieser Widerstand jetzt Macht hat.
48 Stunden Ruhe – dann der schwarze Donnerstag
Das Merkwürdigste an dieser Woche ist der Mittwoch. Die Wahlergebnisse lagen auf dem Tisch, und die Börse stieg. Der NASDAQ100 legte 0,91 Prozent zu, der DAX markierte am Donnerstagmorgen mit 26.692 Punkten sogar ein neues Rekordhoch. Es war die Ruhe, bevor die Rechnung kam.
Am Donnerstag, dem 5. November, rechneten die großen Investoren durch, was die neue Lage für die Bewertungen bedeutet. Das Ergebnis: Der NASDAQ100 verlor 6,36 Prozent und fiel auf 26.629,81 Punkte. An einem einzigen Handelstag lösten sich rund 2,3 Billionen US-Dollar an Börsenwert auf. Der Halbleiterindex SOX brach um mehr als 12 Prozent ein, der schlechteste Tag seit März 2020. Der S&P 500 fiel um 4,36 Prozent, der schwächste Tag seit April 2025. Im S&P 500 standen 430 Verlierern nur 73 Gewinner gegenüber. Das Angstbarometer VIX sprang um rund 70 Prozent. Der NASDAQ100 lag damit mehr als zehn Prozent unter seinem Hoch vom Oktober – offiziell eine Korrektur.
In der Nacht schwappte die Welle nach Asien, der Nikkei 225 verlor 5,7 Prozent. Am Freitag erreichte sie Frankfurt: Der DAX, der 24 Stunden zuvor noch auf Rekordkurs war, büßte zeitweise mehr als 1.000 Punkte ein und schloss 1,92 Prozent tiefer bei 25.820,36 Punkten. An der Wall Street kam es zwar zu einer Gegenbewegung, der NASDAQ100 erholte sich um 1,35 Prozent. Doch unter dem Strich steht für den S&P 500 ein Wochenminus von rund 2,7 Prozent bei rund 7.377 Punkten, für den Nasdaq Composite ein Minus von 3,4 Prozent – die vierte Verlustwoche in Folge.
Die Goldrausch-Regel ist gebrochen
Um zu verstehen, warum ausgerechnet diese Aktien so tief fielen, hilft ein altes Bild. Im Goldrausch, so heißt es, wurden nicht die Goldsucher reich, sondern die Händler, die ihnen Schaufeln verkauften. Genau nach diesem Muster wurde der KI-Boom an der Börse gespielt. Wer nicht wusste, welches KI-Modell am Ende gewinnt, kaufte die Schaufelverkäufer: Nvidia für die Chips, Sandisk, Seagate und Western Digital für den Speicher, Lumentum und Marvell für die Datenleitungen aus Licht, Arista für die Netzwerke, Super Micro für die Server, Caterpillar und Siemens Energy für den Strom.
Diese Wette funktionierte spektakulär. Sandisk hat seinen Kurs in zwölf Monaten rund vervierfacht, Western Digital auf Fünfjahressicht mehr als versechsfacht. Doch die Wette hat eine Voraussetzung: dass weiter gegraben wird, und zwar ungebremst. Seit Dienstag ist genau das nicht mehr sicher. Wenn Rechenzentren später genehmigt, kleiner gebaut oder gar gestoppt werden, trifft es zuerst die, deren Geschäft am Bau hängt. Die Schaufelverkäufer sind plötzlich nicht mehr die sicherste Wette im Goldrausch, sondern die verwundbarste.
Und das Geld, das aus diesen Aktien floh, suchte sich neue Ziele: Unternehmen, die mit Werbung, Zahlungsverkehr, Haustieren, Landwirtschaft, Reisen und Videospielen verdienen. Unternehmen, die keine Baugenehmigung für ein Rechenzentrum brauchen. Auf Sektorebene ist das Bild eindeutig: Technologiewerte verloren im S&P 500 auf Wochensicht gut acht Prozent, Kommunikationsdienste legten fast fünf Prozent zu.
107 Prozentpunkte: Die Woche in zwei Aktien
Keine Zahl erzählt diese Woche besser als die Differenz zwischen dem besten und dem schlechtesten Wert im S&P 500 und im NASDAQ100. Oben steht AppLovin mit einem Plus von 71,21 Prozent. Unten steht Lumentum mit einem Minus von 35,94 Prozent. Dazwischen liegen 107 Prozentpunkte.
AppLovin verdient sein Geld mit Algorithmen, die Werbung für Apps und Onlinehändler ausspielen – Software, keine Betonhallen. Am Mittwochabend legte der Konzern Zahlen vor, die selbst Optimisten überraschten: 55 Prozent Umsatzwachstum, 66 Cent Nettogewinn von jedem Umsatzdollar. Am Crash-Donnerstag, als um die Aktie herum der Markt zusammenbrach, stieg sie um 31 Prozent. Es war der perfekte KI-Profiteur ohne Baustopp-Risiko.
Lumentum dagegen stellt Laser und optische Bauteile her, über die Daten in den Rechenzentren mit Lichtgeschwindigkeit fließen. Ausgerechnet am Montag dieser Woche wurde die Firma zum Übernahmeziel – und genau das wurde zur Falle. Wie das passieren konnte, ist die vielleicht lehrreichste Geschichte der Woche. Sie folgt weiter unten.
Der zweite Schlag: Ein Arbeitsmarkt, der zu stark ist
Als hätte die Politik nicht gereicht, kam am Freitag ein zweiter Belastungsfaktor dazu – ausgerechnet in Form einer guten Nachricht. Die US-Wirtschaft schuf im Oktober 165.000 neue Stellen. Erwartet worden waren je nach Umfrage nur 59.000 bis 65.000. Die Arbeitslosenquote sank auf 4,1 Prozent, die Stundenlöhne stiegen stärker als erwartet.
Für die Konjunktur ist das erfreulich, für die Börse ein Problem. Ein so robuster Arbeitsmarkt gibt der US-Notenbank keinen Grund, ihren Kampf gegen die Inflation zu lockern. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group stieg die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember auf rund 79 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zog auf rund 4,86 Prozent an. Höhere Zinsen treffen vor allem hoch bewertete Wachstumsaktien, weil deren Gewinne weit in der Zukunft liegen. Für den KI-Komplex bedeutet das: Zur politischen Risikoprämie kommt eine Zinsprämie.
