Analysen
anleihenneutralMarkt & Wirtschaft

USA: Der NAHB-Index leidet unter den hohen Zinsen

Die Stimmung punktet operativ mit starken Zahlen, doch am Markt überwiegt zunächst die Skepsis.

Die Stimmung am US-Immobilienmarkt präsentiert sich auch weiterhin unfreundlich, so die NORD LB.

Das NAHB-Bauklima habe sich im Berichtsmonat Oktober sogar auf nur noch 29 Punkte abgeschwächt. Die amerikanische Bauwirtschaft blicke damit äußerst skeptisch auf die aktuelle Marktsituation.

Ein zentrales Problem liege eindeutig auf der Nachfrageseite. Die Unterkomponente "Prospective Buyers Traffic", die das Interesse potenzieller Immobilienkäufer erfasse, notiere inzwischen bei einem ausgesprochen schwachen Wert von lediglich 18 Punkten. Kaufinteressenten seien damit weiterhin Mangelware.

Die Ursache hierfür liege vor allem in der ungünstigen Kombination aus anhaltend hohen Immobilienpreisen und erneut steigenden Zinsen. Die Finanzierung eines Eigenheimkaufs falle potenziellen Interessenten zunehmend schwer, weshalb viele Haushalte von entsprechenden Transaktionen Abstand nähmen.

Das schwierige Marktumfeld erschwere die Geschäftstätigkeit der amerikanischen Immobilienwirtschaft erheblich. Bereits 65% der von der schwachen Nachfrage betroffenen Unternehmen griffen auf aktive Verkaufsförderungsmaßnahmen zurück, um dennoch Käufer zu gewinnen. Ein wesentliches Instrument seien dabei Preisnachlässe. Nach Angaben des NAHB liege der durchschnittlich gewährte Rabatt inzwischen seit sieben Monaten konstant bei 6%.

Weitere Leitzinsanhebungen durch das Federal Open Market Committee (FOMC) würden die bestehenden Probleme zusätzlich verschärfen. Die amerikanischen Notenbanker befänden sich damit in einer äußerst schwierigen Situation. Die jüngsten Produzentenpreisdaten deuteten auf weiterhin erhöhte Inflationsrisiken hin, weshalb eine erneute Anhebung der Fed Funds Target Rate keineswegs ausgeschlossen sei.

Gleichzeitig litten zahlreiche zinssensitive Wirtschaftsbereiche bereits erheblich unter dem Renditeanstieg der vergangenen Monate. Weitere Zinserhöhungen würden diese Belastungen nochmals verstärken. Innerhalb der US-Notenbank dürfte es deshalb zu kontroversen Diskussionen über den künftigen geldpolitischen Kurs kommen. Immerhin ließen sich die jüngsten Äußerungen verschiedener FED-Vertreter möglicherweise bereits als etwas weniger restriktiv beziehungsweise weniger "hawkish" interpretieren.

Fazit:

Die aktuellen Zahlen zum NAHB-Bauklima verdeutlichten eine weitere spürbare Eintrübung der Stimmung am amerikanischen Immobilienmarkt. Der wichtige nordamerikanische Frühindikator sei im Oktober auf lediglich 29 Punkte gefallen. Das zentrale Problem bleibe die schwache Nachfrage. Die Kombination aus weiterhin hohen Immobilienpreisen und steigenden Finanzierungskosten schrecke potenzielle Käufer zunehmend ab. Für die US-Notenbank verschärfe sich damit das geldpolitische Dilemma: Während anhaltende Inflationsrisiken für eine weiterhin restriktive Geldpolitik sprächen, würden zusätzliche Zinserhöhungen die ohnehin angeschlagenen zinssensitiven Wirtschaftsbereiche weiter belasten. Die jüngsten Immobilienmarktdaten dürften die Entscheidungsfindung der FED daher keineswegs erleichtern.

War dieser Artikel hilfreich?

Die Inhalte auf AktienCheck.de dienen ausschließlich der Information und stellen keine individuelle Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Wertpapiergeschäfte sind mit Risiken bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden.