Der deutliche Wahlsieg der Demokraten schürt Erwartungen an eine stärkere Regulierung von KI und den Bau von Rechenzentren, so Michael R. Klawitter, Chefvolkswirt und Portfoliomanager des Abaki Fixed Income Convexity, ICM InvestmentBank AG.
Hyperscaler-Anleihen: Angebotswelle rollt auch nach dem "Blue Sweep" der Demokraten weiter
Kommentar zu den Auswirkungen des anhaltend hohen Finanzierungsbedarfs der US-Hyperscaler auf den Anleihemarkt von Michael R. Klawitter, Chefvolkswirt und Portfoliomanager des Abaki Fixed Income Convexity, ICM Investmentbank AG

Dass es nun jedoch zu einem echten politischen Richtungswechsel in der US-KI-Politik komme, erscheine eher unwahrscheinlich. Die Hyperscaler dürften daher zunächst an ihren Investitionsplänen festhalten. Nach Vorlage der Quartalsberichte rolle bereits die nächste Welle ihrer Anleiheemissionen an. Allein in diesem Jahr würden sich die Bruttoemissionen von Alphabet, Amazon, Apple, Meta, NVIDIA und Oracle bislang auf etwa 350 Milliarden US-Dollar belaufen, verglichen mit 110 Milliarden US-Dollar im Gesamtjahr 2025.
Damit würden 2026 bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen, exklusive Financials, bislang rund 20 Prozent aller Neuemissionen in US-Dollar und Euro auf diese Konzerne entfallen, gegenüber etwa 7 Prozent im Vorjahr. Gemessen an den Neuemissionen von US-Treasuries würden die Emissionen der US-Hyperscaler bislang knapp 9 Prozent erreichen, nach rund 2 Prozent im Vorjahr. Aufgrund der deutlich längeren Duration der Hyperscaler-Emissionen im Vergleich zu US-Treasuries falle ihr Anteil im Laufzeitsegment jenseits von zehn Jahren allerdings erheblich höher aus und entspreche 2026 bislang rund 30 Prozent der Treasury-Neuemissionen in diesem Segment.
Entsprechend stark würden Hyperscaler zum Durationsangebot beitragen und würden damit den Aufwärtsdruck auf die Realrenditen im hinteren Kurvenbereich verstärken. Dies begrenze auch in den kommenden Monaten das Potenzial von Renditerückgängen in diesem Laufzeitsegment und spreche gegen eine flachere Kurve. Die US-Technologiekonzerne hätten sich angesichts dieser Emissionsdynamik innerhalb der vergangenen zwei Jahre zu einer eigenständigen Emittentengruppe im Investment-Grade-Segment entwickelt, für die die am Gesamtmarkt etablierten Zusammenhänge zwischen Kreditrating und Spreads nur eingeschränkt gelten würden.
Die vergleichsweise hohen Spreads trotz starker Ratings dürften dabei zu einem wesentlichen Teil eine technische Angebotsprämie widerspiegeln und weniger Ausdruck höherer Ausfallrisiken sein - mit Ausnahme von Oracle. Denn angesichts hoher Liquiditätsreserven, einer bislang geringen Ausgangsverschuldung und der Möglichkeit, Investitionsprogramme bei Bedarf anzupassen, würden insbesondere die hoch gerateten Emittenten - Microsoft, Amazon, Meta und NVIDIA - über erhebliche Puffer verfügen, um eine nachhaltige Verschlechterung ihrer fundamentalen Kreditqualität zu vermeiden.
Der massive Ausbau der KI-Infrastruktur erhöhe allerdings dauerhaft die Kapitalintensität der Geschäftsmodelle der Hyperscaler. Ihr Finanzierungsbedarf dürfte daher im Hinblick auf die kommenden Jahre weiter steigen und zusätzliche Mittel vom Anleihemarkt erfordern. Auch bei unveränderter Kreditqualität lasse sich ein solches zusätzliches Angebot nur zu höheren Spreads platzieren. Die Erwartung eines strukturell steigenden Finanzierungsbedarfs fließe somit bereits heute in die Bewertung der ausstehenden Anleihen ein.
Die Spread-Ausweitung bei Hyperscalern sei weniger Ausdruck einer strukturellen Verschlechterung der Kreditqualität als vielmehr ein Spiegel der begrenzten Absorptionsfähigkeit des Marktes angesichts stark steigender Emissionsvolumen.
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