Einen Lichtblick lieferte der Ölmarkt. Der Ölpreis fiel auf Wochensicht um rund 13 Prozent, weil Hoffnungen auf ein schnelleres Ende des Iran-Kriegs aufkeimten. Davon profitierten Fluggesellschaften, Reiseanbieter und alle, deren Kosten an Energie hängen – ein weiterer Grund, warum Airbnb und Booking zu den Gewinnern der Woche gehörten.
Ist der KI-Boom vorbei? Die ehrliche Antwort
Es wäre verführerisch, nach dieser Woche das Ende des KI-Booms auszurufen. Es wäre aber unseriös. Drei Fakten sprechen gegen eine voreilige Schlussfolgerung. Erstens ist bislang kein einziges Gesetz beschlossen. Die neuen Mehrheiten im Kongress gelten erst ab Januar, und zwischen einer Wahlkampfforderung und einem verabschiedeten Gesetz liegt in Washington ein weiter Weg. Zweitens investieren die großen Cloud-Konzerne weiter Hunderte Milliarden Dollar. Arista Networks hat noch zu Wochenbeginn einen Ausblick auf 2027 vorgelegt, der rund 13 Prozent über den Erwartungen der Analysten lag. Drittens hat sich an den Fundamentaldaten der meisten abgestürzten Unternehmen in dieser Woche nichts verändert. Lumentum meldete am Montag sogar glänzende Zahlen.
Was sich verändert hat, ist die Annahme, wie lange und wie ungebremst der Ausbau weiterläuft. Der Markt preist eine neue Risikoprämie ein: das politische Risiko. Und dieses Risiko trifft diejenigen am härtesten, die am meisten Zukunft in ihren Kursen tragen. Ob aus der Korrektur ein Trendbruch wird, hängt an Fragen, die heute niemand beantworten kann: Wie konkret werden die Pläne der Demokraten? Wie reagieren die Cloud-Konzerne? Und wie viel Gegenwind kann ein Boom vertragen, der bisher fast nur Rückenwind kannte?
Und Frankfurt? Vom Rekordhoch in den Ausverkauf
Der deutsche Aktienmarkt galt lange als weit weg vom Silicon Valley. Diese Woche hat gezeigt, wie eng die Verbindungen inzwischen sind. Siemens Energy, einer der großen Profiteure des Strombedarfs von Rechenzentren, war in den Tagen vor Freitag kräftig abverkauft worden. SAP verlor am Freitag 2,33 Prozent, weil die Wachstumsstory stark auf Cloud und KI beruht. Hochtief stürzte am Donnerstag nach Rekordzahlen zeitweise um bis zu neun Prozent ab – rund ein Viertel des Auftragsbestands entfällt auf Rechenzentren, gebaut vor allem von der US-Tochter Turner. Erst Übernahmegerüchte um den spanischen Großaktionär ACS drehten die Aktie am Freitag ins Plus.
Die heftigste deutsche Geschichte der Woche hat dagegen mit der US-Wahl nichts zu tun: Rheinmetall verlor 21,03 Prozent auf 813 Euro, nachdem der Rüstungskonzern seine Umsatzprognose zum zweiten Mal binnen drei Monaten senken musste, weil sich der Boxer-Großauftrag der Bundeswehr ins Jahr 2027 verschiebt. Sie zeigt, dass Anleger in diesem Herbst bei jeder Wachstumsgeschichte genauer hinschauen – ob sie nun KI, Rüstung oder Infrastruktur heißt.
Die 10 möglichen Profiteure: Aktien, die keine Baugenehmigung brauchen
Die folgenden zehn Unternehmen haben eines gemeinsam: Ihr Geschäft hängt nicht oder nur am Rande am Bau von KI-Rechenzentren. Einige von ihnen haben in dieser Woche bereits kräftig zugelegt, andere stehen eher für die defensive Seite des Marktes. Wichtig ist: Wer in dieser Woche gestiegen ist, hat einen Teil der guten Nachricht bereits im Kurs. Und jedes dieser Unternehmen hat eigene Risiken, die wir jeweils benennen.
1. AppLovin – der KI-Gewinner ohne Beton AppLovin Corporation (ISIN: US03831W1080, Symbol: APP) – 391,22 US-Dollar, +71,21 Prozent auf Wochensicht
Wenn diese Woche einen Star hatte, dann AppLovin. Der Werbetechnologie-Spezialist kletterte von rund 228 auf 391,22 Dollar und gewann damit gut 50 Milliarden Dollar an Börsenwert hinzu. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 55 Prozent auf 2,185 Milliarden Dollar, der Nettogewinn um 72 Prozent auf 1,44 Milliarden Dollar. Die bereinigte EBITDA-Marge liegt bei 84 Prozent – ein Wert, den selbst die profitabelsten Softwarekonzerne der Welt nicht erreichen. Für das vierte Quartal stellt AppLovin 2,365 bis 2,395 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, das Rückkaufprogramm wurde auf 3,6 Milliarden Dollar aufgestockt.
Warum AppLovin profitieren könnte: AppLovin nutzt KI, um Werbung effizienter zu machen, und verdient daran direkt – ohne selbst in riesige Rechenzentren investieren zu müssen. In einem Markt, der KI-Profiteure ohne Baustopp-Risiko sucht, passt das Geschäftsmodell genau ins Bild.
Was dagegen spricht: Die Aktie hatte seit Jahresbeginn fast die Hälfte ihres Wertes verloren, ein Teil des Sprungs war das Eindecken von Leerverkäufern. Nach einem Plus von 71 Prozent in fünf Tagen ist viel Optimismus eingepreist. Auf Zwölfmonatssicht steht trotz der Rally noch ein Minus von rund 37 Prozent – ein Hinweis darauf, wie stark die Aktie schwankt.
2. IDEXX Laboratories – Hund und Katze statt Rechenzentrum IDEXX Laboratories, Inc. (ISIN: US45168D1046, Symbol: IDXX) – 676,04 US-Dollar, +22,65 Prozent auf Wochensicht
IDEXX entwickelt Diagnosegeräte und Labortests für Tierärzte. Kein Rechenzentrum, keine Chipfabrik, keine politische Angriffsfläche. Am Montag legte das Unternehmen Zahlen vor, die Aktie sprang noch am selben Tag um rund 20 Prozent. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 1,214 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie um 18 Prozent auf 4,01 Dollar. Das neue Analysegerät inVue Dx wurde mehr als 1.900-mal platziert, die installierte Basis nähert sich 11.000 Geräten. Die Jahresprognose wurde angehoben: Umsatz 4,741 bis 4,767 Milliarden Dollar, Gewinn je Aktie 14,96 bis 15,16 Dollar.
