Kontron liefert ein Zahlenwerk, das auf den ersten Blick enttäuscht und auf den zweiten Blick Fragen aufwirft. Der Umsatz schrumpft, das berichtete operative Ergebnis leidet, der Überschuss halbiert sich. Die Aktie fiel am Donnerstag zeitweise auf 18,60 Euro, den tiefsten Stand seit Ende März, und war größter Verlierer im SDax.
Kontron Aktie: Zahlen unter Erwartungen
Chipengpässe verzögern Lieferungen; Kontron hält dennoch an den Jahreszielen fest und meldet einen höheren bereinigten operativen Gewinn.

Chipkrise bremst Auslieferungen
Der Umsatz der ersten neun Monate sank um knapp zwei Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, bereinigt um verkaufte Geschäftsteile. Im dritten Quartal fiel das Minus nach Berechnungen von Marktbeobachtern deutlich kräftiger aus. Als Hauptgrund nennt das Unternehmen die Speicherchipkrise. Produkte im Wert von 68,6 Millionen Euro konnten nicht ausgeliefert werden und sollen überwiegend im vierten Quartal zu den Kunden gehen.
Das bereinigte Ebitda stieg dagegen um knapp acht Prozent auf 151 Millionen Euro. Der Überschuss sackte wegen der Sonderkosten für den Personalabbau auf 52,7 Millionen Euro ab, weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts.
Greentec-Umbau abgeschlossen
Positiv wertet das Management den Abschluss der Restrukturierung bei der Umwelttechnik-Tochter Greentec. Das Programm umfasste den Abbau von 500 Stellen.
Die jährlichen Einsparungen von mehr als 30 Millionen Euro sollen ab 2027 voll greifen. Hinzu kommen Synergien mit dem Großaktionär Ennoconn, der nach seinem Pflichtangebot gut 48 Prozent hält. Zusammen erwartet Kontron daraus in den kommenden Jahren zusätzliche 70 Millionen Euro Ergebnis pro Jahr.
Der Auftragsbestand liegt bei fast 2,75 Milliarden Euro. Für 2026 bestätigt der Vorstand die Ziele: rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz und ein bereinigtes Ebitda von etwa 225 Millionen Euro vor Restrukturierungskosten. Nach den Einmalkosten steht ein berichtetes Ebitda von rund 200 Millionen Euro im Raum.
Jefferies sieht Risiken
Jefferies-Analyst Martin Comtesse sprach von einem weiteren enttäuschenden Quartal. Das Ziel von 200 Millionen Euro berichtetem Ebitda wirke ambitioniert. Aus dem VW-Auftrag stehe keine nennenswerte Entschädigung für ausgebliebene Wallbox-Mengen in Aussicht.
Das Management sieht laut Comtesse die Notwendigkeit einer Wertberichtigung von 25 Millionen Euro auf den ursprünglichen VW-Vertrag, einen Zeitpunkt dafür gibt es noch nicht. Das Rating "Buy" behielt Jefferies dennoch bei.
Ein Händler lobte die gute Profitabilität und die starken Auftragsbücher, bemängelte aber die schwache Barmittelumwandlung.
Vorstandsmitglied Hannes Niederhauser kaufte am Donnerstag 4.000 Aktien zu 19,01 Euro, ein Volumen von rund 76.000 Euro. Das Signal dürfte den Kurs kaum stützen: Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste auf gut 17 Prozent. Die Analysten-Kursziele zwischen 26 und 28 Euro liegen weit über dem aktuellen Niveau. Ob die Auslieferungen im vierten Quartal die Lücke schließen, entscheidet über das Erreichen der Jahresziele.
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