Warum IDEXX profitieren könnte: Menschen geben immer mehr Geld für die Gesundheit ihrer Haustiere aus – ein Trend, der weder an Zinsen noch an Wahlen hängt. Jedes platzierte Gerät zieht über Jahre Verbrauchsmaterial und Testumsätze nach sich. Das macht das Geschäft gut planbar.
Was dagegen spricht: Nach einem Monatsplus von gut 31 Prozent ist die Aktie nicht mehr günstig. Gerät die Konsumlaune der US-Haushalte ins Stocken, könnten auch Tierarztbesuche seltener werden.
3. Airbnb – die Reiselust schlägt die Krisenangst Airbnb, Inc. (ISIN: US0090661010, Symbol: ABNB) – 189,99 US-Dollar, +15,57 Prozent auf Wochensicht
Während die Börse am Donnerstagabend noch die Trümmer des Tech-Crashs sortierte, legte Airbnb seine Zahlen vor. Am Freitag schoss die Aktie um 11,67 Prozent nach oben. Im dritten Quartal, dem wichtigsten des Jahres, verdiente Airbnb 3,16 Dollar je Aktie, erwartet waren rund 2,85 Dollar. Der Umsatz stieg um fast 19 Prozent auf 4,87 Milliarden Dollar, die Wachstumsprognose für das Gesamtjahr wurde erneut angehoben. Bemerkenswert ist die Beschleunigung: Ende 2025 wuchs Airbnb noch mit rund zehn Prozent, jetzt fast doppelt so schnell.
Warum Airbnb profitieren könnte: Das Geschäft hängt an Reisenden, nicht an Rechenzentren. KI nutzt Airbnb vor allem, um Kosten im Kundenservice zu senken. Ein sinkender Ölpreis macht Reisen günstiger, ein starker Arbeitsmarkt stützt die Nachfrage.
Was dagegen spricht: Auf Zwölfmonatssicht hat die Aktie bereits mehr als 57 Prozent zugelegt. Reisen ist einer der ersten Posten, an denen Verbraucher sparen, wenn steigende Zinsen die Kaufkraft drücken.
4. Take-Two Interactive – der GTA-Countdown läuft Take-Two Interactive Software, Inc. (ISIN: US8740541094, Symbol: TTWO) – 214,87 US-Dollar, +12,99 Prozent auf Wochensicht
Take-Two hat in dieser Woche keine einzige Unternehmensnachricht veröffentlicht – und stieg trotzdem um fast 13 Prozent. Die Erklärung: Am 19. November erscheint „Grand Theft Auto VI“, mehr als zwölf Jahre nach dem Vorgänger, der sich mehr als 220 Millionen Mal verkauft hat. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2027 erwartet Take-Two Net Bookings von 8,0 bis 8,2 Milliarden Dollar, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr.
Warum Take-Two profitieren könnte: Der Erfolg hängt an Spielern, nicht an Baugenehmigungen. Mit dem näher rückenden Starttermin wächst der Druck auf Investoren, die noch nicht dabei sind. Seit Jahresbeginn hatte die Aktie mehr als 20 Prozent verloren, der Ausgangspunkt war also niedrig.
Was dagegen spricht: Schon am Montag, 9. November, legt Take-Two Quartalszahlen vor. Jede Andeutung einer weiteren Verschiebung würde die Aktie hart treffen. Und nach dem Start gilt die alte Börsenweisheit: Gekauft wird das Gerücht, verkauft die Nachricht.
5. Fiserv – der beste Tag seit über 22 Jahren
Fiserv, Inc. (ISIN: US3377381088, Symbol: FISV) – +25,71 Prozent auf Wochensicht
Fiserv, einer der weltgrößten Anbieter von Zahlungs- und Banktechnologie, war 2026 tief gefallen. Anfang Oktober markierte die Aktie bei gut 44 Dollar ein 52-Wochen-Tief. Am Dienstag legte der Konzern Zahlen vor, die auf den ersten Blick wenig glänzten: Der bereinigte Umsatz sank um ein Prozent. Doch der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 1,75 Dollar über den Erwartungen, das Sparziel wurde auf eine Milliarde Dollar verdoppelt, Aktienrückkäufe von 500 Millionen Dollar sind allein im vierten Quartal geplant. Die Aktie stieg am Dienstag um rund 12,5 Prozent – der stärkste Tagesgewinn seit April 2004.
Warum Fiserv profitieren könnte: Ein Zahlungsdienstleister braucht keine Baugenehmigung. Die Bewertung war mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund zehn tief gefallen, die Rotation in Finanzwerte spielt dem Konzern in die Karten. Das Management sieht die Talsohle beim Umsatz durchschritten.
Was dagegen spricht: Organisch stagniert das Geschäft noch, eine Anlegerklage läuft, und eine Firmenwertabschreibung von 6,45 Milliarden Dollar zeigt, wie viel Wert zuvor verloren ging. Die Wende muss sich in den kommenden Quartalen erst bestätigen.
6. Booking Holdings – solide Reisebilanz, üppige Rückkäufe Booking Holdings Inc. (ISIN: US09857L1089, Symbol: BKNG) – 160,665 US-Dollar, +8,46 Prozent auf Wochensicht
Der Konzern hinter Booking.com, Priceline, Kayak und OpenTable legte am Dienstagabend seine Zahlen vor. Die Zahl der gebuchten Übernachtungen stieg um sieben Prozent, das Bruttobuchungsvolumen um zehn Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte um 17 Prozent und übertraf die Erwartungen. Im dritten Quartal flossen 2,1 Milliarden Dollar in eigene Aktien, weitere 12,4 Milliarden Dollar sind genehmigt. Die bereinigte EBITDA-Marge blieb stabil bei 47 Prozent.
Warum Booking profitieren könnte: Wie Airbnb verdient Booking an Reisenden, nicht an Rechenzentren. Die Kombination aus robuster Nachfrage, Kostendisziplin und hohen Rückkäufen spricht Anleger an, die in unsicheren Zeiten verlässliche Gewinne suchen.
Was dagegen spricht: Der ausgewiesene Umsatz lag leicht unter dem Vorjahr, und am Freitag gab die Aktie 4,77 Prozent ab – Anleger schichteten offenbar in Airbnb um. Auf Zwölfmonatssicht steht noch ein Minus von rund 18 Prozent.
7. Mosaic – Verlust gemeldet und trotzdem gefeiert The Mosaic Company (ISIN: US61945C1036, Symbol: MOS) – rund 22,4 US-Dollar, +21,59 Prozent auf Wochensicht
Die erstaunlichste Geschichte unter den Gewinnern schreibt der Düngemittelriese aus Florida. Mosaic meldete für das dritte Quartal einen Nettoverlust von 72 Millionen Dollar – und die Aktie stieg am Mittwoch um rund 17 Prozent, am Crash-Donnerstag um weitere 3,3 Prozent. Der Grund: Der Markt schaut nach vorn. Für das vierte Quartal hat Mosaic Schwefel zu 615 Dollar je Tonne eingekauft, weit unter den früheren Spitzenwerten von über 1.000 Dollar. Der Finanzchef nennt das vierte Quartal ausdrücklich den Tiefpunkt. Die weltweite Kalinachfrage steuert auf einen Rekord von rund 76 Millionen Tonnen zu, China drosselt seine Phosphatexporte drastisch.
Warum Mosaic profitieren könnte: Dünger wird gebraucht, egal wer in Washington regiert. Sinkende Energie- und Rohstoffkosten würden die Margen direkt verbessern, die Investitionen werden deutlich gesenkt.
Was dagegen spricht: Noch schreibt Mosaic Verluste, und die Erholung hängt stark an Rohstoffpreisen, die schnell drehen können. Der Ölpreis-Rückgang dieser Woche kann sich bei einer neuen Eskalation im Nahen Osten ebenso schnell umkehren.
8. Johnson & Johnson – der sichere Hafen mit frischer Zulassung Johnson & Johnson (ISIN: US4781601046, Symbol: JNJ) – 276,22 US-Dollar, +1,43 Prozent am Freitag
Am Freitag gehörte Johnson & Johnson zu den Gewinnern im Dow Jones – und lieferte als einer der wenigen eine echte Unternehmensnachricht. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Rybrevant Faspro, eine unter die Haut gespritzte Variante des Krebsmedikaments Amivantamab, zur Behandlung von fortgeschrittenem Kopf-Hals-Krebs zugelassen. Laut J&J ist es die erste Therapie mit doppeltem Wirkmechanismus für diese Indikation. Die Aktie nähert sich damit ihrem 52-Wochen-Hoch von rund 282 Dollar.
Warum J&J profitieren könnte: Gesundheitswerte gelten als wenig konjunktur- und zinssensibel und haben mit dem Rechenzentrumsbau nichts zu tun. In Phasen, in denen Anleger aus Wachstumsaktien fliehen, sind solche Werte typische Zufluchtsorte. Die Zulassung stärkt eines der wichtigsten Wachstumsprodukte im Krebs-Portfolio.
Was dagegen spricht: Defensive Werte steigen in Panikphasen, verlieren aber oft, sobald das Geld in die gefallenen Wachstumswerte zurückfließt. Zudem kann ein von Demokraten dominierter Kongress auch die Debatte um Arzneimittelpreise neu beleben.
9. Uber – die Cash-Maschine mit Robotaxi-Fragezeichen Uber Technologies, Inc. (ISIN: US90353T1007, Symbol: UBER) – über 71 US-Dollar nach den Quartalszahlen am 4. November
Ende Oktober markierte die Uber-Aktie bei 65,78 Dollar ein 52-Wochen-Tief. Mit den Zahlen am Mittwoch drehte die Stimmung: Die Bruttobuchungen stiegen zum fünften Mal in Folge um rund 20 Prozent auf 59,8 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie um 35 Prozent. Der freie Cashflow erreichte in zwölf Monaten einen Rekord von 10,4 Milliarden Dollar. 215 Millionen Menschen nutzen Uber jeden Monat. Die Aktie stieg im Handelsverlauf um rund 7 bis 8 Prozent.
Warum Uber profitieren könnte: Uber ist eine Plattform für Fahrten, Essen und Lebensmittel und verdient am Konsum, nicht am Bau von Rechenzentren. Das Management hat Aktienrückkäufe angekündigt, der CEO hatte im September selbst Aktien gekauft. Die Bewertung liegt nach eigener Überschlagsrechnung bei einem bereinigten KGV von unter 20.
Was dagegen spricht: Die Gewinnprognose für das vierte Quartal liegt unter den Erwartungen, im Fahrdienst fehlen Fahrer. Die größte Unbekannte bleibt das autonome Fahren: Waymo und Tesla bauen eigene Robotaxi-Dienste auf und könnten Uber Fahrten und Preise abnehmen.
10. Deutsche Telekom – der deutsche Fels in der Brandung Deutsche Telekom AG (ISIN: DE0005557508, WKN: 555750, Symbol: DTE) – +0,98 Prozent am Freitag
An einem Tag, an dem der DAX fast zwei Prozent verlor, gehörte die Deutsche Telekom zu den wenigen Gewinnern. Der Konzern hatte am Donnerstag starke Zahlen vorgelegt: Umsatz plus 7,5 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro, bereinigtes EBITDA AL plus 9,9 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro, beides über den Erwartungen. Die Jahresprognose stieg zum dritten Mal in diesem Jahr, die Dividende für 2026 soll auf 1,10 Euro steigen. Beim Kurs vom Donnerstag entspricht das einer Rendite von rund 4,2 Prozent, das KGV liegt bei rund 12.
Warum die Telekom profitieren könnte: Sie verdient an Millionen Mobilfunk- und Festnetzkunden, vor allem über die US-Tochter T-Mobile US, die rund zwei Drittel des Ergebnisses liefert. Stabile Cashflows, steigende Dividende und laufende Rückkäufe machen die Aktie zu einem klassischen Anker, wenn die Wachstumswerte wackeln.
Was dagegen spricht: Der Aktienrückkauf für 2027 fällt mit bis zu zwei Milliarden Euro kleiner aus als erhofft. Die Netto-Finanzverbindlichkeiten liegen bei rund 134 Milliarden Euro – steigende Anleiherenditen verteuern die Refinanzierung. Und satellitengestützter Mobilfunk von SpaceX sorgte im Oktober bereits für einen Tagesverlust von 8,6 Prozent.
Die 10 Aktien mit dem größten Risiko: Wenn der Ausbau ins Stocken gerät Die folgenden zehn Unternehmen sind direkt oder indirekt vom Bau neuer KI-Rechenzentren abhängig. Viele von ihnen gehören zu den besten Unternehmen ihrer Branche und haben zuletzt Rekordzahlen geliefert. Ihr Problem ist nicht die Gegenwart, sondern die Frage, wie lange der Ausbau im bisherigen Tempo weitergeht. Fällt die Antwort vorsichtiger aus, sind sie zuerst betroffen. Wichtig ist auch hier: Nach den heftigen Kursverlusten ist ein Teil des Risikos bereits eingepreist.
1. Lumentum – wenn die Übernahme zur Falle wird Lumentum Holdings Inc. (ISIN: US55024U1097, Symbol: LITE) – 538,59 US-Dollar, −35,94 Prozent auf Wochensicht
Am Montagmorgen schien für Lumentum-Aktionäre alles perfekt. Marvell Technology kündigte die Übernahme des Laser- und Optikspezialisten an – einer der größten Deals der Halbleitergeschichte mit einem impliziten Unternehmenswert von 115 Milliarden Dollar. Auf Basis der Kurse vor den ersten Gerüchten entsprach das rund 1.132 Dollar je Lumentum-Aktie. Am selben Tag meldete Lumentum 1,26 Milliarden Dollar Quartalsumsatz und eine Prognose von 1,575 bis 1,625 Milliarden Dollar für das laufende Quartal.
Der Haken steckte im Kleingedruckten: Marvell zahlt nicht in bar, sondern ausschließlich in eigenen Aktien – 4,5 Marvell-Aktien je Lumentum-Aktie, zu einem festen Verhältnis. Damit hängt der Wert des Angebots eins zu eins am Marvell-Kurs. Und der brach in dieser Woche um 28 Prozent ein. Beim Freitagsschluss sind 4,5 Marvell-Aktien nur noch rund 635 Dollar wert. Lumentum notiert mit 538,59 Dollar sogar noch rund 15 Prozent darunter, weil der Abschluss erst im ersten Halbjahr 2028 erwartet wird und der Markt ein spürbares Risiko einpreist, dass der Deal scheitert oder sich verzögert.
Warum die Entwicklung besonders schaden könnte: Lumentum ist doppelt verwundbar – über das eigene Geschäft mit Rechenzentren und über den Marvell-Kurs, an den das Übernahmeangebot gekoppelt ist. Kartellbehörden weltweit müssen zustimmen, in einem Umfeld, in dem die gesamte Branche politisch unter Beobachtung steht.
Was dagegen spricht: Das operative Geschäft wächst kräftig, und der Abschlag zum rechnerischen Angebotswert würde sich verringern, falls sich Marvell erholt oder der Deal Fortschritte macht.
2. Marvell Technology – der teure Doppelschlag Marvell Technology, Inc. (ISIN: US5738741041, Symbol: MRVL) – 141,20 US-Dollar, −28,11 Prozent auf Wochensicht
Für Marvell begann die Woche mit einem Schock, den die eigene Führung ausgelöst hatte. Am Tag der Übernahmeankündigung fiel die Aktie um 12,7 Prozent, weil die bisherigen Aktionäre nach Abschluss nur noch rund zwei Drittel des kombinierten Konzerns besitzen werden. Am Donnerstag folgten im Chip-Crash weitere gut 16 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei gut 316 Dollar im Juni ist die Aktie inzwischen mehr als 55 Prozent entfernt.
Warum die Entwicklung besonders schaden könnte: Die Strategie ist eine einzige Wette auf Rechenzentren: Netzwerkchips, maßgeschneiderte KI-Prozessoren und mit Lumentum die optische Technik, um in den Rechenzentren der Zukunft den Wandel von Kupfer zu Licht zu dominieren. Genau diese Rechenzentren stehen seit Dienstag politisch unter Beschuss.
Was dagegen spricht: Strategisch hat der Deal Charme, beide Unternehmen wollen einen Marktchancen-Pool von 550 Milliarden Dollar adressieren. Ende November legt Marvell Zahlen vor und kann dort zeigen, dass die Nachfrage intakt ist.
3. Sandisk – der tiefste Fall nach dem steilsten Aufstieg Sandisk Corporation (ISIN: US80004C2008, Symbol: SNDK) – 835,06 US-Dollar, −27,44 Prozent auf Wochensicht
Kaum eine Aktie verkörpert den KI-Boom so sehr wie Sandisk. In zwölf Monaten hat sich der Kurs rund vervierfacht, ein Plus von rund 302 Prozent. Am Donnerstag brach die Aktie um mehr als 22 Prozent ein und war damit der schwächste Wert im gesamten S&P 500. Auf Monatssicht steht ein Minus von rund 50 Prozent.
Warum die Entwicklung besonders schaden könnte: Jedes große Sprachmodell braucht gigantische Datenmengen, die auf Flash-Speichern liegen. Die Nachfrage aus den Rechenzentren hatte für Lieferengpässe, steigende Preise und Rekordmargen gesorgt. Speicher ist aber ein klassisch zyklisches Geschäft: Wird weniger gebaut, sinken die Preise oft schneller als die Mengen. Wer so hoch bewertet ist, braucht ein Szenario ohne Bremsspuren.
Was dagegen spricht: Am Freitag gelang Sandisk bereits eine Gegenbewegung um 3,55 Prozent. Solange die Cloud-Konzerne weiter investieren, bleibt die Nachfrage hoch.
4. Seagate Technology – die Festplatte unter Druck Seagate Technology Holdings plc (ISIN: IE00BKVD2N49, Symbol: STX) – 460,99 US-Dollar, −28,48 Prozent auf Wochensicht
Seagate verlor in dieser Woche mehr als Marvell und war damit der zweitschwächste Wert im S&P 500. Am Donnerstag ging es um gut 16 Prozent abwärts, am Freitag gab die Aktie noch einmal leicht nach. Auf Monatssicht beträgt das Minus rund 43 Prozent, auf Zwölfmonatssicht steht dagegen noch ein Plus von rund 66 Prozent. Auf Fünfjahressicht hat sich der Kurs fast verfünffacht.
Warum die Entwicklung besonders schaden könnte: Die riesigen Datenmengen der KI-Modelle landen zu einem großen Teil auf Festplatten. Die Kapazitätsplanung der Hersteller basiert auf einem ungebremsten Ausbau. Verzögern sich Projekte, entstehen schnell Überkapazitäten.
Was dagegen spricht: Speicher wird auch jenseits von KI gebraucht. An den Fundamentaldaten hat sich in dieser Woche nichts verändert, verändert hat sich die Annahme über die Dauer des Booms.
5. Western Digital – sechsfach in fünf Jahren, ein Viertel in einer Woche Western Digital Corporation (ISIN: US9581021055, Symbol: WDC) – 263,78 US-Dollar, −27,95 Prozent auf Wochensicht
Western Digital hat sich auf Fünfjahressicht mehr als versechsfacht. In dieser Woche verlor die Aktie fast 28 Prozent, allein am Donnerstag gut 17 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Minus von rund 36 Prozent, auf Zwölfmonatssicht noch ein Plus von rund 61 Prozent.
Warum die Entwicklung besonders schaden könnte: Wie Seagate hängt Western Digital am Speicherbedarf der Rechenzentren. Je höher ein Kurs vorher gelaufen ist, desto mehr Zukunft steckt in der Bewertung – und desto empfindlicher reagiert er, wenn diese Zukunft unsicherer wird. Einzelne Marktbeobachter halten im Sektor weitere Rückschläge von zehn bis zwölf Prozent für möglich, bevor er sich stabilisiert.
Was dagegen spricht: Nach dem Absturz ist ein großer Teil der Bewertungsprämie verschwunden. Bestätigen die Cloud-Konzerne ihre Investitionspläne, könnte sich die Stimmung schnell drehen.
6. Nvidia – der König unter politischer Beobachtung NVIDIA Corporation (ISIN: US67066G1040, WKN: 918422, Symbol: NVDA) – 186,64 US-Dollar am 6. November
Am Donnerstag verlor Nvidia 9,26 Prozent, der schlechteste Tag seit dem DeepSeek-Schock im Januar 2025. Am Freitag stieg die Aktie zeitweise um fast sieben Prozent, schloss aber nur 2,78 Prozent höher – sie holte gut ein Viertel des Vortagesverlusts wieder auf. Zusätzlich kam Druck aus Washington: Drei Ausschussvorsitzende im Repräsentantenhaus forderten Konzernchef Jensen Huang zu einem vertraulichen Gespräch auf. Es geht um seine Kontakte zu einem Manager des Unternehmens Megaspeed, den die Abgeordneten als mutmaßlichen chinesischen Geheimdienstkontakt bezeichnen, sowie um Nvidias Schutz gegen Spionage. Einen Vorwurf des Fehlverhaltens enthält das Schreiben nicht.
Warum die Entwicklung besonders schaden könnte: Nvidia ist der wichtigste Lieferant von KI-Chips der Welt. Jedes Rechenzentrum, das nicht gebaut wird, ist ein Rechenzentrum ohne Nvidia-Chips. Und der Brief aus dem Kongress zeigt, dass der Konzern selbst ins Visier der Politik gerät.
Was dagegen spricht: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 23 auf Basis der vergangenen zwölf Monate ist die Aktie deutlich günstiger bewertet als in früheren Jahren. Mitte November legt Nvidia Quartalszahlen vor – dann muss sich zeigen, ob die Nachfrage die politischen Sorgen überstrahlt. Charttechnisch gilt die Marke von rund 180 Dollar als wichtige Unterstützung.
7. Arista Networks – Rekordausblick, aber abhängig von wenigen Kunden
Arista Networks, Inc. (ISIN: US0404132054, Symbol: ANET)
Ausgerechnet Arista lieferte zu Wochenbeginn den stärksten Beleg dafür, dass der Boom noch läuft. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 58,5 Prozent auf 3,66 Milliarden Dollar, das stärkste Wachstum seit dem Börsengang. Für 2027 stellt Arista rund 18,5 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, davon rund 7 Milliarden aus KI-Netzwerken – gut 2 Milliarden mehr, als die Wall Street erwartet hatte. Die Aktie sprang nachbörslich um 9,63 Prozent auf 186,28 Dollar.
Warum die Entwicklung besonders schaden könnte: Arista baut die Datenautobahnen in den KI-Rechenzentren. Zu den größten Kunden zählen seit Jahren Microsoft und Meta, der Auslandsanteil sank zuletzt auf 18,6 Prozent – das Wachstum kommt also vor allem von den US-Hyperscalern. Kürzt einer von ihnen sein Budget oder verzögern sich Genehmigungen, spürt Arista das unmittelbar. Mit einem KGV von knapp 50 auf Basis der Schätzung für 2026 ist zudem viel Wachstum eingepreist.
Was dagegen spricht: Die Marge liegt bei fast 50 Prozent, die Liquidität bei 14,4 Milliarden Dollar. Kaum ein Unternehmen ist besser aufgestellt, eine Phase langsameren Wachstums zu überstehen.
8. Super Micro Computer – 44 Prozent Umsatz mit einem einzigen Kunden
Super Micro Computer, Inc. (ISIN: US86800U3023, Symbol: SMCI)
Vor einem Jahr setzte Super Micro in einem Quartal rund 5 Milliarden Dollar um. Jetzt sind es fast 20 Milliarden, ein Plus von rund 297 Prozent. Die Jahresprognose stieg auf 72 bis 82 Milliarden Dollar, der Anteil der KI-Lösungen am Umsatz auf 71 Prozent. Die Zahlen vom Dienstag übertrafen die Erwartungen deutlich.
Warum die Entwicklung besonders schaden könnte: Super Micro baut komplette Server-Racks für KI-Rechenzentren – und ist damit fast vollständig vom Ausbau abhängig. Ein einzelner Kunde stand im Quartal für 44 Prozent des Umsatzes. Der freie Cashflow ist weiter negativ, die Vorräte liegen bei 15,1 Milliarden Dollar. Verschiebt ein Großkunde ein Projekt, schlägt das direkt durch. Schon im Quartal stammten rund 2,3 Milliarden Dollar Umsatz aus Lieferungen, die sich wegen fehlender Bereitschaft der Rechenzentren verzögert hatten.
Was dagegen spricht: Die Bewertung ist niedrig. Auf Basis der bisherigen Schätzungen lag das KGV nach den Zahlen bei etwa 7 – ein großer Teil des Risikos ist bereits im Kurs.
9. Caterpillar – der Baumaschinenkonzern, der zum KI-Wert wurde Caterpillar Inc. (ISIN: US1491231015, WKN: 850598, Symbol: CAT) – 558,63 US-Dollar am 6. November
Caterpillar ist das vielleicht überraschendste Opfer des KI-Bebens. Seit den Quartalszahlen am 29. Oktober verlor die Aktie bis Donnerstag mehr als 22 Prozent. Vom Rekordhoch bei rund 1.073 Dollar ist sie fast halbiert. Der Grund liegt in der Sparte für Stromerzeugung: Caterpillar liefert Generatoren und Turbinen, mit denen Rechenzentren ihren gewaltigen Strombedarf decken. Das Management will die Kapazität für Großmotoren bis 2030 im Vergleich zu 2024 fast verdreifachen.
Warum die Entwicklung besonders schaden könnte: Genau diese Expansion setzt einen ungebremsten Ausbau voraus. Werden Rechenzentren später oder kleiner gebaut, stehen Investitionen in neue Kapazitäten im Feuer. Zudem belasten steigende Zinsen das klassische Baumaschinengeschäft.
Was dagegen spricht: Der Umsatz stieg im dritten Quartal um gut 17 Prozent, der Auftragsbestand liegt auf Rekordniveau. Mit einem KGV von rund 21,5 ist die Aktie inzwischen günstiger bewertet als der S&P 500.
10. Siemens Energy – Deutschlands größte Wette auf den Strombedarf der KI Siemens Energy AG (ISIN: DE000ENER6Y0, WKN: ENER6Y, Symbol: ENR) – 118,06 Euro, +4,81 Prozent am Freitag
Siemens Energy gilt als einer der großen Profiteure des Strombedarfs von Rechenzentren – und wurde entsprechend in den Tagen nach der Wahl kräftig abverkauft. Am Freitag setzten Anleger auf eine Gegenbewegung, eine unternehmensspezifische Nachricht war nicht zu erkennen. Rückenwind liefert das laufende Aktienrückkaufprogramm.
Warum die Entwicklung besonders schaden könnte: Ein Teil der Bewertung basiert auf der Erwartung, dass KI-Rechenzentren über Jahre hinweg zusätzliche Kraftwerks- und Netzkapazität brauchen. Gerät dieser Ausbau in den USA ins Stocken, verliert die Investmentgeschichte einen wichtigen Pfeiler.
Was dagegen spricht: Das Geschäft mit Netzen und Kraftwerken reicht weit über Rechenzentren hinaus, und auch in Europa wird massiv in Stromnetze investiert. Am 11. November legt Siemens Energy die Zahlen für das Geschäftsjahr vor. Im Markt wird erwartet, dass das Management dann auch neue Mittelfristziele präsentiert – ein potenzieller Kurstreiber in beide Richtungen.
Was das für Ihr Depot bedeutet: Fünf Fragen, die sich jeder Anleger jetzt stellen sollte
Wie viel KI steckt wirklich in meinem Depot? Auch wer keine einzige Chipaktie besitzt, ist oft stark im KI-Komplex investiert. Breite Welt- und US-Index-ETFs werden von den großen Technologiekonzernen dominiert. Ein Blick in die größten Positionen der eigenen Fonds zeigt, wie hoch der Anteil tatsächlich ist.
Habe ich Aktien gekauft, weil sie gestiegen sind – oder weil ich das Geschäft verstehe? Die Verlierer dieser Woche waren die Lieblinge der vergangenen Monate. Wer eine Aktie nur hält, weil sie lange gestiegen ist, sollte prüfen, ob die ursprüngliche Begründung noch trägt.
Wie verkrafte ich weitere Schwankungen? Der VIX ist um rund 70 Prozent gesprungen. Einzelne Aktien haben in fünf Tagen ein Drittel ihres Wertes verloren. Solche Ausschläge können sich wiederholen – in beide Richtungen. Entscheidend ist, ob das eigene Depot so aufgestellt ist, dass man solche Wochen aushält, ohne in Panik zu handeln.
Jage ich den Gewinnern hinterher? Eine Aktie, die in einer Woche um 71 Prozent steigt, hat einen großen Teil ihrer guten Nachricht bereits im Kurs. Die Gewinner dieser Woche sind nicht automatisch die Gewinner der nächsten.
Welche Termine können die Lage verändern? Politische Risiken entwickeln sich über Monate, nicht über Tage. Wer investiert ist, sollte die nächsten Wochen genau verfolgen – die wichtigsten Termine stehen unten.
Die Termine, die jetzt über den KI-Boom entscheiden
Montag, 9. November: Quartalszahlen von Take-Two Interactive und Hannover Rück. Dienstag, 10. November: US-Verbraucherpreise für Oktober – entscheidend für die Frage, ob die Fed im Dezember die Zinsen erhöht. Mittwoch, 11. November: Jahreszahlen von Siemens Energy, möglicherweise mit neuen Mittelfristzielen. Zudem läuft die Frist für Jensen Huangs Antwort an den US-Kongress ab. Donnerstag, 12. November: Quartalszahlen und Kapitalmarkttag von ACS, der Mehrheitsaktionärin von Hochtief. Mitte November: Quartalszahlen von Nvidia – der wichtigste Stimmungstest für den gesamten KI-Sektor. Mittwoch, 18. November: vorgeschlagener Termin für das Gespräch zwischen Jensen Huang und den Kongressabgeordneten. Donnerstag, 19. November: Start von „Grand Theft Auto VI“. Ende November: Quartalszahlen von Marvell Technology sowie Kapitalmarkttag von Rheinmetall am 26. und 27. November. Laufend: Konkretisierung der Pläne der Demokraten für Rechenzentren und Aussagen der Cloud-Konzerne zu ihren Investitionen für 2027.
Die 10 möglichen Profiteure auf einen Blick
AppLovin (ISIN: US03831W1080) – 391,22 US-Dollar, +71,21 Prozent auf Wochensicht. Werbe-Software mit 84 Prozent EBITDA-Marge.
IDEXX Laboratories (ISIN: US45168D1046) – 676,04 US-Dollar, +22,65 Prozent. Tierdiagnostik, Prognose angehoben.
Airbnb (ISIN: US0090661010) – 189,99 US-Dollar, +15,57 Prozent. Wachstum beschleunigt auf fast 19 Prozent.
Take-Two Interactive (ISIN: US8740541094) – 214,87 US-Dollar, +12,99 Prozent. GTA VI am 19. November.
Fiserv (ISIN: US3377381088) – +25,71 Prozent. Sparziel verdoppelt, Rückkäufe wieder aufgenommen.
Booking Holdings (ISIN: US09857L1089) – 160,665 US-Dollar, +8,46 Prozent. Bruttobuchungen +10 Prozent.
Mosaic (ISIN: US61945C1036) – rund 22,4 US-Dollar, +21,59 Prozent. Tiefpunkt beim Ergebnis laut Management im vierten Quartal.
Johnson & Johnson (ISIN: US4781601046) – 276,22 US-Dollar. Neue FDA-Zulassung im Krebsbereich.
Uber Technologies (ISIN: US90353T1007) – über 71 US-Dollar nach den Zahlen. Freier Cashflow 10,4 Milliarden Dollar.
Deutsche Telekom (ISIN: DE0005557508) – Dividende 1,10 Euro geplant, KGV rund 12.
Die 10 Aktien mit dem größten Risiko auf einen Blick
Lumentum (ISIN: US55024U1097) – 538,59 US-Dollar, −35,94 Prozent auf Wochensicht. Übernahmeangebot in Marvell-Aktien.
Marvell Technology (ISIN: US5738741041) – 141,20 US-Dollar, −28,11 Prozent. Mehr als 55 Prozent unter dem Hoch.
Sandisk (ISIN: US80004C2008) – 835,06 US-Dollar, −27,44 Prozent. Am Donnerstag schwächster Wert im S&P 500.
Seagate Technology (ISIN: IE00BKVD2N49) – 460,99 US-Dollar, −28,48 Prozent.
Western Digital (ISIN: US9581021055) – 263,78 US-Dollar, −27,95 Prozent.
Nvidia (ISIN: US67066G1040) – 186,64 US-Dollar. Donnerstag −9,26 Prozent, Brief aus dem Kongress.
Arista Networks (ISIN: US0404132054) – Rekordausblick, hohe Abhängigkeit von US-Hyperscalern.
Super Micro Computer (ISIN: US86800U3023) – 44 Prozent des Umsatzes mit einem Kunden.
Caterpillar (ISIN: US1491231015) – 558,63 US-Dollar. Seit 29. Oktober mehr als 22 Prozent verloren.
Siemens Energy (ISIN: DE000ENER6Y0) – 118,06 Euro. Jahreszahlen am 11. November.
Häufige Fragen zum KI-Crash nach der US-Wahl
Warum sind KI-Aktien nach der US-Wahl so stark gefallen? Die Demokraten haben bei den Zwischenwahlen am 3. November 2026 beide Kammern des Kongresses gewonnen. In wichtigen Standorten für Rechenzentren setzten sich Politiker durch, die strengere Auflagen oder einen Baustopp für neue KI-Rechenzentren fordern. Anleger fürchten, dass der Ausbau langsamer wird. Am 5. November verlor der NASDAQ100 deshalb 6,36 Prozent.
Wie viel Börsenwert ging beim KI-Crash verloren? Allein im NASDAQ100 lösten sich am 5. November rund 2,3 Billionen US-Dollar an Börsenwert auf. Der Halbleiterindex SOX brach um mehr als 12 Prozent ein, das Angstbarometer VIX stieg um rund 70 Prozent.
Ist der KI-Boom jetzt vorbei? Das lässt sich derzeit nicht sagen. Bislang ist kein Gesetz beschlossen, und die großen Cloud-Konzerne investieren weiter. Der Markt preist aber ein neues politisches Risiko ein, das vor allem Hardware-Zulieferer der Rechenzentren trifft.
Welche Aktien waren die größten Gewinner und Verlierer der Woche? Im S&P 500 und im NASDAQ100 war AppLovin mit +71,21 Prozent der stärkste Wert, Lumentum mit −35,94 Prozent der schwächste. Dahinter folgten Seagate, Marvell, Western Digital und Sandisk mit Verlusten zwischen 27 und 29 Prozent.
Wie hat sich der DAX in dieser Woche entwickelt? Der DAX markierte am Donnerstag mit 26.692 Punkten ein Rekordhoch, verlor am Freitag zeitweise mehr als 1.000 Punkte und schloss bei 25.820,36 Punkten. Damit gab er sein gesamtes Wochenplus ab.
Welche Termine sind als Nächstes wichtig? Die US-Verbraucherpreise am 10. November, die Jahreszahlen von Siemens Energy am 11. November, die Nvidia-Zahlen Mitte November und die Marvell-Zahlen Ende November.
Fazit: Die Börse unterscheidet wieder
Diese Woche dürfte als die Woche in Erinnerung bleiben, in der die Politik den KI-Boom einholte. Drei Jahre lang reichte es, irgendetwas mit KI zu kaufen. Seit Dienstag reicht es nicht mehr. Die Börse fragt plötzlich wieder, womit ein Unternehmen sein Geld verdient – und wie abhängig es davon ist, dass in Texas, Georgia oder Virginia weiter Rechenzentren genehmigt werden.
Die Gewinner der Woche zeigen, wohin das Geld fließt, wenn die Angst umgeht: zu Geschäftsmodellen, die man versteht, die von niedrigen Erwartungen starten und die keine Baugenehmigung brauchen. Die Verlierer zeigen die bittere Wahrheit jeder Euphorie: Wer die höchsten Erwartungen trägt, fällt am tiefsten, sobald eine einzige Annahme ins Wanken gerät. Ob Washington den Stecker wirklich zieht oder nur daran rüttelt, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Sicher ist nur: Die Zeiten, in denen jede KI-Aktie automatisch stieg, sind vorbei. Für Anleger ist das unbequem. Für alle, die genau hinschauen, macht es die Börse so spannend wie lange nicht.
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Redaktion, aktiencheck.de
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